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„Eifersucht ist die zelebrierte und zur Gesundheit erklärte Krankheit, die zum Tode führt. Sie muss überwunden werden, sonst gibt es kein dauerhaftes Lieben und Überleben. An dieser Wahrheit kann sich niemand vorbeidrücken, sie ist die Grundlage für ein dauerhaftes, gewaltfreies Zusammenleben…“
(Aus dem Buch: „Der Hunger hinter dem Schweigen“ / Verlag Meiga v. Sabine Lichtenfels)

 

Eifersucht gehört nicht zur Liebe. Denn im Zustand der Eifersucht wird man fordernd und böse. Sie ist alles andere als ein liebender Zustand. Wenn man sich darin wenigstens einigen könnte:
Wenn ich im Zustand der Eifersucht bin, dann bin ich nicht im Zustand der Liebe.

Wenn das mal klar ist, dann kann man auch über einen möglichen Zustand der Heilung nachdenken. Aber in der Regel hält der Eifersüchtige seine Krankheit für seine Gesundheit und für sein gutes Recht. Und das wird ihm von überall her bestätigt.

Ob Menschen die Intelligenz und die Bereitschaft entwickeln, neue Antworten auf die drängenden Fragen in der Liebe zu entwickeln, davon hängt so vieles ab. Dieses Thema ist aber nicht alleine auf einer persönlichen Ebene lösbar. Es ist zentral und entscheidend, eine politische Frage, ob es gelingt, neue gesellschaftliche Lösungsmodelle zu entwickeln, in denen Liebe lebbar wird, ohne die bekannten Begleiterscheinungen von Verlustangst, Eifersucht und Hass.

Ich möchte in diesem Zusammenhang auf das Buch von Dieter Duhm hinweisen: „Der unerlöste Eros.“ (Verlag Meiga). In diesem Buch sind die kulturgeschichtlichen und die persönlichen Zusammenhänge der Eifersucht so treffend dargestellt, dass man sich kaum noch entziehen kann. „Eifersucht ist zwar eine persönliche Erfahrung, aber sie ist auch mehr als das. Fast könnte man sagen: Sie ist ein tief eingefleischter Gedanke. Sie gehört zu einem alten mythologischen Bild der Liebe, ebenso wie die Ehe und der Begriff der ehelichen Treue…“ (Der Unerlöste Eros, s.o).

Deshalb nutzen auch kaum persönliche Therapien, um aus der Sackgasse auszusteigen.

Der Stachel der Eifersucht nagt, solange Liebende dem alten Liebesmythos folgen, und er wird innerhalb dieses Mythos erst zum Schweigen kommen, sobald sie auch aufgehört haben, sich erotisch zu lieben. Es braucht grundsätzlich ein neues Bild der Liebe und neue Formen des Zusammenlebens, um kulturgeschichtlich die Mythologie der Eifersucht durch eine andere und zeitgemäßere Mythologie der Seele zu ersetzen. Hier müssen wir Menschen unseren Erfindungsgeist einsetzen. Und hier liegt eine geschichtliche Aufgabe, wenn wir etwas zur Beseitigung des allgemeinen Elends beitragen wollen.

Sexueller Kontakt zu anderen Frauen oder Männern ist keine Einengung in der Beziehung, sondern eine Bereicherung, wenn wir es erlauben.

Sexueller Kontakt zu einer oder einem Dritten ist kein Grund, sich zu verlassen, sondern das Gegenteil, wenn wir es erlauben. Mit Sicherheit werden sich Liebespartner allmä-lich langweilig, wenn sie nur aufeinander angewiesen sind. Und mit Sicherheit stirbt eine freie Energie in ihnen ab, wenn sie das ganze Potential, das sie in sich tragen, ständig nur aufeinander beziehen müssen. Wie soll ein einziger Mensch die ganze universelle Liebessehnsucht, die ein anderer hat, erfüllen können? Jeder weiß um die immanente Logik, die in dieser falschen Hoffnung angelegt ist, die zwingend zur Raserei führt, zu Leidenschaft, Wut und Enttäuschung. Und doch handeln fast alle danach. Nur weil wir seit der Mythologie von Zeus und der eifersüchtigen Hera nichts anderes gelernt haben?
Und warum setzt die Eifersucht ausgerechnet, wenn es um Sexualität geht, mit ihrer ganzen Vehemenz ein? Wer zwingt uns zu diesen zellulären Reaktionen? Ist das auch nur so, weil die alten Griechen uns gelehrt haben, dass eine Frau einem Mann zu gehören hat?

 

Wirkliche Treue macht sich an anderen Dingen fest als an der Sexualität.

Und es gab bereits Kulturen, z.B. die minoische auf Kreta, in denen man viel mehr darüber wußte. Hier muss irgendwann die erkennende Liebe einsetzen, wenn man der Liebe eine Chance geben will. Hier bedarf es einer kulturgeschichtlichen Revolution im Liebesbild. Natürlicherweise wünschen sich Liebende, dass die Sexualität in ihrer Liebesbeziehung lebendig bleibt, und sie sollten auch alles dafür tun, dass es möglich wird. Nur ist in der Regel die Methode, einen Menschen sexuell ganz und ausschließlich nur für sich haben zu wollen, am ungeeignetesten dafür. Eifersucht tötet auf die Dauer den Eros, das sollten wir doch langsam wahrnehmen und begreifen. Wir reden von Nächstenliebe, und wenn mein Freund sexuell liebend zu einer anderen geht, dann reden wir von Betrug. Warum folgen wir als freie Erdenbürger immer noch diesem blödsinnigen kleinen Katechismus in der Liebe?

Wir glauben in der Regel viel zu schnell an unsere Eifersucht.

 
Wenn ich dann genauer hinschaue, dann stelle ich fest, dass eigentlich eine ganz andere Ursache im Zentrum des Unbehagens liegt. Z.B. dass ich seit langem der weiblichen Struktur gefolgt bin, meine eigenen Interessen zurückzustellen und die Macht an den anderen abzugeben. Wenn „Er“ sich dann anderen zuwendet, dann ist ja klar, dass Verlustangst und Eifersucht sich melden wie ein bedingter Reflex. Oder, wenn ich seit langem geschwiegen habe und nicht mehr ausgesprochen habe, was schon lange zwischen uns gärt, dann bricht beim ersten Anlass, wenn er sich einer anderen zuwendet, alles das heraus, was solange zurückgehalten wurde. Oder wenn ich außer „IHM“ keine anderen Freunde mehr habe und alles an ihn abgegeben habe, dann ist ja klar, dass ich durchdrehe, wenn er zu einer anderen geht.

Ob man in die Lage kommt, eine ersehnte Freundschaft und Partnerschaft aufzubauen, das hängt sehr stark davon ab, wieweit man bereit ist, in die eigene Entwicklung zu investieren. Es hängt davon ab, wie stabil ich sonst noch im Leben verankert bin und wieviele Interessen ich überhaupt im Leben habe.

Wir toben vor Eifersucht, solange wir dem Glauben folgen, dass wir ein Recht darauf haben, einen anderen Menschen in Besitz zu nehmen.

 
Wir finden Freundschaft, Sex und Liebe, wenn wir unabhängig von anderen bereit sind, uns selbst zu entwickeln und zu einem schöpferischen inneren Wachstum zu bringen. Frauen wollen das oft nicht glauben. Sie sagen dann zu mir: „Ja. Du hast gut reden. Du hast ja den Joscha als Mann an deiner Seite.“ Sie wollen nicht sehen, was ich an Energie und Ausdauer investiere in meine eigene Entwicklung, um an der Seite eines solchen Mannes überhaupt bestehen zu können und das zu finden, was ich suche. Wir müssen die Kräfte des Vertrauens schon in uns selbst aufbauen, bevor wir einen anderen Menschen wirklich lieben können.

Es kommt nicht so sehr auf die Frage an, wieviele Fehler wir machen, es kommt mehr auf die Frage an, ob wir bereit sind, unsere Eifersucht als Kulturkrankheit, die echter Heilung bedarf, anzuerkennen. Dann erst kann der Weg der Heilung und der Liebe wirklich beginnen. Diese Wahrheit ist so einfach, und genau diese Wahrheit wird immer wieder mit Vehemenz verachtet, wenn es um die Zweierliebe geht. Menschen wollen es nicht glauben, und sie versuchen es immer und immer wieder auf dem alten Weg, bevor sie bereit sind, ihren Wahnsinn einzusehen. Das Zeitalter der Partnerschaft und Geschlechterliebe wird aber erst beginnen können, wenn Menschen bereit sind, diesen Wahnsinn zu verlassen. Viele von ihnen gehen lieber aus sogenannter Liebe in den Tod, weil sie als Liebe bezeichnen, was keine Liebe ist.
Schon so lang.

Ob ich einem Menschen treu bin oder nicht, das entscheidet sich nicht an der Sexualität, sondern an der Wahrhaftigkeit in der Beziehung.

Mal ehrlich. Der Kuss von einem fremden Mann, der einem gefällt, ein kurzer Abstecher in das Bett eines Lovers, hat das nicht etwas Verlockendes? Würde man nicht ab und zu gerne solch einem Abenteuer folgen, wenn man nicht soviel damit aufs Spiel setzen würde? Wenn man schon mit 18 seinen ersten Freund gefunden hat, den man sehr liebt und mit dem man eigentlich gerne zusammen bleiben möchte, soll das jetzt heißen, dass man auf ewig nur mit diesem Einen geht..? Sind jetzt alle anderen Erfahrungen schon gelaufen, jetzt schon out, bevor es überhaupt angefangen hat? Oder soll man es ab und zu heimlich tun? Und wenn sich bei ihm was regt, wenn er die Blonde von nebenan in der Disco auffordert, ist das ein Beweis seiner Untreue? Folgen wir immer noch den Regeln des kleinen Katechismus „Du sollst nicht begehren deines N ächsten Weib“?
Soll ich, als seine Geliebte, jetzt ewig Wache schieben, damit so etwas möglichst nicht vorkommt? Oder soll ich dem Schicksal einfach mal seinen Lauf lassen? Mit einem anderen Menschen ins Bett zu gehen tut der Liebe zwischen zwei Menschen keinen Abbruch, wenn man es gelernt hat, sich darüber zu verständigen.

Leicht wird es, wenn sich ein neuer Liebesgedanke herumspricht, wenn sich herumgesprochen hat, dass es auch anders gehen kann. Wenn das selbstverständlich geworden ist, so wie es heute selbstverständlich ist, dass Eifersucht zur Liebe gehört, dann geht es plötzlich ganz leicht. Es ist eine Frage der inneren Ausrichtung auf ein neues Konzept der Liebe, welches weit wahrhaftiger, realistischer und leichter ist als das alte.

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