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Auf DVD: Food Fight

Industrialisierung der Ernährung

Der Schwerpunkt des Films liegt darauf, das Bewusstsein für gutes Essen aus regionalen und saisonalen Produkten wieder zu schärfen. Die These: Essen ist eine gemeinsame Sprache, mit der man die Welt verändern kann, man muss sich nur bewusst damit auseinandersetzen und sein Recht auf gutes Essen einfordern.

Direkt am Anfang des Films konstatiert der Sprecher: „Ist das Heraussuchen der Besten aus einem Stapel geschmacksfreier Tomaten wirklich eine Wahl? Oder wurde die schon vorher für uns getroffen?“ Im weiteren Verlauf wird in einem geschichtlichen Rückblick aufgezeigt, wie es in den USA zu einer übergewichtigen, dem Junkfood zugeneigten Gesellschaft kommen konnte. In den 1970ern – in dem Versuch der Regulierung von Angebot und Nachfrage – wurde von staatlicher Seite auf die Förderung von Großbetrieben statt kleiner Bauern gesetzt, was sich heute in veränderten Essgewohnheiten, verfetteten Bürgern und minderwertiger Einheitsnahrung niederschlägt.

Sehr interessant auch, dass die Fooddokumentation Einblick in die Geschichte und Entstehung von Fertiggerichten gibt. So erfährt man, dass Fertignahrung ihren Anfang zu Kriegszeiten nahm und später zum Teil deswegen fortgeführt wurde, weil mehr und billiger an Nahrung produziert wurde und die Industrie Wege suchte, diese superbillig zu verarbeiten und gewinnbringend weiterzuverkaufen.

Geschickt per Werbung lanciert, tauschte man so die Freude (und manchmal ja auch Last) des Kochens und Genusses gegen die Bequemlichkeit portionierten und abgepackten Essens ein.

Im Film kommen verschiedene Chefköche, Aktivisten und Wissenschaftler zu Wort – unter ihnen der Jorunalist Michael Pollan, bekannt durch seine Bücher zur Ernährungstheorie, und Alice Waters, die vor einigen Jahrzehnten mit ihrem Restaurant „Chez Panisse“ mittels Verwendung saisonaler und regionaler Bio-Zutaten das Denken und Kochen in Kalifornien revolutionierte.

Die Dokumentation zeichnet ebenfalls nach, wie sich die „Farmer-Märkte“ – wo in den USA alte Sorten und Bioprodukte direkt vom Hersteller und ohne Zwischenhändler gehandelt werden – seit den 1970ern erfreulicherweise immer mehr im ganzen Land ausbreiten und nach und nach immer stärker von den Bürgern angenommen werden.

Fazit: Sehenswerte Doku, die eine gute Ergänzung zu ähnlichen („Food, Inc.“, „Taste the Waste“ oder „Abgefüllt“), in den letzten Jahren auf dem Markt erschienen Filmen bildet, da sie nochmals einen anderen Bereich abdeckt und zusätzlich auch auf geschichtliche Aspekte und die Entwicklung zur heutigen Fastfood-Welt eingeht. Stellenweise versucht die Food-Doku doch ein wenig sehr vereinfachend Rückschlüsse zu ziehen. Sehr spannend allerdings zu erfahren, dass der berüchtigte Monsanto-Konzern gleichzeitig auch der Hersteller des furchtbaren Agent Orange ist, das im Vietnamkrieg eingesetzt wurde.

 

Christopher Taylor
Food Fight
Sunfilm Entertainment, 2012
DVD, 69 Minuten, 9,99 Euro

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