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Vom 25. Februar bis 25. Juni 2000 findet das fünfte Männer-Training „Im Kreis der Männer“ am Institut für Lebenskunst & Tantra in Berlin statt.
Das von Frank H. Fieß ins Leben gerufene Training schafft einen einzigartigen Erfahrungs-Raum, in dem Männer eingeladen sind, sich ihren Wurzeln im Männer-Land zuzuwenden. An fünf Abschnitten und regelmäßigen Zwischentreffen zwischen den Abschnitten werden alle wichtigen Themen im Leben eines Mannes beleuchtet. Das Anliegen dieses Trainings ist nicht der spektakuläre 3-Tages-Kitzel, der unter Umständen schnell wieder verpufft, sondern eine Reifung und ein Wachstum, das im Alltag der Männer Wurzeln schlägt. Die meisten Männer der bisherigen Männer-Trainings treffen sich auch nach der Vollendung des Trainings weiter. So wächst ein Netz von Männer-Freundschaften und Männer-Solidarität im Alltag.
Im Januar 2000 wird von zahlreichen Männern der zurückliegenden Trainings gemeinsam mit Frank und dem Männer-Team das Männer-Netzwerk Berlin gegründet. Aus dem Männer-Netzwerk werden verschiedene Projekte für die Männer dieser Stadt und dieses Landes entstehen.

 

Initiation – Einweihung in ein reifes, bewußtes Mann-Sein ist für die meisten Männer unserer Gesellschaft ein Fremdwort.
Die wenigsten Männer werden darauf vorbereitet, ihre Identität als Mann selbstbewußt, ethisch und kraftvoll auszufüllen.
Mutter, Großmutter, Erzieherin, Lehrerin, Partnerin, Geliebte, Freundin, Ehefrau… – Frauen begleiten uns Männer ein ganzes Leben lang. Zahlreiche Männer definieren und erfahren sich in erster Linie über Frauen. – Das Männerland ist für viele Männer ein unbekanntes Land. Und zugleich„hungern“ sehr viele Männer in unserer Gesellschaft nach Vater und Mann.
Der Kreis der Männer ist für viele Männer eine Hinwendung zu ihren Wurzeln und ihrer Heimat im Männerland. Sie erfahren wie ihr Selbst-bewußt-sein und ihre Selbst-sicherheit wachsen. Sie erfahren wie sich ihre Beziehungen zu Männern positiv verändern und wie ihre Beziehungen zu Frauen an Freude, Intensität und Tiefe gewinnen.

Im folgenden ein Erfahrungsbericht von Jan, der Teilnehmer des Männer-Trainings „Im Kreis der Männer“ 1999 war:

Mein ganzes Leben lang war ich mal mehr, mal weniger stark auf der Suche nach meinem Mann-Sein. Was bedeutet Mann-Sein? Aufgewachsen ohne richtigen Vater, verblendet durch Sprücheklopfer und Großmäuler in der Jugend und im Fußballverein als junger Mann tauchte immer wieder die Frage in meinem Kopf auf: Was bedeutet Mann-Sein für mich?
„Ein Mann kennt keinen Schmerz. Ein Mann weint nicht“, hat mein Onkel immer gesagt. Ich erinnere mich noch, wie ich am Grab meines geliebten Großvaters gestanden habe und mir immer wieder gesagt habe: „Du weinst hier nicht.“ Ich habe mit 15 Jahren meinen Vater im Bordell getroffen. Leider war er nicht in der Lage, mich auf das Mann-Sein vorzubereiten. Meine Aufnahme in die Männer-Welt vollzog sich durch eine Flasche Bier und eine Zigarette. So, jetzt bist du erwachsen. Aber das reichte nicht. – Fortan war ich auf der Suche. Die endlosen Diskussionen mit Frauen und die Versuche, „die bessere Frau“ zu sein, haben mich von meinem Mann-Sein immer weiter weg gebracht. Ich als Mann und stellvertretend für alle Männer – war das Übel der Welt, schuld an allem! Gleichzeitig herrschte auch noch der arge Konkurrenzkampf mit anderen Männern, besonders wenn es um Frauen ging. Wer ist besser, schöner, erfolgreicher …

Irgendetwas Entscheidendes fehlte, und das hatte mit meinem Mann-Sein zu tun. So entschloß ich mich, am „Kreis der Männer“ teilzunehmen. Um es gleich vorweg zu sagen: Diese Entscheidung war eine der wichtigsten in meinem Leben und die reiche Zeit mit den Männern war eine der schönsten überhaupt.
Von Anfang an spürte ich, hier ist Raum zum Wachsen für mich. Hier werde ich nicht gepusht, hier muß ich nichts glauben, sein oder tun, was ich nicht möchte.
16 Männer, Frank und sein Team mit weiteren sechs Männern. 23 Männer! Männer im Alter von knapp über 20 bis fast 60. Junge Männer, reife Männer, wohlhabende und nicht wohlhabende Männer, Männer mit Arbeit, Männer ohne Arbeit. Männer!
Von Anfang an genossen wir es, uns nicht durch die Anwesenheit von Frauen ablenken zu lassen und uns ganz auf den Reichtum der anwesenden Männer zu konzentrieren. Frank und sein Team verstanden es vom ersten Moment an, ein Klima zu schaffen, in dem sich jeder Mann willkommen und akzeptiert fühlte. Diese Grundhaltung des Respekts, der gegenseitigen Achtung und der Bereitschaft, in Aufrichtigkeit ge-meinsam zu wachsen, war der Boden für alle weiteren Schritte.
Im Schmerz und der Trauer in den Augen der Männer sah ich meinen Schmerz und meine Trauer. In der Wärme und der Freude in den Augen der Männer sah ich meine Wärme und meine Freude. Ich begriff sehr schnell, welch’ große Chance für mich in dieser Männer-Gemeinschaft liegt.

Es gab so viele stille, sanfte, tief bewegende, sinnliche, mitreißende, wilde Rituale und Erfahrungen. Sie hier im Einzelnen zu beschreiben würde den Rahmen dieses Artikels sprengen und vor allem dem Versprechen der Vertraulichkeit zuwider laufen. Ich habe Dinge erlebt, die ich mir zu Beginn des Männer-Trainings niemals hätte vorstellen können.  Immer hatte ich die Möglichkeit, Stop zu sagen und genau so weit zu gehen, wie ich es wollte.
Jedes einzelne Wochenende war wunderbar und stimmig in sich. Immer wurde ich als ganzer Mann angesprochen, als Einheit von Körper, Gedanken, Gefühlen und Spiritualität. Ich habe erfahren, wie sich mein ganzes Leben, mein Beruf, meine Sexualität, meine Beziehungen positiv verändern, indem ich meinem Mann-Sein Aufmerksamkeit und Energie schenke. Ich habe tief in meinem Bauch verstanden, daß ich der Schöpfer meiner persönlichen Wirk-lichkeit bin. Ich bin die Ursache für meine Wirkung und meine Wirk-lichkeit. Ich trage 100 % die Verantwortung für mich selbst. Alles andere sind Ausflüchte und Ausreden: Walk your talk! Die Übungen, Rituale und Teachings über den Fluß der Lebens- und Sexualenergie habe ich besonders genossen. Diese wichtigen Erfahrungen mit meinem Atem, mit Berührungen, mit meiner Stimme und der Lebendigkeit meines ganzen Körpers begleiten mich seither in meinem All-Tag.

Mit jedem Wochenende und je-dem Zwischentreffen sind wir als Gemeinschaft mehr zusammengewachsen. Es gab in unserer Gruppe keinen Mann, dessen Schmerz mich nicht rührte und keinen Mann, der sein Mensch-Sein verbarg. Ja, auch gerade das Einbringen der eigenen „Zweifel, Ängste, Schattenseiten“ und vermeintlichen Unzulänglichkeiten waren für mich als Betroffener oder als Zuhörer immer fruchtbar. Die Tränen der Männer sind auch meine Tränen. Oft dachte ich: „Wie ähnlich sind doch unsere Sorgen, Nöte und Ängste. Wie ähnlich sind doch unsere Sehnsüchte, Träume und Freuden.“ Durch diesen Mut wahrhaftig zu sein, entstand ein Raum des tiefen Vertrauens. Der Humor, die Freude, unser gemeinsames Lachen, unsere kraftvollen Lieder und wilden Tänze zeigten mir so oft, wie nahe beieinander Weinen und Lachen, Trauer und Freude, Ernsthaftigkeit und Spiel sind. Mein Verständnis und meine Liebe zu mir sind gewachsen! Mein Verständnis und meine Liebe zu den Männern sind gewachsen!

Nach vier intensiven Abschnitten zu den Themen:

  • Selbst-Liebe, Selbst-Wert, Kommunikation, Ziele
  • Das innere Kind – unsere Herkunftsfamilie, Vater, Mutter, unsere emotionalen Wurzeln
  • Der reife Mann in Beziehung –Freiheit und Verantwortung
  • Körper, Eros, Sexualität – Die Freuden des Körpers,

die alle in den wunderschönen Räumen des Instituts für Lebenskunst und Tantra stattfanden, trafen wir uns zum Abschluß-Wochenende in der Prignitz. Fast am Ende stand das alte Ritual des Feuerlaufs. Gemeinsam haben wir das Holz aufgeschichtet und das Feuer entzündet. Dann ging jeder Mann allein in die Natur. – Das Gebet, das ich zu Füßen eines Baumes sprach, hat mich zutiefst mit meinem innersten Wesen, meinen geliebten Menschen und dem, was mein Beitrag an diese Welt ist, verbunden.

Das Feuer war unglaublich heiß. Ich spürte große Ehrfurcht vor dem Feuer, auch Trauer und Dankbarkeit. Trauer darüber, den Kontakt zu diesen Ur-Kräften des Lebens meistens nicht zu spüren. Dankbarkeit dafür, diese Fähigkeit zu besitzen.
Jeder Mann sprach laut aus, wofür er durch’s Feuer geht. „Für mich selbst, für meine Kinder, für meine Frau, für den Frieden, für Gott/den Großen Geist …“ Ich ging für meine Frau Kerstin und meine Tochter Sarah! Hätte nicht Thomas von jedem von uns bei seinem Gang durch’s Feuer ein Foto gemacht, ich hätte es nicht geglaubt. Der Mensch braucht halt Beweise! Das Feuer hat meine Zweifel verbrannt und Raum für neues Leben geschaffen.
Am Ende saß ich, wie jeder Mann vor mir, auf dem Thron vor allen Männern. Die Männer sagten mir zum Abschied das, was sie in mir sehen. Das Geschenk, das Du für mich bist – was ich an Dir liebe, ist – was ich Dir auf Deinen Weg mitgebe -. Noch nie in meinem Leben wurde ich so gestärkt, genährt, be-schenkt, noch nie habe ich mich so gesehen und erkannt gefühlt!
Dann nach einem letzten Lied haben wir den Kreis zum letzten Mal geschlossen und in Stille unsere gemeinsame Zeit vollendet: Männer, ich trage Euch in meinem Herzen!!!
Heute, sechs Monate nach der Vollendung des Männer-Trainings treffe ich mich weiter regelmäßig mit den Männern meines Trainings. Ich bin Teil des Männer-Netzwerks und ein Teil von Frank’s Männer-Team für das Männer-Training 2000. Ich habe wertvolle Männer-Freunde gefunden – Ich bin der Mann meines Lebens!

Die Einladung

Oriah Mountain Dreamer, Indian Elder

Es ist nicht wichtig für mich, wie du dein Geld verdienst.
Ich möchte wissen, ob du es wagst, der Sehnsucht deines Herzens zu folgen.
Es ist nicht wichtig für mich, wie alt du bist.
Ich möchte wissen, ob du dich traust, wie ein Narr auszusehen, weil du deine Liebe zeigst, deine Träume lebst und wirklich lebendig bist.
Ich möchte wissen, ob du dein eigenes Leid umarmen kannst, ob du durch die Lektionen des Lebens offener geworden bist, oder ob du dich verschlossen hast aus Angst vor neuem Leid.
Ich möchte wissen, ob du mit Schmerz umgehen kannst, meinem oder deinem Schmerz, ohne ihn verstecken, verändern oder überspielen zu müssen.
Ich möchte wissen, ob du voller Freude sein kannst, meiner oder deiner Freude, ob du voller Wildheit tanzen kannst, ob du die Ekstase von deinen Fußsohlen bis zu deinen Haarspitzen fließen lassen kannst.
Es ist nicht wichtig für mich, ob die Geschichte, die du mir erzählst wahr ist.
Ich möchte wissen, ob du jemand enttäuschen kannst, wenn es wichtig ist, dir selbst treu zu bleiben.
Ob du mit Verrat umgehen kannst, ohne deine eigene Seele zu verraten.
Ich möchte wissen, ob ich dir vertrauen kann, ob du mein Vertrauen wert bist.
Ich möchte wissen, ob du dann noch die Schönheit in allem sehen kannst, wenn es nicht jeden Tag schön ist.
Und ob du aus der Quelle des Großen Geistes trinken kannst.
Ich möchte wissen, ob du mit Fehlern umgehen kannst, deinen und meinen Fehlern und zugleich am Ufer eines Sees stehen kannst und dem Silber des vollen Mondes ein lautes „Ja!“ entgegen brüllen kannst.
Es ist nicht wichtig für mich, wo du lebst und wieviel Geld du besitzt.
Ich möchte wissen, ob du nach einer Nacht voller Streit, Kummer und Verzweiflung, zermürbt und erschöpft bist bis auf die Knochen, aufstehen kannst und für die Kinder das tun, was getan werden muß.
Es ist nicht wichtig für mich, wer du bist oder wie du hierher gekommen bist.
Ich möchte wissen, ob du mit mir im Zentrum des Feuers stehen kannst, ohne zurückzuschrecken.
Es ist nicht wichtig für mich, wo, was oder mit wem du studiert hast.
Ich möchte wissen, was von dir übrig bleibt, wenn alles Äußere von dir abfällt.
Ich möchte wissen, ob du mit dir selbst alleine sein kannst.

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