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Spirituelle Entwicklung geht immer mit der Aufhebung bestehender und längst überkommener Systeme einher. Grenzen werden überschritten. Die dadurch freigesetzte Energie erschüttert die bisher gewohnte Identität in ihren Grundfesten. Alte, meist rigide Strukturen, die die Seele in ihrer Bewegungsfreiheit einschränken, werden aufgehoben. Es entsteht eine Lücke, eine Art von Fenster durch das Essenz leuchtet, Einblick in das ursprüngliche Sein zeigt sich, Transformation ist geschehen.

Auch nach der Geburt existiert der Mensch weiterhin auf der Ebene der Essenz. Diese Dimension seines Wesens kann er niemals verlassen, er kann sie jedoch vergessen. Aufgewachsen in einem bestimmten Energiefeld – Familie, Freunde usw. – ist er von diesem geprägt. Identifiziert er sich mit deren Persönlichkeitssystem, so ist er verstrickt und begibt sich Schritt für Schritt in eine Art persönliches Gefängnis, meist Ego genannt.

Erinnerung an das Göttliche

Irgendwann wird es in dem Gefängnis zu eng. Identifikationsmuster funktionieren nicht mehr. Der Mensch kommt in eine Bewusstseinskrise. Häufig ist das Anfangsmoment die spirituelle Suche nach dem essentiellen Kern. Die bewusste Erinnerung an das Göttliche wird möglich. Einige der spirituellen Sucher erfahren diese dann.
Nun könnte man meinen, dass mit einer Erleuchtungserfahrung die Persönlichkeit endgültig befreit und das Ego gestorben sei. Diesem immensen Trugschluss sitzen einige Sucher auf. Im Grunde jedoch ist einem nicht mehr oder weniger geschehen, als dass die Erleuchtung die Ebene der Essenz ins Bewusstsein gerufen hat. Mit Sicherheit wirkt sich eine derartige Erinnerung auf die Ebene der Persönlichkeit transformierend aus. Doch bleibt die Persönlichkeit und die Möglichkeit sich wieder ein persönliches Gefängnis zu konstruieren weiterhin bestehen – und das ein Menschenleben lang, bei allen Menschen, auch so genannten erleuchteten Meistern.
Ebenso kann nach einer Erleuchtungserfahrung die Gewissheit der Verbindung mit der Essenz wieder in den Hintergrund rücken. Nicht selten ist der spirituelle Sucher dann enttäuscht. „Eben war es doch noch da, und jetzt bin ich wieder rausgefallen“, wird dann geäußert. Das Wunderbare daran ist, dass der Sucher sich jederzeit wieder dieser Ebenen erinnern kann. An dieser Stelle wirkt ein spirituelles Feld unterstützend. Je mehr ein Mensch es zulässt, sich an diese Ebenen zu erinnern, desto eher kann sich sein spirituelles Selbst mit der Ebene der Persönlichkeit vereinigen.

Transformation möglich – Ego annehmen

Während früher der Tod des Egos angestrebt wurde, man sich mit extremen Ritualen, Askese usw. plagte, wird heute – Tausende von Jahren nach Buddha und Jesus – das Weiterbestehen der Persönlichkeitsebene nach der Erleuchtung und das Potenzial eines Egos überwiegend akzeptiert. Nicht nur akzeptiert, es wird auch das Geschenk gesehen, das in der Sprache des Egos liegt. So ist meines Erachtens ein Quantensprung geschehen. Der Wunsch nach Vernichtung des Egos wurde als spiritueller Egotrip entlarvt.
Anstatt sich also heute mit extremen Egokillerritualen zu plagen, ist der Sucher vielmehr gefordert, spirituelle Krisen, die sich im Zuge spiritueller Transformation auf der Ebene der Persönlichkeit zeigen, als Teil des spirituellen Wachstumsprozesses anzunehmen. Und zu sehen, dass, sobald Essenz – wie auch immer – an die Tür klopft, die bisherige Identifikationsebene erschüttert wird. Die gebundene Energie der verhärteten Strukturen der Persönlichkeit verschmilzt mit kosmischer Energie. Das liest sich jetzt ganz einfach. In der Praxis ist das jedoch ein Prozess, der durchaus schmerzhaft sein kann, so schmerzhaft, wie eine Geburt eben manchmal ist.

Egospiele beleuchten

Nun gibt es nach meiner Erfahrung ein paar wesentliche Momente: das eine ist das Moment der Öffnung. Es dem Schüler zu ermöglichen, sich der essentiellen Ebene hinzugeben und dabei in Verbindung mit der Persönlichkeitsebene zu sein. Nun ist es mein Job, in Resonanz mit der essenziellen Ebene im einfachen Miteinander aus dem Moment heraus zu sein, Egospiele zu beleuchten. Dies ist für einige Menschen ein bitterer Wermutstropfen. Doch erlebe ich immer häufiger die Bereitschaft, offen, ehrlich und verletzlich Licht in Abgründe einfließen zu lassen.

Sein in Essenz – spirituelle Gemeinschaft unterstützt

Und nun das nächste Moment: der kosmische Flow. Die Ebene, die sich dann auftut, ist so schön, dass kein Wort dem gerecht werden kann. Es ist alles da, alles integriert, alles ganz. Am ehesten würde ich noch sagen, dass dann Liebe und Mitgefühl pur fließt. Erstmals ist tieferes Erleben zwischen den Menschen der Gruppe möglich. Die Ebene zwischen Ich und Du kann gesehen werden. Die Verbundenheit zwischen den Gruppenteilnehmern ist jetzt getragen von der Ebene der Essenz. So entsteht eine spirituelle Gemeinschaft, ein Garten der Liebe.
Diese Gemeinschaft unterscheidet sich von anderen Gemeinschaften insofern, als den Menschen die Immanenz der essenziellen Ebene bewusst ist und überwiegend bleibt. Befindet sich ein Gruppenteilnehmer in einer spirituellen Krise, so wird er mit dieser Herausforderung bewusster umgehen können, da in einer Gruppe wenigstens ein Menschen in seiner Nähe ist, der durch seine Präsenz an die essenzielle Ebene erinnert. So kann innerhalb eines spirituellen Energiefeldes das geschehen, was man landläufig ganzheitliche Heilung nennt. Und das, ohne dass einer den Helfer, Heiler oder sonst was spielt!

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