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Merkur – von der oberflächlichen Beziehung zur tiefen Verbindung

 

Intimität

Als Menschen brauchen wir offenbar einen Raum der Intimität, an dem wir uns sicher und geborgen fühlen. Dieser Raum der Intimität scheint nicht beliebig mit allen teilbar zu sein. Wenn wir es versuchen, werden alle Beziehungen etwas oberflächlicher. Weil wir dann nicht in die Tiefe unserer Seele kommen – und nur da geschieht echte Begegnung – geraten wir mehr und mehr in eine einsame Position, in der wir auf uns zurückgeworfen sind und mit uns allein bleiben. Wenn wir mehrere intime Beziehungen auf derselben Ebene zu leben versuchen, verlieren wir die Qualität der Intimität überhaupt.
Ich bin der Schmerz, den keiner spüren will…

Warum kann ein Mensch, der homöopathisch Merkur, Quecksilber braucht, diesen Raum der Intimität nicht teilen mit der Person, die er liebt? Warum muss er ihn sprengen und weitere Personen in diesen Raum ziehen, statt der Liebe zu folgen und zu zweit in die Tiefe zu gehen? Was hat dieser Mensch erlebt, das ihn so aufs Schärfste misstrauisch sein lässt? Was hat ihn so traumatisiert, dass er letztendlich jeden für seinen Feind hält? Jeden vernichtet, der ihm zu nah kommt?
Außergewöhnlich beweglich und stets wandelbar, ist Quecksilber, das „schnelle Silber“ ein nicht zu Ende gekommenes Metall, rastlos und unberechenbar irgendwo zwischen fest und flüchtig. Ständig von Auflösung bedroht, sucht es die Mitte, die stabile Kraft eines Kerns. Kein anderes Arzneiprinzip repräsentiert so bedingungslos die Spanne zwischen totaler Zerstörung und völliger Freiheit. Auch astrologisch ist das Merkurprinzip, dessen Aufgabe es ist, unablässig zwischen Polaritäten vermittelnd hin- und herzuschwingen, für den Gleichgewichtszustand im Körper und für den Ausgleich zwischen dem Individuum und seiner Umwelt zuständig. Während dieser Planet in nur 88 Tagen die Sonne umrundet, dreht er sich 59 mal um die eigene Achse. Wegen seiner Beweglichkeit „von unsicherem Wesen“, bleibt er auch im Mythos selbst ohne festen Ort. Hermes, Merkur, der Götterbote ist Vermittler zwischen Göttern, Menschen und Unterwelt.

Der Same des Misstrauens

Merkur verbindet den Einzelnen wieder mit dem Ganzen, das ihn umgibt. Wodurch aber ist diese Zugehörigkeit verlorengegangen, was hat uns im kranken Merkurzustand aus dem Gleichgewicht geworfen, dass wir unsere Sehnsucht nach einer Partnerschaft so über Gebühr unter der Kontrolle des Verstandes halten? Wo ist der vertrauensvolle Lebensmut geblieben, uns selbst als Teil einer stimmigen Ordnung zu begreifen? Wie konnte sich ein so feindliches Verhältnis gegenüber unseren eigenen Gefühlen und emotionalen Bedürfnissen entwickeln?

Der Same des Misstrauens wird durch die Erfahrung von Vertrauensbrüchen gesät. Lügen und Worte, die sich nicht mit den dahinter steckenden Gefühlen decken, sind der eigentliche Dolchstoss.
Schleichend entwickelt sich so ein von impulsiver Aggression und oft unangemessener Heftigkeit begleitetes Grundgefühl, nicht angenommen zu werden. Einst angetreten, um durch Ehrlichkeit zum Vertrauen und von dort zu innerer Freiheit zu gelangen, bedienen wir uns nun selbst, trickreich geworden, zunehmend der Lüge.

Merkur sucht über die Konfrontation Berührung. Die zentrale Forderung von Merkur – ausgehend von seiner Urverletzung – an sein Gegenüber ist bedingungsloses Angenommenwerden und könnte so lauten:
„Ich will angenommen werden, wie ich bin und so verstanden und berührt werden. Und ich will, dass du dem standhältst. Wenn du in deinen Gedanken nicht klar bist, spüre ich es sofort und dann muss es geklärt, auf den Punkt gebracht werden. Ich will wissen, wer du bist, was hinter deiner Maske steckt, deine Tiefe, deine Intensität sehen.“

Wo ist die Liebe, die mich annimmt?

Das unablässige Hinterfragen und „Testen“ des Partners um der Wahrheit willen, schürt geradezu Zweifel und Misstrauen, und wir sind, nervös zersplittert, kaum mehr in der Lage, uns spontan auf einen Moment der Nähe einzulassen, diesen einfach einmal gefühlsmäßig zu erleben.
Wer diesem Test einer Liebe ohne Kompromisse, Tabus und ohne ein Zurück nicht standhalten kann – und wer kann das schon – fällt durch. So fällt auch diese Beziehung der Zerstörung zum Opfer und wir kommen im kranken Merkurzustand automatisch wieder an den Punkt, an dem wir damals beschlossen haben, alleine zu bleiben und gezwungenermaßen nie jemanden zu brauchen. Und abermals verlassen wir den Raum der Intimität.

Homöopathisches Merkur kann ein wichtiges Mittel dabei sein, durch die Begegnung mit der eigenen Wahrheit uns selbst und andere nicht mehr nur im Schmerz, sondern auch wieder in Liebe zu spüren und eine wirklich tiefe Verbindung einzugehen.

Foto oben: Cornelia Regler

Copyrigt für alle, auch für bereits im Verlag erschienenen Homöopathieartikel bei Werner Baumeister.

Über den Autor

Avatar of Werner Baumeister

ist Heilpraktiker mit homöopathischer Praxis in Berlin.

Die im SEIN regelmäßig veröffentlichte Fortsetzungsserie: „Homöopathische Arzneibilder von Werner Baumeister“ versteht sich auch als homöopathischer Spiegel aktuellen Zeitgeschehens.

(Sammlung aller bisher veröffentlichten Artikel) beim Autor direkt unter: 0172 – 391 25 85

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