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Die Hausgeburt in Deutschland ist in Gefahr – die Hebammen werden aus ihrem Beruf gedrängt und der Trend geht zu Krankenhaus und Kaiserschnitt. Warum das nicht passieren darf.

 

Hausgeburt – in Deutschland bald Vergangenheit?

Als meine Freundin schwanger wurde, war uns beiden klar, dass wir uns eine Hausgeburt wünschen. Für mich als Mann ist es schon immer schleierhaft gewesen, wie irgendjemand sein Kind freiwillig irgendwo anders als zuhause bekommen kann und ich dachte immer, die meisten Frauen würden das genauso sehen. Aber was ich in den Monaten unserer Suche nach einer Hebamme erlebte, war ein erschüttertes Aufwachen in einer ganz anderen Realität.

Mehrfach hatten wir weinende Hebammen am Telefon, die uns von der aktuellen Situation in Deutschland berichteten: Dass es hier in wenigen Jahren vielleicht keine Hausgeburten mehr gibt. Was ist da los?

 

Hebammen unter Druck

Da wir sehr ländlich wohnen, ist die Auswahl an Hebammen nicht unbedingt groß. Von den etwa 20 Hebammen in unserer Nähe bot zu unserem großen Schock keine einzige mehr Hausgeburten an. Der Grund: Die Kosten für die pflichtmäßige Haftpflichtversicherung von Hebammen sind in den letzten Jahren explodiert und viele Hebammen können sich ihren Beruf schlicht nicht mehr leisten.

Trotz rückläufiger Schadensfälle (die im Krankenhaus ebenso hoch sind) ist die die Prämie seit 1981 von 30 Euro auf heute über 5000 € angestiegen – das können sich nur noch sehr gut ausgelastete Hebammen leisten. Zwar gibt es inzwischen eine Ausgleichsregelung, die ist aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Hausgeburten machen Hebammen besonders im ländlichen Bereich nur noch aus Idealismus, lohnen tut sich das nicht, berichtet uns eine Hebamme. Und es sei zu befürchten, dass es in wenigen Jahren keine Hausgeburten mehr in Deutschland gäbe.

Dabei wäre es so wichtig. Für uns alle.

 

Hausgeburt vs. Krankenhausgeburt

So vieles in unserer Welt steht auf dem Kopf, aber selten ist es so offensichtlich, wie bei der Geburt. Je mehr man sich damit beschäftigt, desto fassungsloser wird man über den Wahnsinn, den die Medizin da über die Frauen und unsere Kinder gebracht hat.

Geburt ist ein intimer, natürlicher und höchst individueller Prozess – doch heute wird sie behandelt, wie ein durchgetimter, standardisierbarer mechanischer Vorgang, als wären die Mütter Gebärmaschinen.

Eine natürliche Geburt ist weit weniger schmerzhaft, problematisch und gefährlich, als viele denken, aber sie erfordert absolute Geborgenheit für die Gebärende und die Möglichkeit, dem eigenen Tempo und der eigenen inneren Weisheit des Körpers zu folgen.

Um es salopp zu sagen: Bei der Geburt sollte der selbe Grad an Entspannung, Freiheit und Intimität gewahrt sein, wie bei der Zeugung des Kindes. Tatsächlich ist das Verhältnis der Hormone der Frau bei einer Geburt in Geborgenheit fast identisch zu jener beim Liebesakt. Dass das in einem sterilen Krankenhaus aber kaum möglich ist, sollte jedem einleuchten. Die meisten Menschen können nicht mal aufs Klo gehen, wenn jemand zuguckt, von den Frauen wird aber erwartet, in fremder Umgebung, mit fremden Menschen unter Zeitdruck, verkabelt und umgeben von Maschinen ein Kind zur Welt zu bringen. Die Folge der ganzen Eingriffe in den Geburtsverlauf sind zahlreiche Komplikationen, Kaiserschnitte und traumatische Geburtserfahrungen für Mutter und Kind.

Was dabei kaputt gemacht wird, ist kaum zu ermessen. Auch in spiritueller Hinsicht: Die Geburt, die eigentlich ein Ur-weiblicher Prozess ist, der von der Intuition, Hingabe und Selbstbestimmtheit der Frau getragen wird, ist ein mechanischer, kontrollierender, männlicher und fremdbestimmter Prozess geworden.

 

Hausgeburten werden immer seltener

Trotz dieser Umstände ist die Anzahl der außerklinischen Geburten erschreckend gering. 98,5 Prozent aller Geburten in Deutschland sind heute geplante Krankenhausgeburten, nur noch 1,5 Prozent entfallen auf Geburtshäuser und Hausgeburten. Dennoch lebt die außerklinische Geburt fort und Hebammen versuchen in zähem Ringen die Vernichtung ihrer Existenz abzuwenden.

Ein Telefont mit einer fast 60-jährigen Beleg-Hebamme in einem Krankenhaus verschlimmert den Eindruck noch: Der Trend gehe ganz klar zu einer geplanten Geburt als Kaiserschnitt unter Vollnarkose, berichtet sie merkbar verzweifelt. Die heutige Genration habe keinerlei Informationen mehr über natürliche Geburt, alles würde – gerade auch von den Müttern – nur noch als medizinischer Ablauf wahrgenommen. Wenn es so weitergeht, so ihre bittere Prognose, wird die Medizin einen Weg suchen, auch die Schwangerschaft abzuschaffen und das Kind außerhalb des Körpers auszutragen.

 

Warum gehen Frauen ins Krankenhaus?

Ein Teil ist sicher die subtile Propaganda. Kein Hollywood-Film, kein Kinderbuch, in dem die Frau nicht zur Geburt in ein Krankenhaus fährt. Der Gedanke an eine Hausgeburt existiert öffentlich fast nicht. Die natürlichste Sache der Welt erscheint für die junge Generation wie ein verwegenes Wagnis für Hippies.

Einen weit größeren Anteil an dieser Entwicklung hat aber die durchorganisierte Verplanung schwangerer Frauen durch das Medizinsystem und die gynäkologischen Praxen zu verantworten, berichtet uns Irene Behrmann vom Verein GreenBirth, der versucht, das Wissen über die natürliche Geburt wieder zu verbreiten:

„Die Vorsorge bei schwangeren Frauen wurde immer weiter ausgebaut. Es wird aber von Mutter und ungeborenem Kind keineswegs neutral erlebt, wenn die Frauen durch den „Sorgenmacher“ Mutterpass von einem Termin zum andern verplant werden. Messfehler, Normierungsversuche und Falsch-Positiv-Messungen führen zu einer nachhaltigen Ängstigung und Verunsicherung werdender Eltern. Die Freiwilligkeit für sämtliche Vorsorgen und die Wahlfreiheit zur Vorsorge bei einer Hebamme werden dabei von Frauenärzten meist verschwiegen. Von der Arztpraxis ist der Weg zum Krankenhaus dann nicht mehr weit.“

Also kein Problem einer neuen Generation, bei denen die Geburt nicht mehr als „das Baby rausmachen“ ist und perfekte Brüste wichtiger als Stillen sind?

„Ich möchte die jungen Frauen in Schutz nehmen. Sie sind bereits in der zweiten Generation durch die Mutterpassschleuse hindurchgelenkt worden. In diesem jungen Lebensalter ist jede Frau auf die Kenntnisse von Fachpersonen angewiesen. Nur wenige sind beim ersten Kind schon so sicher und selbstbewusst, dass sie sich eine Geburt aus eigener Kraft vorstellen können.“

Die Frau ist heute von Anfang an Patientin, schaut auf Zahlen und Werte, sorgt sich um nicht erreichte Norm-Werte. Der Blick ist von Anfang an nach außen, auf die Ärzte und Messinstrumente gerichtet, statt nach Innen auf die eigene Befindlichkeit und auf den eigenen Körper. Die Geburt, die von vielen Urvölkern auch als spiritueller weiblicher Initiationsprozess angesehen wird, der die Frau voll in ihre weibliche Kraft bringen kann, ist heute ein Vorgang der ultimativen Entmachtung der Frau durch die Geburtsmedizin.
Am Feminimus und der ganzen Gleichberechtigungsdebatte ist das scheinbar komplett vorbeigegangen.

„Dass die politische Frauenbewegung hier einen blinden Fleck zu haben scheint, ist unverkennbar,“ meinst auch Irene Behrmann. „Eine besondere Tragik, die mit dem Nachholbedarf bei der Frauenbildung, Frauen-Gleichberechtigung und dem Kampf um Entkriminalisierung des § 218 zu tun hat. Ab jetzt muss es um die Rechte von schwangeren und gebärenden Frauen gehen und um die Rückgewinnung der vollen Autonomie bei der Geburt von Kindern.“

Die Risiken der Krankenhausgeburt

Der Gang ins Krankenhaus dürfte bei den meisten Frauen deshalb angetreten werden, weil sie es nach der ganzen medizinischen Verunsicherung durch die Geburtsvorsorge dort als sicherer empfinden. Wissenschaftlich ist das nicht haltbar: Es gibt keine einzige Studie, welche eine außerklinische Geburt als weniger sicher bezeichnet. Im Gegenteil – bei gleicher medizinischer Ausgangssituation ist im Krankenhaus der Einsatz von Medikamenten höher, die Zahl der Dammverletzungen höher, die Rate der Kaiserschnitte höher. Also insgesamt eher mehr als weniger Komplikationen.

Da die Frauen nicht selten komplett verkabelt sind, und es für die Ärzte (!) bequemer ist, wird im Krankenhaus noch immer überwiegend liegend geboren – obwohl diese Position nachweislich anatomisch die Geburt erschwert und dazu führt, dass Geburten länger, gefährlicher und beschwerlicher sind.

Eine Geburt im Krankenhaus ist vor allem eine Geburt, bei der die Frau ihre Autonomie fast immer verliert und sich einem fremdbestimmten, routinierten Ablauf unterwerfen muss, der den natürlichen Abläufen und Bedürfnissen der Geburt eigentlich direkt entgegensteht.

„Die Geburt ist ein individueller, intimer, instinktiver, dynamischer, rhythmischer, im höchsten Maße emotionaler, selbstregulativer und extrem störanfälliger Prozess. Die Gebärende verfügt über alle Ressourcen, um diesen Prozess selbst zu bewältigen. Sie benötigt eine Umgebung, die es ihr ermöglicht, sich hinzugeben und an die Geburt anzupassen. […] Die gesunde Frau mit gesundem Kind braucht bei der Geburt keine medizinische Hilfe.“ schreibt Corinna Crotty in ihrer Analyse ‚Das Dilemma der klinischen Geburtshilfe‘.

„Fast alle sog. „Komplikationen“ oder aus dem Geburtsverlauf entstehenden Pathologien haben ihren Ursprung in einer unzureichend auf die Bedürfnisse der Gebärenden ausgerichteten Geburtsumgebung, in einem aktiven Eingreifen in den Geburtsverlauf und damit zusammenhängenden Störungen des hormonellen Gleichgewichts und Geburtsflusses.“

Dies bestätigt auch Irene Behrmann von GreenBirth:
„In der Klinik werden die natürlichen Prozesse des hormonellen Zusammenspiels von Mutter und Kind übergangen. Dieser in Jahrmillionen entwickelte Lebensprozess wird medikamentös beeinflusst und zwar routinemäßig. Das heißt, was im Krankheitsfall evtl. sinnvoll sein kann, wird auch bei gesunden Frauen gemacht, um Zeit und Personal zu sparen, um mehr Frauen gleichzeitig durchschleusen zu können.
Bei einer außerklinischen Geburt wird dem hormonellen Prozess zwischen Mutter und Kind Raum und Zeit gegeben. Die Entwicklung des Kindes aus dem Mutterleib heraus ist ein natürlicher Vorgang, der nicht verbesserungsfähig und nicht normierbar ist.“

Geburt auf Knopfdruck

Die Geburt ist ein faszinierendes Zusammenspiel von Mutter und Kind. Eine regelrechte Kommunikation über Hormone leitet wechselseitig die verschiedenen Phasen der Geburt ein. Botenstoffe des Kindes leiten dabei Vorgänge in der Mutter ein und umgekehrt. Bricht diese sensible Kommunikation durch den Einsatz von künstlichen Hormonen ab, ist das für beide Seiten extrem verstörend:

„Frauen, die in überfordernder Weise medizinisch durch eine Geburt gelenkt werden, erleiden Autonomieverlust, und der Kontakt zum Kind geht oft verloren. Dasselbe erlebt auch das Kind. Ein unbewältigter Vorgang, der zudem von der Natur so nicht vorgesehen ist, hinterlässt eine Wirkung, oft genug mit traumatischem Charakter. Frauen nach Kaiserschnitt fühlen sich oftmals betrogen, in ein Geschehen hineingezogen, das sie nicht mehr überblicken konnten. Sie fühlen sich oftmals paradoxerweise schuldig und als Versagerin. Das wirkt sich auch auf die Beziehung zum Kind aus. Die Kinder sind in jedem Fall durch einen Kaiserschnitt geschockt und gestresst, weil sie hormonell auf einen Prozess eingestellt sind, der sich Schritt für Schritt entwickelt“, berichtet Irene Behrman.

Jede Geburt hat dabei ihren eigenen Rhythmus, die Varianz in Bezug auf das Timing ist riesig. Das kann im Krankenhaus aber nicht gebraucht werden, wo möglichst viele Frauen möglichst schnell entbinden sollen. Die Normierung der Geburt geht schon mit dem errechneten Geburtstermin los, der nur um 10 Tage überschritten werden darf – sonst wird eingeleitet.

Wissenschaftlich ist das nicht haltbar, wie Irene Behrman beklagt:

„Die kindliche Reife variiert um 37 Tage, wie eine wichtige Studie belegt. Jeglicher Druck auf die Mutter, wenn der „errechnete“ Termin (ET) überschritten ist, bezeugt, dass die Geburtsmedizin versucht, zu normieren, zu berechnen und davon ihr Handeln abzuleiten.  Die Fähigkeit, mit Medikamenten diese Vorgänge zu beschleunigen, ist eine Missachtung der Lebensprozesse, die sich zwischen Mutter und Kind abspielen, ein Eingriff mit häufig gravierenden Folgen, die individuell ausgebadet werden müssen.“

Das wirkt sich auch auf das Erlebnis der Geburt insgesamt aus. Eingeleitete Wehen werden als extrem schmerzhaft und überwältigend empfunden, die Frauen werden von den oftmals plötzlich mit voller Intensität einsetzenden Wehen überfordert, so dass sie häufig den Kontakt zu sich und dem Kind verlieren. Der natürliche Prozess, der sich langsam steigernden Wehen, die dadurch entstehende Trance, der Kontakt zum Kind, der spezielle Hormoncocktail – all das, was eine natürliche Geburt ausmacht, fehlt hier. Dies gilt für die Krankenhausgeburt insgesamt – das Setting verhindert meist die Ausschüttung von Endorphinen und Oxytocin, so dass vom natürlichen, schmerzlindernden und Bewusstseinserweiternden Rausch der Geburt nur der Schmerz übrig bleibt.

„Der Geburtsschmerz ist im Normalfall erträglich, zumal der Frauenkörper hormonell durch körpereigene Endorphine Schmerzlinderung erzeugt. Alles andere ist Panikmache, mediale Übertreibung und sicherlich die langjährige Praxis, bei Schmerzen zur Tablette zu greifen. Frauen, welche künstlich eingeleitet wurden sagen hingegen, dass die künstlichen Wehen deutlich schmerzhafter wären. Kein Wunder – sie werden erzeugt durch ein Mittel, welches isoliert auf die quergestreifte Muskulatur der Gebärmutter (und logischerweise auch auf die winzige Gebärmutter von weiblichen Babys) einwirkt. Krämpfe von Babys nach der Geburt mit diesem Medikament werden auf dem Beipackzettel erwähnt, allerdings gibt es keine geschlechtsbezogene Untersuchung, sagte uns ein Vertreter des Herstellers“, so Irene Behrmann.

Erfahrene Hebammen wissen um die individuelle Varianz der Zeitspannen. Aber alles, vom errechneten Geburtstermin, bis zur erlaubten Zeit nach Blasensprung ist heute genormt. Und auch der Druck auf die Hebammen wird immer größer, sich an diese „normierten Zeiten“ zu halten – sonst machen sie sich im Schadensfall strafbar.

 

Alleingeburt als Alternative?

Da dem Normierungsdruck kaum noch zu entgehen ist, hat sich mittlerweile in Deutschland eine recht versteckte Alternativ-Szene gebildet, die aus sehr idealistischen Hebammen, aber auch aus Frauen besteht, die dem Druck und den fremdbestimmten, traumatischen Geburten dadurch zu entgehen versucht, dass sie ganz allein gebären.

In Amerika ist die sogenannte Alleingeburt schon weiter verbreitet – denn Hausgeburten sind hier in einigen Staaten verboten und Frauen haben nur noch die Wahl zwischen den völlig mechanisierten US-Krankenhäusern und der Geburt in der Illegalität.
Ein Zustand, der so auch in Deutschland bald Realität werden könnte. Auch hier gibt es bereits eine ‚Szene‘ für Alleingeburten. Und Geburten mit Frauen, die anderen Frauen ohne Hebammenzulassung bei der Geburt helfen – und sich entweder durch von Rechtsanwälten entworfene Verträge absichern oder ’nie da waren‘.

Auch einige Hebammen, mit denen ich gesprochen habe, erwägen den ‚Schritt in den Untergrund‘, weil sie den finanziellen und rechtlichen Druck satt haben und allen Frauen den Weg zur Hausgeburt offenhalten möchten.

Lösungen für die Hebammen und Hausgeburt

Die optimale Lösung ist das sicher nicht. Und es geht auch anders – zum Beispiel in den Niederlanden, wo die Zahlen ganz anders sind und Hebammen einen gesellschaftlich völlig anderen Stand haben. Ganz auf Deutschland übertragen lässt sich das aus dem Stand vielleicht nicht, meint Irene Behrmann:

„In Deutschland läge die Lösung in der Anerkennung der Geburtshilfe als Staatsaufgabe. Dann wäre auch die leidige Diskussion um privatrechtliche Schadensregulierung gelöst. Man fragt sich, warum es nicht möglich ist, einen Schadensfonds in der Geburtshilfe zu installieren. […]Dass Kinder bei der Geburt zu Schaden kommen können, ist nicht vermeidbar. Schadensfälle nehmen zu unter Verlust von Erfahrungswissen und Operationen. Sie können aber auch durch Stress und unglückliche Umstände während der Schwangerschaft verursacht werden, bei denen es sinnlos ist, nach Schuldigen zu suchen.“

Einen solchen Fond gibt es auch in den Niederlanden – mit Erfolg, dort gebären nur noch 75 % der Frauen in einer Klinik.

Lösungen für Kliniken

Auch bei der Krankenhausgeburt wäre viel Spielraum für Verbesserungen:

„Der Arzt erhält von Beginn seiner Ausbildung an positive Rückmeldung, Anerkennung und Belohnung dafür, dass er etwas sucht und findet, was vom Normalzustand abweicht. Seine Arbeit besteht darin, den „Fehler“ zu suchen und zu finden. Er hat im Idealfall die Motivation, zu helfen, zu retten und zu verbessern. Er beobachtet, misst, überwacht, greift ein und übernimmt Kontrolle und Verantwortung. Die klinische Geburtshilfe ist geprägt von rationalem, linearem, ergebnisorientiertem und wirtschaftlichem Denken und geprägt vom Rollenverständnis des traditionell männlichen Mediziners.
Die ärztliche Begleitung steht von ihren Grundsätzen her den Grundbedürfnissen der gesunden Gebärenden direkt entgegen. Das Belohnungssystem muss dem Arzt also deutlich machen, dass er im Fall einer gesunden Schwangeren nichts zu tun braucht und trotzdem dafür bezahlt wird, wenn ein Kind in seinem Tätigkeitsfeld geboren wird. Dies kann nur durch eine pauschale Bezahlung pro Geburt erreicht werden. Der Arzt verdient sein Geld, auch oder im Falle der Geburt gerade dann, wenn er nichts tut. Nur so kann der ärztliche Handlungsdrang überwunden werden. Der „faule“ Arzt ist in der Geburtshilfe im Fall der physiologischen Geburt der bessere“, schreibt Corinna Crotty.

Geburtskliniken, die ihren Namen wirklich verdienen, müssten völlig anders orientiert sein, als dies aktuell der Fall ist. Angefangen von einer wirklich sinnlichen, ruhigen Umgebung, den Verzicht auf Wehenschreiber und ständige Kontrollen des Muttermundes, und der Abwesenheit der Ärzte außer in Ausnahmesituationen, müssten fast alle Rahmenbedingungen deutlich anders sein.
Vor allem müsste die Selbstbestimmtheit der Frau im Mittelpunkt stehen und das Wissen, dass die Gebärende im Normalfall keinerlei medizinische Hilfe benötigt. Auf Routine-Maßnahmen wie Einleitung, Einlauf, Rasur, Blasensprengung und Dammschnitt sollte verzichtet werden und keine Maßnahme ohne das ausdrückliche Einverständnis der Gebärenden erfolgen.

Nach der Geburt sollten der Hautkontakt der Mutter zum Kind, und der ungestörte Breastcrawl (das Neugenorene Kind findet durch eigene Suchbewegung den Weg zur Mutterbrust) im Mittelpunkt stehen. Die Klinikorganisation muss es erlauben, dass Routinemaßnahmen wie Messen und Wiegen sich zeitlich der Nachphase der Geburt anschließen. Erst nach dem ersten Stillen und anschließenden Einschlafen des Kindes an der Brust der Mutter ist die Geburt für Mutter und Kind emotional wirklich abgeschlossen. Die Eltern brauchen auch Raum und Ruhe, ihr Kind unbeobachtet kennen zu lernen.

Keine Alternative zu Geburtshaus und Hausgeburt

Bis zu solchen Geburtskliniken ist der Weg aber noch weit. Bisher finden Frauen diese Bedingungen praktisch nur bei einer Hausgeburt und in Geburtshäusern – um so wichtiger ist es darum, dass uns diese erhalten bleiben.
Wer dazu beitragen möchte, kann sich unter http://www.hebammenunterstuetzung.de/ oder im Verein http://www.greenbirth.de/ engagieren.

 

Bild: JoséMa Orsini cc-by-sa

9 Responses

  1. eva
    danke

    Genau so ist es. Der Artikel spricht mir aus der Seele.
    Gesunde Gebärende brauchen einfach nur ihre Ruhe… Menschen, die sie unterstützen und ihr beistehen. Damit die Geburt geschehen darf.
    Und nicht kontrolliert wird.
    Wir brauchen dafür erfahrene Hebammen!
    Die Politik steuert in die entgegen gesetzte Richtung – Gebärzentren im Umkreis von 80km! Mit Boarding-Wohnungen! Mir wird ganz schlecht, wenn ich darüber nachdenke.
    Habe mein zweites Kind zuhause bekommen, (erstes im Geburtshaus- davon gab es nun schon keins mehr in der Nähe) es war das Beste, was ich erleben konnte! Ich wünsche mir noch ein Kind, aber habe Angst, dass ich dann gezwungen werde in ein Perinatalzentrum zu fahren oder illegal und ohne Hebamme zu sein….
    Das darf nicht passieren!
    Wir müssen doch nicht alles machen, was die USA vorgibt!

    Antworten
  2. mila
    stimmt nicht

    Es gibt tatsächlich Studien die belegen, daß das Sterblichkeitsrisiko für Babys höher bei Hausgeburten als bei Krankenhausgeburten höher ist.
    http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/studie-zu-hausgeburten-klinikgeburt-senkt-das-todesrisiko-1.1146176

    Antworten
    • Profilbild von shumil
      shumil
      studien ...

      Es gehört doch zum System, dass die Menschen durch die Massenmedien falsch informiert, manipuliert und in der Angst gehalten werden.

      Man kann alle möglichen Studien anstellen, und es wird immer das rauskommen, was vom (zahlenden) Auftraggeber gewollt ist.

      Alles Liebe von shumil

      Antworten
  3. shumil
    Das gehört zum System der totalen Kontrolle!

    Aber das funktioniert nur, weil die Menschen sich pausenlos das Gehirn waschen lassen, in der Angst leben und die Eigenverantwortung abgeben.

    Ich las einen Artikel, in dem wurde behauptet, dass sowieso im Zuge der NWO (Neue Welt Ordnung) jeder Mensch gechipt werden soll, am besten gleich nach der Geburt – und dabei sind Hausgeburten ja nun im Wege, denn man entzieht sich dadurch der Kontrolle des Big Brothers.

    Ein grundlegendes Aufwachen der Menschen und ein Erkennen der riesengrossen und Welt-All-umfassenden und pausenlosen Lüge ist nötig – aber dazu ist der einzelne Mensch gefordert – aber der lässt sich lieber 4,5 Stunden pro Tag per TV blöd machen.

    Sorry für meine Ausdrucksweise, aber es ist manchmal zum Haare raufen, wenn man sieht, wie ignorat, desinteressiert und unverantwortlich ‚die Masse‘ der Menschen unterwegs ist!

    Es ist die TOTALE Systemverweigerung angesagt, für jeden von uns, und das geht nicht mit ein bisschen Biobrötchen kaufen und Wohl-Sein-Seminar buchen.

    Alles Liebe.

    Antworten
  4. Lisa
    Ich bin überzeugt!

    Danke für diesen wunderbaren Artikel mit grausamer Realität, ich habe schlimme Dinge in der Klinik erlebt bei meinem ersten Sohn nun habe ich mich auch zur Hausgeburt entschieden und hoffe das ich diese im Juli auch durchziehen kann 🙂

    Antworten
  5. Anka

    Wunderbarer Artikel! Ich hoffe, dass du damit das zarte Flämmchen anfachen hilfst – und dass ihn viele lesen und diese Chance ergreifen! Unsere beiden Kinder (unterdessen 15 und 12) sind zuhause zur Welt gekommen und es waren beides die ermächtigendsten und intensivsten Erlebnisse in meinem Leben. Auch sehe ich, welch Vertrauen damit nicht zerstört wird (es braucht gar nicht aufgebaut zu werden, nur nicht zerstört) und welche Beziehung mit Kindern daraus entstehen kann.
    Ich kann die Hausgeburt nur von ganzem Herzen empfehlen!

    Danke für deinen Beitrag!
    Anka

    Antworten
  6. raffael

    Danke für diesen super bericht
    Wir leben in Süd Afrika und wir hatten eine hausgeburt.
    Ich kann es jedem nur empfehlen.
    Wenn ihr die möglichkeit habt für eine hausgeburt, nehmt sie wahr.
    Das schönste und ergreifenste erlebniss in meinem leben.

    Antworten
  7. Norma

    Vielen Dank für diesen ausführlichen und eindrucksvollen Artikel!! Ich wünsche Euch, dass viele, viele ihn lesen werden! Herzliche Grüße, Norma

    Antworten

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