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Oimelc – Brigid – Mariä Lichtmess – Jesu Darstellung – Kerzenweihe

1./2. Februar


Mit Imbolc – einem vielfach belegten Feiertag – wird in der Nacht von den 1. auf den 2. Februar das zweite der acht Feste im heidnischen Jahresrad gefeiert. Imbolc hat viele Namen, ob nun Imbolc, Imbolg, Oimealc, Mariä Reinigung, Jesu Darstellung, Lichtmess, Kerzenweihe – dieses lunare Fest hat in allen Traditionen zwei hervorstechende Charakteristika: den Aspekt der Reinheit und Erneuerung sowie die Lichtsymbolik.

Die etymologische Herkunft des Namens Imbolc, bzw. Imbolg (ausgesprochen „immol’g“) ist nicht wirklich geklärt. Es gibt hier verschiedene Deutungen. So soll sich das Wort auf die gälische Version des Satzes „in the belly“ beziehen und soviel wie „in der Bauchhöhle“ bedeuten. Ein Hinweis auf die zu dieser Zeit hochträchtigen Mutterschafe und die bald ins Leben drängenden Lämmer. Anderen Forschern zufolge ist die These des frz. Linguisten Joseph Vendryes glaubwürdiger, derzufolge man den Wortteil „imb“ mit „um“ und „-folc“ mit „waschen, baden, reinigen“ übersetzt. Die verwandt erscheinende Bezeichnung „Oimelc“ bezieht sich auf die Muttermilch der Schafe(Oi = schaf, melcg = Milch).

Ursprünglich soll Imbolc in Irland der Tag gewesen sein an dem die Göttin Brigid (Schutzherrin der Dichter, der Heilkünste und der Schmiede) geehrt wurde. Im 5. Jh. n Chr. wurde diese Bedeutung dem Kult um die später heilig gesprochene Brigida von Kildare einverleibt. Die heutige Schutzpatronin Irlands – und angeblich abtrünnig-konvertierte Tochter eines heidnischen Königs – war als historische Figur Äbtissin in einem der ersten Doppelklöster nach der Christianisierung Irlands.

Janet und Stewart Farrar beschreiben in ihrem Buch „Eight sabbats for witches“ verschiedene Brigid-Bräuche. So ist es in Irland auch heute noch üblich zum Feiertag sogenannte „St Brigid`s Crosses“ (Brigid-Kreuze) aus Binsen oder Stroh zu fertigen. Die alten Strohkreuze werden dem reinigenden Feuer übergeben, die neuen angefertigt und für das Jahr im oder am Haus angebracht. Evtl. handelt es sich hier um eine Verknüpfung des sich ausbreitenden Christentums mit dem überliefertem Brauchtum um die erste Getreideaussaat im Frühjahr religiös zu sichern. Über Schottland berichten sie, dass hier am Vorabend von Imbolc der Brauch von „Brigid’s Bed“ (Brigids Bett) existiert(e). Singend kleiden Frauen hier eine Garbe aus Haferstroh mit Frauenkleidung an und legen diese Inkarnation der Göttin – zusammen mit einem (an dieser Stelle eindeutig als Phallussymbol und damit als männlicher Fruchtbarkeitsgott fungierenden) Knüppel in einen Korb – das Bett Brigids. Die Frauen entfernen sich, lassen aber die ganze Nacht über Kerzen brennen. Wenn am nächsten Morgen der Abdruck des Knüppels in der Asche des Herds (alles auch wunderbar freudianisch deutbar…) zu finden war, war die Invokation der Gottheiten erfolgreich und das Jahr würde Fruchtbarkeit und Reichtum mit sich bringen.

Der Mensch und die Natur stehen nun kurz vor dem Ende des bedrücktenden Winters. Der Lichtbringer, der zu Yul in die Welt trat und den Menschen in der längsten und dunkelsten Nacht des Jahres Hoffnung und Zuversicht schenkte, regt sich ab dieser Zeit und beginnt seine wachsende Kraft zu zeigen. Gleichzeitig wandelt die dreifaltige Göttin (Jungfrau (Maiden) – Mutter (Mother) – Alte (Crone)) nun in ihrer Inkarnation als jungfräuliches, unberührtes Mädchen durch die Natur. Nur ein sanfter Rotschimmer liegt auf ihren weißen Wangen, noch ist sie mehr Knospe, die sich vorsichtig öffnet, als voll erblühte Frau. Sie ist dabei die kindliche Asexualität abzustreifen. Wir beobachten sie mitten im weitausholenden, raumgreifenden Schritt zum vollen Frau-Sein. Ihre Gestalt spiegelt sich in der Welt um sie herum.

Die Herrschaft des Winters wird überwunden, mit der Göttin in ihrer Gestalt als junges Mädchen bricht langsam die fruchtbare Frühlingszeit an. Der erwachende Körper des jungen Mädchens als Sinnbild für die sich langsam wieder ins Leben zurück tastende Natur. Wir stehen am Vorabend des Frühlings, oberflächlich mag noch vieles winterlich tot erscheinen, aber der Keim, der zu Yul gelegt wurde und in sich ruhte und Stärke für das kommende Jahr sammelte, beginnt nun sich grün und frisch zu entfalten und steht kurz davor in die Welt durchzubrechen.

Dieser Tag sollte zur inneren Reinigung und geistigen Vorbereitung auf das Jahr genutzt werden. Man zehrt noch von den letzten Vorräten und Reserven, betreibt also keine Völlerei. Vorsicht ist dennoch geboten, die längeren Tage sind noch trügerisch und die einschneidende Kälte kann durchaus nochmals ihre Krallen nach Mensch und Natur recken.

Der Reinigungsaspekt findet sich ebenso in der christlichen Tradition. Nach jüdischem Brauch und den Gesetzen des Alten Testament gilt eine Frau nach der Geburt eines Mädchens 80 Tage als unrein. Nach der Geburt eines Sohnes 40 Tage. Nach Ablauf dieser Zeit ging die Mutter (in diesem speziellen Fall Maria, Muter von Jesu) in den Tempel um ein Reinungsopfer darzubringen. Daher der – inzwischen nicht mehr gebräuchliche – Name „Mariä Reinigung“. Rechnerisch befinden wir uns mit dem heutigen Darum genau 40 Tage nach Weihnachten, also Christi Geburt. Da Jesus der Erstgeborene von Maria und Joseph war, galt er – im Andenken an die Schrecken der Pessach-Nacht – als Eigentum Gottes und musste im Tempel Gott und den Priester „vorgestellt“ und symbolisch „ausgelöst“ werden. Hiervon leitet sich der neuere Name des Festes „Jesu Darstellung“ ab. Die Weihnachtsfeierlichkeiten rund um die Geburt Christi finden mit diesem Tag im liturgischen Kalender ihr Ende.

Ursprünglich fand das christliche Fest Lichtmess – bzw. Jesu Dartellung – am 14.Februar statt, da Teile des Christentums in ihren Berechnungen vom 6. Januar als Geburtstag Christi ausgingen (auch heute noch wird auf einigen Stellen der Weltkarte Weihnachten noch am 6. Januar gefeiert.) Es wird angenommen, dass diese entstandene Lücke durch den Tag des heiligen Valentin von Terni – uns bekannt als Valentinstag – gefüllt wurde. (Womit auch endgültig die Behauptung, dass der Valentinstag eine Erfindung amerikanischer Blumenhändler sei, ad absurdum geführt wäre).

Die Wurzeln von Lichtmess mit seinen Lichterprozessionen gehen zudem wohl zusätzlich auf das römisches Fest der Lupercalien zurück, das ursprünglich um den 14./15. Februar herum gefeiert wurde . Ebenso wie Lichtmess, bevor man Christi Geburt vom 6. Januar auf den 24. Dezember verlegte.
Der Brauch der Kerzenweihe – zu diesem Zeitpunkt wurde der Kerzenvorrat für die Kirchen, aber auch für die Privathaushalte gesegnet, damit sie in der dunklen Jahreszeit und zu düsteren Stunden nicht nur Licht, sondern auch Hoffnung spenden sollten – wird seinen Ursprung wohl ebenso in diesem antiken Umfeld haben.

Assoziierte Farben: Kühl und Klar, reines Weiß, vereinzeltes knospendes helles Grün, helles Gelb, Orange und Silber als Lichtsymbol, Eisblau für die noch vorhandene Umklammerung des Winters
Möglicher Altarschmuck: Viele weiße Kerzen, zu Girlanden gedrehte, geflochtene, oder gefilzte Wolle. Weiße Blüten, z.B. Lilien, ein Topf mit Schneeglöckchen. Mit Reinheit und Schutz assoziierte Dinge wie eine Schale mit Wasser, eine Schale mit Salz. Ein Glas mit Milch.

Magischer Aspekt: Imbolc ist ein traditioneller Fest zur Reinigung von Körper, Geist und Seele, bevor man ins Jahr startet. Die perfekte Zeit um die geistigen Abwehrkräfte zu stärken und innerlich schwächenden Dingen resolut die Tür zu weisen. Imbolc ist ein Fest der Läuterung, eher asketisch als zur Völlerei neigend, in seinem Charakter eher ruhig und sammelnd statt laut, ausufernd und lebendig.
Symbolisch kann man auch den Yul-Schmuck wie z.B. Tannenzweige, den Flammen übergeben.
Dieser Tag eignet sich ebenfalls sehr schön dafür um die Initation von jungen Mädchen, den Übergang vom Kind zur langsam heranreifenden Frau zu feiern.

Speisen: Wenn möglich sollten heute reine „weiße“ Speisen den Tisch/Altar zieren und – nach einem kleinen Opfer – von allen Anwesenden gemeinsam verzehrt werden. Grießbrei oder Milchreis (evtl. mit Zimt, Trockenfrüchten/im Herbst eingewecktem Obst), weißer Käse (Mozarella Feta etc.), Milch, frisches Weizenbrot, Quark mit Frühlingszwiebeln/Schnittlauch, Joghurtspeisen, kräftigende Eintöpfe mit Wintergemüse und Kartoffeln

Übung: Durch Brigid, der irischen Göttin der Schmiedekunst, bietet Imbolc auch den Aspekt des Feuers. Aber hier ist kein goldenflammiges, hungrig-lebiges und vital und unbegrenzt ausuferndes Feuer, sondern eine silbrig-klare, alles reinigende, präzise Flamme gemeint. Der mentale Frühjahrsputz fürs Großhirn.

Stell dir im Ritual, einzeln, oder mit vielen vor, wie du in dunkler Nacht aus einem langen Schlaf erwachst, das reifende Leben in dir pochen spürst das hinaus in die Welt strebt. Schließe die Augen, entspanne dich, und löse dich jetzt endgültig von den Altlasten des vergangenen Jahres. Visualisiere wie du durch einen kühlen Wasserfall gehst und dein Körper gereinigt wird, wie sich ein ungezählter Sternenregen auf dich ergießt und deinen Geist und deine Gedanken klärt, wie eine silbrige Flamme sich wohltuend schmerzhaft durch deine Seele brennt und dich läutert und für das nächste Jahr wappnet. Imbolc bietet dir Einkehr und Besinnung bevor der Tanz des Lebens dich erneut in seinen Bann zieht.

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