Von Alice Dieminger


Die Bauindustrie verursacht rund zehn Prozent der weltweiten CO₂-Emissionen – dreimal so viel wie der Flugverkehr. Während vielerorts noch über klimafreundliche Alternativen diskutiert wird, baut eine Gemeinschaft in Brandenburg bereits an einer: aus Stroh, Holz und Lehm.



Im Zentrum für experimentelle Gesellschaftsgestaltung (ZEGG) in Bad Belzig entsteht das Haus der Möglichkeiten. Der Neubau in einer der ältesten und größten Gemeinschaften Deutschlands soll 25 Menschen Platz bieten – und zeigen, dass sich ökologisches und soziales Bauen verbinden lassen. Durch seine Bauweise speichert das Gebäude mehr CO₂, als es in hundert Jahren wieder ausstoßen würde.




„Wir bauen dieses Haus nicht für uns, sondern für kommende Generationen“
, sagt Alex Kobs, Mitglied der Planungsgruppe. Sieben Bewohner:innen zwischen 30 und 78 Jahren planen hier gemeinsam, treffen Entscheidungen soziokratisch im Konsent – ehrenamtlich und ohne Hierarchien. Für die Gruppe ist das Projekt nicht nur ein ökologisches, sondern auch ein soziales Experiment. Konflikte werden regelmäßig offen angesprochen und gelöst.

„Unsere Unterschiedlichkeit ist unser größter Reichtum“
, sagt Kobs.

Innovationen im Wohnungsbau

Bauleiter Björn Meenen, früher im Ökodorf Sieben Linden tätig, arbeitet mit kleinen Betrieben zusammen, die einen neuartigen Lehmestrich entwickeln – als klimafreundliche Alternative zu Zement. „Jede Tonne Zement verursacht eine Tonne CO₂ – wir zeigen, dass es auch anders geht“, sagt Meenen. Das Haus soll beweisen, dass nachhaltiges Bauen auch im größeren Maßstab funktioniert – kreislauffähig, schadstofffrei und ohne den Sondermüll, den konventioneller Wohnungsbau hinterlässt. Neben dem Lehmestrich wird auch eine neu entwickelte Trocken-Trenn-Toilette installiert, die große Mengen Wasser spart und erstmals eingesetzt wird. So dient das Haus als Versuchsbaustelle für Innovationen im ökologischen Wohnungsbau.



Finanziert wird das Projekt durch die Genossenschaft ZEGG Wohnen eG. In einer solidarischen Bietrunde sammelten die Bewohner:innen mehr als eine Million Euro – ohne Banken, ohne Zinsen. Die Genossenschaft ermöglicht inzwischen auch Menschen außerhalb der Gemeinschaft, Mitglied zu werden und ihr Geld sicher in ein gemeinwohlorientiertes Projekt zu investieren.



Seine Erfahrungen teilt das Projekt auf der Website www.hausdermöglichkeiten.de – Baupläne, Erfahrungen und soziale Prozesse werden dokumentiert, damit auch andere Gruppen ähnliche Wege gehen können.

2027 soll das Haus fertiggestellt werden. Für die Gemeinschaft im ZEGG ist es mehr als ein Neubau: ein Versuch, Zukunft buchstäblich in die eigenen Hände zu nehmen – und zu zeigen, dass sich Klimaschutz und Zusammenhalt gegenseitig stärken können.

 

Weitere, ausführliche Info zum „Haus der Möglichkeiten“ hier (PDF).

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