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Du kennst Jim Carrey? Dann kennst du auch unweigerlich den Regisseur einiger seiner Filme. Tom Shadyac hat nicht nur mit ihm Hollywood ein wenig aufgemischt, sondern auch ein paar Zwischentöne ins Mainstream-Kino gebracht, die bis dato kaum Gehör fanden. Und er war sehr erfolgreich mit seinen Komödien, die manche spirituelle Botschaft beinhalteten – bis ihm ein Fahrradunfall aus der Bahn warf und sein Leben gründlich durcheinanderbrachte.

Denn der Unfall, war eigentlich auch ein Glücksfall – gab er doch reichlich Zeit und Gelegenheit nachzudenken und der eigenen Wahrheit nachzufühlen. Als Tom wieder fit genug war, um zu reisen, machte er sich auf den Weg, mit Leuten zu sprechen, die sich mit dem Wesentlichen des Lebens beschäftigten: Weisheitslehrer, Wissenschaftler, Philosophen. Zum Einen, um für sich selbst Antworten zu finden, aber auch, um dem Ursprung der Probleme der verdrehten Menschenwelt auf die Spur zu kommen.

Herausgekommen ist eine unterhaltsame, inspirierende und sehr persönliche Dokumentation. In „I am“ werden nicht unbedingt Dinge verraten, die neu sind. Vielmehr geht es um das wie. Man hat die Gelegenheit, einer Person zu folgen, die „alles hatte“und nach und nach von Dingen und Ideen loslässt – um schließlich auf einen einfachen und essentiellen Punkt zu kommen.

Anlässlich der Vorstellung des Filmes auf DVD hatte ich Gelegenheit, mit Tom ein Interview zu führen.

Vigor: Als du den Film begannst – war das, nachdem du bereits Antworten gefunden hattest, , oder war der Film dein Weg, um Antworten zu finden?

Tom Shadyac: Ich hatte bereits eine Idee von dem, was die Ursache der Probleme unserer Welt wäre. Durch Bücher, die ich über Jahre gelesen hatte. Ich realisierte, dass jeder in verschiedenen Sparten die gleiche grundlegende Sache sagte. Ich ging auf die Reise, um diese Menschen zu sprechen, und um zu überprüfen, ob wir auf einen grundsätzlichen Nenner kämen. Es waren Leute, von denen ich wusste, sie würden mir helfen, mein Verhalten zu verschieben und mich für neue Ideen zu öffnen. Ich wollte sie fragen, ob wir die grundlegenden Ursachen finden können, warum wir eine Welt haben, die zerbrochen zu sein scheint.

 

V: Vor deinem Unfall, der alles änderte – gab es irgendwelche Zeichen, die du ignoriert hast?

T.S.: (Lacht) Natürlich. Ich war ein Meister im Ignorieren von Zeichen.

 

V: Genau wie Jim Carrey in deinem Film „Bruce allmächtig“. Es gab Zeichen, aber er war nicht in der Lage, sie zu sehen.

T.S.: Yeah. Mein Leben war Vorbild für diese Szene. Gott, das Universum, macht einen kleinen Schnitt, wenn du nicht auf diesen Schnitt achtest, gibt es einen kleinen Klaps auf die Wange, und wenn du nicht bereit bist, das zu beachten, bekommst du eins übergezogen. So bekam ich eins übergezogen. Ich war nicht völlig im Schlaf. Es gab viele Zeichen. Ich zog z.B. zunächst in dieses Herrenhaus. Das war ein echt deutliches Zeichen. Weil ich in mir ein sehr starkes Gefühl hatte, dass dies nicht war, wovon ich glaubte, hingeführt worden zu sein.

 

V: Als ich das in dem Film sah, dachte ich: „Wow, das ist ein großes Haus!“(Für eine Person). Ist dir nicht in den Sinn gekommen dort eine Gemeinschaft zu gründen?

T.S. : Ja, doch. Nach dem Haus, war ich in ein noch Größeres gezogen, und ich erzählte meinen Freunden: Das müsste ein Waisenhaus werden. Hier müssten sechs Familien leben. Aber ich hatte zu der Zeit keine Idee, wie ich das erschaffen könnte, und war viel zu sehr damit beschäftigt, Filme zu machen. Wenn ich dieses Haus heute sehe, denke ich, es wäre perfekt für 40 bis 70 Personen. Sie könnten dort sehr gut leben.

 

V: Du hast schließlich Haus und Luxusleben aufgegeben und dein Leben drastisch vereinfacht, bist auf einen Trailer-Park gezogen. Bist du noch da? Wie funktioniert das mit dem Trailer-Park-Leben?

T.S.: Nun…Einfacher. (Lacht). Ja, ich bin noch da. Es ist ein schöner Trailer-Park, an einem schönen Platz. Niemand muss Mitleid mit mir haben. Aber es ist Einfachheit. Die meisten der Heime sind fast 100 qm, alles was ich brauche. Es gibt keine Mauern und Tore zwischen den Häusern. Du kennst deine Nachbarn. Man sieht sich jeden Tag oder regelmäßig. Wir teilen kommunalen Raum, haben kein eigenes Land, und zahlen Miete.

 

V: Fühlt sich das entspannter für dich an? Ohne den Luxus, der von einem Hollywoodstar erwartet wird.

T.S. Natürlich. Wenn du viel Zeug besitzt, wird das Zeug dich besitzen.

 

V: Ich begann mein Leben vor vielen Jahren zu vereinfachen – und immer noch vergeht kein Tag, an dem ich nicht frage: Das Ding, das Denken, das Verhalten – funktioniert das für mich noch? Wie ist das für dich? Wie weit geht dein Sinn für Einfachheit?

T.S.: Ich bin da wie du. Immer wieder die Dinge in Frage stellen, Grenzen verschieben, und sehen, wo ich mich befinde. Zum Beispiel der Inhalt meines Schrankes: Ich habe ein paar T-Shirts, einige Jeans, ein paar Pullover. Das ist wirklich alles, was ich brauche. Ich habe die letzten zehn Jahre keine Kleidung mehr gekauft.
Einige Dinge mag ich und sind für mich notwendig. Ich habe ein paar Fahrräder, weil ich viel Rad fahre. Ich finde es verjüngt mich, hilft meiner Kreativität, hilft mich zu regenerieren, und dann habe ich mehr Energie, um Anderen und meinem Herz zu geben. Das Gleiche gilt fürs Surfen. Aber ich schau mich immer um. Wie kam das hierher? Eine Regel für das einfache Leben: Wenn man bestimmte Dinge ein oder zwei Monate nicht benutzt hat: Gib sie jemand, der sie nutzen könnte.

 

V: Wie sind die Reaktionen der Menschen im Film-Business? Stehen sie noch hinter dir, auch wenn du nicht das richtige Auto fährst, oder nicht an der richtigen Adresse wohnst?

T.S. Es gab nicht „eine Reaktion“; Hollywood reagiert nicht als Block. Ich bekam eine Menge Anerkennung und Positivität, gleichzeitig macht es Menschen unruhig. Es ist schwer, jemanden zu finden, der deinen Standpunkt sieht, wenn sein Einkommen davon abhängt, deinen Standpunkt nicht zu sehen. Ich frage: Wie viel ist genug? An der Oberfläche ist das bedrohlich. Aber da ist kein Verlust. Tatsächlich ist es ein Gewinn. Im Hinblick auf Bedeutung, Sinn und Energie, Freude, Gemeinschaft, und Beziehungen ist es ein Gewinn.

 

V: Wenn Wissenschaft „nur eine Geschichte“ ist („Science is just a story“, Zitat aus dem Film) – warum hast du Wissenschaftler gefragt? Was waren deine Gründe nicht z.B. Schamanen im Amazonas zu besuchen?

T.S.: Ich las viel über Ureinwohner und einige der schamanischen, spirituellen Traditionen, aber ich hatte keinen persönlichen Zugang dazu. Ich blieb „näher zu Hause“, wenn man so will. Bei Personen, die mich persönlich beeinflusst haben. Alle Menschen, die du im Film siehst, waren Leute auf meiner Reise, die mich geöffnet haben. Ich hatte sie schon davor getroffen, sprechen hören, ihre Bücher gelesen, in Dokus gesehen. Es war sehr spezifisch und präzise, ​​wen ich für Gespräche wählte. Natürlich habe ich nicht alle bekommen, die ich wollte. Ich wollte mehr weibliche Energie, wollte mehr farbige Menschen, und Leute wie den Dalai Lama, der zum Beispiel wegen seinem engen Zeitplan nicht konnte.

 

V: Hast du realisiert, dass viele Dinge, die in den Gesellschaften schief gehen, mit männlichem Verhalten zu tun haben? Wie zum Beispiel männlichem Jagdstolz. Würdest du sagen, dass die Veränderung der Welt direkt mit der Änderung altmodischer Männerklischees verbunden ist?

T.S.: Ja. Männliche Dominanz… Ich kam zu dem gleichen Schluss. Frauen sind Licht, und das Licht wurde unterdrückt. Frauen auf der ganzen Welt erheben sich, und wir haben viel von Frauen zu lernen. Etwas verallgemeinert gesagt: Männer leben in ihren Köpfen, während Frauen mehr mit ihrem Körper verbunden sind. Mit ihren Herzen. Sie geben Leben. Sie tragen das Leben. Sie haben intuitive Kraft, die wir oft nicht haben. Ich denke, es ist Zeit die Fackel weiterzugeben. Wir hatten unsere Chance. Frauen, führt uns!

 

V: Einer der Botschaften des Films ist, dass alles miteinander verbunden ist, und es gibt in dem Film erstaunliche Beispiele, wie das funktioniert. Haben sich die Dinge, die du in dem Film zeigst, in deinem Leben manifestiert? Zum Beispiel: Konzentrierst du dich mehr auf das, was du sagst, weil alles mit allem verbunden ist?

T.S.: Es ist nicht, dass ich mich auf jedes Wort konzentriere, aber ich bin mir der Energie bewusst, die ich raus gebe. Energie von Respekt für den, mit dem ich rede. Offenheit. Ich will mehr zuhören. Ich bin bewusster. Wenn ich mit jemandem zusammen bin, wenn ich in der Natur bin, oder auch allein mit mir.

 

V: Dafür hast du einen einfachen Schlüssel gefunden: Geben. Wie zeigt sich das in deinem Leben?

T.S.: Ich denke, Geben ist ein Lebensstil. Ich denke, du gibst in jedem Moment. Du gibst, auch wenn du an deinem Schreibtisch sitzt, und es aussieht als wärst du isoliert von allem. Dann gibst du dich etwas hin, das du gerade hörst, einem kreativen Akt, ein Problem zu lösen, einer Verbindung mit jemandem am Telefon, all das sind Formen des Gebens. Dann ist da natürlich die häufigere und geläufigere Form des Gebens. Wir haben einiges bekommen, was wieder zurückfließen will. In Form von Einsatz in vielen Bereichen: Befreiung von Sklaven auf dieser Welt, der Problematik der Kindersoldaten, Obdachlosen helfen, Kindern Bildung ermöglichen, und vieles mehr. Ich will das als Lebensstil sehen, und nicht als etwas, was „man am Samstag macht“.

 

V: Seit der Entstehung des Filmes ist einige Zeit vergangen. Was geschah, nach diesem Film und deinen Änderungen? Bist du gesünder? Zufrieden mit deiner Wahl?

T.S.: Ich fühle Frieden.

 

Das Interview führte Vigor Calma

 

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Spielzeit: 77 Min.

VÖ: 21. Februar 2012

Universal Pictures

 

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