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Das Internet, der größte Flohmarkt der Welt

Im Internet verbreitet sich seit einiger Zeit ein erfreulicher Trend: Second-Hand erlebt eine digitale Renaissance. Immer mehr Menschen entscheiden sich Kleidung, Bücher, Smartphones und vieles mehr gebraucht einzukaufen oder auf Tauschbörsen zu ergattern. Das spart Geld, aber auch Ressourcen, denn Millionen von Artikeln liegen nutzlos in deutschen Haushalten herum oder werden jedes Jahr in gutem Zustand weggeworfen.

Eine neue Art des Gebrauchtwarenhandels

Second-Hand gab es schon immer. Früher waren die Optionen allerdings deutlich begrenzter, als heute: Entweder konnte man seine gebrauchten Waren auf dem Flohmarkt verkaufen, in der Zeitung inserieren oder zum Second-Hand-Shop bringen. Dann brachte vor allem eBay den Handel mit gebrauchten Artikeln in die digitale Welt und heute boomt der Markt im Internet wie noch nie: Inzwischen hat sich eine komplette Branche rund um den Gebrauchtwarenhandel im Internet entwickelt und auch alternative Tausch-Modelle setzen sich immer mehr durch.

Re-Commerce

Im kommerziellen Bereich gibt es zwei unterschiedliche Modelle. Einerseits gibt es die professionellen Onlinehändler, die gebrauchte Waren ankaufen, aufbereiten und anschließend günstig, aber gewinnbringend weiterverkaufen. Meistens funktioniert der Ankauf komplett automatisch zum Festpreis über eine Internetseite, was für die Kunden recht praktisch ist, da es einfach und schnell geht.

Andererseits gibt es Online-Marktplätze, die das Handeln und sogar Tauschen zwischen Privatpersonen ermöglichen.

In diesem Bereich der Branche sind auffällig viele Anbieter auf gebrauchte Kleidung spezialisiert — bedenkt man, dass jährlich rund eine Million Tonnen (!) Kleidungsstücke auf dem Müll landen, macht diese Entwicklung ohne Zweifel Sinn. Die Nutzer können selbst Inserate für ihre Waren erstellen und dann mit anderen Nutzern über Preise oder Tauschangebote verhandeln; häufig steht bei Kleiderkreisel, Mädchenflohmarkt und ähnlichen Marktplätzen auch persönliche Kommunikation und Gemeinschaft mit im Vordergrund.

Tauschen und alternative Wirtschaft

Neben diesem quasi-kommerziellen Bereich sind aber vor allem die Tauschbörsen interessant, weil sie oftmals eigene Währungen einsetzen und damit quasi eigene Wirtschaftskreisläufe darstellen. Die Mitglieder bieten ihre Artikel also nicht für Euro an, sondern für die jeweilige Währung des Portals. Mit der können sie dann Artikel von beliebigen anderen Mitgliedern „einkaufen“. Auf diese Weise ist man nicht gezwungen, mit einer bestimmten Person direkt zu tauschen, sondern bleibt durch die Tausch-Währung flexibel – der eigentliche Grundgedanke von Geld.

Das ist zwar noch nicht ganz Schenkwirtschaft, aber immerhin fließt bei den ganzen Tauschgeschäften kein einziger Euro. Kombiniert mit zum Beispiel Zeitbanken bildet sich hier also ein alternativer Wirtschaftsbereich, in dem einiges möglich wird, ohne dass man Geld einsetzen muss.

Nachhaltigkeit als Geschäftsmodell?

Für die kommerziellen Portale hingegen ist Re-Commerce natürlich vor allem auch ein lohnendes Geschäft. Aber viele dieser Anbieter haben dabei mehr als nur den Verkaufserlös im Sinn und sind durchaus wirklich an Nachhaltigkeit interessiert. Beim Berliner Unternehmen Momox hat man sich zum Beispiel dem Motto „Aus alt mach Baum!“ verschrieben.

Kunden des Portals können nicht nur ihre gebrauchten Medien oder Elektronikartikel verkaufen, sondern auch eigentlich unbrauchbare und defekte Waren kostenfrei mit einsenden. Der Händler übergibt diese dann zur fachgerechten Entsorgung an verschiedene Recyclingunternehmen und investiert den Gewinn in die nachhaltigen Projekte der gemeinnützigen Organisation I Plant A Tree, die in ganz Deutschland Waldflächen aufforstet. Seit dem Start der Kooperation im Juli 2011 konnten so allein durch die über Momox recycelten Waren mehr als 6.700 Bäume gepflanzt werden.

Und auch bei Kirondo, einem Re-Commerce Anbieter für Kindermode, werden verschiedene Projekte für Gesellschaft und Umwelt unterstützt: Für jeden ausbezahlten Euro spendet das Unternehmen 5 Cent, zum Beispiel an die Naturschutzorganisation WWF, die Arche e.V. oder an das Deutsche Kinderhilfswerk. Für Kunden sind solche Initiativen ein zusätzlicher Anreiz, gebrauchte Waren nicht einfach gedankenlos wegzuwerfen, sondern nachhaltiger und verantwortungsvoller mit natürlichen Ressourcen umzugehen.

Wiederverwendung statt Neuanschaffung

Die Re-Commerce Branche ist also ein gutes Beispiel dafür, dass erfolgreiches Wirtschaften und ein nachhaltiges Handeln nicht zwingend gegensätzlichen Ziele sein müssen. Dadurch, dass die Gebrauchtwarenhändler und Online-Marktplätze einen neuen Weg schaffen, ungenutzte Kleidung, Handys, Bücher oder DVDs schnell und unkompliziert loszuwerden, bieten sie einen interessanten Weg aus der Wegwerfgesellschaft. Statt auf der Müllkippe landen die gebrauchten Waren bei einem neuen Besitzer, der die oft einwandfrei erhaltenen Güter noch lange Zeit weiterhin verwenden kann.

Diese Form des Recycling schont natürliche Ressourcen besonders effektiv, da einmal produzierte Waren eine zweite oder dritte Chance bekommen — statt begrenzt verfügbare Rohstoffe und große Mengen an Energie für einen neu hergestellten Artikel zu verschwenden, werden bei der Wiederverwendung nur minimale Ressourcen für Transport und Lagerung der gebrauchten Güter aufgewendet.

Für private Verkäufer ist sicherlich auch die Idee, dass sie mit dem Recyceln ihrer alten, ausgedienten Kleider und Handys immerhin noch ein paar Euro verdienen können, ein starker Motivator.

Lieber gebraucht als Billigartikel?

Der Trend zeigt auch, dass viele Menschen heute lieber Qualität gebraucht einkaufen, als billige Wegwerfartikel. Solche Gegenstände, die schnell verschleißen und schon nach kurzer Zeit ersetzt werden müssen, haben in diesem Geschäftsmodell keinen Platz und können den Qualitätskriterien von Kunden und Händlern nicht standhalten. Hier haben nur hochwertige Artikel echte Chancen, und dieser Gedanke scheint auch nach und nach in den Köpfen der Konsumenten anzukommen: Immer mehr Deutsche finden es zum Beispiel völlig akzeptabel, gebrauchte Produkte zu verschenken oder geschenkt zu bekommen.

Alles in allem sind die Second-Hand-Portale und besonders die Tauschbörsen ein sehr erfreulicher Trend, der gleich in mehreren Aspekten in die richtige Richtung weist.

Mehr dazu auch in unserem Special: Die besten Sharing-Ideen.

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