In den letzten Jahren ist die Online-Community von Andrea und Veit Lindau stark gewachsen – auf derzeit beachtliche 12.000 Mitglieder, die an verschiedenen Projekten integraler Potentialentfaltung teilhaben. Ein Gespräch mit Veit Lindau, Trainer, Bestsellerautor und einer der Begründer der Life-Coaching-Community www.homodea.com

Was bedeutet der Name homodea?

Veit: Es ist ein Wortspiel zwischen Mensch & Göttin. Wir glauben daran, dass der Mensch sein wahres Potential noch nicht einmal im Ansatz aktiviert hat und dass der nächste Entwicklungsschub durch eher weibliche Qualitäten in Frau und Mann ausgelöst werden wird.

Was genau macht homodea?

Die Frage würde ich gern auf drei Ebenen beantworten. homodea ist in allererster Linie eine Vision einer neuen Kultur des menschlichen Miteinanders, der integralen Potentialentfaltung und einer postreligiösen Spiritualität. Krisen wie das derzeitige Corona-Thema zeigen deutlich auf, dass es dringend Zeit ist, dass wir nicht mehr auf Politik oder große Unternehmen warten, sondern das, was wir alle in den letzten zehn, zwanzig Jahren an Wissen und Erfahrung angesammelt haben, konkret umsetzen und uns in einem starken WIR-Netzwerk verbinden. homodea ist mittlerweile auch ein inspirierender, ermutigender Heimathafen für viele wache, werteorientierte Menschen geworden. Sie finden hier einen geschützten Raum – sowohl digital, als auch in unseren über hundert realen Meetingpoints in zehn Ländern –, um ihr eigenes Wachstum zu fördern, aber eben auch, um ihre Gaben selbst noch viel wirksamer mit anderen zu teilen. Drittens ist homodea auch eine Life- Coaching-Plattform, über die wir unser geballtes Wissen aus 25 Jahren Forschung und Arbeit mit Menschen in Form von Onlinekursen an die Menschen weitergeben.

Du bist ja eigentlich bekannt geworden als Trainer und Autor. Wieso hast du dich entschieden, deine Arbeit so stark in den digitalen Bereich hinein zu verlagern?

Das war so gar nicht geplant. Es war eine instinktive Entscheidung, weil ich unseren Leuten ein nachhaltig wirksames Transformationsfeld bieten wollte. Zu viele Menschen fallen nach der Lektüre eines Buches oder dem Besuch eines Seminars schnell wieder in alte Gewohnheitsmuster zurück. Um diesbezüglich meiner Verantwortung als Coach besser gerecht zu werden, habe ich mich vor acht Jahren noch einmal sehr intensiv mit Lern- und Veränderungsprozessen, auch auf neurowissenschaftlicher Ebene, beschäftigt. Die sich stetig weiter entwickelnde Antwort auf die menschlichen Bedürfnisse ist homodea. Hier entsteht eine neue Form des lebenslangen, freudegetriebenen Lernens. Es soll ein virtueller Campus sein, der unser alltägliches Leben positiv transformiert und von dort seinerseits auch wieder bereichert wird.

In deiner Arbeit fällt sehr häufig das Wort „integral“. Was genau verstehst du darunter?

Meine Arbeit ist stark durch den Philosophen Ken Wilber und seine integrale Landkarte menschlicher Entwicklung inspiriert. Die meisten Expert*innen und Lehrer*innen fokussieren sich stark auf einen Ansatz. Viele Menschen tendieren dazu, ihr Glück und ihre Gesundheit nur in einer ganz bestimmten Richtung zu suchen. Zum Beispiel ausschließlich spirituell oder fitnessorientiert oder erfolgsgetrieben. Diese Spezialisierung ist verständlich, führt aber auf Dauer immer zu unbefriedigenden Ergebnissen. Denn ob wir wollen oder nicht – jede*r von uns ist ein multidimensionales Wesen, eingebunden in hochkomplexe Systeme.

Wenn du als Mensch mit beiden Beinen mitten im Leben stehst, dann erwartet dich täglich ein ganzer Berg von individuellen Herausforderungen. Du musst deine Miete bezahlen, willst deine Berufung leben, dich stetig weiterentwickeln, darfst deine Beziehungen gestalten… Das allein ist fett. Doch du existierst ja nicht im luftleeren Raum. Corona ist ein massiver Weckruf, die Interkonnektivität* des Lebens zu sehen und sich ihr zu stellen. Globalisierung, Internet, technologisch-exponentielle Entwicklungen und anderes machen die Sache nicht unbedingt einfacher. Stimmt’s?

Die Welt ist ein Schmelztiegel komplexer Herausforderungen geworden – für den Einzelnen und für uns als Menschheit. Selbst wenn du relativ diszipliniert lebst, ist es leicht, vom Hamsterrad der allgemeinen Geschäftigkeit mitgerissen zu werden und den Überblick zu verlieren. Zum Beispiel darüber, wo du dich aktuell auf der Reise durch dein Leben befindest. Was für dich wesentlich ist, wo du hinwillst und welche konkreten Schritte anstehen.

Die Frage entsteht: Wie kannst DU inmitten deiner aktuellen Herausforderungen ein wirklich gutes Leben führen? Zentriert, erfüllt und erfolgreich? Weißt du, was du brauchst, um glücklich zu sein? Und hast du einen Weg gefunden, dies in deinem Alltag umzusetzen? Wir schließen darum beim Aufbau unserer Kurse und der gesamten Plattform immer alle vier Perspektiven der Integralen Philosophie mit ein.

Welche sind das?

Die subjektive Perspektive: Wie fühlst du dich jetzt gerade? Was geht in dir vor? Wie definierst du dich? Die meisten psychospirituellen Angebote zur Selbstverwirklichung setzen hier an.

Die objektive Perspektive: Hier dreht sich alles um messbare, wissenschaftlich fundierte Fakten. Beispielfragen sind in diesem Bereich: Welche Nährstoffe braucht zum Beispiel unser Gehirn, um seine optimale Performance zu liefern? Wie wirkt sich Meditation ganz konkret auf unsere Herzkohärenz aus? Wie kann ich über Schlafverhalten, Nahrung, Sport,… mein Potential besser entfalten?

Die interaktive Perspektive: Hier geht es um unsere subjektive Wahrnehmung der Interaktion mit anderen. Themen sind hier erfolgreiche Kommunikation, lebendige Beziehungen, Co-Creation.

Die systemische Perspektive: In welcher Gesellschaftsform lebst du? In welchen sozio-kulturellen Kreisen verkehrst du? In was für einem Unternehmen arbeitest du? Wie hemmen oder fördern diese Systeme deine Entwicklung? Was ist dein Beitrag zu ihrer Entwicklung? Die meisten Menschen tendieren dazu, sich nur aus einer, höchstens zwei dieser Perspektiven regelmäßig zu betrachten.

Wenn du gerade auf dem Selbstverwirklichungstrip bist, beschäftigst du dich wahrscheinlich vorrangig damit, wie es dir gerade subjektiv geht. Wenn du ein interaktiver Mensch bist, denkst du eventuell hauptsächlich über deine Beziehungen nach. Bist du ein Wissenschaftler, interessiert dich vermutlich vor allem das, was bewiesen und gemessen werden kann. Ein Systemkritiker geht vielleicht gern auf Demonstrationen und glaubt, dass die Ursache aller Probleme im herrschenden Gesellschaftssystem liegt. Jeder dieser Sichtweisen ist wichtig und gleichzeitig begrenzt. Denn jede stellt immer nur einen Ausschnitt der großen Wahrheit dar. Konzentrierst du dich nur auf einen dieser Bereiche, liegen die anderen im Dunkeln. Dann übersiehst du entscheidende Faktoren für dein Erblühen.

Wir tendieren alle zu einseitigen Sichtweisen auf unser Leben. Wir haben es nicht besser gelernt. Wir werden von klein auf zu Spezialisten herantrainiert. Noch gibt es kein allgemeines Schulfach, welches uns eine holistische, umfassende Perspektive auf unser Wesen beibringt. Je nach beruflicher Laufbahn und persönlicher Vorliebe neigen wir später dazu, uns in einem Blickwinkel zu verrennen. Was für eine Verschwendung! Wir vernachlässigen damit einen Großteil unseres wunderbaren Wesens.

Wie setzt ihr diesen integralen Umsatz auf homodea um?

Als ich die vier integralen Perspektiven kennenlernte, wusste ich sofort, dass sie die Antwort auf viele meiner Fragen und die meiner Klienten enthalten. Allerdings war mir auch klar, dass es ein einfaches praktisches System brauchen würde, um die Theorie alltagstauglich zu gestalten. Wir benötigen eine intelligente, integrale (alle Perspektiven umfassende) Lebenskunst. Das Zauberwort heißt „Integrale Lebenspraxis“. Die meisten unserer Teilnehmer* innen führen ein sehr geschäftiges Leben. Wir helfen ihnen, zum Beispiel durch Videocoaching und Meditationen, immer einen großen, klaren Überblick zu wahren, durch Intensivkurse starke Entwicklungsschübe auszulösen und dann ihr nachhaltiges Erblühen kontinuierlich (täglich, mit kleinen, machbaren Impulsen) voranzutreiben.

Wir inspirieren täglich mit kleinen Impulsen und Fragen, bieten zu vielen Themen Intensivkurse, und manchmal kommen wir alle zu einer großen Aktion zusammen. So haben zum Beispiel im letzten Frühjahr mehr als 6000 Menschen zeitgleich gefastet oder im Mai 2019 fast zehntausend Menschen zeitgleich an der Manifestation ihrer Visionen gearbeitet. Über unsere App können sich die Menschen untereinander einfach und sicher vernetzen. In den bereits erwähnten Meeting Points (auch hier in Berlin) finden regelmäßig persönliche Treffen statt. Wenn wir die vielen tausend Mitglieder von homodea betrachten, fällt auf, dass sie oberflächlich gesehen nach sehr verschiedenen Dingen suchen. Wir bieten bewusst ein sehr breitgefächertes Angebot. Von Selbstliebe, Beziehung, Erfolg, Arbeit, Meditation bis Fasten.

Wir glauben, dass wir als Menschen dennoch – egal, wie unsere momentanen Ziele lauten – in der Tiefe nach ein und derselben Sache suchen. In den letzten zwei Jahrzenten haben Vertreter der Positiven Psychologie und der ernsthaften Glücksforschung weltweit hunderttausende Menschen darüber befragt, was sie wirklich antreibt. Dabei fanden sie heraus, dass es tatsächlich so etwas wie eine existentielle Erfahrung gibt, wonach wir alle streben. Die Amerikaner nennen es thrive. Im Deutschen würden wir es mit Gedeihen oder Erblühen übersetzen. Wir suchen in allem, was wir tun – bewusst oder unbewusst – nach der Erfahrung des Erblühens.

Diese setzt sich, wenn wir genau hinschauen, aus vier Qualitäten zusammen: Erkenntnis, Erfolg, Entwicklung, Erfüllung. Deshalb nennen wir sie auch abgekürzt E4. Wenn wir etwas tun, worin wir uns auf einer tieferen Ebene wiedererkennen, in dem wir Erfolg erfahren, was uns geistig wachsen lässt und uns inneren Frieden beschert, dann erblühen wir. Wir suchen diesen Moment in unseren Beziehungen und nennen es Liebe. Wir suchen es in unserer Arbeit und nennen es Selbstverwirklichung. Im Sport oder der Kunst erleben wir es als schöpferischen Flow. Wir sind eben keine Leistungsmaschinen, die stur eine Liste von Zielen abarbeiten wollen. Wir sind vielmehr schöpferische, sinngetriebene Wesen, die sich erkennen und möglichst frei ausdrücken wollen.

Ich bin überzeugt, dass jeder nachhaltige Entwicklungsansatz, in der Schule, in Firmen, Seminaren oder eben auf einer Plattform wie der unsrigen immer den Menschen aus den vier integralen Perspektiven sehen, inspirieren und Angebote schaffen muss, die Erkenntnisgewinn bringen, Erfolgserlebnisse schenken, Entwicklung anregen und vor allem die innere Erfüllung fördern. Um das zu erreichen, dürfen und müssen wie unsere gesamte Kultur verändern – mehr wirkliche Potentialentfaltung und Co-Creation. Dann werden wir im positiven Sinne über die Menschheit staunen. Denn das, was wir heute leben, ist nicht das Ende, sondern der Anfang.

Author: Oliver Bartsch

Hinterlasse einen öffentlichen Kommentar

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

*