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Aufgestachelt durch manipulierende Medien ziehen wir in einer zutiefst beschämenden Weise über Griechenland her und beschädigen den Frieden bewahrenden Gemeinschaftsgedanken der EU.

 

Besserwisserisch über die Griechen herzuziehen ist völlig unangebracht, wenn man selbst im Glashaus sitzt. Wir sollten uns an die eigene Nase fassen, die Klappe halten und über unsere eigene Situation nachdenken, denn dann könnten wir vor allem die jungen Griechen verstehen, warum sie gegen ihre Geldelite, deren korrupte Politikerkaste und die unfähige Beamtenschaft protestieren. Laut Statistik liegt die Staatsverschuldung Griechenlands bei 121 Prozent des BIP. Offiziell liegt die Staatsverschuldung Deutschlands bei 73 Prozent des BIP (ca. 1800 Mrd. Euro). Inoffiziell liegt sie aber inklusive der nicht in der Schuldenstatistik erfassten Verpflichtungen aus Renten und vor allem Beamtenpensionen, für die es keine nennenswerten Rücklagen gibt, bei 250 Prozent des BIP* (6100 Mrd. Euro). Mit dieser Schuldenlast ist Deutschland mehr als pleite und sicherlich kein Vorbild für die EU. Den Griechen nun ohne Unterschied die Verantwortung für den Niedergang des Euro in die Schuhe zu schieben ist mehr als  unfair. Mit unserer einseitig auf Export ausgerichteten Wirtschaft tragen wir eine ordentliche Mitschuld. Wir sind der größte Profiteur des Euro und der EU-Staatengemeinschaft, denn der Großteil unserer Exporte geht in die europäischen Nachbarländer und nicht in die USA oder nach China. Wir leben von Europa! Besonders verachtenswert ist, dass ein Großteil unserer Rüstungsexporte in die EU und hier vor allem nach Griechenland geht. Vier Prozent des BIP wendet Griechenland für sein Militär auf. In Deutschland sind es 1,3 Prozent. Würden Griechen und Türken sich besinnen und in den Armen liegen, würde unsere Rüstungsindustrie alt aussehen.

Wenn wir nun, wie allerorten gepoltert wird, aus der Währungsunion austreten und die D-Mark wieder einführen, wissen wir nicht wirklich, was wir da sagen. Die D-Mark war die Leitwährung für Europa, so wie der Dollar (noch) die Leitwährung für die Welt ist. Viele europäische Staaten orientierten sich mit ihren Währungen an der D-Mark und ihrer Stabilität. Doch die war bitter erkauft. Die Bundesbanker mussten verhindern, dass die D-Mark gegenüber dem Dollar zu stark und deutsche Waren auf den Weltmärkten zu teuer wurden. Doch der Dollar wertete immer weiter ab. Wurde also immer billiger, weil er immer weiter nachgedruckt wurde, inflationierte. Mit dem Ergebnis, dass die deutsche Notenbank gezwungen war immer mehr Dollar aufzukaufen, um die Parität (Wechselkursverhältnis) der D-Mark zum Dollar in einer bestimmten Bandbreite zu halten. Das war nicht länger durchzuhalten. Die Erlösung kam mit dem Euro.  

Während wir über die Griechen herziehen, wird vergessen, wer eigentlich die Verantwortlichen für die ausufernde EU-Staatsverschuldung sind. Haben wir nicht die Banken mit Steuergeldden vor der Pleite gerettet? Hat die EZB- Notenbank den Banken nicht billiges  Geld verschafft, welches sie aber kaum an Unternehmen verleihen? Wer verhindert, dass die Banken weltweit mit billigem Notenbankgeld gegen Griechenland und gegen den Euro wetten?

Kaum haben die Regierungen der EU ein Rettungspaket von 750 Mrd. Euro für Griechenland geschmiedet, macht der Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann mit seinem in einer Fernsehsendung geäußerten Zweifel – dass Athen nicht die Leistungskraft aufbringen wird, seine Staatsschulden tilgen zu  können – wieder alles zunichte. Ackermann ist kein Politiker, der nur mal seine Meinung äußert. Er ist im Euro-Raum der einflussreichste Banker, und er ist angetreten, seinen Aktionären eine Rendite von 25 Prozent einzufahren. So darf davon ausgegangen werden, dass Ackermanns Bank im Hintergrund schon längst auf den Niedergang Griechenlands, ja vielleicht sogar auf den Niedergang des Euro wettet und seine Meinungsäußerung dazu dient, die Wette zugunsten der Deutschen Bank erst so richtig anzuheizen.

Spätestens jetzt sollten wir uns darüber im Klaren sein, dass wir von der Finanzindustrie vorgeführt werden. Die Griechen waren nur die ersten, die kapitulieren mussten. Andere Staaten werden  folgen.

Während das Geld noch mit sich selbst beschäftigt ist, wäre es klug, die Bürger Europas würden alles daran setzen, die Party möglichst unauffällig durch die Hintertür zu verlassen. Alle, die ihr Geld in einer privaten Lebens- oder Rentenversicherung, oder in einem Geldmarktfonds angelegt haben, sind Teil dieser Finanzindustrie. Wo haben Versicherer, wo haben Banken ihr Geld angelegt? In vermeintlich sicheren Staatsanleihen. Und den Griechen sollten wir, statt sie zu beschimpfen, zurufen: Ihr habt Europa vor 2500 Jahren erfunden. Lasst uns gemeinsam ein neues Europa und ein neues Geldsystem erfinden, das nicht mehr durch die Finanzmärkte manipuliert werden kann. 

 


Mit BIP = Bruttoinlandsprodukt wird die gesamte Wirtschaftskraft eines Staates bezeichnet, die im Inland erwirtschaftet wird.

* Bundespräsident Horst Köhler im FOCUS-Interview

Hauptgrund des aktuellen Anstiegs der Staatsausgaben sind die Schulden der Banken.

Auch die Rettung Griechenlands ist hintergründig betrachtet wieder nur eine Rettung der Banken.

Allein deutsche Banken haben ca. 30 Mrd. Euro in griechische Staatsanleihen investiert.
Frankreichs Banken halten 57 Mrd. Euro in griechischen Staatsanleihen.


Abb: © nata_rass – Fotolia.com

 

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