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Die Meinungen über die Wirksamkeit der Homöopathie gehen weit auseinander. Die einen haben ihre Heilwirkung am eigenen Leibe erlebt, die anderen verteufeln sie, weil sie – da es keine materiellen Heilmittelnachweise gebe – gar nicht wirken kann. Ein Kongress in Berlin – unter anderem mit namhaften Quantenphysikern und Medizinern – stellt jetzt die Ergebnisse der aktuellen Forschung vor.

Krise, welche Krise? Der Homöopathie geht es in Deutschland heute so gut wie nie. Die Hälfte der Bevölkerung hat die Globuli schon einmal probiert, ein Viertel aller Deutschen geht regelmäßig zum Homöopathen. Die Krankenkassen beteiligen sich an den Therapiekosten und die Zahl der homöopathisch ausgebildeten Ärzte steigt kontinuierlich. Das Angebot auf dem Gesundheitsmarkt ist groß und jeder Patient kann selbst entscheiden, wie er behandelt werden möchte. Eine ideale Situation? Ja, so geht die eine Erzählung, die vom großen Homöopathie-Boom im einundzwanzigsten Jahrhundert.

Boom, welcher Boom? Die öffentliche Debatte dominieren noch immer die entschiedenen Homöopathiegegner. Die Globuli sind in deren Weltauffassung reine Zuckerpillen. Die naiven Quacksalber, die sie verschreiben, betrügen ihre Patienten um einen Wirkstoff und bringen sie damit noch in Gefahr. Und die Patienten selbst? Geben sich einer Kultur des Irrationalen hin, statt auf die Segnungen der chemischen Pharmazie zu vertrauen. Die Vertreter dieser Sichtweise erklären, der Fall sei ganz einfach: Homöopathische Hochpotenzen seien zu stark verdünnt, um irgendeine Wirkung zu entfalten. Wenn es den Patienten mit Globuli besser gehe, dann sei das entweder Glück oder das Verdienst des Placeboeffekts. Gerade der Placeboeffekt ist in den letzten Jahren zum Zauberwort der Kritiker avanciert. Jeder Beleg für erfolgreiche homöopathische Arbeit wird pauschal zum Musterbeispiel des Selbstbetrugs umgedeutet.

Homöopathiegegner prägen die Debatte

Den Grundstein für diese Argumentation legte eine homöopathiekritische Studie, die das medizinische Fachblatt The Lancet 2005 veröffentlichte (nach ihrem Hauptautor auch als Shang-Studie bekannt). Diese Arbeit war zwar methodisch schlecht ausgeführt und wird von Fachleuten mittlerweile als unseriös eingestuft. Dank ihres griffigen Titels »Das Ende der wissenschaftlichen Homöopathie« verbreitete sie sich aber schnell und wird noch immer gerne zitiert. So haben die Homöopathiegegner die Debatte nachhaltig geprägt. Das Schlagwort „Placebo“ ist kleben geblieben. Das hat Konsequenzen und macht die Homöopathie angreifbar: Der SPDGesundheitspolitiker Karl Lauterbach etwa fordert, man solle den gesetzlichen Krankenkassen endlich verbieten, Homöopathie zu erstatten. Dafür bekommt er von allen Seiten Applaus, bis hin zur CSU.

Wenn den Herstellern von Homöopathika Formfehler unterlaufen, werden sie in letzter Zeit nicht einfach aufgefordert, das betreffende Mittel zu entsorgen; unter Polizeiaufsicht werden hunderte Liter von Wirkstoffen vernichtet und die zur Aufbewahrung genutzten Glasflaschen zerschlagen, als ginge es darum, ein Drogenlabor auszuheben – nicht um die Beaufsichtigung einer komplementärmedizinischen Apotheke. Und aktuell sollen auf europäischer Ebene die Nosoden verboten werden, Globuli, die unter anderem aus Viren und Bakterien hergestellt werden. Aufgrund der sprichwörtlich gewordenen hohen Verdünnung homöopathischer Wirkstoffe sind die fertigen Nosoden- Mittel vollkommen ungefährlich. Die internationalen Datenbanken zu Arzneimittelrisiken führen keinen einzigen Fall, bei dem Herstellung oder Einnahme von Nosoden je gesundheitsgefährdend waren. Im Gegenteil, bei Impfschäden oder bei der Behandlung autistischer Patienten haben Therapeuten sehr gute Erfahrungen mit Nosoden gesammelt. Es sei dennoch gefährlich, Mittel aus Krankheitserregern herzustellen, erklären die Verantwortlichen.

Polemische oder unlogische Argumentation

Es handelt sich dabei paradoxerweise um jene Kritiker, die erklären, die Globuli seien Placebopillen ohne Wirkstoff. Der Beobachter fragt sich, warum die Homöopathie denn nun verboten werden soll: weil die Mittel überhaupt keinen Wirkstoff enthalten oder weil ihr Inhalt so gefährlich ist?

Viele Argumente der Homöopathiegegner sind polemisch oder paradox. Sie alle sammeln sich aber trotz ihrer Widersprüchlichkeit unter einem gemeinsamen Grundsatz: Die Wirksamkeit der Homöopathie sei wissenschaftlich nicht bewiesen. Das wurde so gebetsmühlenartig wiederholt, dass mittlerweile sogar viele Anwender davon ausgehen, dass die Homöopathie eher Glaubenssache als rational begründbar sei.

Aus der Sicht der Naturwissenschaften ist der Casus Homöopathie viel komplexer. Die Wirkstoffe werden in ihrer Herstellung tatsächlich potenziert, das heißt auch: sehr hoch verdünnt. So hoch, dass vom ursprünglichen Wirkstoff oft genug nicht ein einzelnes Molekül mehr nachweisbar ist. Kann aber ein Medikament ohne molekularen Wirkstoff irgendeine Wirkung haben? Warum wird so eine seltsame Methode, trotz aller Kritik, seit zweihundert Jahren praktiziert?

Neueste Studien zeigen: Homöopathie wirkt

An Universitäten, unter anderem in Deutschland, Österreich und der Schweiz, wurden in den letzten Jahren Patientenstudien und Laborexperimente durchgeführt, um die Homöopathie wissenschaftlich und auf dem Stand der modernen Forschungstechnik zu untersuchen. Es wurden Hochlandfrösche, Weizenkeime, Mäuse und die unterschiedlichsten Patientengruppen untersucht. Die Ergebnisse der vielen verschiedenen Arbeiten lassen sich in zwei Kernaussagen zusammenfassen. Erstens kann man mit Homöopathie schwere und chronische Krankheiten sehr erfolgreich behandeln. Dies belegt zum Beispiel eine Schweizer Studie, für die junge ADHS-Patienten unter strengen Kontrollkriterien rein homöopathisch behandelt wurden. Das beachtliche Ergebnis: Den Patienten konnte ebenso gut geholfen werden wie mit der sonst üblichen Ritalintherapie. Durch aufwändige Doppelprüfung konnte das Wirken eines Placeboeffekts in dieser Untersuchung übrigens ausgeschlossen werden. Ähnliche Studien, die belegen, dass man Patienten erfolgreich homöopathisch behandeln kann, gibt es mittlerweile zu den unterschiedlichsten Indikationen (das reicht von Allergien bis zu muskuloskeletalen Erkrankungen). Die Kosten sind dabei meist geringer ausgefallen als bei einer schulmedizinischen Therapie.

Zweitens zeigten Laboruntersuchungen, dass die Globuli auch auf einfache Organismen einen messbaren biologischen Effekt haben. So war es beispielsweise möglich, die Geschwindigkeit der Metamorphose von Hochlandfröschen zu beeinflussen – mit eben jenen Mitteln, die kein einziges Molekül vom ursprünglichen Wirkstoff mehr enthalten. In einem anderen Versuch wurden an der Uni Bern Wasserlinsen – auch als Entengrütze bekannt – leicht mit Arsen vergiftet. Eine Gruppe dieser Linsen behandelte man anschließend homöopathisch, die Kontrollgruppe mit reinem Wasser. Dann wurde das Wachstum gemessen. Nach Meinung der Kritiker dürfte es keinen Unterschied zwischen den Gruppen geben. Doch die homöopathisch behandelten Pflanzen zeigten eine hochsignifikante Reaktion auf die Behandlung. Ist die wahrscheinlichste Erklärung hierfür tatsächlich, dass sich die einfachen Pflanzen einen Heilungseffekt eingebildet haben?

Hindernis für eine Akzeptanz: das Weltbild der Wissenschaft

Doch noch immer ist es für die Forscher schwierig, solche Forschungsergebnisse zu veröffentlichen. Die Autoren der genannten ADHS-Studie schickten ihre Arbeit an The Lancet. Die Redaktion antwortete, diese Studie sei sehr gut ausgeführt, methodisch tadellos. Sie passe aber nicht ins Weltbild der Leser und werde darum nicht veröffentlicht. Stattdessen brachte man die bereits erwähnte kritische Shang-Studie zum Ende der Homöopathie.

Noch schwerer ist es, solche Studien überhaupt durchzuführen, Gelder werden nur sehr zögerlich und in geringem Umfang genehmigt. Auf Nachfrage beteuern zwar alle politischen Parteien – einzige Ausnahme ist bisher die Piratenpartei – , dass die Erforschung des Themas ein sehr wichtiges Anliegen sei. Konkrete Maßnahmen werden aber seit Jahren nicht ergriffen. Wer durch Forschung das Bild der unwissenschaftlichen Homöopathie ändern will, der muss also ein gutes Maß Idealismus mitbringen.

Das also ist der gegenwärtige Stand: ein großes Interesse am Heilungspotential der Homöopathie einerseits und eine sehr einflussreiche Gegnerschaft andererseits. Vor diesem komplexen Hintergrund treffen sich im Februar 2015 europäische Wissenschaftler verschiedenster Disziplinen in der Urania in Berlin. Im Rahmen der öffentlichen Tagung Science Meets Homeopathy wollen sie ihre Arbeit vorstellen und sich gemeinsam der spannenden Frage widmen, wie diese ungewöhnliche Methode erklärt werden kann, auf die viele Menschen hierzulande schon seit Generationen schwören. Es kommt frischer Wind in den festgefahrenen Streit.


Kongress „Science meets Homoeopathy“
in der Urania Berlin vom 12.-14. Februar 2015
mit hochkarätigen Wissenschaftlern, u.a. Physikern, Ärzten und Therapeuten.
Tickets unter www.urania.de
Das komplette Programm auf www.quellen homoeopathie.de

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