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Wir schreiben das Jahr 2011. Angenommen ein Außerirdischer würde diesen Planeten betreten, käme in eine Stadt, und würde im Zuge seiner Forschungen in einem Kino landen – was würde dieses Wesen sehen?

Mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Film, in dem sich Menschen auf jede erdenkliche Art Gewalt antun. Der Bericht über die Menschen im 21sten Jahrhundert würde wohl von jedem halbwegs zivilisierten Wesen ähnlich ausfallen. Verwunderung und Entsetzen.
Wie kann es sein, dass allerorts von wachsendem Bewusstsein die Rede ist, und gleichzeitig in Medien extreme Abstumpfung stattfindet? Filme, die heute frei zugänglich sind, wären vor 20 Jahren indiziert worden. Man muss kein Freund von Horrorfilmen sein, um zu bemerken, dass selbst in herkömmlichen Hollywoodproduktionen die niedersten Bedürfnisse von Menschen angesprochen werden.

 

Gewalt ist ok, Geburten zu blutig?

Da werden Regisseure gefeiert, deren einziges Verdienst ist, Gewalt zu idealisieren und zu ästhetisieren. Es darf darüber nachgedacht werden, wie es sein kann, dass wir in einer Welt leben, in der es als „normal“ gilt, wenn sich Menschen in Filmen und Computerspielen abschlachten. Real gezeigte Geburten in Filmen bleiben dagegen weiterhin absolute Ausnahmen!

Nicht selten hörte ich – sobald ich öffentlich oder unter Freunden Gewalt in den Medien kritisierte – dass „Gewalt zum Leben“ gehöre und „natürlich sei“. Und Filme reflektieren diese Gewalt angeblich… Interessanterweise kam dieses Argument ausnahmslos von Männern. Auch sind es immer wieder Jungs und später Männer, für die Gewalt in Filmen eine Bedeutung hat. Was könnte das also sein?

Sensibilisiert wurde ich durch meine Freundin, die bei „ganz normalen“ Hollywood-Produktionen regelmäßig die Frage aufwarf, wozu eigentlich all das dargestellte Gemetzel diene. Anfangs verstand ich kaum, was sie meinte, so selbstverständlich waren die gezeigten Gewalttaten. Angeregt durch persönliche Konflikte, von meiner eigenen Wut und Gewaltbereitschaft angeregt, begannen langjährige Forschungen, in denen ich einem Phantom auf der Spur war. Inzwischen weiß ich, dass es ein so komplexes und vielschichtiges Thema ist, dass es kaum in einigen Zeilen abzuhandeln ist. Darum hier ein paar einfache Denkanstöße:

 

Bambi als Einstiegsdroge

bambiDas erste Mal wurde ich nicht im realen Leben mit Gewalt konfrontiert, sondern im Kino, von dem angeblich so niedlichen Kinderfilm „Bambi“. Bei der Verfolgung von Bambi durch Jagdhunde wurde das erste Mal in meinem Leben Adrenalin ausgeschüttet. Wurde dadurch eine ernsthafte Drogenprägung geschaffen? Sicher ist: Niemand hat mich darauf vorbereitet. Und es reflektierte nichts in meinem Leben. Da wurde eine fremde, substanzlose Welt vor mir aufgetan.

Film um Film wurde ich weiter mit Filmen gefüttert, in denen „Spannung“ verkauft wurde.

Was genau soll an Spannung toll sein? Wann wurde jemals ein Film verkauft, weil er so entspannend wäre? Wann wurde ein Film jemals für seine meditativen Qualitäten beworben? Gewalt war selbst an Stellen, wo niemand sie erwarten würde: in Comicfilmen, Cartoons, und Komödien. Als so genannter „Slapstick“ getarnt, taten sich gezeichnete Tiere oder schauspielende Komödianten gegenseitig weh. Je heftiger, desto lustiger. Welchem Kind wäre jemals klar gewesen, was dahinter steckte? Wer die waren, die sich das ausdachten, und was ihre Beweggründe waren? Wie könnte man sich dem entziehen, wenn in der Schule, unter den Jungs genau diese Filme das wichtigste Gesprächsthema sind? Wenn „dazu gehören“ ein ungeschriebenes Gesetz ist?

 

Der Einfluss von Gewaltdarstellungen auf unsere Psyche

Es gibt mittlerweile Studien über den Einfluss von Gewalt in den Medien auf Kinder und Jugendliche. Es ist ein Gerücht, dass dieser Einfluss nicht bewiesen wäre. Studien verschiedener Forschungsprojekte weisen alle auf den gleichen Punkt hin:
Konsum von Gewalt in Filmen und anderen Medien, verstärkt Gewaltbereitschaft.

(Wer tiefer in das Thema einsteigen möchte, dem sei empfohlen, im Internet „Gewaltforschung“ einzugeben. Dazu ist inzwischen einiges gesagt und herausgefunden worden.)

Das ist nicht weiter verwunderlich, denn in Filmen mit Gewalt wird eine einfache Botschaft vermittelt: Gewalt wäre ein adäquates Mittel um sich durchzusetzen. Täter werden als Helden idealisiert, und Opfer sind die Witzfiguren und Verlierer. Bis heute gibt es wenige Filme, die sich mit dieser Thematik auseinandersetzen, und hinterfragen, ob das richtig sein kann. Oder umgekehrt:
Wer kennt einen einzigen Film, wo zwei Männer sich wütend streiten, im Streit innehalten, sich hinsetzen, eine Runde atmen, und sich dann so lange in die Augen sehen, bis sie weinen und lachen? (Ich kenne keinen solchen Film, aber es ist bestimmt einer, den ich endlich sehen will.)

Gewollt oder ungewollt, bewusst oder unbewusst, schwimmen Menschen in einem morphogenetischen Feld, wo Gewalt als normaler Bestandteil des Lebens angesehen wird.

Zeit das zu ändern? Wäre es ein riesiger Fortschritt, wenn es mehr Filme gäbe, die das Leben zelebrieren, und neue Wege für Konfliktlösungen aufzeigen?

 

Zeit für wirkliche Lösungen und Inspirationen

Die zentrale Basis für alle Gewalt- und Wutfantasien ist Angst. Angst vor dem Fremden, Angst vor dem Unbekannten, Angst davor loszulassen, Angst vor dem eigenen Schmerz, etc… Es ist nichts gewonnen, ständig und immer wieder die Angst und Wut zu thematisieren, und immer neue beeindruckende Bilder dafür zu finden. Nun darf weitergeträumt werden. Bilder und Geschichten, die beeindrucken, weil die Lösungsansätze so anders, so heiter, so frei sind. Welten, in denen Menschen sich einander mit helfenden Händen zuwenden.

Es gibt sie bereits, die neuen GeschichtenerzählerInnen. Neue Geschichten und Bilder für denkende und fühlende Menschen. Es ist an jedem Einzelnen und jeder Einzelnen genau zu überlegen, was er/sie in sich lässt und wofür Geld ausgegeben wird. Frag Dich, wenn Du beim Kauf eines Buches, einer DVD oder eines Kinotickets unterstützt. In einer Zeit des Wandels wird selbst eine solch einfache Handlung eine Manifestation. Zeige, wen Du wirklich liebst. Ich habe die Wahl, Du hast die Wahl. Frage dich, inwieweit Deine Wahl Menschen zu Millionären macht, die keine wirklichen Lösungen und Inspirationen anbieten. Frage Dich, ob das, was Du da siehst etwas ist, was Du in Deinem Leben erleben wollen würdest. Gewalt in den Medien ist eine mäßig sinnvolle Kompensation für die Freiheit und das Abenteuer, das in Deinem Leben vielleicht fehlt. Das größte Abenteuer ist, die Antwort in sich zu finden, friedvolle Wege zu gehen. Das ist der Stoff, aus dem die besten Geschichten des 21sten Jahrhunderts gemacht werden.

 

Bilder

High Tension /Lions Gate Ent.

Bambi /Disney Pictures

Postal 2 / Running with Scissors

 

4 Responses

  1. Catty

    Ich bin voll und ganz der Meinung von Vigor. Genauso hätte ich das auch ALLES beschrieben. Und leider fängt es schon in der Kindheit an, mit den Filmen, eigentlich auch den Bücher z.B. „Max und Moritz“, echt brutal das unseren Kinder vor zu lesen, aber ich tat es leider auch, heute schäme ich mich dafür.
    Ich frage mich immer wieder, wie man mit solchen Horror und Gewaltfilmen Geld verdienen kann, aber so lange die Menschen ins Kino gehen und die DVD`s kaufen, so lange wird es auch produziert werden, leider. Ich hoffe es wird sich ganz rasch eine neue, höhere Bewusstseinsstufe für die Menschen entfalten, wo keiner mehr abweichen kann ! Gewalt und Dunkelheit wird sich nicht mehr lange halten können, das Licht wird immer stärker, „GOTT sei DANK“!!!

    Ich wünsche Euch allen viele Licht und Liebe
    Catty 😉

    Antworten
  2. Martina Gebert

    Ich denke, dass das Dynamische auf jeden Fall zum Leben gehört. Ein wichtiges Prinzip. Und/aber, was die grobe Gewalt angeht: Da hält man sich am besten an die, die solche Darstellungen nicht (mehr) brauchen. Wenn der Wunsch besteht, ist es vielleicht besser, sich ernsthaft mit dem Thema auseinanderzusetzen.

    Herzliche Grüße
    Martina Gebert

    http://www.astrologische-zyklen.de

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  3. Mike

    Es geht noch weiter: der Gewalttätigste kriegt auch die Frau(en)! So wird ein Eigeninterresse in die Gewalttätigkeit und Gewaltbereitschaft implementiert…und wie so schön beschrieben, fängt die Prägung ja schon im Kindesalter an…

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  4. Kato

    aktuell im Kino – schöner Film über die Liebe: Das Labyrinth der Wörter http://www.youtube.com/watch?v=mAbgEFVrKRk
    Auf DVD, ein Film über Buddhismus, das Leben, die Liebe, das Leid, die Kraft der Frau: Samsara http://www.youtube.com/watch?v=B76ulnQf2bk
    Auf DVD: Die Fabelhafte Welt der Amelie

    Wer hat auch noch Tips. Ganz speziell auch Tips zu PC-Spielen (da gibts sowas glaub ich gar nicht).

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