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Flow, alles fließt. Ein magischer Augenblick: Wir fühlen uns verbunden mit dem Moment und die Herzintelligenz trägt uns. Voll im Leben, hochkonzentriert – und gleichzeitig getragen von einer weiten, sanften Empfänglichkeit, die das Kind in uns aktiviert, welches das Leben als freudvolle Spielwiese betrachtet, auf der es sich vollkommen hingeben kann.

Von Isabel Arends

 

Flow ist ein hochkreativer Zustand. Dieser schöpferische Fluss kann stark und sanft sein oder die Kraft eines reißenden Stroms haben. Flow ist eine Form von Glücksrausch, der uns Menschen zu Höchstleistungen antreibt. Diese fließende Energie unserer Schöpferkraft ist eine Form purer, aktiver Achtsamkeit. Im Flow zu arbeiten heißt mit der Kraft eines Samurai zu verschmelzen: höchste Konzentration und tiefe Ruhe. Im Flow sind wir mit unserem Potential der Schöpferkraft, des Ideenreichtums und einer tiefen Intelligenz verbunden. Man könnte auch sagen: Wir zapfen direkt die Urquelle des kollektiven Unbewussten an.

Das Wort „Flow“ (englisch: fließen, strömen) wird heute umgangsprachlich als „bleib im flow“ im Sinne von „immer locker und cool bleiben“ verwendet. Es ist eine Art Wellnesswort geworden, das vor allem Leichtigkeit andeuten soll.

Aber Flow ist deutlich mehr als das. Den Begriff Flow definierte zuerst der amerikanische Psychologieprofessor Mihaly Csikszentmihalyi (gesprochen Tschiksent-mi-hali) in seiner 1996 erschienenen wissenschaftlichen Studie über Gemeinsamkeiten von hochkreativen Menschen.1 Seine Grundidee war, durch die Untersuchung von hochkreativen Persönlichkeiten des Zeitgeschehens Rückschlüsse zu ziehen, wie man ein erfülltes und kreatives Leben führen kann. Was sich bei allen gemeinsam zeigte, war der besondere Arbeitsmodus des Flow. Gleich ob hochkreative Wissenschaftler, Erfinder, Artisten, Extremsportler, Chirurgen, Musiker oder Künstler – sie alle beschreiben diesen magischen Moment: Alles geht leicht von der Hand, es flutscht nur so – gleichzeitig vergisst man Zeit und Raum und ist hochkonzentriert bei der Sache. Aus seinen Flow-Forschungen entwickelte Csikszentmihalyi eine neue Form der Glückforschung, die zu einem zentralen Bereich der positiven Psychologie wurde. Seitdem ist es amtlich: Flow macht glücklich!

Im Flow bist du mit deiner Umwelt verbunden

„Tu nicht, was du willst,
dann kannst du tun, was du magst.“
Sadasiva (indischer Yogameister, 19. Jahrh.)

Manchmal fühlen wir uns verwirrt, unsicher und es fällt uns schwer, den richtigen Weg zu wählen. Kreativer Flow hilft uns, locker zu bleiben und schnell Alternativen auszuloten. Ein bewusstes Leben im Fluss der Möglichkeiten kann viel Stress aus unserem Arbeitsalltag nehmen. Liebe, Mitgefühl und unsere Improvisationskraft geben uns die optimalen Werkzeuge an die Hand, uns in einer sich beständig verändernden Welt flexibel zu bewegen. Wenn etwas partout nicht klappen möchte, kämpfe nicht – bleibe im Fluss. Frage dich: „Was oder wer benötigt statt dessen jetzt meine Zeit und Aufmerksamkeit?“ Es ist garantiert einfach nur etwas anderes dran!

Flow erlaubt dir, auf der Welle deiner schöpferischen Kraft zu reiten. Wer mehr Flow in seinem Leben zulässt, der kann wahre Wunder erleben. Denn im Gefühl „Ich gehe mit dem Fluss“ steckt der Zugang zu „höheren Ebenen“. Präziser gesagt: Du überlässt deinem höherem Selbst die Führung. Flow führt dich weg vom „Ich will“ hin zum „Ich handle in Liebe“. Und dann entstehen all die positiven Synchronizitäten, die wir uns wünschen, einfach, weil wir bewusster leben.

Gleichzeitig sind wir im Flow stark mit dem Gefühl der Empathie verbunden, so dass wir intuitiv erfassen, was unsere Mitmenschen und unsere Umwelt gerade benötigen. Das können ganz kleine Dinge sein, die viel später eine große Wirkung haben – meist ohne dass du es je erfährst. So zum Beispiel jemandem eine Tür aufhalten, einem Schmetterling das Leben retten, für die Familie mit Liebe kochen. Leben im Flow ermöglicht es, in jedem Moment die richtige Entscheidung schnell und leicht zu treffen. Entscheidungen wie: Ich bleibe freundlich, ich nehme nichts persönlich, ich strahle Ruhe und Glück aus, ich bin und bleibe innerlich in lebendigem Frieden.

Flow im Alltag – Das Spiel des göttlichen Kindes

„Ich glaube, dass die Werke der großen Dichter, Künstler und Musiker
dem Spiel des ewigen und göttlichen Kindes in ihnen entstammten …
dieses Kind, das nie die Fähigkeit verliert zu staunen, zu fragen, sich zu begeistern.“
Michael Ende (Kinderbuchautor)

Wie können wir den Flow in unser Leben einladen? Der Weg ist denkbar einfach: Erlaube dir, mehr zu spielen! Wie oft spielst du? Spielen ist Menschsein in Reinform. Beim Spielen küsst dich das Leben. Wir können von der Offenheit der Kinder lernen, wie man im Fluss der Kreativität sein Leben gestalten kann. Was ist bei kleinen Kindern anders? Kinder verschenken sich ganz an das, was sie im Augenblick tun. Für kleine Kinder ist die ganze Welt ihr Spielplatz. Ihnen sind Regeln, bewährte Methoden, wissenschaftliche Erkenntnisse, Zukunftspflichten und Vergangenheitsängste fremd. Jede Pfütze ist das nächste Abenteuer, dessen Tiefe erkundet werden will. Es gilt also, diese kindliche-neugierige Kraft zu erinnern und in den Alltag zurückzuholen.

Spielen bedeutet Zukunft zu gestalten

„Als Kind ist jeder ein Künstler.
Die Schwierigkeit liegt darin,
als Erwachsener einer zu bleiben.“
Pablo Picasso (1881-1973)

Spielen kann viel mehr als uns nur Freude bereiten. Spielen erhält uns flexibel und auf bezaubernde Weise innerlich geschmeidig. Der Flow-Experte Mihaly Csikszentmihalyi sieht im Spiel einen wesentlichen Faktor, der überhaupt menschliche Evolution möglich machte. Denn beim Spielen schüttet unser Körper Glückshormone aus. Auf diese Weise lernt der Mensch schnell und stressfrei Neues. Das Belohnungssystem des neugierigen Spielens funktioniert so effektiv, dass es sich in der Evolution durchsetzte. Mit anderen Worten: Wer spielt, überlebt länger und besser.

Kreatives Spielen heilt

Glückliche Momente beim kreativen Werkeln und Spielen können uns auch gesund machen.

Der amerikanische Arzt Dr. O. Carl Simonton wies in seinen beachtlichen Pilotstudien nach, wie wichtig Spielen für das Immunsystem des Menschen ist. Simonton gilt als Pionier und Begründer der Psychoonkologie, also der psychologischen Betreuung von Krebspatienten. Ziel des Simonton-Trainings ist es, den Patienten rasch zu einer emotionalen und körperlichen Verbesserung zu verhelfen. Seine Methode zur Stärkung des Immunsystems wurde Jahre später in Amerika in großen Studien bestätigt. Simonton führte das tägliche Spielen als einen wesentlichen Teil des Genesungsprozesses seiner Patienten ein. Auf die Frage, wie lange man spiele sollte, antwortete er: „Ich rate den Patienten, was ich auch für mich vor Jahren entdeckt habe: nämlich eine Stunde täglich, und das sieben Tage die Woche – Wochenenden, Feiertage und Urlaubszeiten eingeschlossen. In unserer Kultur wird das Spielen nicht ernst genommen. … Das Spielen (ist) eine der Hauptstützen der Kreativität, die wiederum für den Genesungsprozess wesentlich ist.“2

Flow-Tipp: Erinnere dich, welches deine Lieblingsspiele als Kind waren. Was spielst du heute? Alles, was dich glücklich macht und bei dem du die Zeit sinnlich vergisst, ist Spielen. Das kann sein: Schwimmen, Tanzen, Basteln, Gärtnern, Barfußlaufen, Kochen, Musizieren …

Eine Stunde täglich solltest du spielen! Jeden Tag!

Der perfekte Flow-Navigator: Deine Intuition

Flow ist die schnellste Verbindung zwischen Kopf und Herz. Unser Kopf- und Herzgehirn kommunizieren beständig miteinander. Es lohnt, nach innen zu lauschen, bevor man die nächste Aktion angeht. Feines Zuhören ist gefragt: Was sagt meine Intuition heute? Wer sich mehr Flow in seinem Leben wünscht, der sollte mehr auf das feine Vibrieren seiner Intuition hören als auf das Klingeln seines Handys. Intuition ist eine der ältesten Fähigkeiten von uns Menschen. Sie ließ uns in der Zeit der Jäger und Sammler die richtigen Wasserstellen, Nahrung und sichere Schlafplätze finden. Bei den meisten Menschen ist sie heute durch unsere „grobe“ Umwelt stark verkümmert. Aber sie schläft nur. Viele Menschen in Kreativberufen trainieren ihre Intuition, um so mehr Informationen für ihre Arbeit zu bekommen. Auch im rauen Sinnesklima der Großstadt Berlin lohnt es, die Intuition zu schulen. Das Leben wird leichter, lustvoller und um vieles glücklicher.

Flow happens –„ES“ einfach zulassen

„Die Position des Künstlers ist bescheiden,
er ist im Wesentlichen ein Kanal.“
Piet Mondrian (Künstler, Mitbegründer der abstrakten Malerei)

Wer im Flow arbeitet, erlebt, dass er einfach vertrauen kann. „Es“ – seine höhere Intelligenz – arbeitet für und durch ihn. Es gilt dann einfach unserer höheren Intelligenz die Zügel zu lassen. Sie weiß genau, was zum jetzigen Zeitpunkt zu tun, zu werkeln, zu schreiben und zu malen ist.

Im Bild des indischen Elefantengottes Ganesha, dem Gott der Kreativität, dem Herrn der Sinne, der Düfte, der Farben und des Neubeginns, finden wir ein wunderschönes Bild des Flows. Ganesha reitet, ja, er fliegt durch die Wolken unserer Wünsche. Sicher, mit heiterer Gelassenheit lenkt er sein Reittier, eine nervöse Ratte. Sie ist ein Sinnbild für all unsere unruhigen Gedanken, unser „Ich will aber!“

Ganesha ist Symbol für die höchste Kreativität, die sich zum Wohle aller entfaltet und die von uns fordert, unserer Herzintelligenz zu vertrauen. Unsere Gedanken sollten einfach Werkzeuge sein, die unsere Seele nutzt.

Flow führt dich weg vom engen, linearen Denken. Flow bringt Hingabe und Vertrauen in dein Leben. Dort, wo du schönen Flow erlebst, verstecken sich kleine Hinweise darauf, was genau deine Lebensaufgabe ist. Pack sie an! Habe allen Mut, mit Entschlossenheit die Kraft des Augenblicks ganz zu nutzen und dein Leben liebend zu erfüllen.

 


1 Mihaly Csikszentmihalyi: Kreativität. Wie Sie das Unmögliche schaffen und Ihre Grenzen überwinden. 7. Auflage, Klett- Cotta, Stuttgart 2007

2 Simonton, O. Carl: Auf dem Weg der Besserung. Schritte zur körperlichen und spirituellen Heilung. 6. Auflage, Rowohlt Verlag, Hamburg 2001, S. 143

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