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Interview mit Kiara Windrider, exklusiv geführt für SEIN 03/2008

Fragen: Shako M. Burkhardt

Übersetzung: Marion Kalmbach

Kiara Windrider war einer der ersten „Westler“, die den damals noch 21-tägigen Prozess absolviert haben, der zum Weitergeben der „Deeksha“ genannten Energie befähigen soll. Sein Buch hierüber wurde das Standardwerk zum Thema. Shako M. Burkhardt befragte ihn für SEIN.

SEIN: Die meisten Leute verbinden deinen Namen mit dem Buch über Deeksha, das du geschrieben hast und das viele erst dazu gebracht hat, sich damit zu beschäfigen. Nur wenige wissen, dass sich einiges an deiner Einstellung zu Deeksha und der Organisation dahinter verändert hat …

Kiara Windrider: Ich weiß Amma und Bhagavan, die Gründer der Oneness University, sehr zu schätzen, dafür, dass sie eine Vision des globalen Erwachens halten, eine Vision, die ich ebenfalls die meiste Zeit meines Lebens geteilt habe. Ich bin auch dankbar für das, was Bhagavan und Amma im Hinblick auf die Ermöglichung des Erwachens für die Massen getan haben. Was sich für mich geändert hat, war meine Reaktion auf die Annahme, dass Amma und Bhagavan selbst die göttliche Quelle des Segens seien, und dass Deeksha der einzige Weg sei, durch den ein globales Erwachen geschehen könnte.

Mein aktueller Umgang mit Deeksha und der Oneness University ist der gleiche, den ich mit jeder Lehre hätte: zu unterstützen, was sich für mich richtig anfühlt und in Frage zu stellen, was sich nicht richtig anfühlt. Ich unterstütze die Vision und die Absicht, die durch die organisatorische Struktur der Oneness University zum Ausdruck gebracht wird, aber es gibt auch einige Ungereimtheiten und blinde Flecken, die ich nicht unterstütze.

SEIN: Gibst du selbst noch Deeksha? Wenn ja, was hat sich dabei für dich verändert? Und worin besteht der Unterschied zu dem, was du „Ilahinur“ nennst und womit du neuerdings arbeitest?

Kiara Windrider: Ja, ich gebe noch Deeksha. Nur wende ich mich jetzt, anstatt der Anrufung von Bhagavan und Amma, direkt an die kosmische Quelle, wenn ich die Energie hereinbringe. Ich sehe dies als die ursprüngliche Essenz des Begriffs „Deeksha“, was ein Begriff aus dem alten Sanskrit ist, mit der Bedeutung: „Übertragung des göttlichen Lichts“. Ilahinur kommt aus der gleichen kosmischen Quelle, wenn auch aus einer anderen Tradition. Viele erfahren tiefe Zustände kosmischer Einheit, wenn sie diese Energie integrieren, während sie gleichzeitig immer mehr präsent und geerdet in ihrem körperlichen und emotionalen Körper sind.

SEIN: Ich habe gehört, eine Einweihung in Ilahinur benötige gerade mal drei Tage, während es bei Deeksha ja drei Wochen dauert – könnte man also sagen, Ilahinur ist die kostengünstigere Alternative zu Deeksha?

Wenn eine Person eingestimmt ist auf die kosmische Quelle, kann die Ausbildung 3 Minuten dauern. Ich glaube, dass wir alle bereits Kanäle für das göttliche Licht sind. Die Ausbildung, auf die wir uns hier beziehen, ist einfach eine Frage des Fokus und der Absicht. Die „Einweihung“ kommt nicht von einer Person oder menschlichen Organisation, sondern direkt aus den morphogenetischen Feldern eines erwachten Bewusstseins, und wenn Menschen sich diesem Feld öffnen und lernen, mit ihm zu arbeiten, können sie wiederum anderen helfen, das gleiche zu tun.


SEIN:  Sprichst du im Zusammenhang mit Deeksha – oder auch Ilahinur – noch von „Erleuchtung“? Würdest du sagen, dass hierdurch tatsächlich jemand „erleuchtet“ wurde? Wenn nein – wozu ist es dann gut? Wenn ja – wurde „Erleuchtung“ ursächlich bewirkt oder einfach nur eine ziemlich gute Vorbereitung dafür gegeben?

Die ursprüngliche Aussage zu Deeksha war, dass sie physiologische Veränderungen im Gehirn initiieren würde, die zur Erleuchtung führen, und dies war der Grund, warum sich viele Menschen, einschließlich mir selbst, zu dieser Arbeit hingezogen fühlten. Diese Aussage wird inzwischen nicht mehr gemacht. Ich persönlich glaube, dass viele verfrühte Schlüsse gezogen wurden, und den Leuten wurde oft gesagt, sie wären erleuchtet, wenn sie einfach nur eine kosmische Erfahrung hatten. Wenn eine „dunkle Nacht“ unweigerlich folgte, waren die Menschen furchtbar verwirrt oder desillusioniert. Ob jemand tatsächlich durch Deeksha erleuchtet wurde, kann ich nicht bestätigen, aber es gab viele Fälle, in denen jemand erst als erleuchtet erklärt wurde und dann später wieder als nicht erleuchtet. Ich persönlich denke, daß der Weg zur Erleuchtung Demut und Hingabe erfordert. Es ergibt keinen Sinn, Erleuchtung zu beanspruchen, wenn sie nicht in mitfühlendem täglichem Handeln gelebt wird. Trotzdem fühle ich, dass sowohl Deeksha, als auch Ilahinur den Menschen auf diesem Weg helfen können durch die Öffnung des Herzens, durch Lockerung der Urteile und Kontrollen des denkenden Verstandes und indem sich eine Tür öffnet für den Zugang jedes Einzelnen zu seiner eigenen göttlichen Präsenz.

Wir reden immer noch über
Erleuchtung, als sei sie
eine Art
spiritueller
Errungenschaft

SEIN:  Was bedeutet „Erleuchtung“ für dich?
Advaita-Lehrer sagen zB., dass das Erwachen ein existentieller Schock sei, eine Explosion, und also wenig damit zu tun hat, dass Leute auf rosa Wölkchen sitzen und Händchen halten. Sie belustigen sich auch darüber, dass man die  „Erleuchtung“ weiterreichen könne wie einen „orangenen Ball“, oder dass „planetare Wellen“ darauf irgendeinen Einfluss haben könnten, was ja etwas ist, was von dir vertreten wird …

Ich verstehe unter Erleuchtung nicht, Händchen haltend auf rosaroten Wölkchen zu sitzen. Vielmehr geht es darum, die rosa Wölkchen anzunehmen, wenn sie kommen, und ebenso die dunklen Stürme willkommen zu heißen, wenn sie auftreten. Ich würde Erleuchtung definieren als Freiheit von der Kontrolle des denkenden Verstandes, als Freiheit von der polarisierten Wahrnehmung des persönlichen Ego. Wenn wir nicht mehr damit identifiziert sind, die „Macher“ zu sein, dann wird das Leben zu einem „Geschehen“. Wir befassen uns spontan mit dem Leben in jedem Moment, ohne übermäßig beeinflusst zu sein, entweder von Schuld und Konditionierung aus der Vergangenheit oder von übertriebenen Erwartungen und Befürchtungen für die Zukunft.

Vielleicht gab es eine „rosa-Wölkchen-Phase“ in der frühen Deeksha-Bewegung, als viele von uns der Ansicht waren, dass die Erleuchtung gleich um die Ecke lag. Wenig später kam jedoch die Erkenntnis, dass es bei Erleuchtung nicht einfach darum geht, irgendeinen Schalter im Gehirn umzulegen, und dass es einen Prozess der emotionalen und spirituellen Reife benötigt. Es erfordert auch eine Zeit der Integration und der Entgiftung auf einer physischen Ebene. Ich persönlich sehe darin eher einen Prozess als eine Art magisches Ereignis.

Ich glaube durchaus, dass die Menschheit sich weiter entwickelt, ob wir das nun Erleuchtung nennen oder nicht. Und ich fühle, dass wir gerade jetzt in einer Zeit des Übergangs sind, wie auch immer wir das bezeichnen wollen. Jede Art von Quanten-Erwachen erfordert einen Zeitraum von Chaos und Aufruhr, egal ob auf einer persönlichen oder kollektiven Ebene. Wenn wir diesen Prozess verstehen, wird es leichter für unseren Verstand, seine instinktiven Ängste vor Mysterium und Veränderung loszulassen.

SEIN: Glaubst du weiterhin an das baldige Herannahen eines „Goldenen Zeitalters“? Wenn ja:  wie kann man sich das vorstellen? Wäre jedermann „erleuchtet“ – selbst die, die im Augenblick nicht einmal die geringste Vorstellung davon haben, was das bedeuten könnte – geschweige denn, dass sie es dann sein wollten, wenn sie es wüssten …? Das Goldene Zeitalter – ein Totalitarismus der Erleuchtung?

Eine totalitäre Erleuchtung ist ein Widerspruch von Begriffen! Aber ich glaube schon, dass wir uns zu einer neuen Spezies entwickeln. Sri Aurobindo bezeichnet dies als das „supramentale Erwachen“. Die Ideen und Konzepte, die wir dazu haben, mögen nichts mit dem zu tun haben, was passiert, wenn es dann tatsächlich passiert. Wir reden immer noch über Erleuchtung, als wäre es eine Art spirituelle Errungenschaft, während es vielleicht nur ein Aspekt eines evolutionären Prozesses ist, viel größer als unser begrenzter Verstand das im Moment erfassen kann. Von einem „goldenen Zeitalter“ zu sprechen aus der Perspektive unseres aktuellen Verständnisses des Universums, ist wie von einem „Himmel“ zu sprechen, wo jeder auf rosa Wolken sitzt und Harfe spielt!

SEIN: Du schreibst gerade an einem neuen Buch – kannst du uns schon verraten, worum es gehen wird?

Es heisst ‚Journey into Forever‘ (A.d.Ü: Deutscher Titel noch nicht verfügbar), und spricht einige derselben Fragen an, die Du so wunderbar aufwirfst. Ich fühle, dass wir auf einen evolutionären Impuls reagieren, und dass es hierbei physische als auch mystische Aspekte gibt. Zum Beispiel, was bedeutet es, dass unsere Gedanken und Erinnerungen verknüpft sind mit den Magnetfeldern der Erde, und dass diese Felder im Begriff sind, zu kollabieren? Was bedeutet es, wenn die Wissenschaftler uns sagen, dass die grundlegende harmonische Frequenz aller Materie in unserem Sonnensystem sich bald verändert? Was haben globale Erwärmung und Klimaveränderungen zu tun mit der Kundalini Aktivierung, die so viele Menschen heutzutage spontan erleben? Wie passen Techniken wie Deeksha, Ilahinur und so viele andere in dieses größere Bild? Und vor allem, welche Möglichkeiten haben wir bei der Gestaltung dieses evolutionären Prozesses?

SEIN: Was können Leute erwarten, die zu einem deiner Seminare kommen?

Wenn wir in unsere Herzen hineinsinken können, und die Wahrheit dessen berühren, wer wir sind; wenn wir in den Spiegel schauen und alles umarmen können, was wir sehen; wenn wir die Wahrnehmung der Realität loslassen können, die auf konditionierten Reaktionen auf das Leben basiert, dann sind wir auf einem Weg der Freiheit, egal, wie wir es sonst nennen. Die Techniken und die Spiele des Verstandes sind nicht so wichtig. Es ist wichtig, ein grundlegendes Maß an Vertrauen in uns selbst und für die Welt zu entdecken, und uns aus einer Fixierung mit unseren eigenen persönlichen Dramen zu einem Ort der Klarheit zu bewegen, wo wir dem Ganzen dienen können. Das ist es, worin ich mir am meisten wünsche, andere Menschen zu unterstützen, und was viele Menschen in den Seminaren, die ich anbiete, beginnen zu erfahren.

SEIN: Danke für das Gespräch!

(Das Interview wurde per Email geführt)

Über den Autor

Avatar of Kiara Windrider

wurde in Indien geboren, hat in den USA studiert und als Psychotherapeut gearbeitet. Heute ist er ein weltweit reisender spiritueller Lehrer, der sich mit Leidenschaft und Humor der Entwicklung eines höheren Bewusstseins der Menschheit widmet.

Mehr Infos

Fr, 8. Mai, 19 Uhr: Abendveranstaltung mit Ilahinoor-Gabe, Kosten: 25 €
Sa, 9. Mai, 10-18 Uhr: Ilahinoor-Tagesseminar mit Einweihung in Ilahinoor, Kosten: 80 €
Info und Anmeldung: Jörg-Michael Krah, Tel. 030 – 447 931 93 oder joerg_michael_ krah@freenet.de
So, 10. bis Fr, 16. Mai: Ilahinoor Intensive Retreat, Kosten: 576 € incl. Ü/V
Info und Anmeldung: Annette Haas,
Tel. 030 – 8894 06 44
ahaas@finkenwerderhof.org

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