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Wenn es Richtung Weihnachten geht, richtet sich der Blick immer mehr nach außen: Was soll ich Mutti, Vati, Mann und den Kindern schenken? Wo die Zeit hernehmen für die Shopping-Tour durch die City? Wie all das schaffen? Weihnachten ist dabei nur ein beispielhafter Höhepunkt für unseren Umgang mit uns selbst. Dafür, dass wir uns nicht mehr spüren, sondern von „ich-muss“- und „ich-sollte“-Gedanken wie fremdgesteuert durchs Leben stolpern, um äußeren Kriterien gerecht zu werden. Anette Mara Marahrens stellt sich die Frage, ob sie das wirklich will. Und kommt zu dem Schluss: Nein, ich schenk mir lieber mich.

 

12 Uhr. Um 14 Uhr muss dieser Artikel endlich fertig sein – eigentlich seit einer Woche. Was dazwischen gekommen ist? Nun, das Leben. Seit zehn Tagen bin ich Hundemama. Eine aufregende Zeit. Mit allem, was das Leben so bietet. Oft muss man scheinbar gegensätzliche Universen miteinander verbinden…. Seine Freude, sich frei bewegen zu wollen und alles kennen lernen zu wollen. Mein Realismus und meine Fürsorge, die verhindern müssen, dass er wieder auf die Straße läuft…. Ängstlichkeit, Freude, Macht- kämpfe, Spiel, Glück, Zweifel. Bei aller Beachtung, was die Bücher so schreiben und was andere einem raten, darf ich auch auf mich achten? Mir Aufmerksamkeit schenken? In den Büchern steht, in der ersten Woche soll er nur zuhause bleiben. Ich muss aber auch arbeiten oder will meinen Lieblings-Cappucchino an der belebten Müllerstraße trinken, der mir hilft, die Tage (24 Uhr, 4 Uhr, 6 Uhr, etc. Gassi gehen, 4 Treppen runter) zu überstehen und wach für die Arbeit zu bleiben. Er muss doch auch lernen, wie mein Leben ist. Darf ich missachten, was andere kluge Menschen so behaupten? Spielen an der Leine verboten. Na, wann soll er denn sonst draußen mal spielen können, wenn es unangeleint noch nicht geht? Gibt es ein „man sollte? Richtig oder Falsch? Was ist wichtig? Mir wichtig in der Erziehung? Und immer wieder die gute alte Frage: Will ich der Liebe oder der Angst folgen? Mein Hund war die ersten drei Tage trocken. Nun hat er auf den Teppich geschissen, ins Bett gemacht. Bin ich der Situation überhaupt gewachsen, in der Lage, eine gute Hundemutter zu sein? Vertraue ich dennoch darauf, dass er es schafft, ich es schaffe, ihn trocken zu bekommen? Dass er es lernt, auch ohne Leine zu gehorchen, so dass er seine Freiheit bekommen und auch mal unangeleint laufen kann?   

Mein Hund lehrt mich, dass man immer nur aus dem Moment heraus, intuitiv, das Richtige erspüren kann. Rezepte gibt es nicht. Auch nicht im Umgang mit sich selbst.

Tja, da könnte ich schon am Ende des Artikels sein. Aber die große Frage ist doch, wie macht man das? Denn das setzt eine Haltung der Selbstachtung, der konkreten, bewussten Einschätzung des eigenen Seins und des eigenen Wirkens ohne falsche Scham und ohne übertriebene Selbsterhöhung voraus – und eine gute Einschätzung der Situationen im Äußeren.

 

Eingebildeter Mangelzustand

Unser heutiges Leben ist geprägt von einem ständigen eingebildeten Mangelzustand. Zu unserem Glück fehlt immer etwas. Wir sind nicht gut genug, zu dick, zu langsam, zu fordernd. Haben zu wenig Geld, den falschen Partner, den falschen Job, ein Kind, das nicht so will, wie wir es wollen. Wir alle haben Zeit verschwendet mit Dingen, die uns nicht wirklich wichtig waren. Haben einen Haufen Dinge nicht gewürdigt, die wir in der Rückschau mehr hätten genießen sollen. Haben vielleicht die Zeit, die wir mit dem Partner verbracht haben, nicht richtig genossen, weil wir beschäftigt waren mit der Angst, wir würden für jemand Klügeren, Schöneren verlassen.

Der schlimmste und größte Mangel aber ist die Haltung: Mit mir stimmt was nicht. Denn wenn ich nicht gut für mich sorge und keine Selbstliebe empfinde und es mir schwerfällt, mich so zu akzeptieren, wie ich bin, ist es schwer, die emotionale Herzenskraft wieder zum Fließen zu bringen, die Voraussetzung ist für eine gute Intuition und um der inneren Stimme dann auch zu folgen.

 

Es ist alles in Ordnung mit uns

Selbstliebe und Akzeptanz müssen wir täglich umsetzen und üben. Eigene Schwächen zu akzeptieren, kann eine Menge Druck nehmen. Wir müssen begreifen lernen, dass wir niemanden beeindrucken müssen. Noch nicht mal uns selbst. Wir müssen uns auch nicht vergleichen. Und auch nicht noch besser entspannen können. Es ist alles in Ordnung mit uns, wir sind schon perfekt. Wenn wir uns aus diesem Blickwinkel sehen, erkennen wir, dass wir uns nicht um alles kümmern müssen, es nicht allen recht machen müssen. Nur uns selbst. In jedem einzelnen Moment.

Unser Geist und unsere Sinne sind nicht an die Schwerkraft gebunden. Lassen wir sie reisen. Schaffen wir dafür Freiräume der Zeit und Ruhe. Entdecken wir unsere eigenen inneren Kräfte der Intuition. Wachsen wir in unser wahres Wesen hinein. Dann entwickelt sich die Erkenntnis: Es gibt nichts zu tun. Nur zu sein. Im Moment. Und eine tiefe Liebe zu uns, zum Leben und seiner Schönheit entsteht. Also: Leg einen schützenden Mantel des Mitgefühls um dich. Liebe dich selbst und folge deinem Herzen. Das Leben ist viel zu kurz, um es nicht zu genießen.


Abb: © Subbotina Anna – Fotolia.com

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