Anzeige

Wir alle sind der unendliche Ozean des Seins. Viele Menschen in unserer westlichen Kultur wissen das. Aber warum leben so wenige bewusst aus diesem bedingungslosen Sein?

Die meisten Menschen sind bewusst oder unbewusst mit ihrem Verstand identifiziert. Dies bedeutet, sich selbst über Gedanken, Schlussfolgerungen und Konzepte zu definieren und mit diesen Sichtweisen die Geschichte des „eigenen Lebens“ zu schaffen. Die Vergangenheit wird über das selbst bestimmte Wertesystem gesehen und auf die Zukunft projiziert. Die vorwiegenden Emotionen, die dadurch entstehen, sind Ärger, Zorn, Traurigkeit und Angst im Negativen, Freude, Liebe und Glück im Positiven – alles bedingt durch den eigenen Wertmaßstab.

Wir wollen weder zornig, ärgerlich, traurig oder ängstlich sein und versuchen, diese Emotionen nicht aufkommen zu lassen, indem wir uns selbst und die Umwelt kontrollieren. Daraus können wir sehen, dass wir uns eine Instanz geschaffen haben, die ich „Idealbild“ nenne. Wir kreieren eine Idealform von uns selbst und versuchen, uns danach zu verhalten. Gelingt das nicht, erleben wir die bereits erwähnten Emotionen wie Zorn, Ärger, Angst oder Traurigkeit. Wir ärgern uns über uns selbst oder über andere, weil wir das Idealbild nicht erfüllen oder andere uns scheinbar an der Umsetzung hindern.

Wir entwerfen ein neues Idealbild mit einem bestimmten Verhalten, wie wir beim nächsten Mal reagieren sollen oder müssen, damit die Idealvorstellung gelebt werden kann und Zufriedenheit sich erfüllt. So erschaffen wir eine gedankliche Welt, wie die Dinge, andere Menschen und wir selbst zu sein haben, indem wir genaue Vorstellungen davon als Gedankenbilder manifestieren. Zu guter Letzt unterstützen uns auch noch psychologische und esoterische Systeme, die uns glauben machen, wir könnten unser Leben mit unserem „Ego“ selbst schöpfen. Wir müssen nur ganz klar wissen, was wir wollen, dann diesen Wunsch in ein Bild fassen und mit Energie und dem guten Gefühl, bereits bekommen zu haben, was wir wollen, versehen. Würden wir auf der mentalen Ebene bleiben und eine Schlussfolgerung daraus ziehen, würde es bedeuten, dass die Gedankenkraft die höchste Form von Energie im Universum darstellt. Oder ist es nur eine von vielen Möglichkeiten, das Vergessen unserer wahren Natur zu kompensieren, indem wir uns als Schöpfergott definieren?

Der Ursprung des Seins: ein alles umfassendes Bewusstsein

Der Ursprung des Seins ist das Paradies, die Einheit mit allem, was existiert, ein alles umfassendes Bewusstsein. Die Inkarnation dieses Bewusstseins geschieht in jedem Augenblick als ständiger Prozess der Schöpfung und Evolution. Einer dieser möglichen Inkarnationen des allumfassenden Bewusstseins ist der Mensch.

Hineingeboren in eine Form, den menschlichen Körper, geschieht unbewusst die Identifikation „Ich bin der Körper“. In diesem Moment erleben wir eine gewisse, wenn auch nur scheinbare Getrenntheit vom Ganzen.

Wir halten an der Identifikation mit dem Körper fest und damit an dem Getrennt sein und dessen Folgen in unserem weiteren Leben in der irdischen Welt. Der Schmerz über das Getrennt sein von „Gott“ (allumfassendes Bewusstsein), der uns, wenn wir weiterhin identifiziert bleiben, in unserem Leben ständig begleitet. Der „Ich bin der Körper“ – Gedanke (Ego) schafft sich selbst im Verstand ein mentales, emotionales und energetisches Dasein mit dem Ziel, den Schmerz des Getrenntseins zu überdecken und wert- und sinnvoll zu sein.

Die Trennung vom Ganzen und ihre Folgen

Die grundlegenden Folgen der scheinbaren Getrenntheit und dessen „UR-SCHMERZ“ sind tiefgreifend. Die Identifikation mit dem Körper lässt uns nicht nur vom Universum getrennt erscheinen, sondern auch von allem anderen, vor allem von unseren Mitmenschen. Wir fühlen uns allein und ohne Halt. Wir haben den Eindruck, diese im Moment erlebte Existenz sei leer und völlig wertlos. Zusammengefasst sind die Folgen der Getrenntheit die Entstehung der Polarität, der Verlust des Urvertrauens, ein Gefühl von allein sein und eine tiefgreifende Angst, niemand zu sein. Um all das nicht zu spüren, kompensieren wir und entwickeln das „Verstandes-Ich“ mit bestimmten dynamischen Energiemustern, die sich in verschiedenen Formen kollektiv und individuell gestalten und ausdrücken.

Die Angst, niemand zu sein, bringt eine Charakterstruktur hervor, die beweisen soll, dass diese Existenz sinnvoll und wertvoll ist. Das Ego findet einen bestimmten Gedanken, der als Grundlage des Lebens genommen  und mit aller Macht als Kompensation gelebt wird. Mögliche Gedanken dazu sind; „Ich muss vollkommen sein“, „Ich muss etwas leisten“, „Ich muss alles wissen“, und viele mehr.

Das Ego sucht meist zwanghaft nach Familie, Partnerschaft und Gemeinschaft, um nicht allein zu sein. Die Sicherheit der eigenen Existenz entspringt den gedanklichen Definitionen der Tätigkeiten, Objekte und Personen, die mit Bedeutung versehen werden. Das Verstandes-Ich versieht Dinge, Menschen und Objekte mit den Wörtern „mein“, „mir“ und „mich“, um sich selbst zu definieren. Es verknüpft Personen und Situationen mit sich selbst und entwickelt eine Geschichte, über die der eigene Wert und die Sinnhaftigkeit erschlossen wird.

Die Ausrichtung des Lebens ist auf „Sinnhaftigkeit und Wert“ beschränkt und in weiterer Folge auf „angenehm und unangenehm“. Der Mensch hat sich gespalten. Zuerst von der Einheit, als Folge daraus in Innen und Außen und dann in „ich will“ (angenehm) und „ich will nicht“ (unangenehm).

Unser heutiges Selbstbild

Das reine Bewusstsein ist in völlige Vergessenheit geraten, der Lebenssinn auf Anhäufung von Besitz, Wert und Wissen ausgerichtet und das Leben wird als Kampf erlebt, als täglicher Überlebenskampf. Wertvoll ist der Mensch dann, wenn er aus diesem Kampf als Sieger hervor geht – tagtäglich!

Wir finden in der heutigen Persönlichkeitsstruktur des westlichen Menschen

  1. die nonduale Natur – ICH BIN – Friede, Freiheit, Liebe
  2. die gedanklich erschaffene Natur, der Ich-Gedanke, der aus Existenzangst und dem Schmerz über das Getrenntsein angetrieben wird und
  3. darüber gelegt, das Idealbild, dessen Werte in der Realität nie erreicht werden können. 

Der tägliche Lebenskampf besteht darin, dem gedanklichen eigenen und dem gesellschaftlichen Wertesystem zu entsprechen, seinen persönlichen Wert darzustellen und zu verteidigen (bis hin zum Krieg) und das Gefühl, allein zu sein, zu kompensieren.

Die Folgen dieser Entwicklung sehen und lesen wir in den Medien, über Kriege, Gräueltaten von bestimmtem Machthabern, Morde aus Neid und Gier, Zerstörung der Umwelt bis hin zur Ausrottung bestimmter Tierarten aus Macht- und Habgier.

Die Alternative: Die Identifikation mit dem Ich durchschauen

Die Schriften alter Zeiten, dazu gehören auch die Schriften des Christentums, geben uns Hinweise, wie ein Leben in Ganzheit mit den Mitmenschen, der Umwelt und sich selbst gelebt werden kann. Sie weisen uns darauf hin, dass hinter dem, was wir mit unseren physischen Augen sehen und mit unseren anderen Sinnesorganen wahrnehmen, noch etwas Anderes liegt, etwas Tieferes – Transzendentales. Die Erkenntnis darüber ist wesentlich einfacher, als üblicherweise angenommen wird. Es geht nicht darum, etwas zu erwerben oder zu erreichen, sondern darum, die Identifikation mit einem phänomenalen Ich zu durchschauen, die das einzige Hindernis ist, in Frieden und Freiheit zu leben.
 
Wie wir leben, liegt an uns. Bleiben wir weiter in der Täuschung („ich bin der Körper“) und bereichern uns mit Wert, Image und Besitz oder orientieren wir uns auf das wahre Selbst in uns, um des Friedens willen, individuell und kollektiv. Also, wie wollen Sie leben?

Als ich den tiefen Frieden und die unendliche Stille zum 1. Mal erfahren durfte, schaute ich in die Augen eines Advaita Lehrers. Diese Tiefe des Seins zog „mich“ in die wahre Natur hinein! Nach ein paar Monaten bekam mein Verstand wieder Oberhand, doch etwas hatte sich verändert. Es war, als würde das Selbst (wahre Natur) nach mir rufen. Ein halbes Jahr später blickte ich wieder in die Augen eines Advaita Lehrers. Auf meine Frage, was ich denn tun könnte, um „DA“ zu bleiben, empfahl er mir zu hinterfragen, wer das ist, der dies alles (die Welt) sieht.

Das tat „ich“! Eines Tages geschah die Erkenntnis völlig spontan und zerstörte meine (Verstandes)Welt – „Es existiert nur der unendliche Ozean des Seins….. und tiefer Friede“!!!

Die Quelle des unendlichen Ozeans des Seins ist das ABSOLUTE, das nicht erkannt oder erlebt werden kann. DAS ist der SEHER von allem, was ist, DAS ist jene Wahrheit, die niemals kommt und niemals geht. DAS ist, obwohl völlig undefinierbar, unsere wahre Natur!

Dieser Artikel ist Teil der Themenseite(n):

Über den Autor

Avatar of Aktu E. Kurzbauer

gibt seit über 30 Jahren Seminare im spirituellen Bereich. Seit 14 Jahren, nach dem „Shift“ 2001, sind die Themen seiner Seminare und Retreats fast ausschließlich auf das „bedingungslose Sein“ ausgerichtet, auf das Leben im Jetzt.

Aktu ist Gründer und Veranstalter des „International Satsang Festival“, das 2016 in Wien (10. – 12. Juni) und Köln (25. – 27. November) stattfinden wird.

Aktu hat Anfang Dezember 2015 „JetztSEIN – das Buch“ veröffentlicht, das als Paperback und E-Book erhältlich ist. ISBN – 9-783739-209500

Seminartermine siehe Webseite

cover_vorne

2 Responses

  1. Bernd
    Alles aus Einem

    Für mich fühlt sich dieses „Alles ist eines“ sehr blasiert und abgehoben an. Nicht das ich das verneinen würde, in der Tat ist letztlich alles AUS einem. Aber die „Schwingungsebene“ oder der Ort (materiell/räumlich gesehen) stimmt für mein Empfinden absolut nicht. Hier in der wahrnehmbaren Welt der vom Geist erzeugten Formen ist alles in der polaren Trennung. Alle Formen der unendlichen All-Einheit sind in die Wahrnehmbarkeit projiziert.
    Sie sind real genug, uns ständig zu konfrontieren.

    Wir können sagen das ist alles Täuschung und alles ist gleichwertig und Spiel. Dann bestreiten wir die Evolution und Reifung des Geistigen in uns machen Existenz, Karma und Reinkarnation sinnlos und übersehen, dass Natur etwas anderes lehrt, das eben nichts Überflüssiges existiert und es eine deutliche Evolution hin zu immer höherer Ausformung von Bewußtsein gibt.

    Wenn wir hier in der unendlichen Relativität versuchen das Absolute hinienzuziehen und alles als Eines bezeichnen machen wir meiner Meinung nach einen spirituellen Kurzschluss.
    Dies könnte sich für so manchen Menschen zu einer bösen Sackgasse entwickeln und nicht nur relativ sondern in Bezug auf absolut.
    Der Unterschied entsteht wenn wir nicht sagen: Alles ist Eins, sondern wir erkennen Alles und es wird eins.
    Das ist keine Wortklauberei 😉

    Antworten
  2. Michael
    Von Endlichem und Unendlichem - in Einem.

    Hallo Aktu – ist es nicht faszinierend… je mehr man über das ‚wahre SELBST-Bewusstsein‘ hört, liest und womöglich selber schreibt, umso klarer wird einem, dass das alles nur noch weitere und weitere und immer noch weitere ‚Konzepte‘ sind.

    Aufgestellt von einem illusionären ‚Ich‘, dass auf diese Weise versucht ‚alles und sich selbst in den Griff zu kriegen‘ – vor allem zu krieg-en. Sich selbst ‚endlich begreifen‘ zu wollen, führt immer nur um ein noch Weiteres in die Identifikation mit unserem ‚Spiegel-Bild‘.

    Denn ‚wer‘ formuliert hier? Hält für ‚richtig‘? Beschreibt die ‚Wahrheit‘ in so vielen ‚klugen‘ Worten?

    Ich glaube, die Aufforderung, ’sich kein Bildnis zu machen‘, in Phantasie, Wort, Schrift und Materie gehört eindeutig hierher. Insofern sind auch meine Worte hier absolut nichts-sagend.

    Nur Worte, wie alle Worte es sind: Der Versuch eines er-dachten ‚Ichs‘, etwas zu beschreiben und somit für dieses ‚Ich‘ be-greif-bar zu machen, was immer jenseits aller Beschreibungen sein und bleiben wird.

    Was ist ‚wahr‘ und ’nicht-wahr‘? Beides gleichermaßen illusorische Fragen eines nie still-stehen-wollenden Verstandes, weil STILLE sein absolutes ‚Ende‘ bedeutete… und ihn damit obsolet machte.

    Alles in allem – auch(!) ein ‚interessantes Gedanken-Konzept‘, nicht wahr?

    Für ‚mich‘ nur das schöpferische S p i e l des Lebens mit sich selbst: Unzählbare Fische, die ver-zwei-felt nach dem Wasser ’suchen‘ – in dem sie doch immer schwimmen.

    Vollkommene innere STILLE – bei maximaler äußerer Aktivität, ist – was ‚ich‘ sehe.

    Das ‚Auge‘ des Hurricanes – umwirbelt von seinen eigenen Projektionen.

    Worte. Worte. Worte.

    Alle nur ‚Spiel‘. 🙂

    LG – Michael

    Antworten

Hinterlasse einen öffentlichen Kommentar

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

*