Anzeige

Was die Welt nicht sieht

Manchmal reicht auch eine einzige, ‚kleine‘ Frage, um einen reizvollen Film hervorzubringen. Stefan Hillebrand etwa stellt, vor laufender Kamera, immer dieselbe Frage: „Was ist Ihnen, was ist Dir heilig?“ Und aus den klug montierten Antworten entsteht ein offenbar unerschöpfliches Kaleidoskop von Möglichkeiten, sich in die Welt zu stellen. Schon erstaunlich, wie diese scheinbar so einfache Frage es schafft, den Lauf der Dinge zu unterbrechen: Eine plötzliche Lücke entsteht, ein Riss in der gewöhnlichen Welt, der geläufigen Geschäftigkeit. So unterschiedlich die Antworten auch ausfallen: Noch in den ‚oberflächlichen‘, eher abwehrenden Antworten ist das Bemühen herauszuspüren, je für sich einen Bereich des Unverfügbaren zu definieren, einen Bereich, in den man sich von niemandem hineinreden lassen will, in dem man oder frau ganz für sich ist, den man, wenn’s drauf ankäme, mit Klauen und Zähnen verteidigen würde: egal ob das Schuhe sind oder der nächste Döner, die Familie oder gleich das ganze „Ich“. Oskar Negt & Alexander Kluge haben dieses Unverfügbare einst als den „Block wirklichen Lebens“ definiert und prophezeit, dass sich daran all die Zurichter und Zwangsakrobaten letztlich die Zähne ausbeißen werden. „Was die Welt nicht sieht“ stärkt uns in dieser Zuversicht.

[DVD beim Ökumenischen Bildungszentrum sanctclara, www.sanctclara.de, 14,95 €]

Hinterlasse einen öffentlichen Kommentar

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

*