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Wie geschieht eigentlich Heilung? Jörg Engelsing sprach mit der Heilerin Ellen Hennicke-Weinert über Heilen im Flow und über zentrale Qualitäten, die ein Heiler mitbringen sollte.

 

Jörg: Ellen, ich kenne dich jetzt aus einigen sehr hochenergetischen Sitzungen und Begegnungen. Ist es bei dir auch so wie bei vielen anderen Heilern? Die sagen, mehr als zwei Klienten am Tag sind gar nicht drin. Es fließt so viel Energie oder der Kraftaufwand ist so hoch, dass mehr einfach nicht geht.

Ellen: Pauschal kann man das nicht so sagen. Es gibt Patienten, die eine Blockade in sich tragen, die über eine Stunde hinweg alle Energie in sich absorbiert, bevor eine Art Schwellenwert erreicht ist und sich die fließende Energie nicht mehr in ein endloses Loch ergießt, sondern etwas bewegt. Das sind „anstrengende“ Sitzungen. Denn während alles nur ohne Antwort oder Widerhall im Klienten zu versickern scheint, bin ich selbst Teil dieses „Loches“. Jeder Heiler wird auf gewisse Weise Teil des Zustandes des Patienten. Andererseits ist es nicht meine Energie, die da fließt. Ich bin nur Kanal. Dieser Kanal ist dann für die Dauer dieser Zeit nicht im Geben und Nehmen ausgeglichen.

Heilung im Flow – das Ego tritt in den Hintergrund

Was ich persönlich als wirklich kraftaufwendig empfinde, ist, dass man während der Sitzungen keine eigenen Gedanken denkt. Man ist „nur“ Kanal. Man ist „nur“ Flow. Das Ego tritt in den Hintergrund und weicht der Absicht zur Heilung und der Liebe. Wenn man nach der Sitzung in sein „Ich“ zurückkehrt, braucht man ein paar Minuten, bevor man wieder „normale“ Worte zur Verfügung hat, bevor das Denken sich wieder der Materie und der aktuellen gesellschaftlichen Realität anpasst. Das finde ich anstrengend. Das Zurückfinden ins Hier und Jetzt. Das Hiersein ist schwergängiger als der Zustand des Flusses von Energie und Liebe.

 

Also sind die Patientenzahlen pro Tag schon irgendwie limitiert.

Ja und nein. Auf einer meiner Workshop-Reisen habe ich mal innerhalb von 18 Stunden sieben anderthalbstündige Behandlungen am Stück gemacht. Einzige Unterbrechung nach vier Behandlungen waren knapp sechs Stunden Schlaf und zwei schnell runtergeschlungene Brote zwischen dem letzten Abendtermin und dem ersten Morgentermin. Das war wie eine Art „Meisterprüfung“ für mich. Ich kannte keine der Personen vorher und musste mich total in Intuition, Flow, Führung und Vertrauen hineingeben. Jede dieser Sitzungen entwickelte sich dann zu einer Spezial-Behandlung. Ich brauchte Techniken, die ich entweder zuletzt vor zehn Jahren mal angewandt oder die ich noch nie genutzt hatte – ja, von denen ich noch nicht mal wusste, dass es sie überhaupt gibt. Ich musste auf das hören, was mir meine Intuition und die geistige Welt soufflierten. Da ich keinerlei andere Wahl hatte, tat ich es. Es war neben meinen bisherigen Erfahrungswerten das Einzige, was mir in diesem Moment zur Verfügung stand. Im Nachhinein sage ich: es war das einzig Richtige. Mit reinem Fach- oder Auswendig-Wissen wäre keine der Behandlungen für die Patienten so gut ausgegangen, wie es durch die Hingabe an die Führung möglich war.

Ich würde sogar sagen: Leichter kann man kaum in die Führung gehen. Stell dir vor, es gibt nichts anderes, als jetzt diese Hilfe von oben anzunehmen, um zu heilen oder deine jeweils nächste Entscheidung zu treffen. Dann ist es ganz einfach, im Flow, im Jetzt zu sein. Ganz dessen gewahr zu sein, was ist.

Aus meiner Sicht hängt eine effektive Behandlung darum einerseits vom Beschwerdebild des Patienten ab und andererseits von meiner Fähigkeit, mein Ego an den Nagel zu hängen und mich dem Flow ganz zu überlassen. Hingabe würde ich es nennen. Ich gebe mich hin. Dem Leben, der Heilung, dem Dienst am Menschen, der Liebe… Dann bin ich nur noch, was ich von einer höheren Ebene aus gesehen gerade sein soll, und muss nichts mehr von dem sein, was ich vielleicht glaube sein zu müssen.

Wenn ich bereits vor meinen Behandlungen in diesem Zustand bin, kann ich mein volles Heilerpotential fließen lassen und es werden sich für jeden Tag die richtigen Patienten anmelden. Es wird stimmen und richtig sein. Manchmal drei Leute, manchmal nur einer und dann wieder vier.

Obwohl in diesem Zustand keine persönlichen Gedanken in mir Platz haben und ich währenddessen nichts reflektieren kann, habe ich dabei ganz viel über mich gelernt: Ich bin ein spirituelles Wesen, das hier ist, um eine Erfahrung zu machen. Ich bin ein Wesen, das verbunden ist mit allem, was ist. Ich bin ein Wesen, das auf alle Führung und alles Wissen zurückgreifen kann. Und: Das sind wir alle!

Über den Autor

Avatar of Ellen Hennicke-Weinert

arbeitet in ihrer Praxis in Potsdam mit einer Vielzahl therapeutischer Ansätze. Von Aura-Chirurgie bis Rückführungshypnose sind alle Therapieformen wahrnehmend, intuitiv und individuell an den Klienten angepasst.

Inzwischen hat sie auch ein Buch veröffentlicht: „Du bist dein eigener Kanal“ (Books on Demand 2015) zeigt mit Humor, Leichtigkeit und praktikablen Anleitungen einen Weg (zurück) zur persönlichen Intuition und Selbstliebe – beste Voraussetzungen, das eigene Potential zu erkennen und zu nutzen.

Kontakt
Tel.: 0331-5880227

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