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Wenn ich Menschen auf das Tao der Liebe aufmerksam mache, passiert es immer wieder, dass ich die Antwort erhalte: „Das brauche ich nicht, ich habe keinen Partner/keine Partnerin.“ Sexualität löst offenbar sofort den Gedanken an einen Partner oder eine Partnerin aus, scheint mit Partnerschaft unauflöslich verbunden zu sein. Dies ist ein gravierender Irrtum nach Ansicht der Taoisten.

Natürlich hat auch bei ihnen Sex mit Partnerschaft zu tun, doch zunächst und zuallererst ist die Sexualität eine Kraft in jedem Einzelnen. Die sexuelle Energie ist die ursprüngliche Lebenskraft, eine ererbte Urkraft, Jing-Qi, wie die Taoisten sie nennen. Sie entscheidet darüber, ob wir vital und tatkräftig im Leben stehen oder ob wir erschöpft und lustlos in den Tag hinein leben.

Die Sexualität zu pflegen bedeutet daher zuerst, die eigene sexuelle Energie, das Jing-Qi, zu stärken. „Selbstkultivierung“ nennen Taoisten die Arbeit, die täglich sowohl von den Männern als auch den Frauen geübt werden sollte. Wichtige Übungen sind die „Hirschübung“ (Beckenbodentraining), die tägliche Brust- und Hodenmassage, Hoden- und Ovaratmung und das Große Emporziehen des Jing-Qi im Körper, um die Organenergien und das Gehirn zu stärken. Die Selbstkultivierung ist eine der wichtigsten Aufgaben im Übungssystem des Tao-Yoga der „Heilenden Liebe“. Sie ist die Voraussetzung für guten Sex, und guter Sex ist heilender Sex. Dies muss erlernt werden.

Nach Ansicht der Taoisten müssen besonders die Männer umlernen. Denn sie sind es, die in der Sexualität Energie verlieren, nämlich durch die Ejakulation. Die besten Substanzen des Körpers, die im Samen enthalten sind, gehen meist nutzlos verloren. Da für den Mann normalerweise Ejakulation und Orgasmus dasselbe sind, ejakuliert der Mann ständig, ob mit oder ohne Partner/in. Nach Ansicht der Taoisten ist es der folgenschwerste Irrtum in der Sexualität weltweit. Denn damit schwächt er seine Potenz, seine Liebesfähigkeit und seine Lebenskraft.

Heilende Liebe als Selbstkultivierung

Die wichtigste Aufgabe des Mannes ist also zu lernen, die Ejakulation zu kontrollieren. Nicht oder nur selten zu ejakulieren, ist ein Heilverfahren bei den Taoisten, wie die Männer, die es praktizieren, sehr schnell feststellen werden. Besonders im Alter hilft es, potent zu bleiben und „Viagra“ zu vermeiden.
Auch wenn hier der Mann besonders gefordert ist, den Frauen helfen die Methoden der Selbstkultivierung ebenso. Sie lernen ihren Orgasmus zu steuern und erreichen Orgasmus- und sogar Ejakulationsfähigkeit („das dritte Wasser“). Unterleibsbeschwerden können günstig beeinflusst werden, insbesondere alle Arten von Menstruationsproblemen.

Heilende Liebe als Selbstkultivierung kann täglich praktiziert, trainiert und angewendet werden. Es ist das beste Verfahren zur Verlängerung des Lebens bei strahlender Gesundheit. Viele Menschen lehnen es jedoch ab, sich mit ihrer Sexualität zu beschäftigen, Sex zu üben und zu trainieren. Dies ist ein weiterer gravierender Irrtum, meinen die Taoisten. Denn wie soll man erfüllenden Sex mit einem Partner, einer Partnerin haben, wenn man nicht einmal die grundlegenden Dinge über die eigene sexuelle Energie, geschweige denn die des gegengeschlechtlichen Partners weiß?
Ist auf dem Gebiet der Selbstkultivierung ein gutes Niveau erreicht, sollten Paare zur “dualen Kultivierung“ übergehen.

Die duale Kultivierung

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Dafür gab es in China schon vor 2500 Jahren so genannte „Kopfkissenbücher“, die jungen Paaren übergeben wurden, in denen alles Wichtige zur Sexualität in Wort und Bild enthalten war. „Kopfkissenbücher“ deshalb, weil die Paare sie unter ihrem Kopfkissen aufbewahrten, um sie im geeigneten Moment schnell bei der Hand zu haben, um beispielsweise Liebesstellungen für Heilzwecke anzuwenden. (Diese wurden oft von den Ärzten wie Arznei verordnet.)

Dies klingt für viele Menschen befremdlich. Nach vorherrschender Ansicht soll Sexualität spontan und wild sein, man sollte möglichst die Kontrolle dabei verlieren und in Rausch und Ekstase versinken. Dies ist ein weiterer Irrtum, sagen die Taoisten. Wenn du die Kontrolle verlieren willst, musst du sie erst einmal besitzen. Doch wie viele Menschen haben denn Kontrolle über ihre Sexualität? Fast alle Männer können ihre Ejakulation nicht kontrollieren. Sie kommen aus Sicht ihrer Frauen ständig zu früh zum Erguss. Zwei Drittel aller Frauen haben meist keinen Orgasmus beim Verkehr. Aus Sicht der Männer kommen ihre Frauen zu spät. Es dauert gemessen an den Kapazitäten des Mannes zu lang, bis sie das notwendige Erregungspotential erreichen, wenn überhaupt. Männer wie Frauen haben so gesehen keinerlei Kontrolle über ihren Orgasmus.

Das multiorgasmische Paar

Die Methoden des Tao der Heilenden Liebe, sei es als Selbstkultivierung oder als duale Kultivierung, bescheren Männern und Frauen diese Kontrolle und auch die Fähigkeit, sie fallen zu lassen, um zu einer ekstatischen, rauschhaften Liebesbegegnung im „Talorgasmus“ zu gelangen. Dann folgt wellengleich Orgasmus auf Orgasmus, ohne dass die Potenz nachlässt oder die Energie verloren geht. Das multiorgasmische Paar ist geboren.

Statt Energie zu verlieren, gewinnen die Liebespartner zusätzlich Energie durch den gegenseitigen Energieaustausch: Die Frau gewinnt Yang-Energie, der Mann Yin-Energie. Diese zusätzliche Energie ist pure Heilenergie, körperlich, seelisch, geistig. Durch das Emporführen des Jing-Qi im Körper wandelt es sich in geistige Energie um und stärkt den Geist und die Seele. „Kan und Li“ – Feuer und Wasser, Mann und Frau, beeinträchtigen sich nun nicht gegenseitig, sondern erzeugen den „heilenden Dampf“ im Innern, der Körper, Geist und Seele reinigt und stärkt wie ein inneres Dampfbad.
Im Gegensatz zu Ansichten westlicher Kulturen ist Sexualität durchaus mit einem geistigen Weg vereinbar, die taoistische „Heilende Liebe“ ist ein geistiger Weg. Das „Sexual-Kung-Fu“, die ernsthafte Arbeit an und mit der sexuellen Energie, wurde im alten China Bestandteil der Übungen von Nonnen und Mönchen in den Klöstern. Dies ist bis auf den heutigen Tag als Teil des Strebens nach „Unsterblichkeit“ so geblieben.

Hirschübung

1. Schritt: Männer
Reibe deine Hände warm.
Setze dich möglichst unbekleidet aufrecht auf einen Stuhl oder stelle dich breitbeinig hin.
Halte die Hoden in der rechten  Hand.
Kreise gleichzeitig mindestens 81-mal (besser 360-mal) mit der linken Hand auf dem Unterbauch (Schambein bis Nabel); Richtung: unten – rechts – oben – links.
Wechsle die Hände und kreise in entgegengesetzter Richtung.
Spüre Wärme und Energie, die von den Hoden aufsteigen.

1. Schritt: Frauen
Reibe deine Hände warm.
Setze dich möglichst unbekleidet auf einen Stuhl und setze dich auf ein
z. B. gerolltes Handtuch, damit Druck auf die Klitoris ausgeübt wird.
Lege die Hände auf die Brüste. Kreise mindestens 81-mal (besser 360-mal) mit den Händen auf ihnen (sanfte Massage); Richtung: innen nach oben, außen nach unten.
Danach kreise ebenso oft in entgegengesetzter Richtung.
Verbinde dich dabei mental mit Uterus und Ovarien und spüre die Wärme und Energie zwischen Brüsten und Eierstöcken.

2. Schritt: Männer und Frauen
Nach der Massage spanne die Aftermuskeln und das Perinäum (Damm, Beckenboden) stark an.
Ziehe den ganzen Genitalbereich stark zusammen und nach oben, als wolltest du alle Öffnungen dort verschließen. Ziehe den Anus in den Enddarm hinein.
Halte die Spannung fest und lang (10 bis 60 Sekunden). Ziehe dabei die Wärme und Energie des Beckenbodens auf der Körperrückseite nach oben.
Nach einer Weile entspanne.
Spüre die aufgestiegene Energie im Gehirn.
Wiederhole so oft du willst (mindestens 9-mal).

Anmerkung: atme ganz normal während der gesamten Übung.
Die Übung sollte über längere Zeit (am besten das ganze Leben lang) täglich zweimal gemacht werden.
Die Übung stärkt die Potenz und schützt die Prostata des Mannes, sie reguliert die Menstruation und regt die Sexualhormonproduktion der Frau an. Sie erhält alle Sexualfunktionen gesund und jugendlich, verjüngt das Gehirn und stärkt den Geist.

Buchempfehlung: Mantak Chia, „Das Tao von Liebe und Sex,
Die Geheimnisse sexueller Reflexzonen“,
Lotos-Verlag, ISBN-Nr.: 3-7787-8145-6

3 Responses

  1. Frank
    Der Weg über den Orgasmus

    Es stimmt. Sexualität bringt den Körper in die Waage.Dieser Bericht hat mich an eine fast vergessene sexuelle Erfahrung erinnert.
    Als junger Mann(20 Jahre) ging es immer zu schnell für mich beim Sex zu Ende. Ich hatte versucht mit Pausen den Sex mit jg. Frauen zu verlängern.
    Mit bedingtem Erfolg. Irgendwann hatte ich die Erfahrung gemacht, im Dammbereich zu drücken. Ich kann mich erinnern, viele heiße Wellen liefen durch den Körper.
    Warum wollte ich das nicht weiter erfühlen.
    Keine Ahnung.
    Man lernt nie aus, auch mit 60 Jahren nicht.
    Bleibt locker.

    Antworten
  2. Adam

    Der Orgasmus schwächt den Mann generell. Es tritt auch ohne Ejakulation eine Schwächung auf. Kann man ja selbst einfach feststellen, wenn man das mal macht. Für einen Mann ist das verhindern des Orgasmus generell sinnvoll. Wie das bei Frauen aussieht kann ich nicht sagen, da das wohl nur eine Frau beurteilen kann und ich eben keine bin und wahres Wissen über Sex kaum erhältlich ist. Ich kann nur soviel sagen das ich trotz Vermeidung des Orgasmus beim Sex mit einer Frau bereits geschwächt werde. Für einen Mann ist es eine Herausforderung einen sexuellen Ladungsausgleich herzustellen durch Aufnahme weiblicher Sexualenergie und nicht durch Abgabe männlicher Sexualenergie. Wer dazu Infos hat, kann mir diese gerne zukommen lassen.

    Antworten
  3. Anonymous

    Guten Tag, liebe Leute von der »Sein«-Redaktion,

    Ja klar, dieser Artikel ist sehr wertvoll. Danke!
    Ich kenne das Thema schon, aber ich denke da an Freund·inn·e·n, welchen dieser Text sehr gut-täte …
    Deshalb meine Frage:
    Habt ihr den Text (oder einen ähnlichen über das Thema Tao-Sex) auch auf Französisch oder Englisch?, oder könnt ihr mir eine Website mit selbigem Text in Französisch oder Englisch angeben?
    Besten Dank euch zum Voraus – und alles Gute und Liebe immerzu!

    Herzlich, Wolf Licht aus Zürich

    Antworten

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