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Der Sufi und Psychologe Christian Ahmed Isa Martinez aus Argentinien über das Holotrope Atmen und warum uns das Ego stets Fallen stellt, um die Suche nach unseren wahren Selbst zu erschweren und wie man bei dieser Suche dennoch erfolgreich sein kann.

Brenda Burton: Ahmed Isa, du widmest dich seit fast 20 Jahren dem Holotropen Atmen. Was hat es damit auf sich?

Christian Ahmed Isa Martinez: Das Holotrope Atmen ist eine sehr kraftvolle und, meiner Meinung nach, revolutionäre Methode, um die tiefsten Urgründe der menschlichen Psyche zu erforschen. Es ist dabei nicht nur ein einzigartiges aber vergängliches Erlebnis. Es trägt in der Regel dazu bei, einen Prozess in der persönlichen Entwicklung anzustoßen oder weiterzuführen. Zum Beispiel kann es dabei helfen, eine psychosomatische Blockung zu beseitigen, ein Trauma zu überwinden, oder auch beim Stressabbau und bei der Suche nach dem eigenen Selbst.

Wie ist das Holotrope Atmen entstanden?

Das Holotrope Atmen entstand vor circa 40 Jahren durch Stanislav Grof, Gründer der transpersonalen Psychologie, und wurde seitdem in allen Teilen der Welt durchgeführt, mit beeindruckenden therapeutischen Erfolgen auf allen Ebenen. Es entstand aus der humanistischen Psychologie heraus und aus dem Wissen, dass jeder und jede von uns die Kraft und Weisheit besitzt, sich selbst zu Heilen. Das ist die Basis dieser Methode. Sie besteht darin, das Unterbewusstsein zu aktivieren und Energie freizulassen, die durch emotionale Schmerzen oder psychosomatische Symptome festgekettet ist. Wir stellen fest, dass der Weg zur Heilung, zur Inspiration, zur Kreativität und zur Selbsterforschung zugänglich ist, sobald wir uns mit unserer wahrhaftigen Identität verbinden. Diese Verbindung entsteht durch das Holotrope Atmen auf spontane Weise.

Was macht diese Methode so besonders und wie sieht ein Workshop in der Praxis aus?

Das Holotrope Atmen ist ein integrativer Ansatz, bei dem man auf vielen verschiedenen Ebenen des Seins zugleich arbeitet: auf der körperlichen oder psychosomatischen, der mentalen oder psychologischen, sowie der emotionalen und spirituellen Ebene. Dadurch ist es wahrscheinlich das vollkommenste Instrument zur Heilung und Selbsterforschung, das uns in unserem gewöhnlichen Leben zugänglich ist, ohne unsere alltäglichen Verantwortungen vernachlässigen zu müssen. Bei einer Atem-Session wird durch die Veränderung des Atem-Rhythmus, unter Einfluss evokativer und speziell zusammengestellter Musik, ein Prozess in Gang gesetzt, der uns in außergewöhnliche Bewusstseinszustände eindringen lässt. In diesen kommt es dann automatisch zur Selektion des ausdrucksvollsten Materials, das im Unbewussten eine starke emotionale Ladung erfahren hat. Es ist so, als ob ein „innerer Radar“ die Psyche und den Körper nach den wichtigsten Fragen absucht, um sie unserem Bewusstsein zu präsentieren.

Außergewöhnliche Bewusstseinszustände? Was kann man sich darunter vorstellen?

In der Menschheitsgeschichte wurden außergewöhnliche und erweiterte Bewusstseinszustände, vor allem in antiken Kulturen, wegen ihres großen Potentials immer sehr hochgeschätzt. Sie wurden beispielsweise zur Diagnose und zur Heilung von Krankheiten genutzt. Außerdem waren es wichtige Inspirationsquellen der Kunst und Zugänge zu übersinnlicher Wahrnehmung. In den außergewöhnlichen Bewusstseinszuständen, die man durch das Holotrope Atmen erreichen kann, ist es möglich, unser unmittelbares Umfeld mit verschiedenen Zeitpunkten unserer Vergangenheit zu verbinden und mit Ereignissen und Informationen zu konfrontieren, die weit jenseits der Reichweite unserer physischen Sinne liegen. Bis heute werden sie unter anderem in den mystischen Traditionen als ein kraftvolles Instrument angesehen um intensive Verbindungen zum göttlichen, zur Natur oder zur Gemeinschaft zu schaffen.

Ist es eine Form der Hypnose?

Nein. Denn durch das Holotrope Atmen verliert man nicht das Bewusstsein, sondern erweitert es. Egal, wie weit, wie hoch oder wie tief die Reise uns führen mag, immer mit dem vollsten Bewusstsein, an einem geborgenen Ort und in guten Händen zu sein. Dies ist wahrscheinlich einer der wichtigsten Gründe, warum diese Methode so unglaublich effektiv und zugleich vollkommen sicher sein kann.

Welche Rolle spielt der Seminarleiters beim Holotropen Atmen?

Die Aufgabe des Seminarleiters ist es, dem Energiefluss zu folgen und die auftretenden Erfahrungen und deren Ausdruck zu fördern ohne ein externes Schema verfolgen zu wollen, das eine bestimmte Theorie oder seine eigenen Ideen wiederspiegelt. Die Erfahrung hat mich gelehrt, dass in jedem Menschen unglaublich und manchmal unerwartet viel Potential steckt, welches durch verschiedene Ereignisse im Leben oder auch einfach nur durch den Alltagsstress unterdrückt wird. Man muss also nur dabei helfen die „Portale“ zu finden, die das eigene Unterbewusstsein öffnet. In dieser Herausforderung fühle ich persönlich Tag für Tag eine eigene Bewertung meiner Arbeit.

Was kann man dafür tun, um bestens vom Holotropen Atmen profitieren zu können?

Unser Ego stellt uns immer wieder Fallen, sobald wir uns auf die Suche nach unserem wahren Selbst begeben. Aus einem Wochenend-Workshop in Holotropes Atmen, und sei es nur eine einzelne Session, kommt man immer verändert heraus. Da unser Ego das weiß und solche Veränderungen nicht sonderlich mag, wird es alles dafür tun, uns von der Erfahrung abbringen zu wollen. Skepsis, Zweifel und Faulheit sind meist die ersten Symptome, mit denen es sich manifestiert. Doch auch kann es passieren, dass wir bereits fest entschlossen sind die Reise anzutreten und sogar schon wissen, woran wir genau arbeiten wollen, und urplötzlich tauchen am Morgen des Workshops auf unerklärliche Weise lästige Bauch- oder Kopfschmerzen auf. Das sind normale Abwehrreaktionen unseres Egos und sollten uns nicht von unserer Motivation abbringen. Man sollte Ihnen also keine allzu große Wichtigkeit geben; Erfahrungsgemäß verschwinden die Beschwerden jeglicher Art, so wie sie gekommen sind, sobald wir den Seminarraum betreten. Um auch noch nach dem Workshop nachhaltig und langandauernd von den Erfahrungen und Errungenschaften des Wochenendes profitieren zu können, und um diese in das Alltagsleben einordnen zu können, gebe ich außerdem jeweils am Ende des Tages eine individuelle und intuitive Beratung.

Was kann das Holotrope Atmen für Menschen mit bestimmten Krankheiten tun?

Holotropes Atmen kann Menschen helfen, die mit Atembeschwerden leben müssen, zum Beispiel bei Atemstillstand im Schlaf, bei Asthma, aber auch bei Angstzuständen oder Allergien – sei es aus psychosomatischen Gründen, bei chronischen Krankheiten oder sonstigem. Man sollte jedoch darauf hinweisen, dass gewisse Kontraindikationen bestehen: Bei fortgeschrittener Schwangerschaft, sowie für Menschen mit Bluthochdruck, Glaukom, Netzhautablösung, Herz- und Kreislauf-Erkrankungen oder ernsthaften Infektionskrankheiten ist die Teilnahme an einem Workshop für Holotropes Atmen nicht zu empfehlen. Wenn Zweifel bestehen, sollte man beim Kursleiter nachfragen und sich vorher beraten lassen.

 


Offener Abend: „Geheimnisse der menschlichen Psyche“

ein Einführungsvortrag in die Welt des holotropen Atmens mit Christian Ahmed Isa Martinez

Freitag 22. Mai 2015 um 20:00 Uhr
im Sport & Spirit (Raum-Barbarossa)
Barbarossastr. 32, 10779 Berlin
Eintritt frei!

Workshop

Samstag 23. und Sonntag 24. Mai.
Beschränkte Teilnehmeranzahl, bitte frühzeitig anmelden.

Anmeldungen und Fragen

Telefonisch an 0163 77 43 299 oder per Mail an berlinholotropic@gmail.com
Infos auch auf der Internet-Seite: sites.google.com/site/berlinholotropic
und auf Facebook: www.facebook.com/berlinholotropic

Über den Autor

Avatar of Christian Ahmed Isa Martinez

Christian Ahmed Isa Martinez ist Psychologe und Psychotherapeut über einen integralen und transpersonalen Zugang. Als Student und später als Dozent an der Universität seiner Heimatstadt Rosario in Argentinien, lernte und lehrte er Psychologie und widmete sich der Erforschung von intensivierten und außergewöhnlichen Bewusstseinszuständen. Vor langer Zeit fand er in dem bekannten Sufi-Lehrer Sheikh Nazim al-Hakkani al-Rabbani aus Zypern seinen Meister.

Nun lebt er seit mittlerweile 10 Jahren mit seiner Frau und seinen drei Kindern in einem kleinen ländlichen Dorf in Patagonien. Wenn er nicht gerade irgendwo in Süd-Amerika oder Europa einen Workshop in Holotropes Atmen leitet, kümmert er sich dort sowohl um seine Patienten, als auch um seine Hühner und Ziegen.

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