Innigsein ist aus der Sicht von Claudia Shkatov, mit sich selbst und dem Moment eins werden.

In diesen Tagen erzählte mir ein Freund von einer Gleitschirmflugstunde, in der ihm seine Lehrerin sagte: „Du musst aufhören so viel zu tun!“ Er hatte keine Ahnung, was sie damit meinte. Sie bat ihn, beim nächsten Flugversuch zu singen. Das verwirrte ihn noch mehr. Doch er folgte ihrer Aufforderung und startete singend. Beide Anläufe hatte seine Lehrerin gefilmt.

Als sich mein Freund anschließend selbst auf den Videos sehen konnte, wurde ihm bewusst, was sie gemeint hatte. Beim ersten Mal quirlte und hüpfte er voller Aktionismus unter seinem Schirm herum und behinderte sich und den Schirm. Beim zweiten Mal sang er nur. Und sein Flug konnte einfach passieren.

Vermutlich reicht es nicht, sich in so einer Flugstunde einfach nur hinzustellen in der Hoffnung, dass es dann schon irgendwie losgeht. Sicherlich gibt es Dinge, die es zu wissen gilt, und die mir dann hilfreich sind, wenn ich fliegen will. Und gleichzeitig gibt es eine Frage, die so wichtig zu sein scheint, dass sie alles andere überragt.

Wie kann ich mich so weit entspannen, dass ich mich dem Flug auch wirklich hingeben und anvertrauen kann? Dem Schirm, dem Wind, meinem Körper, seinem Gewicht und seiner Bewegung – und meiner Sehnsucht zu fliegen. In unserem Gespräch fiel noch ein Wort, das mir in starker Erinnerung geblieben ist. Es war das Wort „innig“. Ich liebe den Klang dieses Wortes. Es ist eher selten geworden. Wir sagen „intim“ oder „kuschelig“ oder nah“ oder „warm“. Innigkeit scheint mir all das zu vereinen.

Und vielleicht geht es sogar noch darüber hinaus. Es sagt für mich auch etwas über den Moment aus, in dem mein Freund singend in seinen Gleitflug ging. Innig sein ist aus meiner Sicht, mit sich selbst und dem Moment eins werden. Es heißt, die inneren Schranken der Angst und der Anspannung, des Agierens, um alles unter Kontrolle zu haben und es richtig zu machen, herunterfahren. Dann kann Hingabe geschehen. Innig sein kann immer nur im Moment passieren. Und wenn ich innig bin mit mir und in jedem Moment, dann ist dieser Moment so reich, so unendlich reich. Dann wird mein Atmen zum Genuss. Und alles, worauf ich meine Augen richte, erhält Bedeutung. Ich finde Schönheit in den Farben, Gerüchen, Formen und Bewegungen um mich herum. Und es macht plötzlich keinen Unterschied mehr, was mir begegnet.

Ich finde Schönheit und dankbare Anerkennung in allem, was gerade da ist. Womöglich ist Singen ein guter Weg, um dahin zu kommen. Musik, Singen, Tönen und Tanzen entspannen mich und bringen mich in meine Mitte und meine Innigkeit zurück, wenn ich mal aus dem Tritt komme. Und dann bin ich echt dankbar für die Situation oder den Menschen, der mich scheinbar rausgebracht und mir in Wahrheit einen Teil von mir bewusst gemacht hat, der meiner Sehnsucht zu fliegen entgegensteht. Denn es fühlt sich so gut an, wieder in der Innigkeit zu landen, dass sich der Ausflug aus ihr heraus irgendwie immer lohnt.

Und jede Rückkehr wird tiefer und schöner, weil ich dann wieder etwas von meinem Widerstand gegen das Fliegen losgelassen habe. Ich weiß nicht, wer diese Gleitschirmfluglehrerin ist. Doch sie hat meinem Freund und damit auch mir ein Geschenk gemacht. Wenn wir gerade aus unserer Mitte sind, mit hängenden Flügeln am Boden herumdödeln, uns träge, müde, traurig, unentschlossen, im Zwiespalt, nicht gut genug, zu alt oder zu dumm oder irgendwas dazwischen fühlen, oder wenn wir in wildem Aktionismus unsere letzten Kräfte herauspowern und gar nix fühlen, dann können wir diesen Zustand dankbar als Wegweiser nutzen: Hallo, hier geht’s lang! Was bringt mich jetzt zurück in meine Innigkeit? Und dann entspannen wir uns – in unseren Atem, in unseren Ton und in unser Herz. So kommen wir wieder in den Moment. Es ist der einzige, in dem wir leben. Der einzige, in dem unser Leben stattfindet. Und der einzige, der darüber entscheidet, wie unser nächster Moment in diesem Leben aussehen wird, und wer wir in ihm sein werden. Verschreibe dich dem Innigsein.

Author: Oliver Bartsch

Über den Autor

Avatar of Claudia Shkatov

Claudia Shkatov arbeitete über 20 Jahre in internationalen Führungsaufgaben bis sie in 2012 eine spontane Öffnungserfahrung machte in deren Folge sich Hellsichtigkeit, Hellfühligkeit und die Fähigkeit spontanen Wissens bei ihr einstellten. Sie schloss an diesem Punkt ihr damaliges Beratungsunternehmen und widmet sich seitdem der Bewusstseinsarbeit als Intuitiver Coach, Theta Healerin und Trainerin. In Einzelcoachings und Seminaren unterstützt sie Menschen darin, in die Verbindung mit ihren Herzen, Körpern, ihrer Berufung, mit anderen Menschen und mit der Erde selbst zurückzukehren.

Seit 2019 bietet sie Soul Quest Reisen für Männer & Frauen und für Unternehmensteams in die Wildnis der der südafrikanischen Kapregion an.
@soulquestretreats
instagram.com/soulquestretreats

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Eine Antwort

  1. hildegard
    Demokratie und Diskussionskultur - Artikel Sagenschneider

    Sehr geehrter Herr Sagenschneider,
    Ihr Artikel in „Sein“ zu Demokratie und Diskussionskultur hat mich leider in keinster Weise überzeugt, da sie m.E. auf Gefahren in der Demokratie wie z.B. Handykontrolle, Impfzwang u.s.w. hinweisen, diese aber nicht genau belegen können. Sie verweisen nicht auf vielschichtige wissenschaftliche Diskussionskultur in Deutschland.
    Sicher ist der Begriff „Verschwörungstheoretiker“ sehr ungenau, aber er wurde in vielen Zeitungen, u.a. SZ auseinander genommen.
    Auch die von Ihnen verkündeten Ängste bzw. Prognosen lassen den Eindruck entstehen, dass Sie weder der Arbeit von Virologen und Wissenschaftlern vertrauen, die sich natürlich auch irren können und das z.Zt. m.E. auch oft zugeben, sondern Begriffe aus Zeitungen und Medien wiedergeben, ohne genau zu sagen, wer, was, wann in welchem Zusammenhang gesagt hat. Diese pauschalen „Abrechnungen“ sind genau das, was führt dazu, dass Menschen verunsichert werden und auch demokratische Grundstrukturen und wissenschaftliche Arbeit pauschal in Frage stellen oder glauben, Herr Gates, den ich auch sehr sehr kritisch sehe, sei einer der mächtigsten Wissenschaftler der Welt.
    Sie verurteilen m.E. etwas, was Sie selber befördern. Sehr bedauerlich, dass Sie sich auch so pauschal äußern. Bitte nennen Sie konkret Ross und Reiter und Medien, die das tun, sonst höhlen Sie genau die demokratischen Rechte aus, die sie genießen, wenn Sie demonstrieren können, sogar zu Zeiten einer Pandemie. Ich verweise Sie auf die m.E. z.T. sehr gut und konkret begründeten Artikel zu Ihren Behauptungen, zu Wodarg u.a. auf den „Nachdenkseiten“. Ich bitte Sie um Präzisierung und konrete Nachweise, sonst sehe ich Ihnen auch jemand, der Schublade aufmacht und bei anderen verurteilt. Persönliches Betroffensein führt schnell zu allgemeinem Misstrauen. Das ist gefährlich
    Natürlich gibt es sehr schlechten Journalismus, sicher werden oft kritische Stimmen nicht genügend gewürdigt, das gibt seit Jahren, das soll man/frau auch kritisieren, aber das ist m.E. kein Gegenbeweis für unsere Demokratie und kein Beweis für die von Ihnen erwähnten Gelder von Bill Gates. Gehen Sie zu Lobbycontrol, dort wird dazu geforscht und dagegen protestiert, aber konkret.
    Ich kenne Polen und weiß, was Unterdrückung der Meinungsfreiheit wirklich bedeutet.
    Mit freundlichem Gruß
    H. Metzner

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