In 21 Lektionen mit Shai Tubali wirst du die Möglichkeit haben zu lernen, deine meditative Präsenz von Grund auf zu entwickeln.

Bisher haben wir vier wichtige Prinzipien über die Denkmaschine gelernt:

1. Die Denkmaschine ist absolut nicht „unsere“. Sie ist weder persönlich noch besonders. Daher gibt es nichts, wofür man sich schämen oder versuchen müsste, es zu korrigieren und zu verbessern. Tatsächlich ist die Denkmaschine nicht verbesserungsfähig; sie ist genau das, was sie ist, also lasse sie einfach in Ruhe.

2. Die Denkmaschine ist eine primitive Funktion des Gehirns. In ihrer primitiven Rolle geht es darum, nach Problemen zu suchen, um dich zu beschützen – was tatsächlich das größte Problem für dich darstellt. Wenn man aufhört, ihr ständig zuzuhören, bemerkt man, dass es hier und jetzt gerade kein Problem gibt.

3. Die Denkmaschine ist der Kontrollfreak in dir. Um sicherzustellen, dass es für dich nie Probleme gibt, versucht sie also immer, jeden derzeitigen und auch zukünftigen Moment, zu kontrollieren. Aber weil sie nicht alles kontrollieren kann, versetzen ihre verzweifelten Versuche dich in einen ständigen Stress.

4. Die Denkmaschine ist nicht wirklich der Verstand. Sie ist nur ein winziger Teil des Geistes, was bedeutet, dass der größte Teil deines Geistes in diesem Moment tatsächlich völlig frei ist. Es geht nur darum, wohin du deine Aufmerksamkeit lenkst. Dieser letzte Satz – dass es nur darum geht, wohin du deine Aufmerksamkeit lenkst – ist ein so wichtiger Punkt, dass wir ihm jetzt einen ganzen Artikel widmen werden.

Es gibt keine mächtigen Gedanken

Manchmal haben wir das Gefühl, dass bestimmte Gedanken die Kontrolle über uns haben. Das bedeutet, dass es sich anfühlt, als wären sie größer als wir und dass wir ihnen gegenüber hilflos oder machtlos sind. Erstens ist es wirklich wichtig, sich daran zu erinnern, dass du nicht dazu bestimmt bist, diese Gedanken zu verändern. Der Versuch, sie zu korrigieren oder zu verbessern, ist wie der Versuch, einen perfekten Weltfrieden zu etablieren: unmöglich. Gedanken sind, was sie sind. Sie gehorchen nicht deinem Willen und du wirst es nur noch schlimmer machen, wenn du versuchst, es besser zu machen. Aber es gibt etwas Tieferes als das. Jeder Gedanke begann ziemlich klein. Um zu wachsen, braucht er Nahrung und Wasser, wie jeder andere Organismus auch. Nun, wer ist der Versorger der Denkmaschine? Wenn ich raten mü, würde ich sagen: du bist es! Und was sind Nahrung und Wasser der Gedanken? Aufgepasst: deine Aufmerksamkeit.

Wann immer du einem Gedanken viel Aufmerksamkeit schenkst, beginnt er stärker, dicker und größer zu werden. Wenn man das 20 oder 30 Jahre lang tut, wird so ein Gedanke zu einem ziemlich massiven Wesen. Der nächste Schritt, den ein Gedanke unternimmt, ist, dass er sich nicht nur von deiner Aufmerksamkeit ernähren will, sondern am liebsten auch dich selbst ganz aufessen will. Wie ein Parasit betrachtet er dich als seinen Wirt, und er will dich ganz und gar für sein eigenes Überleben. Das ist nicht nur eine Metapher. Wenn ihr das Gefühl habt, dass Gedanken so mächtig geworden sind, dass ihr sie nicht mehr eindämmen könnt, denkt daran, dass nur ihr es seid, die sie so mächtig gemacht habt. Kein Gedanke der Welt hat eine eigene Kraft. Sie sind abhängig von ihrem Gastgeber. Wenn du gesund und ausgeglichen bist, bist du kein attraktiver Gastgeber für sie. Da du ihnen keine Aufmerksamkeit schenkst, gehen sie einfach und suchen sich einen anderen Wirt.

Die unglaubliche Kraft der Aufmerksamkeit

Die Denkmaschine kann dich nicht kontrollieren, solange du ihr nicht zuhörst. Das ist eine gute Nachricht. So wie du die Denkmaschine genährt hast, kannst du sie auch verhungern lassen. So wie du ihr Aufmerksamkeit geschenkt hast, kannst du sie ihr auch wieder entziehen. Du hast hierbei die volle Kontrolle und die Wahl liegt ganz bei dir. Wenn du das erkennst, bist du für immer frei. Was wir vergessen haben, ist, dass zwischen dem Moment, in dem ein giftiger Gedanke in der Denkmaschine auftaucht, und dem Moment, in dem er dich in die Finger bekommt, eine kleine Lücke besteht. Weil wir es so gewohnt sind, Sklaven der Denkmaschine zu sein, bemerken wir diese Lücke nicht mehr. Aber in dieser Lücke liegt deine Wahlmöglichkeit, ob du diesem Gedanken nun deine Aufmerksamkeit schenken und dich damit identifizieren willst oder auch nicht.

Ich nenne dies das „Gesetz der Aufmerksamkeit“. Nur wenn du entscheidest, dass dieser Gedanke dir gehört, wird er ein Teil von dir werden. Wenn du den Gedanken nicht als Teil von dir annimmst, kann er dir nichts anhaben. In Abwesenheit deiner Identifizierung damit, ist der Gedanke machtlos und du bist in Kontrolle. Das ist die wahre Bedeutung dessen, der Meister deines Geistes zu sein. Du musst die Denkmaschine nicht kontrollieren. Du musst nur Herr deines Verstandes sein und entscheiden, was du hereinlässt und was du nicht mehr in alle Ewigkeit weiter fütterst.

Hör auf, giftige Gedanken zu nähren

Es gibt viele Gedanken in der Denkmaschine, die wirklich giftig sind. Diese zu meiden, ist genauso klug, wie giftige Lebensmittel zu meiden. Während viele Gedanken in der Denkmaschine einfach dumm und bedeutungslos sind – eher wie ein Zustand des Tagträumens – ist die eigentliche Gefahr, die der wirklich giftigen Gedanken. Lasse mich das im Lichte des „Gesetzes der Aufmerksamkeit“ umformulieren: Die eigentliche Gefahr ist deine Identifikation mit solchen giftigen Gedanken. Die Identifikation mit ihnen macht dich unglücklich, erschöpft und auch körperlich krank. Nehmen wir zum Beispiel den Gedanken: „Ich hasse mich.“ Ich frage mich, ob du diesen Gedanken wohl auch kennst. Dieser Gedanke, so sehr er auch dein eigener Gedanke zu sein scheint, ist nicht deiner. Jeder hat diesen Gedanken in der ein oder anderen Form über seinem Kopf herum schwirren. Und jeder kann wählen, ob er ein Gastgeber dieses Gedankens wird oder ihn ablehnt. Viele entscheiden sich dafür, ihm Aufmerksamkeit zu schenken und so beginnen sie sich vorzustellen, dass sie sich wirklich selbst hassen. Von deiner Aufmerksamkeit gespeist, beginnt dieses Gift nun in deinen Körper einzudringen und dein ganzes Wesen zu verzerren. Denn das Gesetz der Aufmerksamkeit sagt uns, dass, wenn wir auf einen toxischen Gedanken achten, dieser auch eine toxische Realität erschafft.

Außerhalb von sich selbst, hat dieser Gedanke absolut keine reale Bedeutung. Doch du kannst es für dich real werden lassen. Wenn du also denkst: „Ich hasse mich selbst“, dann ist dieser Gedanke dein Gefängnis – und nicht die eigentliche Realität deines Lebens. Sobald du denkst: „Ich hasse mich selbst“, hast du deine Realität mit der Farbe dieses Gedanken durchtränkt, und das wird dich auch anders fühlen lassen – eigentlich schrecklich. Andererseits, wenn du dem Gedanken keine Aufmerksamkeit schenkst, wirst du auch absolut nichts spüren! Letztendlich ist es nicht die Realität, die einen schlecht fühlen lässt. Es ist die Denkmaschine, die einen dazu bringt, sich schlecht zu fühlen. Ohne die Verschmutzung der Denkmaschine ist die (fast jede) Realität durchaus beherrschbar.

Toxische Gedanken aufspüren

Hier ist eine gute Übung: Erstelle eine Liste von toxischen Gedanken, auf die du (vielleicht schon seit vielen Jahren) immer wieder hörst. Nimm dir Zeit und tue dies für mindestens eine halbe Stunde. Es könnte einige Zeit dauern, bis du dich wieder von ihnen distanziert hast und verstehst, dass diese Gedanken nicht du bist. Es mag also sein, dass du einen Prozess benötigst, um zu erkennen, dass dies nur Gedanken sind, und dass sie nur wegen deiner anhaltenden Identifikation ein integraler Bestandteil von dir zu sein scheinen. Dann schau dir jeden dieser Gedanken an und frage dich selbst: Ist dieser Gedanke eine Realität oder erstmal nur ein Gedanke? Muss ich ihm Aufmerksamkeit schenken? Warum? Was passiert in meinem Körper, meinen Emotionen und meinem Verhalten, wenn ich ihm Aufmerksamkeit schenke? Was könnte in meinem Körper, meinen Emotionen und meinem Verhalten passieren, wenn ich aufhöre, ihm Aufmerksamkeit zu schenken? Was passiert, wenn ich mich daran erinnere, dass ich tatsächlich eine Wahl habe und erkenne, dass ich völlig frei bin?

Abgesehen von dieser Liste, versuche bitte, dir all die Momente anzusehen, in denen du dich unglücklich, elend, verwirrt oder frustriert fühlst. Frage dich in solchen Momenten selbst: Welcher Gedanke lässt mich so fühlen? Muss ich ihm Aufmerksamkeit schenken? Kann ich diese Lücke aufspüren, in der ich die Wahl habe? Was passiert, wenn ich meine Aufmerksamkeit von diesem Gedanken abziehe?

Hier geht es zur englischen Version.

Dies ist die fünfte von 21 Lektionen, die wir wöchentlich hier veröffentlichen. Sie dienen dazu, den Verstand still werden zu lassen. Du kannst auch zertifizierter Meditationlehrer werden. Infos unter http://shaitubali.com/de/schule-der-meditation/

Author: Oliver Bartsch

Über den Autor

Avatar of Shai Tubali

Seit dem Jahr 2000 ist er internationaler Referent, Autor und spiritueller Lehrer. Von vielen er als einer der führenden Experten und Innovatoren Europas auf dem Gebiet der Chakren und des feinstofflichen Energiekörpers angesehen. Derzeit mit Sitz in Berlin, bereist er Europa ausgiebig und leitet Seminare und Retreats in Deutschland, der Schweiz, Österreich, den Niederlanden, Kroatien, Spanien und Griechenland. Früher Leiter des Berliner Zentrums ‚Ganzheitlich Chiro-Yoga‘, hat er nun das neue internationale ‚Human Greatness Center‘ gegründet: als Modell einer ganzheitlichen Lebensweise im Lichte der Chakren, das auch die vielen von ihm entwickelten therapeutischen und meditativen Methoden vorstellt. Sein Traum ist es, dieses Wissen über das integrale Leben in alternative Modelle des Schulsystems umzusetzen.

Als vielbeschäftigter Autor seit 1996 hat Shai 23 Bücher in Englisch, Deutsch und Hebräisch veröffentlicht, die nicht nur hoch originelle spirituelle Sachbücher beinhalten, sondern ebenso Prosa, Poesie und bald auch akademische Forschung. Mehrere seiner Bücher erschienen in noch weiteren Sprachen, darunter Chinesisch, Taiwanesisch und Koreanisch. Einige wurden zu Bestsellern und zwei wurden bereits bei Buchwettbewerben ausgezeichnet.

Gleichzeitig ist Shai als begeisterter Doktorand an der University of Leeds in Großbritannien gerade dabei, sich im Rahmen seiner Doktorarbeit mit dem Gebiet der Philosophie der Mystik zu beschäftigen. 2018 experimentierte er auch mit Filmproduktion, also dem Schreiben und Regie führen des Kurzfilms ‚After the Future‘, der auf Dutzenden von Festivals gezeigt wurde, vier Preise gewann und nun von einem US-Verleiher vertreten wird.

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Tel.: 173-184 55 59
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Die Schule der Meditation mit Shai Tubali ist ein acht-monatiger Kurs, der als Reise zu tiefer Selbsttransformation belegt werden kann oder als Zertifizierungsprogramm. Er basiert auf dem Verständnis, dass wahre Meditation keine Technik ist, die wir praktizieren, oder eine Übung zum Entspannen, sondern eine Art der Kunst.

Es ist ein Bewusstseinszustand und eine Art zu leben. In der kommenden Schule mit Shai Tubali wirst du lernen können deine meditativen Fähigkeiten von Grund auf aufzubauen, durch alle sieben Ebenen des Seins, auf tiefe und bereichernde Weise. Du kannst vor Ort in Berlin teilnehmen oder online, vom November 2019 – Juni 2020. Melde dich hier zur Schule der Meditation an: http://shaitubali.com/de/schule-der-meditation/

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Eine Antwort

  1. Michael
    Super Artikel - Bitte mehr davon ....

    Unglaublich interessant die Artikel!! 🙂 Freue mich schon jede Woche darauf! Wann kommt Artikel Nr. 6?

    Antworten

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