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Auf DVD: Die unbequeme Wahrheit über unsere Ozeane

Der Krieg gegen die Fische

Dass das Meer zwar unerschöpflich erscheint, aber es nicht wirklich ist, und dass Fischstäbchen im Grunde nicht „aus der Fabrik“, sondern aus dem Ozean stammen, sollte jedem denkenden Menschen eigentlich inzwischen bewusst sein. Der industrielle Fischfang begann etwa um das Jahr 1950 herum – in nur wenigen Jahrzehnten haben wir es also geschafft, den Ozean zu zerstören.

Die Doku zeigt diese Geschichte auf und führt auch vor Augen, wie unwirtschaftlich die Fischerei im Grunde ist – Stichwort Beifang (Delfine, Wale, Schildkröten, Haie, „falsche“ Fische), der tot zurück ins Meer gekippt wird. Der Mensch führt mithilfe der Technik quasi Krieg gegen die
Fische. Um die unglaublichen Dimensionen vor Augen zu führen: In die Öffnung eines großen Schleppnetzes – mit dem der Meeresboden und die darauf lebenden Tiere aufgerissen, zerstört und vernarbt zurückgelassen werden – passen bequem 13 Jumbo-Jets.

Interessant auch die bizarren EU-Vereinbarungen betreffs Fangquoten. Die von Wissenschaftlern empfohlene maximale Fangmenge beträgt beispielsweise in einer Saison 15.000 Tonnen Thunfisch, die Politiker verständigen sich aber auf rund 30.000 Tonnen, und gierig gefangen und abgeschlachtet werden dann 61.000 Tonnen – rund ein Drittel der Population und damit viermal so viel, wie von den Wissenschaftlern zwingend empfohlen. Folgen für die industrielle Fischerei gibt es dabei keine, teilweise geschieht dies sogar mit Duldung europäischer Staaten.

Dabei ist es im Grunde doch eine ganz einfache Rechnung: Fischt man die Meere leer, gibt es keinen Fisch, und das Ökosystem bricht zusammen. Jeder Bauer weiß, dass er sein Feld – will er es auch noch in den nächsten Jahren bestellen – nicht ausbeuten und den Boden massiv auslaugen sollte. Aber dennoch wird gefischt, als gäbe es kein Morgen.

Fazit: Ein beeindruckender, lehrreicher, stellenweise Gänsehaut erzeugender Dokumentarfilm mit teilweise sehr schönen Aufnahmen. Bei der kritischen Darstellung und Aufdeckung der Zusammenhänge und der Zukunft der Weltmeere bemühen sich die Filmemacher, auch die menschlichen Schicksale nicht aus dem Auge zu verlieren. Dennoch bleibt einem beim Anblick der Kriegsführung das potentielle Stück Sushi im Halse stecken und man will spontan Vegetarier werden. 

 

Rupert Murray
Die unbequeme Wahrheit über unsere Ozeane
Sunfilm, 2010
86 Minuten, 16,99 Euro

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