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Die Atomkatastrophe von Fukushima ist aus den Schlagzeilen verschwunden. An der Situation geändert hat sich aber nichts – im Gegenteil.

Fukushima – Aus den Augen, aus dem Sinn

Die Berichterstattung über die größte Atomkatastrophe unserer Zeit suggeriert fast, dass sie vorüber wäre. Für einige Zeit dominierte das Thema die Schlagzeilen, nun ist es größtenteils verschwunden. „Es wird wohl mittlerweile unter Kontrolle sein“, so könnte die Vermutung lauten. Ist es nicht.

Tatsächlich ist die Situation noch immer außer Kontrolle. Die Betreiberfirma mussten mittlerweile ebenso wie die Regierung einsehen, dass sie gegen die vier defekten Reaktoren machtlos sind. Glaubt man unabhängigen Berichterstattern, sind die Verantwortlichen derzeit völlig ratlos, was nun zu tun sei.

Die Öffentlichkeit soll davon freilich so wenig wie irgendmöglich erfahren. Man ist froh, dass die öffentliche Aufmerksamkeit weitergezogen ist. Die Blicke der Kameras sind nun glücklicherweise auf andere Dinge gerichtet, während in Fukushima noch immer ein einsamer Kampf gegen die Strahlung geführt wird.

Die japanischen Behörden haben die wahre Tiefe der Katastrophe vertuscht, weil sie sich selbst und die globale Atomindustrie nicht in Verlegenheit bringen wollen […] Wenn die Japaner jetzt herausfinden, dass der Unfall schlimmer ist, als gedacht, und seit fast zweieinhalb Jahre viele Tonnen radioaktives Wasser in den Pazifik fließen, ist das eine Katastrophe. Tokyo Electric hat keine Ahnung, wie sie diesen Unfall kontrollieren sollen. Das ist absolut erschreckend nach zweieinhalb Jahren. Nun da sie sich eingestanden haben, dass diese Reaktoren außer Kontrolle sind, wissen sie nicht mehr, was sie machen sollen. Dies ist nicht irgendein primitives, rückständiges Land, das ist Japan mit fortschrittlicher Technologie! Das hat sehr schwerwiegende Implikationen für die Atomkraft in der ganzen Welt„, beschreibt Harvey Wasserman in Russia Today.

„Das ist ein apokalyptischer Unfall“

Vier Reaktoren sind beschädigt. 300 Tonnen radioaktiv verseuchtes Wasser fließen jeden Tag (!) in den Pazifischen Ozean, so behaupten Journalisten wie Wasserman. Eine Verseuchung in dieser Größenordnung wäre geschichtlich einmalig, die Folgen nicht abzusehen. Es gibt keine wissenschaftliche Basis, auf Grund derer verlässliche Vorhersagen möglich wären.

„Das ist ein apokalyptischer Unfall. Dies ist etwas, das den gesamten Pazifik kontaminieren könnte. Es ist äußerst ernst. Die Realität ist, dass Tokyo Electric keine Ahnung mehr hat, was los ist und wie sie kontrollieren sollen, was da passiert. Unser gesamter Planet ist hier in Gefahr. Zweieinhalb Jahre nach diesen Explosionen, haben sie noch immer nicht den Hauch einer Ahnung. Es ist erschreckend“, so Wasserman weiter.

Das Gelände des ehemaligen Atomkraftwerks wird nie wieder betretbar sein. Aber es ist nicht bloß ein regionaler Unfall. Die Folgen des Unfalls für die Meere sind völlig unklar. Auch wenn das Wasser an den Stränden rund um Fukushima fast normale Werte zeigt und Tepco öffentlich davon spricht, in 40 Jahren seien die Umweltschäden behoben, glauben andere Stimmen mittlerweile, dass sie vielleicht niemals behoben sein werden. Sollten wirklich seit Jahren 300 Tonnen radioaktiv verseuchtes Wasser in Grundwasser und Pazifik geflossen sein, wird dies über Tausende, vielleicht Hunderttausende Jahre seine Spuren in den sensiblen Ökosystemen des Pazifiks hinterlassen.

Atomkraft ist unkontrollierbar

Verlässliche Informationen scheinen nicht einfach zu bekommen. Tepco wurde wiederholt kritisiert, das wahre Ausmaß der Katastrophe zu verschweigen. Dafür hätten sie allen Grund: Nach dem Unfall wurden diverse Atomkraftwerke in Japan heruntergefahren – ein Super-Gau für die Betreiberfirmen. Aber wie soll man der Öffentlichkeit erklären, dass man gerne 50 Atomkraftwerke in Betrieb nehmen möchte, während man gleichzeitig mit einem anderen Grundwasser und Meere verseucht?

Die Fragen, die Fukushima aufwirft, sind ernst. Was wäre, wenn ein weiteres Erdbeben die Region erschüttert, während die Situation dermaßen außer Kontrolle ist? Was ist mit den ganzen US-Amerikanischen Atomkraftwerken, die an ähnlich ungünstigen Stellen errichtet wurden? Und wenn ein Land wie Japan, das als Synonym für Hightech gelten kann diese Situation nicht kontrollieren kann – ist es dann nicht offensichtlich, dass niemand es kann? Wird es nicht Zeit, das wahnwitzige Experiment Atomtechnik endlich abzubrechen?

Dazu kann jeder selbst seinen Beitrag leisten – zum Beispiel durch einen Wechsel zu echtem Ökostrom.

 

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5 Responses

  1. Sabrina

    Hilf mit die Katastrophe in Fukushima endlich zu stoppen, Mutter Erde zu schützen und faire Bedingungen für die unermüdlichen Arbeiter vor Ort zu fordern:
    https://secure.avaaz.org/de/petition/Stoppt_die_humanitaere_Katastrophe_in_Fukushima

    Danke! Herzliche Grüsse, Sabrina

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  2. die Wissenschaft weiss davon

    Hallo miteinander!

    Am 05.07.2013 besuchte ich während der „Langen Nacht der Wissenschaften“ um 22.00 Uhr einen Vortrag im Audimax der TU Dresden. Thema: Reaktorunfall von Fukushima –. Was wissen wir heute über den Unfallablauf.
    Diese Forschungsarbeit hatte die EU in Auftrag gegeben, um Schlußfolgerungen für laufende Atomkraftwerke innerhalb der Staatengemeinschaft auf die aktuellen Erkenntnisse hin sicherer zu machen. Das geschieht auch….

    Was ich dem Bericht allerdings entnehmen konnte ist, dass Tepco die Reaktoren in Fukushima noch nicht unter Kontrolle hat. Und niemand auf der ganzen Welt weiss, wie das gehen könnte.

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    om
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    Antworten
  3. frager

    gibt es unabhängige quellen, die die derzeitige situation in fukushima belegen? konnte im netz wenig aktuelles finden. gibt es weitere quellen zu diesem artikel, außer den obigen link zu rt?

    besten dank für auskünfte

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  4. Irena Weiss

    Lieber David Rotter (Du bist doch der Autor?)
    Danke für diesen und alle anderen Artikel.
    Irgendwie hast Du eine Intuition für das, was gesagt werden muss und Du sprichst es auf eine Art an, die sich für mich reif und erwachsen anhört.

    Ich bin mir ganz sicher, wenn wir so die Themen der Welt angehen und dies gemeinsam tun, können wir mit dem nicht erwachsenen, mit dem Gegeneinander ( gegen Menschen, gegen die Erde, gegen das Leben) aufhören, um ein reifes friedliches und liebevolles Miteinander zu gestalten.

    Da wäre wirklich ein Abenteuer.
    Dafür lohnt es sich doch, Mensch zu sein, um dieses Abenteuer zu wagen:
    Die Welt in den Frieden und in ein Miteinander zu bringen.

    Irena Weiss
    www.die-goettliche-welle.de

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