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Sie heißen Billy, Expedit, Ivar, Klippan, Leksvik oder Gosig und stehen, liegen oder hängen in fast jeder deutschen Wohnung. Und mitten hinein in diese schwedisch-möblierte Idylle eines spätsommerlichen Nachrichtenlochs veröffentlichte der Campus- Verlag im August diesen Jahres das Buch „Die Wahrheit über Ikea. Ein Manager packt aus“ von Johan Stenebo und erschütterte sanft die heiter-bunte und bisher scheinbar so friedlich-heile Ikea-Welt.

 

„Die Wahrheit über Ikea“ – der Titel kommt unangenehm reißerisch daher, aber das am Image des schwedischen Nationalheiligtums Ingvar Kamprad, seines Zeichens Ikea-Gründer, kratzende Buch ist ja nicht umsonst in Schweden schon länger ein Bestseller. Während wir also via Ikea glückselig die Gleichschaltung der deutschen Wohnzimmer betreiben, ist das Unternehmen anscheinend längst nicht so ein grüner Multi mit Gewissen wie bisher gedacht. Natürlich gab es in der Vergangenheit diverse Skandale. Zum Beispiel das jugendliche Mitläufertum Ingvar Kamprads bei den Nazis, Formaldehyd in den Regalen, Kinderarbeit bei Zuliefererbetrieben oder gar der Verkauf von Daunen, die auf brutalste Weise bei lebenden Gänsen gerupft wurden. All diese Skandale haben Ikea hart getroffen, aber die Schweden haben es immer wieder geschafft, sie ehrlich zerknirscht abzustreifen und noch glaubwürdiger daraus hervorzutreten.

Autor Johan Stenebo, der nach seinem Ausstieg aus über 20 Jahren Ikea-Dienst nun dieses Buch verfasst hat, reiht sich in die langsam immer länger werdende Schlange verschiedener Ikea-Kritiker ein. Als Insider – unter anderem als Leiter von Ikea-Fillialen, PR-Mann und sogar als persönlicher Assistent Ingvar Kamprads – hat er viel zu erzählen. Beweise kann er nicht anführen, er liefert aber zahlreiche Mosaiksteine zu einem Ikea-Bild, das mittlerweile auch verschiedene Zeitungen und Fernsehsendungen bestätigen.

 

IWAY – Ikeas Selbstverpflichtung

Nach den großen Skandalen – wie zum Beispiel Ikea-Teppiche knüpfende Vierjährige in Pakistan 1994 – rief Ikea im Jahr 2000 IWAY – sprich „The IKEA Way“ ins Leben. Dies ist ein Verhaltenskodex, den Ikea von seinen Subunternehmern fordert und der sich unter anderem auf Kinderarbeit, Umweltfragen, Arbeitsbedingungen und verantwortungsvolle Forstwirtschaft bezieht – basierend unter anderem auf der Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen (1948). Nur: Wird das auch wirklich kontrolliert? Nach Johan Stenebo witzelte man damals in der Ikea-Zentrale angeblich herum, was an Kinderarbeit so schlimm sei – immerhin würden sich die Kinder so nicht prostituieren müssen. Stenebo schreibt, dass es für Ikea letzten Endes mit der Erwähnung des Verhaltenskodexes immer möglich ist, sich aus der Affäre zu ziehen, weil praktischerweise keiner alle Zulieferer überprüfen kann.

Interessant ist auch die Behauptung Johan Stenebos, dass Ikea Projekte bei Greenpeace und dem WWF gezielt als Fassade nutzt, um besonders sozial und umweltbewusst dazustehen. In Wahrheit sollen dem Gründer und dem harten Kern der Ikea-Führungsriege Ausgaben für soziale Projekte suspekt sein. Tatsache ist, dass nur ein verschwindend geringer Anteil an den milliardenschweren Gesamteinnahmen für soziale Projekte ausgegeben wird. Auf mehrere Jahre aufgeteilte Millionen für ein indisches Schulprojekt nehmen sich im Vergleich zu einem im Geschäftsjahr 2009/10 erzielten Umsatz von 23,1 Milliarden Euro einfach mickrig aus.

 

Wo wird produziert? Massenproduktion in Billiglohnländern

Mit der Expansion des Unternehmens wurden in den 90er Jahren große Produktionsmengen von West nach Ost verlagert. Der Gesamtumsatz der großen glücklichen Ikea-Familie entwickelte sich von 6,3 Milliarden Euro im Jahr 1998 auf 23,1 Milliarden im Jahr 2009/10. Laut Quellen der Taz stieg der Anteil der Ikea-Produktion in Entwicklungsländern im Zeitraum von 1997 bis 2001 von 32  auf immerhin 48 Prozent. Nach Ikeas eigenen Angaben war China im Geschäftsjahr 2009 mit 20 Prozent das größte Lieferantenland. Ikea setzt also auf günstige Zuliefererbetriebe in China, Indien, Bulgarien, Vietnam und auch der Türkei. Stolze 30 Prozent der Güter, die bei Ikea über den Ladentisch gehen, werden in Asien produziert, immerhin noch 67 Prozent im Großraum Europa.

 

Wohin fließen die Milliarden? Der undurchsichtige Kapitalfluss bei Ikea

In den letzten Monaten hat sich das ZDF-Magazin „Frontal 21“ verstärkt mit Ikea und seiner Firmenphilosophie auseinandergesetzt. Bei dieser kritischen Durchleuchtung traten mehrere Punkte zu Tage – besonders die undurchsichtige Finanzstruktur betreffend –, die sich mit den Aussagen von Stenebo decken. Durch ein komplexes Gewirr und Geflecht aus über 150 Tochterunternehmen und Stiftungen und damit verbundenen Warenwegen, internen Verkäufen und Geldflüssen, schafft es Ikea weltweit, nur minimale Steuern zu bezahlen – und das ganz legal. Laut Stenebo gelten Steuern bei Ikea als geradezu unanständig  – Steuervermeidung ist das Credo. Immer wieder beharrt Ikea-Gründer Kamprad vehement darauf, dass Ikea seit langem einer Stiftung gehört und er und seine Familie keine Einnahmen erhalten. Eine Stiftung – das hört sich wegweisend an. Sozial, gemeinnützig, philanthropisch. Da kauft man bei Ikea doch gleich doppelt so gerne ein! Interessant nur, dass diese Stiftungen – wie die in den Niederlanden ansässige Ingka Foundation – bei Finanzexperten als leere Hüllen gelten: Die Milliarden, die in dieses schwarze Stiftungs-Loch fließen, verschwinden in karibischen Steuerparadiesen wie Curacao oder den Virgin Islands.

 

Ist Geiz wirklich so geil?

In Zeitungsinterviews verkündet Ingvar Kamprad schon mal: „Ich bin geizig, und ich bin stolz darauf!“ Er stilisierte sich zum Sinnbild des kleinen Mannes, des legasthenischen, bauernschlauen Pfennigfuchsers hoch, der in schlabberigen Hosen durch die Weltgeschichte tappt. Doch die Wahrheit sieht anders aus. Der Mann ist milliardenschwer. Schon vor Jahrzehnten wanderte er in das Steuerparadies Schweiz aus. Das Vermögen des 84 Jährigen wird durch das US-Magazin Forbes mit 31 Mrd. Euro angegeben. Für wen Geiz wirklich „geil“ ist und sich auszahlt, erkennt man schnell, wenn man die verworrene Finanzstruktur sieht und Meldungen über Steigerungen der Gewinne durch den kostensenkenden Einsatz billiger Niedriglohnarbeiter hört, die so wenig verdienen, dass sie vom deutschen Staat mit Hartz IV bezuschusst werden müssen.

Der schwedische Konzern mit seinem sozialfreundlichen Saubermann-Image, Nutznießer städtischer Infrastruktur und allseits beliebt, stiehlt sich geschickt und vollkommen legal aus der sozialen Verantwortung. Eine Verhöhnung des Sozialstaates und wohlorganisierte Steuerflucht auf Kosten der Steuerzahler.

 

Moderne Sklaverei?

Das zweite Gesicht der großen, glücklichen Ikea-Familie
Ebenfalls von „Frontal 21“ wurde schon im Jahr 2008 die teils skandalöse Arbeitssituation von Ikea-MitarbeiterInnen aufgedeckt. Die Palette des Terrors reichte damals offenbar von der Bedrohung einzelner Betriebsräte bis hin zu Leiharbeitern, die in die Erschöpfung getrieben wurden, heimlichen Filmaktionen, konfiszierten Sozialversicherungsausweisen und bizarren, öffentlich geführten Listen über die Gesundheit der Angestellten.

Ist das wirklich eine Überraschung für uns? Oder wissen wir im Grunde nicht alle, dass ein weltumspannender Konzern selten groß wird, indem er fair, sanftmütig und großzügig gegenüber Zulieferern, Mitarbeitern und der Umwelt ist? Dass Greenwashing à la Ikea heutzutage die Norm ist? Pech nur, wenn dann die Wahrheit rauskommt. Dann ist die Glaubwürdigkeit umso tiefer im Keller.

Ikea verkauft nicht einfach nur Möbel, sondern zusammen mit Ivar und Billy auch Ehrlichkeit, soziale Verantwortung, Umweltbewusstsein, Werte wie Ethik und Moral – kurz ein Lebensgefühl, das nun als hohle Kulisse erscheint. Viele Kunden sind entsetzt und fühlen sich um das gute Gewissen beim Ikea-Einkauf regelrecht betrogen – aber haben wir die kuschlig-warme Selbsttäuschung nicht selbst mitinszeniert? Haben wir wirklich alle geglaubt, dass die teils sehr günstigen Möbel nur von gut bezahlten europäischen Facharbeitern gefertigt und von gutbezahlten Teams verkauft werden? Auf jedem Etikett ist das Produktionsland vermerkt. Wir hätten nur einmal bewusst hingucken müssen. China ist ja nun nicht gerade für die Einhaltung der Menschenrechte berühmt. Und Indien nicht dafür, dass den Ärmsten der Armen menschenwürdige Löhne gezahlt werden. Haben wir denn wirklich geglaubt, dass die Fetigung der glänzenden neuen Sachen, mit denen wir da durch die gelb-blauen Möbelhallen kurven, fair bezahlt wird, wo sie doch produziert werden von Menschen in Entwicklungsländern mit einem monatlichen Einkommen von knapp 40 Euro – kaum mehr als dem Preis eines Billy-Regals? Ganz ehrlich: Ganz tief drinnen haben wir die Wahrheit doch geahnt und bequem verdrängt. Und ebenso ehrlich: Ikea wird nicht der erste und auch nicht der letzte Konzern sein, der auf Kosten seiner Lieferanten und Mitarbeiter produziert und verkauft  und seine Schäfchen möglichst steuergünstig ins Trockene bringt. Solange wir als Kunden weiter billig kaufen wollen, nicht bereit sind auch Verantwortung zu tragen und Geiz auch für uns geil ist, wird sich wenig ändern.


Abb: © Rodriguez Cienfuego – Fotolia.com

Literatur:
Johan Stenebo:
Die Wahrheit über Ikea. Ein Manager packt aus
Campus, 2010

8 Responses

  1. Daniel96

    Ich bin kein Fan von Kinderarbeit. Aber die Globalisierung dafür verantwortlich zu machen ist schwachsinnig. Auch wenn es für Menschen aus den Industrienationen erstaunlich klingen mag, kann ich mir gut vorstellen, dass es Leute in der dritten Welt glücklich macht, dass die Kinder Geld verdienen. Denn seien wir mal ehrlich (auch wenn es hart und nicht meiner Moral entspricht!): Ohne die Kinderarbeit würden viele Menschen/Familien in der dritten Welt oder in Asien nicht über die Runden kommen.

    Globalisierung hat natürlich die reichen Länder noch reicher gemacht. Aber die armen Länder sind dadurch nicht ärmer geworden….

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  2. m

    greenwashing ist die sehr verkaufsfördernde imagepflege der grossen wie kleinen firmen und konzerne heute – ein Prinzip, das genauso gut oder schlecht ist, wie die entnazifizierung nach dem zweiten Weltkrieg.
    das beruhigt vordergründig sehr, ändert im kern aber leider nichts. hauptsache, das geschäft läuft- und hier liegt (natürlich) das haupt-interesse.

    wie sollten die strukturen denn plötzlich von allein ökologisch werden?
    oder wie spontan kinderarbeit verhindern? wenn ich lese, dass ikea gar keinen einfluss hat auf die schlechten Arbeitsbedingungen im Ausland (sich bemüht einfluss zu nehmen, steht in der eigendarstellung)- stellen sie sich einfach mal vor, dass ihre eigenen minderjähriges kinder arbeiten gehen statt zur schule, nur damit in einer fernen Überflussgesellschaft billige möbel gekauft werden können.
    und ikea bemüht sich… (in einem arbeitszeugnis steht das für eine glatte 6).

    hauptsache der verkauf geht weiter und die Kundschaft – ein überdurchschnittlich großer anteil besteht aus jungen frauen mit kind oder kurz davor – träumt sich weiter durch den kilometerlangen parkour. genau darauf ist auch die hintergrundmusik zugeschnitten (i will love you forever, i can feel it coming in the air tonight, wind of change, i will survive, …

    die überflussgesellschaft ist etwas, von dem freiwillig niemand lassen will. das hat mit einem guten lebensstandart nichts mehr zu tun, das ist die illusion von überfluss. Illusion, weil ikea zum grössten teil billigmöbel verkauft, die, wenn sie die erste montage überlebt haben spätestens danach hinüber sind. mal ehrlich, das weiss doch jeder.
    wie kann das nachhaltig sein. nachhaltig waren die möbel noch in den 50ern, selbst die ikea regale der 70er (die aus massivholz, das in der zeit vom (noch existierenden) kleinbürgertum verpönte typische apfelsinenkistendesign) waren das.

    das lächeln der mitarbeiter wird durch interne Kommunikation als standartverhalten bewusst gefordert, die genau darüber informiert werden, wo die gewinnforderung für den tag liegt. die differenz zwischen geforderderter umsatz-summe und ergebnis wird natürlich auch kommuniziert, was für einen gewissen druck sorgt.

    wir, die Kunden, sind dabei ein kalkulierter teil der finanzmaschinerie ikea und zwar der wichtigste, wenn auch nicht der intelligenteste.
    wir haben es alle gewusst,
    träumen wir also weiter.

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  3. w.abraham

    ich glaube es ist naiv anzunehmen ,dass die globalisierung nicht auch ihren preis hat;viele produkte des täglichen gebrauchs sind billiger geworden und zwar darum weil sie bis zur letzten schraube in fernost bzw. china hergestellt werden.(nicht nur bei ikea) wollten wir diese erzeugnisse boykottieren müssten wir im prinzip wieder als jäger und sammler leben!

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  4. IKI

    Also:

    Ich finde IKEA eigentlich sehr toll.
    In keinem andren drecks Möbelgeschäft, wird man so nett bedient und nirgends wird falls nötig zusammen mit dem Kunden eine Lösung gefunden.

    Bsp.: Umtausch bzw. Austausch einer kaputten Front – ich hatte zuerst keine Rechnung…. also schickten Sie mich weg – als ich dann mit Rechnung kam u dem kaputten Teil – habe ich innerhalb von 15min ein komplett neues bekommen.

    Natürlich war ich zuerst erboßt darüber, dass sie ohne rechnung nichts machten… doch muss ich als konsument auch verstehen, dass sie nicht jedem dahergelaufenen kunden, kaputte teile austauschen, denn dann bräuchten sie kein lager für die möbel, sondern ein lager für die teile……

    als ich einmal bei einem andren möbelhaus (K..a) einkaufte, bekam ich ein total kaputtes anbauregal das mich ca. 500 euro gekostet hat.
    als ich es reklamieren wollte, wurde ich angeprangert und mir wurde unterstellt das ich es selbst kaputt gemacht habe—– im endeffekt habe ich dieses 500 euro teure regal in unseren keller gestellt u da sag ich danke….

    wir müssen nur mal nachdenken, dass ikea für uns so als kunden wirklich fein ist und sich manch andre geschäfte eine scheibe abschneiden sollten.

    auch wenn sie im ikea nicht immer sofort und gleich eine lösung bzw. hilfe anbieten können, wird so lange daran gearbeitet bis der kunde zufrieden ist.

    es ist günstig, man bemüht sich um kunden, es ist fein einzukaufen u der rest ist mir egal.

    ich kann leider zum bsp. nichts dafür das es kinderarbeit gibt, ich kann nichts dafür das löhne nicht gezahlt werden oder nicht dem index angepasst sind, ich kann nichts dafür, dass es auf der welt menschen mit milliarden am konto und manche ohne überhaupt einem konto gibt.

    ich muss auch selber sehen, wie sich meine rechnungen bezahlen, wie ich mein geld verdiene und vor allem wie ich es ausgebe.
    und natürlich zahle ich als konsument lieber weniger als mehr und das war schon und wird für immer so sein!

    und würden menschen einfach mehr das positive in dingen sehen, wäre alles viel schöner und einfacher!

    Und für mich ist und bleibt Ikea ein Hammer – egal welcher Hintergrund/Lügen oder Show

    Viel gescheiter wäre es über die Lügen der Lebensmittelindustrie nachzudenken und diese anzupranger!
    Geflügel mit Antibiotiker
    Gammelfleisch
    Genmanipulation
    Farbstoffen
    Krebserregenden Stoffen usw. (endlos)

    ich denke von diesen dingen sind wir mehr betroffen.
    man sollte zum beispiel lt. ärztlicher angabe antibiotiker durchgehend nehmen, bis die einnahme beendet ist, heißt das zugleich das ich jetzt huhn essen muss bis sie ihnen ein andres medikament verfüttern?!

    es interessiert mich nicht wer meinen wohnzimmerkasten hergestellt hat, aber es interessiert mich sehr wohl was ich mir persönlich in den magen runter schieben muss.
    es sollte auch hier ein buch geschrieben werden! über nackte tatsachen und fakten dieser verlogenen gesellschaft, denen wichtiger ist was zuhause in der vitrine steht als was sie ihren kindern am teller servieren.

    Da hab ich lieber einen Ikea Teller mit Farbstoff als ein Hühnchen mit Antibiotikern und genmanipulierten Reis auf einem endlos zusatzstoffverseuchten saucechen.

    Denken Sie mal drüber nach, mit freundlichen Grüßen IKI

    Antworten
  5. Anonymous

    Auch ich möchte einen Kommentar hinterlassen – besonders zum neu postulierten GrünenGewissen und nachhaltigkeit bei IKEA:

    Nachhaltige Frühstückseinsichten mit Ikea & Co. – Schreck inklusive! (geschrieben 28.08.2010, 12:57 in meiner XING-Gruppe Möbel mit Berufserfahrung; Besuchen Sie hier die Gruppe: www()xing.com/net/gebrauchtmoebel/)

    Eigentlich wollte ich nur aller Ruhe vor dem nächsten Arbeitsstep bei einer Tasse Tee mit dem Ikea-Katalog entspannen – Marktbeobachtung für den Möbelmarkt gleich inklusive.

    Und dann das: Gleich zu Beginn nach der atmosphärischen Doppelseite „In Smaland daheim“ kam es. Auf der Doppelseite „Wir haben uns entschieden“ stellt Ikea vor, wie sie sich entschieden haben „zu einer Welt beizutragen, in der wir verantwortungsvoll mit der Erde, ihren Rohstoffen und den Menschen umgehen.“ (Mehr dazu auf: www()ikea()de/Unendliche_Liste )

    Meine Meinung von Ikea hat sich nicht geändert auf Grund u.a. der hohen Logistikkosten, dem Massengeschäft mit Mitnahme Umsatzgarant-Artikel, die kein Mensch wirklich braucht – oder brauchen Sie den 100. Bilderrahmen oder Kerzenhalter oder die putzigen Stofftiere aus der Schwester Polyester fürs Kind wirklich?

    Und doch schreibe ich heute etwas, was mich beeindruckt hat und deshalb hier stehen sollte:Für die neue MICKE-Serie hat IKEA den HOCHGLANZRAHMEN auf Holzbasis gefüllt mit recyceltem, WABENFÖRMIGEM PAPIER. Das macht(e) mir es mir sympathisch, denn es spart durch Papiernutzung nun den Einsatz von Spannplatte als Füllmasse. Das gibt ein Sternchen – empfehlenswert ist der Schreibtisch jedoch (nur auf den ersten Blick) nur deswegen und sicher nicht wegen seiner Nachhaltigkeit geschweige wegen seiner Ergonomie (Feste Maße B105xT50xH75cm). Doch schauen wir weiter.

    Das sagt nun mein Freund Google zum Einsatz von WABENFÖRMIGEM PAPIER: Nicht nur IKEA setzt auf diesen Weg auch der Markenherstellen HÜLSTA setzt es bereits seit 70 Jahren ein, wie ich aus der online-Ausgabe der Zeitschrift „Zuhause“ erfahre (www()zuhausewohnen.de/artikel/ein-team-mit-glanzleistu… )

    Dann lese ich weiter, wie denn das von Hülsta und IKEA selbst als Beitrag zum „verantwortungsvollen Umgang mit unseren Rohstoffen im Smaland“ bezeichnete Verfahren so im einzelnen aussieht – und staune und erschrecke zugleich: „Die Holzwerkstoffplatten sind je nach Lackfarbe, die später aufgetragen wird, schwarz oder weiß beschichtet. Wabenförmig ist Papier zwischen zwei beschichteten Holzplatten zu einem stabilen 8 cm starken Werkstoff verklebt. Formholzteile bestehen aus Fünfschichtplatten…“ und dann „Seit meinem Besuch in der Fertigung weiß ich, wie viel Zeit, handwerkliches Geschick, technisches Know-how,Erfahrung und Hingabe nötig sind, um diese kostbaren Hochglanzlack-Oberflächen herzustellen. Mindestens zwei Wochen ist ein Bauteil in dem Zyklus aus Lackieren und Trocknen unterwegs. Die dritte und letzte Lackierung härtet allein zwei Tage. „Dass alles reibungslos funktioniert, garantiert vor allem unsere hochqualifizierte Mannschaft“, erzählt Werkleiter Franz Nitsche stolz.“ (Zitat: Quelle: Zuhause Wohnen, Ausgabe 12/2009, Ulrike Wilhelmi )

    Und da frage ich Sie und mich: Will ich das? Ich sage eindeutig NEIN! Darauf kann ich sehr gerne verzichten! Danke für die Info und Danke Google, dass es dich gibt.

    Möbelhafte Grüße und: wir brauchen einen Ökofaktor in unserem Leben!
    Ihre Christine Müller

    Antworten
  6. Milli

    „Für wen Geiz wirklich „geil“ ist und sich auszahlt, erkennt man schnell, wenn man die verworrene Finanzstruktur sieht und Meldungen über Steigerungen der Gewinne durch den kostensenkenden Einsatz billiger Niedriglohnarbeiter hört, die so wenig verdienen, dass sie vom deutschen Staat mit Hartz IV bezuschusst werden müssen. “

    also ich weiß ja nicht, wie es vor 20 Jahren war, aber heute bekommt man bei Ikea absolut keinen Hungerlohn, im Gegenteil, dass kann ich aus Erfahrung berichten!

    Antworten
  7. scholar

    Jeder intelligente Mensch wird sich steuerschonend um sein Vermögen kümmern. Niemand zahlt freiwillig Steuern, die sich verhindern ließen. Ein Konzern greift dabei natürlich auf unzählige Lücken und Möglichkeiten zurück. Wenn diese auch legal sind, ist dies nicht vorzuwerfen – man will ja nicht heucheln.
    Billiglohnländer gibt es und sie werden so lange existieren wie der „Westen“ konsumiert. Welcher Weltkonzern dealt nicht mit solchen Ländern? Dieser Vorwurf hinkt zumindest etwas. Außerdem liegt das Problem bei den Regierungen, sozialen Strukturen und Gesetzen jener Länder, die Billig- und Kinderarbeit ermöglichen. Würde man den dortigen Menschen, Kinder eingeschlossen, die Arbeit nehmen, trifft es wohl die falschen. Die Medaille hat also zwei Seiten, die die Konzerne einfach akzeptieren. Druck auf Politik und Diplomatie wäre hier wohl sinnvoller, als heuchlerische Verurteilung großer Konzerne.

    Ich halte das Argument, dass Bio, Öko und faire Produkte zu teuer sind teils für wahr teils für eine Ausrede. Erstens sollte man so manch „Grünkonzern“ überprüfen und anprangern, die schlicht Wucher treiben, weil sie wissen, dass Menschen für solche Produkte mehr zahlen. Eine Mischung aus Geldgier und Geschäftssinn. Mit Öko und Bio kann man Kohle machen! Wahr, aber falsche Einstellung – falsche Richtung. Ich meine aber, dass dies mehr Kritik verdient, als ein klassischer Konzern. Hier fehlen die Aufdeckerbücher.
    Zweitens kann man zum einen auch in dieser Nische sehr günstig konsumieren und zum andern kommt man bei genauer Betrachtung und Vergleich von Preis und Haltbarkeit oft zum Schluß, dass sich die Kosten mehr als nur rentieren. Ersteres verlangt Engagement, Kreativität und Willen. Letzteres verlangt eigentlich nur Hausverstand.

    Schließlich spiegelt auch der Welthandel nur das wieder, was wir denken, sind und fühlen. Solange es Resonanz zu unfairen Systemen gibt, wird es diese auch geben. Aufklärung, wie dieses Ikeabuch, kann man nun verwenden um diesem Phänomen durch Bekämpfung, Zorn und Hass weiterhin Energie zukommen zu lassen oder, besser, eben die Energie zu entziehen und durch neue Resonanz zu faireren Systemen hinzuleiten. Die Verantwortung liegt also bei jedem Einzelnen, denn die Bösen da draußen gibt es nicht!

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  8. Kato

    Verbraucherverantwortung ist wichtig – nur wer hat denn genug Geld um wirklich mal all diese Verbraucherverantwortung wahrzunehmen? Der Konsument? Der muss Ökostrom haben, darf nicht bei den großen Kleidermultis kaufen, auch beim Lebensmittelkauf muss man gucken, bei den Möbeln ja auch, bei Elektrogeräten wird selten geguckt, aber auch da müsste man schauen usw. Überall müsste man mehr Geld ausgeben, Geld, was sich wie eine riesig große Wolke, die einfach nicht abregnen will über der Wüste befindet, die sich breite Bevölkerung nennt.

    Nun haben wir in D natürlich einige, die das alles oder wenigstens Teile davon machen können, aber auch viele, die das lieber nicht tun, weil ihnen die wirtschaftliche Situation zu unsicher ist (Wo steck ich nun das Geld rein? – In meine Kinder und deren Ausbildung oder in faire und Ökologische Projekte?) – dann gibt es einige, die wirklich auf jeden Pfennig achten müssen und gaanz wenige, die sich darum keine Gedanken machen müssten.

    Natürlich kann und wird man klein anfangen, aber perspektivisch wird da noch mehr geschehen müssen – die Wolken müssen verstehen, dass sie abregnen müssen, denn dort wo kein Wasser auf dem Boden ist kann auch kein neues mehr verdunsten – das führt irgendwann zum Kollaps des Ökosystems.

    Kato

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