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Auf DVD: Neale Donald Walsch „Zuhause in Gott“

 

Vorneweg sollte ich gestehen, dass ich bislang einen Bogen um die Bücher von Neale Donald Walsch gemacht habe. Dass da einer allen Ernstes behauptet, direkt mit Gott sprechen zu können, kam mir vermessen vor, um nicht zu sagen: größenwahnsinnig; auch der Spielfilm „Gespräche mit Gott“, der bei uns letztes Jahr in die Kinos kam, überzeugte mich nicht: zu glatt, zu süßlich.

Doch zwischenzeitlich ist mir der Mitschnitt eines Vortrags in die Hände gefallen, den Walsch letztes Jahr in Zürich gehalten hat, und seitdem zweifle ich an meinen Zweifeln. Denn Walsch kennt diese Zweifel und er geht geschickt damit um. Zum einen wirtschaftet er mit seiner Biographie, damit, wie alles vor etwa 15 Jahren anfing: wie er nach einem fast tödlichen Motorradunfall seinen Job und seine Wohnung verlor, wie er sich mit einem neuen, offenbar langweiligen Job gerade wieder gefangen hatte, aber unglücklich und unzufrieden war mit seinem Leben, mit seinen 50 Jahren nichts vorzuweisen hatte, wie er mit Gott haderte – und wie Gott nachts um halb fünf über seine rechte Schulter sprach: „Willst du wirklich Antworten auf deine Fragen?“ Zum anderen beglaubigt er sich selbst mit seinem Erfolg: Das erste der inzwischen neun Bücher aus der „Gespräche mit Gott“-Serie stand 137 Wochen lang auf der Bestseller-Liste der „New York Times“, es wurde in 37 Sprachen übersetzt und wird, sagt Walsch, überall auf der Welt verkauft. Macht ihn das zu einem neuen Religionsstifter?

Wenn es so sein sollte, wäre das vielleicht nicht das Schlechteste; es würde jedenfalls die Welt tatsächlich verändern. Denn Walschs Gott ist – im Gegensatz etwa zum christlichen, der auch verurteilt, zürnt und straft – ein durch und durch gütiger Gott. Dieser Gott braucht keine Kirchen, keine Rituale, keine Priester: jeder und jede Einzelne ist nur eine individuelle Verkörperung dieses Gottes, und als die können wir letztlich auch keine Fehler machen, schon gar nicht ’sündigen‘: Was immer wir tun, es sind nur Schritte in der Evolution unserer Seele, unseres Lebens.

Was nun hat Walschs Gott zu sagen in dem neunten Buch der Serie, das das letzte sein soll? Was bedeutet „Zuhause in Gott“ sein?

„Du bist nicht dein Körper“, sagt Walsch: Du hast ihn – wie ein Instrument, einen Werkzeugkasten, „um die Agenda der Seele zu erfüllen“. „Die Seele ist auf einer ewigen Reise“: Der Tod existiert nicht, jedenfalls nicht so, wie wir ihn uns gemeinhin vorstellen. Mit den Fingern malt Walsch eine liegende Acht in die Luft: das sei die Bahn, die die Seele immer und immer wieder beschreibt: die eine Hälfte sei die spirituelle Welt, die andere die physische. Der Punkt, in dem die beiden Linien sich kreuzen, sei der Tod, der in Wahrheit der Moment der „Re-Identifikation“ sei, wenn Körper, Geist und Seele zusammenwachsen zum All-Einen, „eins mit Gott“ werden bzw. sich – vom Spirituellen kommend – in diese Bestandteile zerlegen wie weißes Licht, das durch ein Prisma aufgespaltet wird. Spätestens im Moment des Todes, so Walsch, erkennen wir, dass wir nie getrennt waren von Gott: „You are God made physical“, Du bist Gott in physischer Gestalt – diese Botschaft würde wohl in der Tat „die Welt über Nacht verändern“, wie Walsch behauptet, wenn sie sich denn ausbreiten würde.

[DVD bei Auditorium Netzwerk, Müllheim/Baden. 29,95 €]

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