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Ist Ökostrom immer Öko? Der Schwindel mit dem grünen Strom – wie Atomstrom zu Ökostrom wird. Und welche Anbieter wirklich Ökostrom liefern.

Grüngewaschener Ökostrom

Der Markt für Grüne und nachhaltige Produkte wird größer und wichtiger – denn die Nachfrage steigt ständig. Leider wird dies auch immer häufiger von Konzernen ausgenutzt, die alles andere als Grün sind – und mit dem Geld des vermeintlichen Ökostroms munter ihre Atomkraftwerke finanzieren.

Wer durch den Wechsel des Stromanbieters wirklich etwas verändern möchte, sollte deshalb etwas genauer hinsehen.

Ökostrom als Energierevolution von unten

Vom 30. November bis 12. Dezember 2015 fand in Paris das elfte Treffen zum Kyoto-Protokoll und damit gleichzeitig die 21. UN-Klimakonferenz statt. Nach einer eintägigen Verlängerung der Verhandlungen wurde das Klimaabkommen beschlossen. Die teilnehmenden Staaten haben im sogenannten Paris-Abkommen ein gemeinsames Ziel formuliert: Die globale Erwärmung soll auf unter 2°C begrenzt werden. Dass die Klimakonferenz etwas ins Rollen gebracht hat, wurde deutlich, als die deutsche Umweltministerin Barbara Hendricks das Ergebnis unter Tränen verkündete: Das Ende für Öl, Kohle und Gas. Eine Kohlendioxidneutrale Erdatmosphäre soll ab 2050 erreicht sein.

Kritiker wie Pablo Solón sind von den Ergebnissen der Verhandlungen trotzdem wenig begeistert. Seiner Empfehlung die Verbrennung von mindestens 80 Prozent der fossilen Energieträger zu stoppen, wird nicht nachgegangen. Die EU, welche in Sachen Klimaschutz nicht selten als Vorbild betrachtet wird, kommt gerade einmal auf die Hälfte der Reduktionsforderung, welche auch von namhaften Klimawissenschaftlern wie Kevin Anderson als erforderlich bezeichnet wird.

Von oben scheint der nötige Wandel also trotz aller Konferenzen nicht zu kommen. Aber noch haben auch die Verbraucher eine Chance, den Wandel mitzugestalten: Würden alle Verbraucher auf ökologisch sinnvolle Alternativen umsteigen, wäre ein Umdenken in der Politik unausweichlich. Gerade beim Strom ist das besonders einfach, denn Kunden haben die freie Wahl und können selbst entscheiden, welcher Anbieter mit der Strombelieferung beauftragt wird.

Wer allerdings nach einer wirklich grünen Alternative sucht, sollte genau hinschauen: Diverse Stromanbieter haben zwar Öko-Produkte im Repertoire, machen sich im Hintergrund aber eigentlich für fossile Brennstoffe stark.

Was ist Ökostrom?

Bei sogenanntem Ökostrom handelt es sich um Storm, der umweltschonend gewonnen wird. Erneuerbare Energie aus Wasser- und Windkraftwerken, Strom aus Photovoltaikanlagen oder Biomasse gehören in Deutschland zu den bekanntesten Quellen. Den Titel Ökostrom trägt auch Energie aus Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen. Allerdings werden dabei meistens fossile Brennstoffe verbrannt, was die Bezeichnung fragwürdig erscheinen lässt. Im Vergleich zur reinen Stromerzeugung sind Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen jedoch klimafreundlicher, weil sie Strom und Wärme gleichzeitig produzieren und somit effizienter arbeiten.

Mit dem Kauf von Ökostrom können Verbraucher die nachhaltige Energiegewinnung aktiv fördern und konkret Einfluss auf die künftige Energiemarktentwicklung nehmen. Das Problem ist, dass der Begriff „Ökostrom“ gesetzlich nicht geschützt ist. Viele Stromerzeuger missbrauchen sogenannte Öko-Tarife, um weiterhin unbemerkt fossile Brennstoffe zu verkaufen. Scheinbar nachhaltig orientiere Versorger entpuppen sich beim genaueren Blick hinter die Kulissen als wahre Klima-Schänder.

Ökostrom oder umetikettierter Atomstrom?

Das Stichwort lautet Umetikettierung. Hierunter wird die Umetikettierung von Atomstrom in Ökostrom verstanden, welche von einigen Anbietern genutzt wird, um der Kundschaft Ökostromtarife zu präsentieren, während physikalisch lediglich Atomstrom zum Lieferrepertoire gehört.

Das europäische Ökostrom-Zertifizierungssystem RECS (Renewable Energy Certificate System) bringt es mit sich, dass Ökostromkraftwerke ein RECS-Zertifikat zum Nachweis der klimaschonenden Herstellung für jede produzierte Megawattstunde Strom erhalten. Die Umetikettierung von Atomstrom in Ökostrom ist deshalb möglich, weil die RECS-Zertifikate innerhalb von Europa unabhängig vom physikalischen Strom gehandelt werden können.

Kauft beispielsweise ein deutscher Stromanbieter von einem Wasserkraftwerk in Norwegen RECS-Zertifikate, könnte er der Kundschaft trotz der Tatsache, dass er physikalisch ausschließlich Atomstrom liefert, einen Ökostromtarif verkaufen. Das Wasserkraftwerk in Norwegen ist dann jedoch verpflichtet seinen Strom als Atomstrom in der entsprechend Menge auszuzeichnen. Der Vorwurf, dass mit RECS-Zertifikaten angeblicher Ökostrom angeboten werden kann, ohne einen messbaren Beitrag zur Energiewende leisten zu müssen, ist somit berechtigt.

Für die Umwelt haben RECS-Zertifikate derzeit keinerlei Vorteile. Das liegt daran, dass in Europa bislang mehr Ökostrom zur Verfügung steht, als es Nachfrage gibt. „Allein in Skandinavien wird so viel Strom aus Wasserkraft gewonnen, dass mit den zugehörigen Zertifikaten der gesamte deutsche Atom- und Kohlestrom für Haushaltskunden zu Ökostrom umetikettiert werden könnte“, erklärt die Stiftung Warentest online.

Um ein Zeichen gegen die globale Erwärmung zu setzen, müssen Verbraucher Ökostromanbieter wählen, die weder Strom aus fossilen Brennstoffen noch aus Atomstrom im Sortiment haben und sich stattdessen auf umweltschonende Alternativen konzentrieren.

Ökostrom-Nachweise

Wer negative Auswirkungen auf die Umwelt verhindern möchte, muss sich bei der Stromtarif-Auswahl an aussagekräftigen Ökostrom-Nachweisen orientieren. Das unabhängige Vergleichsportal für Finanzen und Versicherungen FinanceScout24 weist in einem Artikel zu Ökostrom-Zertifikaten auf zwei seriöse Nachweise hin: „Die bekanntesten Ökostrom-Gütesiegel sind Grüner Strom Label und Ok power. Wer als Verbraucher eine schnelle Orientierungshilfe bei der Auswahl eines Ökostromtarifs sucht, kann auf diese beiden Siegel vertrauen.“ Die beiden Labels gewährleisten den Neubau von umweltfreundlichen Energiekraftwerken. In der Tabelle sind die wichtigsten Fakten aufgeführt:

Label Erläuterung
Grüner Strom Label Das älteste deutsche Ökostrom-Gütesiegel. Hier werden erneuerbare Energien gefördert. Stromanbieter bekommen das Label erst, wenn mindestens 1 Cent pro verkaufter Kilowattstunde in den Erneuerbare-Energien-Ausbau fließt. Vergeben wird es von Umweltverbänden. Der BUND empfiehlt zu Stromanbietern mit dem Grüner Strom Label zu greifen.
ok power-Label Das Label repräsentiert die Ökostrom-Zertifizierung auf transparenter Basis und bestätigt die Förderung von erneuerbaren Energien. Es gilt als das führende deutsche Ökostrom-Gütesiegel. Der erzeugte Strom stammt aus 100 Prozent erneuerbaren Energien. Vergeben wird es vom Verein EnergieVision.

Bei Zertifikaten vom TÜV müssen Stromkunden aufmerksam sein. Zwar gibt es Unternehmen, die bemüht sind unabhängig von Atom- und Kohleindustrie zu handeln und eine entsprechende Geschäftspolitik zu entwickeln, doch leider sind auch weniger ambitionierte Vertreter unter den zertifizierten Versorgern. Manche lassen sich lediglich unwichtige Elemente wie eine Preisgarantie oder ähnliches zertifizieren. Für die Umwelt muss ein TÜV-Zertifikat daher kein Pluspunkt sein.

Aktuelle Rechnung prüfen

Um zu klären, wie der Strom des aktuellen Tarifs gewonnen wird, lohnt sich der Blick auf die Stromrechnung. Über das Dokument müssen Versorger ihre Kundschaft detailliert über die Stromherkunft informieren. Gleichzeitig muss ein Hinweis auf die CO2-Emissionen sowie eventuelle radioaktive Abfälle platziert sein.

Ökostrom: Die besten Anbieter

In Deutschland stehen derzeit vier Stromanbieter zur Verfügung, die bundesweit tätig sind und ausschließlich echten Ökostrom anbieten:

  • Naturstrom
  • Greenpeace Energy
  • EWS Schönau
  • Lichtblick

Darüber hinaus gibt es einige regionale Anbieter für Ökostrom, weshalb es durchaus Sinn machen kann, auch das regionale Angebot zu prüfen. Da sich die manuelle Gegenüberstellung aufgrund von mehr als tausend Stromlieferanten sehr mühsam und zeitaufwändig gestaltet, ist die Nutzung von unabhängigen Vergleichsrechnern im Internet ratsam.

Hinsichtlich der Gütesiegel sollte dabei gesagt sein, dass nicht jeder kleine Anbieter bereit ist, die Kosten für eine Vergabe eines Seigels zu zahlen. Dadurch gibt es durchaus seriöse Ökotarife ohne einen solchen Nachweis.

Fazit

Mit Ökostrom können wir einen wertvollen Beitrag zur Energiewende leisten. Entscheidend ist, dass es sich um echten Ökostrom handelt und die Stromlieferanten den Ausbau von erneuerbaren Energien aktiv vorantreiben und keinerlei Verbindungen zur Atomwirtschaft pflegen sowie keine fossilen Energieträger fördern. Ökostrom-Label und Zertifikate erleichtern die Entscheidung.

 

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