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Ein Garten-Eden-Projekt auf der historischen Stadtinsel Moabit im Herzen Berlins

Insel der Zuflucht Moabit, allseits von Wasser umgeben, ist heute ein Teil von Berlin Mitte. Erdgeschichtlich handelt es sich um das Nordufer der Spree im Berlin-Warschauer Urstromtal. Im Mittelalter diente das trockengelegte Gebiet als Viehweide vor den Toren der Stadt. Später wurde es als Jagdgebiet der Kurfürsten und späterer Tiergarten eingehegt.

Heute ist Moabit ein dicht besiedelter Stadtteil mit historischem Flair und schönem Baumbestand. Kopfsteinpflaster und ein Kloster erinnern noch an die Gründungszeit, als sich hier Hugenotten ansiedelten und – ähnlich wie die Israeliten nach dem Auszug aus Ägypten – im Land der Moabiter Zuflucht fanden. Daher hat Moabit seinen Namen – es ist ein Ort der Zuflucht und des Humanismus.

Humanisten im Straßenbild

Die Erinnerung an große Menschenrechtskämpfer der frühen Neuzeit ist in das Straßenbild eingeschrieben. Erasmus von Rotterdam, Johannes Reuchlin, Ulrich von Hutten, Johannes Bugenhagen, Ulrich Zwingli, Philipp Jacob Spener, Johannes Calvin, Mathias von Jagow und die Waldenser – allesamt Menschen und Gemeinschaften, die sich in schweren Zeiten für ein irdisches Paradies eingesetzt haben, finden hier ihre späte Würdigung.

Humusbildung ist Humanismus

Der Begriff „Humus“ stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „Erdboden“. Der philosophische Begriff „Humanität“ ist aus dem Begriff „Humus“ abgeleitet, wird aber in einem von der Erde abstrahierten Sinne verwendet: Humanes Handeln bedeutet menschenwürdiges Handeln.

Einem tiefenökologischen Verständnis von Humanität ist daran gelegen, diesen großen philosophischen Begriff in seinen geerdeten Ursprung zurückzuführen, in einen würdevollen Umgang mit unserer Erde nämlich, die unser aller Nährboden ist. In den Straßen Moabits warten in Erinnerung an die großen Humanisten viele Baumscheiben und Beete am Straßenrand darauf, mit Humus versorgt und bepflanzt zu werden. Das Oktogon als Form steht für die Liebe und den Aufbruch zur Vollkommenheit.

Baumscheiben am Straßenrand

Humusbildung-BaumscheibeIm Sommer letzten Jahres ist an der Wiclefstraße, die nach dem wagemutigen mittelalterlichen Kirchenreformer John Wyclef benannt ist, ein kleiner, aber sehr attraktiver Paradiesgarten zur Heilung der Erde entstanden – ein universaler Begegnungsort am Straßenrand für alle Anwohner verschiedenster Kulturen. Weitere solcher kleinen Paradiesgärten werden folgen.

Wir haben die Anwohnerin und scha manische Platzhüterin Alexandra Je drych nach ihren Beweggründen gefragt, wie sie zu unserem Projekt „WE GO PARADISE in Moabit“ gefunden hat.

Liebe Alexandra, als wir im Sommer letzten Jahres vor dem Bioladen „Natur and more“ in Berlin Moabit ein kleines Oktogon sowie ein Hochbeet mit Blumen und Pflanzen bauten, kamst du als Anwohnerin einfach dazu – und wie von selbst begannst du den kleinen Garten schamanisch einzuweihen. Wie kam das?

Meine Freundin Ina rief mich an, ich solle doch eben vorbeikommen, sie sei bei Dorothea im Bioladen an der Ecke. Vor dem Laden an der Baumscheibe wurde bereits eifrig gearbeitet. Sie stellte mich allen vor: Marcel, Mika, Daniel und Lothar.

Nun wurde ich eingeweiht in die Idee des oktogonalen Gärtchens und machte einfach mit. Ich war begeistert von der Idee und Aussicht, hier in meiner Straße ein solch sinnhaftes Tun zu erleben. Menschen, die ihre Idee umsetzen, es einfach tun. Ich war sehr fasziniert und in mir kam ein Gefühl der Erfüllung auf, denn ich hatte Dorothea ein paar Monate vorher drei Gebetsfedern gebunden und geschenkt – für das gute Gelingen ihres Ladens. Plötzlich passierten hier kleine Wunder – eine Bestätigung, dass die Gebete in den Federn ihre Kräfte entfaltet haben und sie ihren Weg gefunden haben. Da stehen plötzlich Menschen vor dem Laden, die hier einen Akupunkturpunkt zur Heilung von Mutter Erde erschaffen. Ich war und bin immer noch sehr berührt. Vor allem an diesem Platz, an dieser Ecke, die ich vorher auch schon als sehr einladend erlebte und wo ich selbst den Impuls hatte, etwas anzupflanzen.

Das Besondere an deiner Arbeit ist neben der Liebe zur Erde und zu den Pflanzen die schamanische Heilarbeit. Magst du uns davon erzählen?

Als das Gärtchen allmählich fertig wurde, entstand in mir das Bild, den Schutz des Platzes durch eine kleine Zeremonie zu verstärken und diesen Akupunkturpunkt zu weihen. Ich holte meinen Salbei zum Räuchern und Muscheln zum weiteren Gestalten und Verschönern. Ich legte Steine um den geflochtenen achteckigen Weidenkreis im Außen und die Muscheln in die inneren, sich kreuzenden Linien. Dann räucherte ich das Oktogon, bat um Schutz und visualisierte diesen. Das war unsere erste gemeinsame Oktogon-Einweihung. Dann folgte das Hochbeet, wo ich einen Rosenquarz ins Zentrum in die Erde setzte, bunte Bänder häkelte und Gebetsfedern anbrachte.

Ich ließ mich von meinen inneren Bildern leiten, öffnete mich ganz für diesen Platz und handelte im vollem Bewusstsein, als würde mir dieser Ort zeigen, wie er aussehen möchte, was er braucht und welche Gebete ich für ihn sprechen darf.

Die Passanten reagierten mit viel Freude und Staunen auf diesen immer schöner werdenden, strahlenden kleinen Garten am Straßenrand. Gäste nahmen vermehrt auf der blauen Bank am Baum zwischen dem Oktogon und dem Hochbeet platz, tranken ihren Kaffee und genossen das kleine Paradies.

Kurz darauf organisierte ich spontan einen Nachmittag zum Binden von Gebetsfedern und Stäben. Es kamen ein paar Kinder vorbei. Thorsten, ein Musiker aus der Nachbarschaft, gesellte sich zu mir und wir trommelten auf dem Gehweg.

Humusbildung-FederEin paar Wochen später entdeckte ich eine weiße Schwanenfeder in der Mitte über dem Hochbeet angebracht so wie mehrere kleine Federn von Tauben und Krähen, an Bän dern befestigt. Sehr berührt erfreute ich mich über die Mitgestaltung der Anwohner. Auch kamen Pflanzen und schö ne Steine dazu, die alle ihren Platz fanden in unserem kleinen Garten Eden mitten in Moabit. Der Herbst kam, ich sammelte mit meiner Tochter Sophia rote Blätter, die wir um den Baumstamm banden, und Kastanien, die wir im Hochbeet in Herzform legten. Nun ist der Platz in Winterruhe, sammelt Kraft fürs neue Erwachen im Frühjahr.

Was ist für dich ein Akupunkturpunkt zur Heilung der Erde?

Ich glaube, so wie die Akupunkturpunkte in unserem Körper sich verbinden zu Meridianen und unseren Energiekreislauf bilden, können Orte auf Mutter Erde sich verbinden zu einem Netz. Diese Linien im Netz und deren Akupunkturpunkte kommunizieren miteinander, wie die Synapsen in unserem Gehirn. Wenn ich solch einen Garten segne und einweihe, bekommt er dadurch eine Art verstärkte Aktivierung und strahlt aus. Solche Plätze kann man dann verbinden.

Die Siegessäule fühlt sich für mich auch nach wie ein starker Akupunkturpunkt an. Hier bilden geomantische Ley-Linien einen Knotenpunkt. Die goldene Göttin strahlt wie eine Hüterin weit über der Stadt. Jeder Mensch kann ein Akupunkturpunkt zur Heilung der Erde sein, wenn er bewusst auf ihr wandelt und handelt – in Dankbarkeit und Verantwortung für sich und alle anderen und Mutter Erde. Und ein Medizinrad, in Würde gelegt, ist ein immens starker Vortex, der wirbelnd auf seine Umgebung ausstrahlt.

Haben die Menschen der Großstadt zu dieser schamanischen Heilarbeit von selbst Zugang?

Tief in unseren Herzen haben wir alle diesen Zugang, der uns mit dem großen Geist verbindet und die Verbundenheit zwischen den Menschen spüren lässt. Wir alle sind auf unserem ganz individuellen Weg der Heilung. In erster Linie braucht es das Bewusstsein und die Öffnung, um wahrzunehmen, was wir brauchen.

Als Platzhüterin konntest du auch im Laufe der Zeit viele Menschen beobachten, die stehenblieben. Wie war das?

Immer wieder beobachte ich Passanten, wie sie stehenbleiben und sich am Anblick des Gärtchens erfreuen. Sie scheinen für einen kurzen Moment innezuhalten und den Geist dieses Platzes einzuatmen. Ich reinige regelmäßig diesen heiligen Ort, fühle mich als Platzhüterin und erhalte das Strahlen aufrecht. Mögen überall solche Gärten entstehen, die durch ihre Schönheit die Blicke und Herzen der Menschen öffnen.

Was hat deine schamanische Arbeit mit der Wiclefstraße gemacht? Was hat sich inzwischen geändert?

Noch im Herbst hat die Stadt neue Bäume im Kiez gepflanzt und gerade in der Wiclefstrasße strahlen nun viele Baumscheiben mit jungen Bäumen und frischer Erde, die sehr einladen, um sie ringsherum zu bepflanzen oder künstlerisch zu gestalten. John Wiclef wäre sehr berührt von dem, was hier geschieht: den Dingen an seinem Straßenrand ihre göttliche Würde verleihen. Und die Mission des John-Wiclef-Gärtchens darf sich im Straßenbild Moabits, der Insel der Zuflucht, fortsetzen.

Wird es nun noch mehr solcher Gartengründungen am Straßenrand in Berlin geben?

Ich bin mir sicher, dass es diese geben wird, und sehe auch schon viele Anwohner und Projekte, die Berlin grüner und schöner werden lassen, besonders hier in Moabit, der „Insel der Zuflucht“. Aber dies geschieht nicht nur lokal, sondern gleichzeitig rund um den Globus. Über unser Internet-Forum können wir auf all diese Aktivitäten aufmerksam machen.

Sprecht uns einfach an und wir beraten und unterstützen euch gern. Jeder noch so kleine Garten ist ein Beitrag zur Gesundung unseres Planeten.

Humusbildung-Wycliffe„Alles ist Gott; jedes Wesen ist überall, da jedes Wesen Gott ist.“
John Wyclef (1313-1384) war ein im englischen Volk sehr beliebter Reformator und scharfer Kritiker der katholischen Kirche. Mit seinen unzeitgemäßen freiheitlichen Sentenzen erregte er so sehr die Gemüter, dass er 30 Jahre nach seinem Tod zum Ketzer erklärt wurde und seine Gebeine noch ein mal ausgegraben und öffentlich verbrannt wurden. Heute gilt er als einer der ersten großen Humanisten des Mittelalters. Mit unserem John-Witclef-Gärtchen möchten wir diesen großen Humanisten ehren und ihn in unserer Erinnerung lebendig halten.

 


Spendenmöglichkeit:
www.betterplace.org/de/projects/21048-wego-paradise-die-weltist-ein-garten-nah-naturlich-und-nachhaltig

Lokaltermin
WE GO PARADISE
in Moabit
Sa, 14. Februar, 15 Uhr
Treffpunkt: Natur and More, Oldenburger Str. 16, 10551 Berlin
Anmeldung: mitmachen@sein.de

Humusbildung-PortraitAlexandra Jedrych
Facebook-Seite: Erdrituale
www.erdrituale.de

 

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