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Im Kino: Gabrielle. (K)eine ganz normale Liebe

Romeo & Julia mal anders

Passend zum Mai gibt es eine zarte und auch leidenschaftliche Liebesgeschichte der ungewöhnlicheren Art, die gerade bei den 2nd Canadian Screen Awards Anfang März 2014 zwei Preise gewonnen hat.

Der Film nimmt einen ruhigen Einsteig und zeigt Gabrielle bei der Chroprobe, im Schwimmbad, bei ihrer Arbeit in einem Büro, zusammen mit ihrer Schwester und in der betreuten Wohngruppe.

Langsam entspinnt sich die Geschichte: Gabrielle ist geistig behindert, bei den Chorproben für ein Konzert lernt sie den ebenfalls behinderten Martin kennen und lieben. Beide haben das Williams-Beuren-Syndrom. Ihre Mutter erscheint auf den ersten Blick kühl. Sophie verhält sich ihrer Schwester gegenüber näher und mütterlicher als sie. Und in allem entspinnt sich die unverdorbene Liebesgeschichte zwischen der musikalisch begabten und lebensfreudigen Gabrielle und ihrem Martin. Und natürlich schlagen bald Funken und auch Zärtlichkeiten werden ausgetauscht. Zur Besorgnis von Martins fürsorglicher Mutter, die den Kontakt des Paares unterbindet – was zu Trauer und hilfloser Verzweiflung bei Gabrielle und Martin führt. Selbsttäuschungen werden aufgedeckt und es stellt sich die Frage: Wie selbstbestimmt können und dürfen die beiden leben und lieben? Gabrielle kämpft willensstark um ihre Liebe und dagegen an, dass man ihr dieses Recht auf Glück nehmen und sie auf der Gefühlsebene quasi entmündigen will.

Fazit: Unspektakulär und trotz der allgegenwärtigen Musik (immerhin geht es im Plot um einen Chorauftritt) eher ruhige plätschert der Film vor sich hin und nähert sich behutsam der Geschichte. Vor allem Gabrielle Marion-Rivard – die selbst WBS hat – bezaubert mit ihrer schauspielerischen Leistung als Hauptdarstellerin. Der französischsprachige Film mit deutschen Untertiteln zeigt die tiefe Liebe und das Drama, die sich im Alltag von jedem verbergen. Der Wunsch nach Liebe, Nähe, Spaß, Freude, eigenen Kindern, nach einer selbstbestimmten Sexualität und Leben trotz Behinderung ist nachvollziehbar. Schön ist vor allem das Ende – ohne Hollywood-Kitschfaktor, aber auch ohne großes Drama. Eine Prise Happy End, eine große Prise Zukunftsungewissheit. Die Chance auf etwas Verständnis und eben keine perfekte Lösung wie aus einem Märchenfilm.

 

Louise Archambault
Gabrielle. (K)eine ganz normale Liebe
Alamode Film, 2014
Jetzt im Kino

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