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Ist Geld etwas Mystisches, eine geheimnisvolle Macht? Kann man unterschiedliche Geldsysteme kreieren? Im folgenden Artikel holt Elisabeth Paskuy den Mythos Geld auf den Boden der Tatsachen zurück.

Geld zu besitzen bedeutet, viele Möglichkeiten und Freiheiten zu haben. Wenn ich mir ein Auto kaufe und mein erspartes Geld weg ist, bin ich ein Stück ärmer geworden. Mir fehlt nämlich jetzt die Freiheit, unter allen Gütern zu wählen, meinen Kauf noch aufzuschieben, in die Zukunft zu planen. Jetzt habe ich mich festgelegt, und wenn ich falsch entschieden habe, werde ich die gleiche Summe Geldes nicht wiederbekommen.
Eine besondere Macht verbindet sich mit dem Besitz von Bargeld. Durch den Gebrauch der Karten hat das Bargeld weitgehend an Bedeutung verloren, trotzdem werden noch erstaunliche Mengen nachgefragt. So ein Bündel Hunderter hat etwas Sinnliches und Magisches und öffnet viele Türen. Bargeld wird heute laut einer Veröffentlichung der Bundesbank im Wesentlichen für Illegales verwendet: Drogen- und Waffengeschäfte, Prostitution und Korruption. Ein dickes Geldbündel in der Tasche umgibt einen mit einer Aura von Macht – als ob man sich die Welt und die anderen Menschen verfügbar machen könnte.
Damit erschöpft sich aber schon das Mystische des Geldes. Alles andere ist rationale Ökonomie und Politik.

Es gibt nur zwei Geldsysteme:

entweder ein staatliches oder ein privates Geldwesen. Mit der Einführung des Papiergeldes war das Geldwesen privat. Banken gaben Papiergeld aus, und wenn die Kunden genug Vertrauen hatten und das Papiergeld angenommen wurde, dann funktionierte der Handel mit diesem Geld. Als nach und nach die ganze arbeitsteilige Ökonomie Geld als Tauschmittel brauchte, gründeten die Banken eine Zentralbank, um den Geldumlauf zu vereinheitlichen und um Inflation zu vermeiden, die dadurch entstehen konnte, dass private Bankiers zu viel Geld in Umlauf brachten.
Dann kam der Staat ins Spiel: Geld soll dem Allgemeinwohl dienen. Die Zentralbank wurde entweder eine staatliche Institution, oder der Staat griff mit Gesetzen in die Tätigkeit der Zentralbank ein. Bis heute befindet sich z. B. die amerikanische Zentralbank im Eigentum der Banken, ist also im Prinzip privat, aber staatlichen Gesetzen unterworfen.

Die Industrieländer schufen folgendes System:
• Die (zumeist staatliche) Zentralbank versorgt die Banken mit kurzfristiger Liquidität und sorgt mit dem Instrument Leitzins für Preisstabilität. Wird der Leitzins hoch gesetzt, wird das Geld knapp, wird er gesenkt, wird die Geldmenge ausgeweitet.
• Die Banken sind (zumeist private) Dienstleistungsunternehmen, die vom Staat kontrolliert werden. Sie werden von der Zentralbank mit Geld versorgt, haben aber eigene Rechte der Geldschöpfung. Einlagen werden weitergeliehen, das erhöht die Geldmenge.
• Die Banken sollen die Unternehmen mit kurzfristiger Liquidität und längerfristigen Investitionskrediten versorgen. Das ermöglicht Investition, Produktion und Vollbeschäftigung. Wenn es Wachstum und Investitionen gibt, profitieren davon auch die Sparer, nämlich durch Zinsen.
Soweit die Theorie der Marktwirtschaft, die sich in der Praxis – insbesondere in Europa – glänzend bewährt und für viel Wohlstand gesorgt hat.
Diese goldenen Zeiten des Wohlstands sind vorbei. Ein Kampf um die Privatisierung des Geldwesens ist ausgebrochen, der an Heftigkeit seinesgleichen sucht. Das Ergebnis sind riesige Renditen, die mit der realen Wirtschaft nichts mehr zu tun haben.

Wie funktioniert das?

In Deutschland gehören die Aktien der Banken weitgehend anderen Aktiengesellschaften, darunter wieder Banken, so dass man von den vier Großbanken (Deutsche Bank, Commerzbank, Dresdner Bank, Hypovereinsbank) annimmt, dass sie sich zu etwa 70 Prozent gegenseitig gehören. Den Rest teilen andere große Konzerne wie Allianz, Daimler-Chrysler etc. unter sich auf.
Durch diese Verflechtung, die speziell für Deutschland bezeichnend ist und unter dem Namen “Deutschland AG” diskutiert wird, entsteht eine Banker-Elite aus Vorständen und Aufsichtsräten, die große Machtpositionen innehat und ihr Know-how für eigene Zwecke einsetzt. Dadurch wird die Bankenaufsicht ausgehebelt und die Regierung entmachtet. Das Geldsystem arbeitet nicht mehr im Interesse des Allgemeinwohls, sondern für private Zwecke. Daraus entstehen starke Machtpositionen und hohe Renditen für eine kleine Gruppe Reicher. Das Geldsystem wird nicht mehr demokratisch kontrolliert, sondern privatisiert sich zunehmend.

Erste Runde: Die Globalisierung

, d. h. die weltweite Vernetzung der Computer. Geld ist heute im Wesentlichen kein Papier mehr, sondern eine Zahl im Computer. Staatliche Kontrollinstitutionen verlieren die Kontrolle, weil die Transaktionen mit atemberaubender Geschwindigkeit vor sich gehen und an Menge so zugenommen haben, dass inzwischen pro Tag ca. 1500 Mrd.$ in den Computernetzen unterwegs sind –das Zwanzigfache jeder staatlich kontrollierten Geldmenge.

Zweite Runde: Die Banker drucken sich selber Geld

Das geht durch die immense Zahl von neuerfundenen Finanzmarktprodukten: Derivate, Wertpapiere (deren Wert in der Anknüpfung an andere Wertpapiere liegt). Diese Papiere werden nur zum kleinsten Teil auf den Publikumsmärkten gehandelt, zum größten Teil untereinander. Es entstehen viele verschiedene Fonds, das sind Firmen, die Wert- papiere halten, zumeist sehr kurzfristig, und damit handeln. Die Händler sind selbst Anbieter und Nachfrager und benutzen diese Papiere selber wieder als Geld, indem sie sie mit anderen Transaktionen verrechnen. Wertpapiere werden hauptsächlich von Finanzinstitutionen selbst gekauft: von Banken, Versicherungen, Fonds etc. und meist auf Kredit. Das erzeugt die in der ersten Runde erwähnte ungeheuerliche Aufblähung der Geldmenge.

Wird man dabei dauerhaft reich?
Nein, nicht wirklich. Die Geldmenge wird riesig aufgebläht. Es werden wilde Luftblasen erzeugt, die von Zeit zu Zeit platzen und zu großen Verlusten an den Börsen führen. Theoretisch gibt es so viele Verluste wie Gewinne. Die Profis gewinnen gegenüber den Anlegern, aber nur zum Teil deshalb, weil sie die Zukunft besser voraussehen, als vielmehr, weil der Staat über Anerkennung steuerlicher Verluste etc. kräftig mitbezahlt, während die Gewinne nicht im gleichen Maße besteuert werden.

Dritte Runde: Aus Geld wird Macht

Das viele neue Geld will sinnvoll investiert werden, nicht in Produktionen mit geringer Rendite, sondern gleich in großem Stil. Man finanziert Fusionen, kauft kleine Wettbewerber auf und sorgt für größere Einheiten, mit denen sich Machtpositionen aufbauen lassen und mehr Geld verdienen lässt. Am lukrativsten sind Monopole, wie an den riesigen Gewinnen der Stromkonzerne zu sehen ist.
Die Konzentration wird aber immer wieder durch den Wettbewerb neuer Konkurrenten kaputt gemacht.

Deshalb die vierte Runde: Schluss mit dem Klein-Klein! Jetzt wird groß gedacht

Die großen privaten Banken haben sich aus der Finanzierung des Mittelstands so gründlich zurückgezogen, dass in den meisten Branchen kein Mittelstand mehr existiert. Noch gibt es in Deutschland Sparkassen und Genossenschaftsbanken, die die kleineren Investoren finanzieren. Tatsächlich versuchen aber die Sparkassenbanker immerzu, im Business der Großen mitzuschwimmen. Und die Privatbanken klagen erfolgreich bei der EU gegen die öffentlichen Banken, die dem Gemeinwohl verpflichtet sind. Außerdem haben die internationalen Finanzmarktfonds ein neues Geschäft entdeckt, jedenfalls in Deutschland: Sie kaufen Unternehmen auf, ziehen das Eigenkapital raus und verkaufen wieder. Der Effekt ist, dass der in Deutschland in 60 Jahren erarbeitete Wohlstand in die Steueroasen fließt und die Marktwirtschaft schwer angeschlagen ist. Andere Länder schützen sich besser, mit guter Bankenaufsicht und Wettbewerbspolitik.

Fünfte Runde: Noch mehr Reichtum!

Dauerhaft entsteht der neue Reichtum nur, wenn Arbeitnehmer gute Leistungen für wenig Geld bringen, d. h. wenn es möglich ist, sie auszubeuten. Das funktioniert nur bei Arbeitslosigkeit und ausgeschaltetem Wettbewerb. Wenn die Leute der Ideologie glauben, dass hohe Löhne die Wirtschaft strangulieren und dass es einfach nicht mehr genug Arbeit für alle gibt, dann funktioniert der Systemumbau, die Revolution: Ein-Euro-Jobs für alle und immer schön anstrengen und gute Arbeit leisten. Dann erst geht die Schere zwischen Arm und Reich dauerhaft auseinander und das Geld kommt nur einer kleinen Gruppe zugute.

Geld ist nichts besonders Geheimnisvolles, nur ein ständiger Quell von Gier und Machtstreben. Und dazu gibt es keine Alternative als Respekt vor den Menschen, Klugheit und ordentliche staatliche Kontrolle.

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Eine Antwort

  1. Kultur Aufschwung

    Menschen verbindet mehr als nur Geld

    http://kultur-aufschwung.de/uns-verbindet-mehr

    Kommerzielle Projekte werden in der Regel eingestellt, wenn keine ausreichenden finanziellen Mittel bereitgestellt, erwirtschaftet werden oder keine finanziellen Abhängigkeiten mehr bestehen.

    Auf Freundschaft und Vertrauen aufgebaute (nationale und internationale) Netzwerke die einzelne Menschen zueinander oder Familien untereinander pflegen, kommen erst dann zum Erliegen, wenn „der Puls nicht mehr schlägt“ und „die Lunge sich nicht mehr bewegt“.

    Werden Freundschaft, Vertrauen und Verantwortung an neue Generationen durch Erziehung, Bildung und Kultur weitergegeben sind diese Verbindungen unsterblich.

    Antworten

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