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Wohl kaum eine körperliche Betätigung ist gleichsam so ursprünglich als auch auf vielfältige Weise für das „Gesamtpaket Mensch“ von Vorteil wie Wandern: Es trainiert nicht nur, sondern gibt auch der Seele viel Freiraum.

 

Mit genügend Willen und Geldeinsatz lässt sich praktisch jede Bewegungsform technisieren, auch das Wandern. Dabei ist gerade diese ursprünglichste aller Fortbewegungsarten schon in ihrer Grundform ein so erholsamer Quell für Körper, Geist und Seele, dass man sich fragen muss, warum es nicht mehr Menschen in die Natur treibt, um dort zwischen seelischer Erholung, frischer Luft und körperlicher Bewegung Positives für ihren Alltag zu finden. Die folgenden Punkte erklären nicht nur, warum Wandern ein solches Multitalent ist, sondern auch, wie der Einstieg gelingt.

1. Was hat Wandern mit der Seele zu tun?

 

Für manche sind flache Küstenlandschaften, hier Flandern, zu monoton. Der Vorteil ist jedoch: Gerade weil sie so flach sind, ist das Wandern dort sehr einfach.

Für manche sind flache Küstenlandschaften, hier Flandern, zu monoton. Der Vorteil ist jedoch: Gerade weil sie so flach sind, ist das Wandern dort sehr einfach.

Die Natur ist der Gegenpol zu allem, was uns in unserer modernen Welt beherrscht: Hier staut sich kein Verkehr und hier mahnt kein Chef zu mehr Leistungsbereitschaft. Die Natur ist der Ursprung des Menschen, lange bevor er sesshaft wurde. In ihr erleben wir die Rückkehr zu einer inneren Ruhe, die sich kaum anderswo finden lässt. Dieses Empfinden ist Teil der Öko-Psychosomatik. Wie gut eine Wanderung unserer Seele tut, hängt demnach auch davon ab, ob wir durch eine, von uns persönlich als „schön“ definierte Landschaft wandern, oder nicht:

  • Mancher sieht vielleicht in Bergen nur Hindernisse und könnte sich ob der Anstrengung einer solchen Wanderung nie wirklich entspannen.
  • Andere sehen in windigen, flachen Küstenlandschaften nur Trostlosigkeit und finden hier keine innere Ruhe.

Unterm Strich erlaubt eine solche Landschaft, durch die wir mit echtem Genus wandern, also eine sehr einfache und gleichzeitig umfassende Freude – eine „Erquickung der Seele“, um es philosophisch zu benennen.

2. Was hat Wandern mit dem Geist zu tun?

Einer der Gründe, warum der Jakobsweg heute so vielbelaufen ist: Lange Wanderungen wie Pilgerreisen ermöglichen eine geistige Tiefenentspannung, wie sie kaum in anderen Formen zu finden ist.

Einer der Gründe, warum der Jakobsweg heute so vielbelaufen ist: Lange Wanderungen wie Pilgerreisen ermöglichen eine geistige Tiefenentspannung, wie sie kaum in anderen Formen zu finden ist.

Auch unser Geist ist, analog zur Seele, durch die moderne Lebensweise überfordert: Praktisch bei allem was wir tun, herrscht Reizüberflutung und Stress. Hier bunte Werbung, dort noch mehr Action. Und dazwischen der Zwang, mitmachen zu müssen, um nicht „out“ zu sein. Viele haben einen überfüllten Arbeitstag – schalten aber hernach nicht ab, sondern stürzen sich noch in den Freizeitstress zwischen Party und Fitnessstudio. Dabei ist letzteres beim Wandern schlicht überflüssig, wie noch zu lesen sein wird.

Was ist der Grund, warum immer mehr Menschen den weltberühmten „Camino de Santiago“, den Jakobsweg bewandern, obwohl sie keinesfalls tiefreligiös sind? Sicher nicht nur, weil sie das Bestseller-Buch von Hape Kerkeling gelesen haben. Es ist etwas anderes: Die Mischung aus Mangel an Reizüberflutung gepaart mit körperlicher Anstrengung macht eine innere Einkehr möglich, der Geist wird praktisch entschlackt und kann sich wieder auf das Wesentliche konzentrieren. Allerdings: Dazu ist mitnichten eine mehrtägige Extrem-Wanderung vonnöten. Es reicht schon ein „Wandertag“ pro Woche.

3. Was hat Wandern mit dem Körper zu tun?

Schweißgeruch, Andrang, laute Musik und dann noch monatliche Kosten. Dass trotzdem so viele ein Fitnessstudio-Laufband einer Wanderung vorziehen, ist wohl nur mit unserem modernen hektischen Lebenswandel zu erklären.

Schweißgeruch, Andrang, laute Musik und dann noch monatliche Kosten. Dass trotzdem so viele ein Fitnessstudio-Laufband einer Wanderung vorziehen, ist wohl nur mit unserem modernen hektischen Lebenswandel zu erklären.

Wer kann heute schon von sich behaupten, dass er täglich genügend Bewegung bekommt? Also nicht nur genug, um den Körper einem irgendwie gearteten Schönheitsideal entsprechen zu lassen, sondern tatsächlich genug, um den inneren Bewegungsdrang, der jedem angeboren ist (und oft einfach mit der Diagnose ADHS weggewischt wird), zu befriedigen? Jährlich fluten tausende die Fitnessstudios, wo sie Gewichte stemmen, tanzen, hüpfen, rudern und laufen. Bloß: Den einfachsten Weg, raus in die Natur zu wandern, erkennen die Wenigsten.

Es fängt schon beim Urquell des Lebens an, dem Atmen: Durch unsere Stresssituationen sowie der Tatsache, dass Menschen es evolutionär gesehen nicht gewöhnt sind, sich in geschlossenen Räumen aufzuhalten, atmen viele zu kurz und flach. Allein das mindert nach den Yoga-Prinzipien unsere Lebenskraft. Wer wandert, strengt seinen Körper an. Dadurch beginnt er automatisch, biologisch optimal zu atmen, lässt die Lungen sich mit frischer Landluft fernab von Abgasen füllen.

Und dann stärkt Wandern den gesamten Bewegungsapparat: Unser Körper, der gezwungen wird, Arbeitstage sitzend zu verbringen, gerät wieder in aufrechte Position. Unsere Beinmuskeln werden beansprucht, besser durchblutet und gekräftigt. Je mehr er wandert, desto mehr kehrt ein menschlicher Organismus zur Stärke eines Urmenschen-Jägers zurück – und diese Kraft verbessert direkt unseren Alltag.

4. Wie fange ich mit dem Wandern an?

Die Frage nach dem Einstieg ins Wandern ist wohl so einfach beantwortet, wie kaum eine weitere. Sie lautet: „Rausgehen, loslegen“. Wandern braucht nur Natur und weder Vereinsmitgliedschaften, noch kostspielige Ausrüstung oder sonstige Ausreden, die von vielen verwendet werden, um möglichst viel Geld in Richtung eines neuen Hobbys zu werfen. Auf vielen Wanderportalen im Web gibt es Routenplaner. Es muss also nur der eigene Wohnort auf der Karte gefunden und dann aus der Liste der Touren eine ausgewählt werden, die von Distanz und Schwierigkeitsgrad passt.
Und: Deutschland strotzt nur so vor öffentlichen Wanderwegen.

Wichtig für den Einstieg ist nur: Setzen Sie sich kein Ziel. Weder von der Zeit noch von der Wegstrecke her. Eine Wanderung dauert genau so lange, wie sie dauern muss. Alles Weitere würde schon wieder für Hektik und Stress sorgen und damit nicht nur die seelischen und geistigen Aspekte konterkarieren, sondern auch den Körper überanstrengen.

5. Welche Ausrüstung benötige ich?

Wer sich on- oder offline im Sortiment eines beliebigen Outdoor-Ausrüsters umschaut, der stellt rasch fest: Es ist ohne weiteres möglich, sich unter den Oberbegriffen „Trekking & Wandern“ mit mehr Ausrüstung vollzuhängen, als ein Fallschirmjäger mit in den Einsatz nehmen würde…

Hochwertige Wanderschuhe kosten einen gewissen Betrag. Dennoch: Sie und die dazugehörigen Socken sind praktisch das einzige, was wir wirklich fürs Wandern benötigen. Und zudem halten so hochwertige Stücke auch viele tausend Kilometer.

Hochwertige Wanderschuhe kosten einen gewissen Betrag. Dennoch: Sie und die dazugehörigen Socken sind praktisch das einzige, was wir wirklich fürs Wandern benötigen. Und zudem halten so hochwertige Stücke auch viele tausend Kilometer.

„Wanderprofis“ schwören auf Funktionsstoffe, Leichtbau-Rucksäcke, Super-Duper-Aluminiumlegierungen für die Wanderstäbe, geruchsabsorbierende Trekking-Handtücher und vieles mehr. Die Wahrheit ist: Wandern hat nur ganz wenige Dinge, die wirklich notwendig sind.

  • Das einzige Element, das wirklich jeder Wanderer haben sollte, sind passende, knöchelhohe Wanderschuhe. Sie geben dem Fuß, seinen Gelenken und Sehnen nicht nur den nötigen Halt (den besonders Anfänger benötigen), sondern polstern auch seine Schritte und verhindern, dass sich schmerzhafte Blasen bilden.
  • Fast ebenso wichtig sind Wandersocken. Sie zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie keine Nähte haben, die den Fuß wundscheuern könnten. Daneben transportieren sie auch Feuchtigkeit von der Haut weg und arbeiten somit ebenso effektiv gegen Blasen, wie ein guter Schuh. Aber: Mit diesen beiden Produkten ist die Pflichtausrüstung auch schon abgehakt. Alle weiteren Punkte sind optional.
  • Besonders an sonnigen Tagen sollte eine Kappe mit zur Wanderung gehören – eine x-bliebige zwar, aber eine, die die gesamte Kopfoberfläche vor der Sonneneinstrahlung und somit Sonnenstich schützt. Angenehmer Nebeneffekt: Die Kappe hält auch die Schweißtropfen aus den Augen fern.
  • Als Oberbekleidung eignet sich bei warmem Wetter ein ganz normales T-Shirt aus Baumwolle. Kritiker argumentieren zwar, dass dieses Material Schweiß nicht sonderlich gut verdunsten lässt, dafür wird das Shirt aber auch schön kühl. Und sollte es kälter sein, eignet sich eine Fleece-Jacke als Überzug.
  • Sollte es regnen, kann ein Einweg-Poncho dabei sein. Diese gibt es im Web für einstellige Euro-Beträge und sie lassen sich auf Ü-Ei-Größe zusammenfalten.
  • Auch beim Thema Hosen reicht ein Griff in den eigenen Kleiderschrank: Bestens geeignet ist jede Jeans. Aber wenn es wirklich heiß ist, dürfen natürlich auch Shorts zum Einsatz kommen.
  • Ein wichtiger Stichpunkt ist Flüssigkeit: Je nach Distanz und Temperatur sollte mindestens ein Liter Wasser dabei sein. Doch werden dafür weder teure Trinkblasen für den Rucksack, noch irgendwelche „Trekking-Feldflaschen“ benötigt. Es reicht eine normale, leichtgewichtige PET-Flasche. Und mit etwas Schnur und Geduld kann dafür sogar eine wiederverwendbare Umhänge-Tasche geknüpft werden wie folgendes Video zeigt:

Und damit ist die Liste der Wanderer-Pflichtausrüstung sowie der optionalen Dinge auch schon zur Gänze abgehakt. Handys, um die Route auf der Karte zu verfolgen, hat heutzutage sowieso fast jeder dabei. Und alle anderen Ausrüstungsstücke sind für normale Wanderungen schlicht überflüssig.

6. Gibt es sonstige Tipps?

Beim Wandern ist maximale Entspannung die Devise: Kein Zeitdruck, keine Distanzvorgaben und wenn der Körper es will, sich auch einfach mal auf eine Bank legen und der Natur lauschen.

Beim Wandern ist maximale Entspannung die Devise: Kein Zeitdruck, keine Distanzvorgaben und wenn der Körper es will, sich auch einfach mal auf eine Bank legen und der Natur lauschen.

Auch wenn das Telefon für die Navigation verwendet wird, sollte es lautlos geschaltet werden. Einfach um die dauerhafte Erreichbarkeit auszublenden. Und wer wandern geht, sollte sich in seinem Kopf von allem befreien, was ihm als psychologische Last den Pfad beschwerlich macht: Genießen Sie den Blick in die Landschaft, nicht den Gedanken ans nächste Büro-Projekt. Hören Sie auf das Zwitschern der Vögel und nicht die Stimme im Kopf, die an die unerledigte Hausarbeit erinnert. Und wenn es in den Gelenken zwickt, gehen Sie einfach langsamer. Wie gesagt, beim Wandern ist der Weg das Ziel. Und das bedeutet auch: Kein falscher Heldenmut. Wer eine Pause benötigt, der macht einfach eine.

Aus diesem Grund kann es gerade für Einsteiger durchaus hilfreich sein, zunächst alleine zu wandern. Das macht es, aufgrund der Abwesenheit eines ablenkenden Partners, einfacher, seine Gedanken schweifen zu lassen und sich vollkommen auf die Natur, die Ruhe und Abgeschiedenheit zu konzentrieren.

Fazit

Wandern ist natürlich, Wandern ist ursprünglich und Wandern ist auf vielfältigste Art und Weise gut für Körper, Geist und Seele. Wer hier lernt, loszulassen, erntet nicht nur mehr als genug Kraft für ein stressiges Leben in der modernen Welt, sondern biegt auch sein inneres Gleichgewicht wieder hin und gibt nicht zuletzt auch seinem Körper die Bewegung, die er benötigt.

 


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