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Natürlich kann man Reinkarnation nicht objektiv beweisen. Doch manchmal tauchen im Leben eines Menschen Situationen auf, die in ihrer Summe die tiefe Gewissheit entstehen lassen: Das ist Wirklichkeit. Einige subjektive Betrachtungen von Anna Bahlinger-Çetin.

 

Ich glaube nicht an Reinkarnation. Ich weiß, dass es sie gibt. Besser gesagt, als Kind wusste ich das, und daran erinnere ich mich. Konkret erinnere ich mich daran, wie ich als kleines Mädchen im Kindergarten am Sandkasten stand und plötzlich den Gedanken hatte: Warum denn jetzt alles noch mal? Ich kenne doch schon alles. 

Ich erinnere oder erinnerte mich auch an Bilder und Situationen, die nichts mit meinem jetzigen Leben zu tun haben – ich sah meine Großmutter als jungen Mann mit Kniebundhosen, ich hatte ganz häufig Bilder von schweren, dunklen Vorhängen, hinter denen blendend helles Sonnenlicht hervorlugte (von dem ich wusste, dass man es ausschließen muss, wie eben in südlichen Ländern), ich spürte eine merkwürdige innere Nähe zu bestimmten Regionen, in denen ich „in echt“ noch nie war, wie zum Beispiel die Karpaten oder Kasachstan. In der Schule, im ersten Jahr des Englischunterrichts, verstand ich manche Wörter und Ausdrücke ganz selbstverständlich – was mir erst auffiel, als der Lehrer anfing sie zu erklären (und damals gab es in meiner „wirklichen“ Welt als Kind in einer süddeutschen Kleinstadt überhaupt keinen Kontakt zum Englischen). Oder später, bei einem Besuch in England, hatte ich das ganz dringende Gefühl, dort etwas Wichtiges erledigen zu müssen – ohne dass da „real“ etwas gewesen wäre außer Urlaub – und ich kam auch nicht dahinter, was genau ich tun sollte…

Es gibt oder gab also offenbar eine Art Fundus, der sich gelegentlich blitzartig zeigte. Situationen, Bilder, auch Gefühle, die nichts mit der jeweils aktuellen Wirklichkeit zu tun haben, auch nicht mit Erinnerungen aus diesem Leben, aber durchaus mit mir und meinem Bezug zu irgendetwas oder irgendjemandem. Wann immer so etwas aufblitzte, war das ein merkwürdiges Gefühl – durchaus real, aber eben nirgendwo zuzuordnen. Wie winzige Filmschnipsel, in die man plötzlich Einblick hat, oder auch nur Standbilder oder Bildausschnitte. Oder eben auch Gefühle – häufig unangenehme, schwere, zum Beispiel das Gefühl, am Pranger zu stehen, in ohnmächtiger Scham und Schande.

 

So vertraut…

So etwas kennen sicherlich viele Menschen. Oder auch die Situation, dass einem manche Leute schon bei der ersten Begegnung total vertraut vorkommen, obwohl man sie „noch nie vorher gesehen“ hat. Oder dass man zu bestimmten Gegenden einen inneren Bezug hat, auch wenn man „noch nie dort war“. 

Noch ein Erlebnis sei erwähnt: Beim Zugfahren vor einigen Jahren sitze ich mit meinem Buch im Abteil, schaue auf und nehme die Leute um mich herum wahr: ein hagerer junger Mann mit schwarzen Haaren, eher klein, eine dicke ältere Frau, ein dunkelhäutiges Kind, das draußen im Flur vorbei geht, ein kräftiger rothaariger Mann hinterher… und es durchzuckt mich als blitzartige Erkenntnis: Es muss so sein, dass jeder mehrere Chancen hat – so unterschiedlich wie die Leute ausgestattet sind. Das muss doch alles ein großes Spiel sein, in dem jeder mal die eine, mal die andere Rolle spielt. Wenn jeder nur einmal da wäre, bräuchte es ja nicht diese Vielfalt an menschlichen Lebensmöglichkeiten zu geben…

Natürlich habe ich mich auch immer mal wieder mit diesem Thema befasst, habe Einschlägiges gelesen und vor allem auch immer mal wieder – meist durch medial begabte Mitmenschen – Hinweise auf konkrete „andere Leben“ von mir gesucht und bekommen. Und immer wieder war und ist es so, dass da etwas an seinen Platz kommt, dass sich ein weiteres Stück des Puzzles zusammenfügt. Es „stimmt“ einfach!

 

 

Alles bekommt Sinn

Die zentrale Frage ist für mich – wie schon als kleines Mädchen – die nach dem Sinn: Wozu das alles? Wieso sind wir denn auf der Welt? Denn dass es einen Sinn geben muss, war für mich immer klar.  Dazu gehört natürlich die Frage, wozu bin ich da, was ist meine Aufgabe in dem großen Ganzen? Aber auch die allgemeinere: Wieso gibt es überhaupt Menschen, was ist der Sinn des ganzen Spiels?  Diese Frage brachte mich zur Spiritualität, zur ganzheitlichen Betrachtung der Welt und des Lebens, in der alles mit allem verbunden ist und ein einzelnes Leben im Zusammenhang steht mit einem Geflecht von vielen anderen. Viele vorher „sinnlose“ oder „zufällige“ Phänomene in einem Leben oder bei einem Menschen ergeben plötzlich einen Sinn, wenn man die Ebene der anderen Leben mit in Betracht zieht: auffällige Verhaltensweisen, Vorlieben, Abneigungen, aber auch so etwas wie „unerklärliche“ Ängste oder Schuldgefühle, angeborene körperliche Besonderheiten oder das Phänomen „schwerer Schicksale“ bzw. „leichterer“ Lebensumstände. Im Grunde hat alles (auch) einen Bezug zu irgend etwas in einem anderen Leben. Und überhaupt die höchst unterschiedlichen Lernprogramme, die Menschen offenbar durchlaufen – sie ergeben einen Sinn, wenn man sie als Teile eines größeren, umfassenden Lernprogramms für eine Seele sieht.

Natürlich enthebt einen die Tatsache der Reinkarnation nicht der Aufgabe, dieses jetzige Leben zu leben. Nur weil „ich“ ja noch öfter wiederkommen kann, ist es noch lange nicht egal, ob und was und wie ich jetzt lebe. Ich fühle mich aber mit diesem Leben eingebettet in einen größeren Zusammenhang. Und der macht es mir leichter, gerade jetzt das zu leben, was ansteht, und damit nicht mehr (wie früher) zu hadern, sondern mich richtiggehend daran zu erfreuen –und auch mal über mich zu lachen!


Abb: © Elenathewise – Fotolia.com

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