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Wir alle kennen sie, jeder hat sie. Meistens haben wir den Eindruck, sie stehen uns im Weg. Oder es fühlt sich so an.

Jetzt sei mal nicht so emotional! – Reg dich ab! – Musst doch nicht traurig sein. All dies sind Floskeln, die wir im Alltag immer wieder hören oder selbst nutzen, um Gefühle zu unterdrücken. Es herrscht die Meinung vor, dass rationale Entscheidungen die besseren seien. Vor allzu emotionalen Personen haben wir eher Angst. Gefühle sind uns suspekt. Vor allem, weil sie so unberechenbar sind und so viel Zeit kosten.  Was aber, wenn dies nur daraus resultiert, dass wir niemals gelernt haben,  mit unseren Gefühlen umzugehen? Wenn unsere Gefühle uns eigentlich unterstützen und sich nur deshalb scheinbar so negativ auf uns auswirken, weil wir sie nicht verstehen?

Was Gefühle angeht, sind wir Laien. Sowohl was das Fühlen als auch was den Umgang mit Gefühlen betrifft. Meist können wir weder differenzieren, was Gefühle sind und was nicht, noch verschiedene Gefühle voneinander unterscheiden. Dies spiegelt sich auch in unserer Sprache wieder. Wenn wir einen Satz mit: „Ich habe das Gefühl …“ beginnen, folgt meist eher ein Gedanke, eine Einschätzung oder gar Anschuldigung. (Ich habe das Gefühl, du hintergehst mich. Ich habe das Gefühl, wir haben uns verfahren…) Wir erfahren, was der Sprecher denkt, nicht, was er fühlt. Vielleicht auch, weil er sich darüber gar nicht bewusst ist.

Hinzu kommt noch die Annahme, der Umgang mit Gefühlen sei ganz einfach. Daher lernen wir auch in der Schule nichts darüber. Es gibt nichts zu lernen, das kann man einfach oder man kann es nicht! Auf Lehrstühle für angewandte Gefühlstheorie müssen wir wohl noch eine Weile warten. Nicht aber auf die Erkenntnis, wie hilfreich es sein kann sich den aufkommenden Gefühlen zu stellen. Sie willkommen zu heißen und als Unterstützung in unser Leben einzuladen.

Landkarte für Gefühle

Ich stelle immer wieder fest, wie unterstützend es ist, mir bewusst zu machen, was ich fühle. Für eine tiefere Einsicht kann eine Landkarte für Gefühle nützlich sein. Es gibt dazu mehrere Ansätze. Ich arbeite gerne mit der Aufteilung, die Vivian Dittmar in ihrem Buch „Gefühle – Eine Gebrauchsanleitung“ vorschlägt. Dieser Ansatz gefällt mir so gut, weil er recht einfach ist. Vivian schlägt eine Unterscheidung von fünf Grundgefühlen vor: Wut, Angst, Trauer, Freude und Scham.

Für mich besonders erhellend war, dass sie jedem Gefühl eine helle und eine dunkle Seite zuspricht. Vielen Menschen sind eher die dunklen Seiten der Gefühle bekannt, was erklärt, warum diese einen so schlechten Ruf haben. Man denkt bei Wut an Zerstörung, bei Trauer an Depression,  bei Angst an Erstarrung. Dass dieselbe Energie auch eine positive Seite hat, ist zunächst nicht so offensichtlich. Aber dieselbe Kraft in der Wut, die die Zerstörung birgt, versetzt uns auch in die Lage klare Grenzen zu ziehen, uns selbst zu behaupten oder andere zu schützen. Dieselbe Kraft, die uns in Trauer erstarren lässt, gibt uns auch die Möglichkeit einen Verlust zu akzeptieren.

Mit Hilfe der Angst etwas Neues in die Welt bringen

Aber wozu soll Angst gut sein? Vor ein paar Jahren kam ich mit Vivian darüber ins Gespräch. Sie erklärte mir, dass die Angst jene Kraft sei, die uns mit dem Unbekannten verbindet. Hätten wir nicht die Kraft der Angst zur Verfügung, könnten wir nichts Neues in die Welt bringen. Es braucht einen Moment dies fühlend zu erfahren und sich darüber klar zu werden, aber tatsächlich: dieselbe Kraft, die uns manchmal vollkommen erstarren lässt, stößt uns auch die Tür zu neuen Welten auf.

Wenn wir auf diese Weise erst einmal erkennen, wo wir überall hinfühlen können, gibt uns das einen neuen Blick auf unser inneres Geschehen. Wir können mit der Karte besser unterscheiden, was in uns vorgeht, und auf eine konstruktivere Weise damit umgehen.

Gefühle wollen gefühlt werden, wollen ihre Botschaft schenken, dann vergehen sie ebenso selbstverständlich ins Nichts, wie sie daraus hervorgekommen sind. Weil wir sie aber so oft unterdrücken, müssen sie uns immer wieder erinnern, dass sie niemals weg sein können. Scheinbar begegnet uns dann immer wieder die gleiche Situation, die im Grunde von einem nicht gefühlten Gefühl in uns selbst hervorgerufen wird. Erlösen wird sie sich nur, wenn wir bereit sind zu fühlen.

Den Schatz heben

Gefühle sind unsere Helfer. Sie zeigen uns nicht nur die Richtung an, sie geben uns auch die Kraft in diese Richtung zu gehen. Wenn wir uns ihnen stellen, bereit sind sie zu fühlen, wird uns ihr Geschenk bewusst. In uns liegt eine Fülle von Gefühlen, sie auszukosten bedeutet ein Leben in Fü(h)lle.

Diesen Schätzen näher kommen und einige von ihnen heben wollen wir dieses Pfingsten im ZEGG. Das kommende Pfingstfestival trägt den Titel ‚Gefühle als Kraft‘. Vivian Dittmar wird vor Ort sein und ihre Gebrauchsanleitung den Menschen auf eine ebenso praktische wie herzliche Art näher bringen.

Raum für tiefere Forschung eröffnet das Pfingstfestival ‚Gefühle als Kraft‘ im ZEGG: 22.-27.5.2015, Vivian Dittmar und andere bieten 5 Tage Gemeinschaftserfah­rung, Gefühlen auf die Spur kommen und viele andere neue Möglichkeiten. www.zegg.de

 

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