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Satsang mit Mikaire

 

Interview des Magazins “Labyrinth”  aus Freiburg mit Mikaire vom November ´99

Frage: Was ist Erleuchtung?
Mikaire: Die bewusste Bereitschaft und Fähigkeit, Mensch zu sein.

Frage: Wie ist es zu deiner Erleuchtung gekommen?
Mikaire: Indem ich aufhörte, mich meiner Lebenslage zu widersetzen. Dies geschah mit der Hilfe, der Unterstützung, der unermüdlichen Liebe und dem Verständnis einiger sehr intelligenter und auch erleuchteter Schlüsselfiguren in meinem Leben. Und ohne die Führung durch Osho und Ramana wäre es nicht möglich gewesen. Ich bin ihnen auf immer dankbar für diese Segnung.

Frage: Was ist die Essenz deiner Arbeit?
Mikaire: Der Zweck dieser Arbeit liegt auf keinen Fall darin, die Begrenzungen, in denen sich die Menschen erleben, zu bestätigen. Das ständige unbewusste Ausagieren von Abhängigkeiten und die narzisstische Beschäftigung und eitle Faszination mit der eigenen Person hält lediglich den falschen Eindruck des Getrenntseins aufrecht. Und ich sehe keine Notwendigkeit darin, die Marter des Getrenntseins noch zu rechtfertigen oder zu verlängern. Die wirkliche Essenz dieser Arbeit liegt jenseits des Denkens und der Gedanken.
Es geht aber auch nicht darum, zu trösten zu unterhalten oder angenehme und hoffnungsfrohe Ablenkungen anzubieten, sondern darum, den Suchenden in einen Zustand mühelosen Wahrnehmens zurückzuführen, wo jegliches Vermeiden aufhört. Und wenn die Person bereit ist und dem zustimmt, sie wachzurütteln, sodass sie ihre eigene Schönheit und Kraft erkennt und lacht und weint und die Göttlichkeit des Menschseins erfährt, den Zustand des “No Mind”.

Frage: Siehst du dich als Guru?
Mikaire: Ich bin bereit, diese Identität anzunehmen als ein Vehikel, um die Transformation von Mind zu No Mind zu ermöglichen. Wenn der Mind erst einmal als das erkannt wird, was er ist, nämlich eine Ansammlung von Gedanken, dann löst sich das Konzept von Meister und Schüler sofort auf und es bleibt ein ewiger Satsang.

Ich biete Satsang an als eine Möglichkeit für den aufrichtig Suchenden

Meine einzige Absicht ist es, dass Satsang für diesen Menschen immer gegenwärtig ist  und letztendlich nicht mehr von einer physischen Form abhängig.

Frage: Du sprichst oft davon, dass die wirkliche Arbeit erst nach der Erleuchtung anfängt. Was meinst du damit?
Mikaire: Ich meine damit die Bereitschaft, Fehler zu machen, denn eine der Hauptregeln einer dysfunktionalen Gesellschaft ist: “Mache nie einen Fehler!” Erleuchtung hört nie auf. Es ist ein Prozess, ein lebendiges, organisches Kontinuum, keine Vollendung. Es geht auf keinen Fall darum, einen anderen Meiser zu kopieren oder nachzuahmen. Es ist die Fähigkeit, eine pulsierende, lebendige, dynamische, intelligente Lebensweise zu entwickeln. Es gibt Fingerzeige, die darauf deuten, ja, aber letztlich ist es die absolute Chance der Individualität, vollkommen sich selbst zu sein. Diese lebendige kreative Intelligenz und ihr Ausdruck ist, was ich den lebendigen Gott nenne. Ein Individuum, da absolut frei ist.

Freiheit ist die Bereitschaft, menschlich und die Fähigkeit, verantwortlich zu sein

Verantwortung kann nur dann entstehen, wenn der Mensch in der Lage ist zu fühlen, bewusst zu fühlen.

Frage: Wie ist deine Einstellung Osho und Osho Sannyasins gegenüber?
Mikaire: Unendliche Dankbarkeit gegenüber Osho. Für Oshos Sannyasins, die zu Mikaires Sat-sang kommen, habe ich großen Respekt, sehe aber auch die Notwendigkeit, ihre oft sehr festgefahrenen Konzepte und Vorstellungen davon, was Erleuchtung ist, immer wieder humorvoll in Frage zu stellen. Es sind genau diese Vorstellungen und Konzepte, die sie an der Realisation ihrer selbst hindern, damit sie schließlich erkennen, dass es kein Ich gibt, das erleuchtet werden könnte. Genauso wenig wie es je ein unerleuchtetes Ich gegeben hat.

Frage: Osho hat oft davon gesprochen, dass seine Sannyasins Rebellen seien. Wie stehst du zu Rebellentum?
Mikaire: Der Kristallisationspunkt des Rebellentums ist die Erkenntnis, dass man ständig Menschen, Dinge und Situationen abwehrt und bekämpft, die man ursprünglich zu erfahren begehrt hat, sei es bewusst oder unbewusst. Der `rebellische Hund, der sich in ein einem Raum voller Spiegel befindet, versteht endlich, dass all die anderen Hunde, die er die ganze Zeit angebellt und angeknurrt hat, nichts als Reflexionen seiner selbst sind.

Frage: Du sagst, dass es wichtig sei, sich für einen Verwirklicher zu entscheiden und dabei zu bleiben. Warum?
Mikaire: Es ist sehr einfach zu entscheiden, dass ein Verwirklicher unrecht hat oder den eigenen Erwartungen nicht entspricht. Dieses erlaubt einem Suchenden so zu bleiben, wie er/sie ist und führt dazu, dass er oder sie von einem Verwirklicher zum nächsten wandert, ohne dass sich etwas ändert. Wenn sich jemand erst einmal ans “Window Shopping” gewöhnt hat, ohne sich einzulassen und zu öffnen, und sich bei jedem das herauspickt, was in die eigenen Glaubensstrukturen hineinpasst – eine sehr bequeme und für das Ego ungefährliche Position – gewöhnt er sich gleichzeitig daran, das Eigentliche zu verpassen. Er häuft mehr und mehr Wissen über “Erleuchtung” an und wird immer effektiver in der Kunst, die eigene spirituelle Identität zu stärken und auszubauen. Die Möglichkeit, einen Verwirklicher zu finden, der den eigenen neurotischen Vorstellungen vom “perfekten Meister” entspricht, und mit ihm oder ihr den intimen Prozess der Selbsterforschung zu beginnen, verringert sich von Mal zu Mal.

Und ohne Intimität bleibt nur die Neurose, der Weg zum innersten Kern ist  dir versperrt.

Frage: Es gibt Gerüchte, dass es schwierig sein kann, mit dir im Satsang zu sein und dass du manchmal auch Leute hinauswirfst. Stimmt das?
Mikaire: Wenn ein Verwirklicher sein Salz wert ist, dann ist er eher Ärgernis als Trost: Allein die ständige Forderung an den Sucher, endlich aufzuwachen aus der Illusion eines leidenden, abgetrennten Ichs kann schon ein Ärgernis sein. Sie erscheint dem sogenannten weltlichen Ego, dem mit hartnäckiger Rechthaberei herumstolzierenden Intellekt, der glaubt, alle Antworten schon zu kennen, als beleidigend. Denn obwohl viele behaupten, erwachen zu wollen, wollen sie in Wirklichkeit doch am liebsten weiterschlafen. Deshalb bedarf es manchmal eines starken Ausdrucks oder dessen, was im Zen “das schreckliche Gebrüll” ge-nannt wird, um sie dazu zu bewegen, die 180 Grad Drehung zu vollziehen und endgültig Schluss zu machen mit der Vorstellung des Ge-trennseins, welche alles Leiden verursacht. Ich bin nicht daran interessiert, Menschen, die zum Satsang kommen, zufriedenzustellen.

Denn wer zufrieden ist,  hat kein Interesse daran sich zu ändern.

Es geht auch nicht darum, sie in einen Zustand der Narkose zu versetzen, damit sie das individuelle Drama ihres täglichen Lebens für eine Weile vergessen können.
Mein einziges Ziel und meine einzige Absicht ist es, Situationen herzustellen, in denen sie ihr wahres Selbst erkennen und zurückkehren zu dem Zustand des ursprünglichen Eros, wo das Leben als voll, reich und von unendlichem Überfluss erlebt wird.

Frage: Warum bestehen zwischen den einzelnen Verwirklichern so große Unterschiede?
Mikaire: Aus der Sicht des Verwirklichers gibt es keinen Unterschied. Unterschiede werden nur duch den zersplitterten Mind gesehen. Wenn man erst einmal erkannt hat, daß alles Bewusstsein ist, taucht diese Frage nicht mehr auf.

Frage: Was hältst du von der gegewärtigen Weltlage?
Mikaire: Ich sehe sie als eine großartige Gelegenheit für ein intelligentes Wesen, mit Dringlichkeit zu erkennen, dass aufzuwachen der einzige Grund für unser Dasein ist.

Frage: Ist es möglich, die Erleuchtung in das normale Alltagsleben zu integrieren?
Mikaire: Das ist unmöglich, aber man kann das tägliche Leben in die Erleuchtung integrieren. Dann erkennt man, dass sie ein und dasselbe sind.

Frage: Was für Menschen kommen zu deinem Satsang?
Mikaire: Die meisten sind sehr intelligente Menschen, die den Wert dieser Inkarnation erkannt haben und sie in ihrer Totalität benutzen wollen, um zu ihrem wahren Selbst zu erwachen. Viele sind auch Schüler von Osho, aber es kommen auch Menschen mit anderem Hintergrund oder aus anderen spirituellen Traditionen.

Frage: Empfiehlst du irgendwelche Techniken?
Mikaire: Ja, alle Meditationen von Osho, Ramana´s Atman Vichara: Wer bin ich? Avatar® mit Isa Lüerssen und ihrem Team und eine Vielzahl heilender Verfahren mit qualifizierten Therapeuten, je nach Bedarf des Individuums.

Frage: Wie weiß man mit absoluter Gewissheit, dass man erleuchtet ist? In vielen traditionellen Schulen erklärt der Meister die Erleuchtung des Schülers. Wie ist das bei dir?
Mikaire: Die Frage könnte so beantwortet werden: Wie weiß man, dass man unerleuchtet ist? Die Frage selber ist deutlicher Ausdruck von Vermeidung, ein weiterer Versuch, das Unvermeidliche hinauszuschieben. Das ist aber nichts anderes als eine weitere Bemühung, die Liegestühle auf der Titanic neu zu arrangieren. Kein Meister, der sein Salz wert ist, wird je jemandes Erleuchtung erklären.

Vielen Dank für die interessanten Satsang-Perspektiven!

Über den Autor

Avatar of Mikare
Autor

Mikare (bürgerlich Michael Crawford, auch als Anamo bekannt) wurde 1955 in Neuseeland geboren und lebt heute in Bath, England. Seine Kindheit zeichnet sich durch ungewöhnliche Umstände aus. Bis zu seinem 7. Lebensjahr war er zwischen seinen Eltern, Heimen und Pflegefamilien hin- und hergeschoben worden und hatte alle denkbaren Formen von Gewalt und Vernachlässigung erlebt. Schließlich übernahm der Staat die Vormundschaft, und er wurde in einer streng christlich-anthroposophischen Familie aufgezogen.
Mikaire weiß heute ohne jeden Zweifel, daß diese frühen Erlebnisse zu einem tieferen Gewahrsein und einem sehr starken Drang, zu erwachen, geführt haben.
1977 traf Mikaire auf den erleuchteten Meister Osho und lebte und arbeitete viele Jahre in Osho Kommunen in Australien, Indien und den USA, eine Erfahrung, für die er heute tiefe Dankbarkeit empfindet.
Mikaire hatte mehrere kurze Erfahrungen nicht-dualen Bewusstseins durch Meditation, tiefe Prozess-Arbeit, Avatar® und Atman Vichara, Methode und Grundlage von Sri Ramana Maharshi praktischer Philosophie.
Am 24.1.1993 führte ihn ein plötzliches Erwachen in den ursprünglichen Seinszustand zurück, dieses Mal dauerhaft.
Mikaire kommuniziert mit der Autorität eines Menschen, der die Schwelle überschritten hat. Seine Methoden, andere zur Realisierung dieser höchsten Stufe menschlichen Bewusstseins zu führen, sind sehr lebendig, oft ungewöhnlich.
Der Name Mikaire ist eine Maori Übersetzung des Namens Michael und wurde ihm von Roberta Tibble, einer Stammesältesten der Maoris gegeben.

2 Responses

  1. de siech

    sehr interessant und inspirierend!! nur einen satzt passt mir nicht so. Ich denke wenn man sich selbst als lehrer oder guru, was auch immer, als einen erleuchteten, besseren bezeichnet, ist man noch nicht fertig mit allem. es passt mir einfach nicht 🙂

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