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Auszug aus Samuel Widmers Zusammenfassung des Buches „Gemeinschaftsbildung“ von Scott Peck, das im Oktober 2007 auf Deutsch im eurotopia-Verlag (www.verlag.eurotopia.de) erscheint.

Scott Peck beginnt sein Buch mit einer Geschichte, die ich uns in unserer Gemeinschaft auch sehr ans Herz legen möchte: The Rabbi’s Gift.
Kurz zusammengefasst geht es darin um ein sterbendes Kloster. Nur noch ein paar wenige alte Mönche versammeln sich um einen ebenso alten Abt. In der Nähe gibt es eine Hütte, die gelegentlich von einem Rabbi aufgesucht wird. Diesen fragt der Abt schließlich um Rat, aber auch er weiß keine Hilfe, um den sterbenden Orden zu retten. Nur so nebenbei lässt er zum Abschied fallen, das Einzige, was er sagen könne, sei, dass einer von den übrig gebliebenen Mönchen bestimmt der Messias sein müsse. Nun beginnt das große Rätseln, denn über diese ihnen unklaren Aussage müssen die Mönche nun endlos brüten, was dazu führt, dass sie einander zunehmend mit großem Respekt zu behandeln beginnen. Schließlich könnte ja tatsächlich der jeweils andere der Messias sein. Dies führt dazu, dass das Kloster allmählich eine enorme Aura von Respekt zu umgeben beginnt, welche anfängt, in die Welt auszustrahlen. Und es dauert nicht lange, bis diese Ausstrahlung die Menschen anzieht und das Kloster wieder blüht.

In Gemeinschaft liegt die Rettung der Welt, durch Gemeinschaft wird sie kommen. Nichts anderes ist wichtiger. Trotzdem ist es praktisch unmöglich, Gemeinschaft  und was sie bedeutet, jemandem zu erklären, der sie noch nie erlebt hat. Alle Gemeinschaftsstrukturen in unserer Gesellschaft wie Dörfer, Städte, Länder, Institutionen, Kirchen, Klöster und so weiter sind in der Regel völlig entleert bezüglich des Gemeinschaftsgeistes.

Das, was heute Not tut in der Welt, ist, dass dieser Geist wieder gefunden wird. Wir müssen miteinander wieder zu Gemeinschaft finden, in Gemeinschaft kommen. Wir brauchen einander. Weltfrieden und globale Gemeinschaft werden allerdings nicht entstehen können, solange wir die Basics, die grundsätzlichen Gesetze über Gemeinschaft, nicht erlernt haben und sie nicht anzuwenden verstehen in Bezug auf unser persönliches Leben, auf unsere persönliche Einfluss-Sphäre. Die Regeln des gesellschaftlichen Spiels, wie es heute gespielt wird, müssen dringend geändert werden, damit wir wieder ganz und heil werden können. Dies ist ein spiritueller Prozess. Spirituelle Heilung ist ein Prozess des Ganz- und Heilwerdens.

Die Regeln für Gemeinschaft

Ein wichtiges Grundprinzip von Gemeinschaft besteht in der Freiheit, man selbst sein zu dürfen, das heißt, seine wirklichen Gefühle haben und zum Ausdruck bringen zu dürfen. Wir alle wissen, dass wir kaum je, weder in unserer Kindheit, in unserer Vergangenheit, noch in unserer Gegenwart, Orte kennen gelernt haben, an denen es sicher war, man selbst zu sein.
Heute grassiert allenthalben ein bis ins Krankhafte überbetonter Individualismus, durch den man sich vor den Folgen dieser Unsicherheit retten will. Er führt aber zu Zersplitterung und Isolation. Was nötig ist, ist nicht dieser übertriebene und maligne Individualismus, sondern ein weicher Individualismus, das nämlich, was bereits C. G. Jung als Individuation bezeichnet hat, ein Prozess der menschlichen Entwicklung, in dem wir zu vollkommen ausgereiften Individuen werden, ganz und gar unser wirkliches Selbst.

Gemeinschaft kann man oft daran erkennen, auch wenn dies nicht zwingend ist, dass sie ihre eigenen Mythen bildet. Gemeinschaften erkennt man aber vor allem daran, dass sich ihre Mitglieder in ihnen sicher fühlen, dass sie keine Angst haben, authentisch zu sein, ihre wirklichen Gefühle zu zeigen. Man fühlt sich darin zu Hause. Wirkliche Gemeinschaft hat eine heilende Kraft. Wer damit in Berührung kommt, wer das Gefühl von Gemeinsamkeit wirklich in der Tiefe erlebt hat, dessen Leben hat eine neue Ausrichtung bekommen. Darum veranstaltet Scott Peck Community-Building-Workshops, weil es ihm ein Anliegen ist, möglichst vielen Menschen dieses Erlebnis eines Gemeinschaftsgeistes zu vermitteln, da daraus Heilung und eine neue Motivation, in Gemeinschaft zu gehen, kommen wird. Den meisten Gruppen in der Welt, daran ist es zu erkennen, fehlt diese heilende Kraft, sie sind nicht wirkliche Gemeinschaften. Gemeinschaft ist grundsätzlich herstellbar, sie muss nicht ein Zufallsprodukt sein. Wo zwei oder drei in meinem Namen zusammenkommen, hat bereits Jesus gesagt, bin ich mitten unter ihnen, kommt es zu diesem Gefühl des Einsseins. In unserer Sprache würden wir dasselbe eher so ausdrücken: Wo sich eine Gruppe von vielleicht sogar sehr unterschiedlichen Leuten zusammen um die Liebe versammelt, stellt sich dieses Einheits- oder Gemeinschaftsgefühl unweigerlich ein.

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