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Wenn der Guru mit den Frauen… Jeff Brown hat mit „Karmageddon“ einen ungewöhnlichen Film gemacht. Über viele Jahre hat er den spirituellen Lehrer und Kirtan-Sänger Bhgavan Das interviewt und gefilmt. Die Ungereimtheiten in der Lehre und dem persönlichen Verhalten von Bhagavan Das führten ihn schnell zu einer Reihe von tiefen Fragen, auf die er keine Antwort wusste.

So machte er sich auf und konfrontierte zahlreiche andere Lehrer und Größen der spirituellen Szene mit diesen Fragen. Darf es sein, dass ein Guru mit seinen Schülerinnen schläft und seine Schüler beklaut? Kann jemand erleuchtet sein, der eine derart fragwürdige Ethik zur Schau stellt? Was ist Erleuchtung überhaupt? Wie ist die Beziehung von Erleuchtung zu Integrität, emotionalen Wunden und Verhaltensweisen? Was ist ein Guru? Ist der Großteil der westlichen Spiritualität womöglich nicht mehr als ein kolossaler Vermeidungstrip?

David Rotter hat sich mit Jeff Brown unterhalten.

Was hat dich an Bhgavan Das interessiert? Und was war eure Beziehung? War er dein Guru?

Weißt du, ich denke, da war ein Lehrer/Guru-Ding, in gewisser Weise, aber für mich war der Hauptgrund, warum ich an ihm auf einer bewussten Ebene interessiert war, der, dass ich immer noch an meinem Buch ‚Soulshaping‘ schrieb und mich mit der Idee einer geerdeten Spiritualität auseinandersetzte. Der Begriff „aufsteigen mit beiden Füßen auf dem Boden“ schien von grundlegender Bedeutung für meine Arbeit, aber ich war nicht ganz sicher, was er bedeutete. Und Bhagavan Das fühlte sich am Anfang an wie ein guter Startpunkt für diese Erkundung.

 

Und wie hast du dich dann gefühlt, als du bemerktest, dass da ganz merkwürdige Dinge ablaufen? Denn ich denke, wenn er nicht dein Lehrer gewesen wäre, sondern ein Freund, und die gleichen Dinge getan hätte, dann hättest du sehr anders reagiert, nicht wahr?

Ja, ich denke, das ist wahr. Es gab definitiv einige Projektionen auf ihn als Lehrer. Aber da war auch noch ein familiäres Thema, das mit hineinspielte. Es war irgendwie ein entschuldigendes ‚verrückter-Onkel‘-Ding, was da ablief – das ist ziemlich vertraut für mich und mein früheres Leben. Ich hatte viele solcher Charaktere um mich in meiner Familie und um mit ihnen zu leben, musste ich ständig irgendwie ihr Verhalten entschuldigen und rechtfertigen. Also, als ich zum ersten Mal mit Bhagavans Schatten konfrontiert wurde – ich wusste ja von seinem Schatten, jeder wusste über diese Dinge bescheid – tat ich, was du eben tust, wenn du Entschuldigungen für jemand anderes suchst: Ich deutete es um, wertete es auf und tat es weg – bis es so intensiv wurde, dass ich das nicht mehr konnte.

 

Dann hattest du also nicht das Gefühl, von deinen Guru verraten worden zu sein, wie manche Leute, wenn sie diese Art von Sachen herausfinden – denn das war einfach nicht eure Beziehung zu dieser Zeit?

Ich fühlte mich enttäuscht, ich fühlte mich belogen und betrogen und ich war zutiefst traurig darüber. Die Dinge, die er sagte und tat, trafen mich tief in meinem innersten Kern. Aber ich hatte nicht die tiefe Erfahrung einer Disillusionierung, die jemand hat, der seit Jahren in Gemeinschaft mit einem Guru lebt, nein. Aber ich war sehr aufgewühlt und verwirrt, wie ich das innerlich begreifen sollte

 

Ihr zeigt euch beide ziemlich nackt in diesem Film, dass liebe ich wirklich, an deiner Arbeit, aber ich fragte mich auch, wie er darauf reagiert hat und ob er ok ist mit der Weise, wie der Film ihn darstellt?

Ich kann nicht darüber sprechen, wie er reagierte zu sprechen, denn das ist nun rechtliches Zeug. Aber wir hatten vereinbart, gemeinsam einen Film zu machen und es war von Anfang an sehr klar, dass er seinen Schatten zeigen wollte – basierend darauf, was er sagte und tat. Er ist ein Kali-Ma- Verehrer, er funktioniert auf diese Weise, er glaubt wirklich an das Freilegen der Schatten, nicht an das Verstecken der Schatten und er hat eine ganze Reihe von Taktiken, das in seiner Erfahrung zu rechtfertigen. Das war alles, was wir wussten. Ich hatte ihm gesagt, dass einige unserer Kontroversen im Film sein würden, und er sagte, was er immer sagte: Es ist mir egal, was du tust, mach, was du willst! Und dann würde er etwas noch Schockierenderes sagen – das war sein Trip. Es ist nicht so, dass ihm jemand was in den Mund gelegt hätte. Du gibst nicht zu, dass du Sex mit einer 13-jährigen ägyptischen Hure hattest – seine Worte – wenn du nicht willst, dass die Welt auf deinen Schatten reagiert. Wer hätte das vor laufender Kamera zugeben? Niemand.

 

Interessant, wie man Ehrlichkeit dazu verwenden kann, Menschen zu manipulieren. Wenn man so ehrlich ist, reagieren die Menschen mit „wow, er ist so ehrlich!“ Und das macht es irgendwie ok.

Das ist, was mir passiert ist. Er würde auf der Bühne sitzen und er würde zugeben, dass er ein funktionierender Schizophrener ist, würde er sagen, dass er ein sechs-Jähriger in einer Welt voller Wunder ist, er würde all diese Dinge zugeben. Und falls du dich erinnerst, als ich Ram Dass interviewte, sagte ich ihm, dass Bhagavan all diese Dinge ja zugibt, und dass ich ihm deshalb vertraue. Und Ram Dass sagte: Nun, es hängt davon ab, warum er all das zugibt. Wenn er es nur zugibt, um dich für sich zu gewinnen, dann ist eine andere Sache. Alles lief für mich auf diese Frage nach der Absicht hinaus. Denn Bhagaven hatte auf jeden Fall eine Wirkung, aber in der ganzen Szene der ungeerdeten Spiritualität werden Wirkung oder Effekt oft mit der Absicht vermischt.

 

Dann könnte jemand sagen: Er tut das, um dir zu dienen. Aber es scheint dir sehr unwahrscheinlich, dass es wirklich das ist, was er beabsichtigt?

Nun, das war seine Geschichte. Im Film liest der Vater Mark aus dem Buch „Wunder der Liebe“, wie Neem Karoli Baba – Bhagavans Guru – solche Dinge vorsätzlich und bewusst tat, weil er wusste, welche Knöpfe das drücken würde. Und Bhagavan bezog sich auch auf Chögyam Trungpa Rinpoche, denn das war auch seine seiner Methoden. Aber ich bin nicht zu der Überzeugung gelangt, dass Bhagavan Das wirklich diese Art von egolosem Guru ist, der all diese Dinge tat, weil ich eine Lektion zu lernen hatte. Ich hatte definitiv durchaus eine Lektion zu lernen, aber ich glaube nicht, dass er das jemals als Intention hatte.

 

Das führt uns zu einigen sehr tiefen Fragen, die sich aus all dem ergeben. Ich bin wirklich froh, dass du den Film gemacht hast, denn all passiert einfach zu oft. Jemand nannte es mal das PMS-Syndrom: dass Macht (engl. Power), Geld oder Sex alle Lehrer irgendwann korrumpiert, wenn sie sich nicht mit ihren Schatten konfrontiert haben. Die Fragen, die sich also ergeben sind: Was ist ein Guru überhaupt? Was ist Erleuchtung?

Ja, es gibt so viele Fragen, die sich in der ganzen Kontroverse um den Film ergeben haben und die mich wirklich interessieren. Zum Beispiel, die Vermeidungsstrategie, dass alles, was zwischen zwei Menschen passiert vorher karmisch vertraglich vereinbart wurde. Was am Ende bedeutet, dass der Guru nie Rechenschaft für sein Verhalten schuldet – denn schließlich habe ich nur die Lektion bekommen, die ich verdient hatte. Die Frage der Verantwortlichkeit ist eine sehr interessante Frage in spirituellen Kreisen …

 

Dein Film ist wie die Suche nach den Antworten auf diese großen Fragen – du reist ja herum und befragst verschiedene Menschen aus der Szene zu diesen Dingen. Zu welchen Schlüssen bist du für dich persönlich gekommen?

Ich glaube, in diesem Stadium der menschlichen Entwicklung sind wir so unbewusst, dass wir auf jeden Fall Lehren aus fast allem ziehen können. Aber das bedeutet nicht, dass der „Übeltäter“ nicht Verantwortung trägt. Wir müssen zurück in die Realität kommen und lernen, diese beiden Ideen gleichzeitig zu halten: Dass wir aus der Erfahrung lernen können, aber das entschuldigt nicht das Verhalten. Es gab so viele Ausreden für solches Verhaltens in der spirituellen Szene. Eine der Fragen, die wir in den Interviews gestellt haben, die aber leider nicht im Film enthalten ist, ist die Frage nach der Beziehung zwischen Erleuchtung und Integrität. Und einer Interviewpartner, der Teil der Neem-Karoli-Baba-Sangha war und wirklich ein Gelehrter auf dem Gebiet, sagte: Es besteht kein Zusammenhang. Er sagte, Erleuchtung kommt einfach, zu wem sie kommt. Ich hatte ein echtes Problem damit, ich konnte nicht verstehen, dass wenn du in Beziehung zu anderen nicht von einem mitfühlenden Platz in deinem Herzen kommst, wie man das ein verwirklichtes oder erleuchtetes Wesen nennen kann. Und ich glaube nicht, dass man das kann. Ich würde sagen, wenn du nicht klar und sauber bist auf jeder Chakren-Ebene, den ganzen Weg bis nach oben, dann magst du vielleicht profunde Erfahrungen haben – aber sie sind nicht nachhaltig, weder äußerlich noch innerlich.

 

Da werden wir gleich nochmal näher drauf eingehen. Aber nochmal eine andere Art auszudrücken, was du gerade die karmischen Bindungen genannt hast, ist die Vorstellung, dass, wenn wir emotional getriggert werden, das nur eine Projektion ist oder eine Spiegelung im Anderen – was meiner Meinung nach sehr wahr ist, es berührt immer deinen persönlichen Kram, wenn du eine starke emotionale Reaktion hast. Aber wie du gerade gesagt hast, scheint es für viele Menschen schwer zu sein – vor allem in der nicht-dualen Szene – zwei Realitäten gleichzeitig zu halten. Was zum Beispiel eben bedeutet, dass es stimmt, dass der andere nur Zeug in mir auslöst, aber sein Verhalten kann immer noch falsch sein – in welchem Maßstab man es auch immer sehen mag. Warum ist es so schwierig für Menschen, diese beiden Realitäten zur gleichen Zeit zu halten?

Nun, ein Großteil der Menschen, die sich nicht-dual nennen, sind nur spirituelle Vermeider, die ganz bequem Verantwortung, den emotionalen Körper, das gesunde Ich, das Selbst, den physischen Körper und persönlichen Identifikationen aus dem nicht-dualen Bereich entfernen! Was sie ’nicht-dual‘ nennen, ist einfach das, was ihnen bequem ist. Es ist absurd. Das ist nicht geerdete Spiritualität Es ist Selbstvermeidung, getarnt als Erleuchtung. So ist es mit der ganzen nicht-geerdeten Spiritualität im non-dualen Modell. Und ich denke, es wird bald auseinanderfallen, weil es nicht nachhaltig ist. Es hat keine Füße.

Es ist wie Eckhadt Tolle, der von Präsenz redet, als wäre es eine Art meditativer Trip, wo man den emotionalen Körper nur noch beobachtet und er verdampft einfach. Nun in meinen Augen kommt wahre Präsenz durch das Herz und das bedeutet, ich muss tief in meinen Schmerz-Körper gehen und ihn klären. Nur dann werde ich verkörperte Präsenz.

 

Ja. Was du als spirituelle Vermeidung bezeichnest, nenne ich mentale Erleuchtung. Und es hat mir wirklich geholfen das menschliche Energiesystem fühlen und verstehen zu können, weil es sehr akkurat ist, was du sagst. Was stattfindet ist ein Bypass um die unteren Körper…

… ‚untere‘ ist ein interessantes Wort ….

 

… das stimmt.

Sieh da liegt das ganze Problem, diese Idee, dass wir erhöht werden, das Menschlichkeit irgendwie etwas Niedriges wäre. Und dann werden wir zu abgespacten Robotern und nennen das ‚erweitertes Bewusstsein‘. Das hat nichts mit der menschlichen Erfahrung zu tun, das ist nur die Mechanisierung des Bewusstseins – oder eben rein mentale Erleuchtung..

 

… im Gegensatz zu voll verkörperter Erleuchtung, die das Bewusstsein tief in alle Ebenen des menschlichen Ausdrucks bringt, wie eben auch die emotionale, die soziale und die physische?

Ich nenne es enrealment. In meinem Leben bin ich spirituell nur durch Transformationen in der emotionalen Ebene gewachsen. Wenn ich ein Thema geheilt und damit gearbeitet habe, bin ich auch in meiner Spiritualität gereift. Wenn ich es nicht tat, bin ich nicht weiter gewachsen. Ram Dass und ich hatten darüber ein sehr hitziges Gespräch vor ein paar Jahren, als ich das kritisierte und sagte: Ich weiß nicht, was das Feld unserer Transformation sein sollte, wenn nicht die persönliche Geschichte und der emotionale Körper. Er sagte: ‚Nun, du könntest einen Schlaganfall oder ein anderes großes Event haben und dadurch erwachen.‘ Aber ich glaube vielmehr, du hast all das Zeug in den Knochen sitzen, das darauf wartet transformiert zu werden.

Wo ist die Transformation in der Spiritualität, wenn nicht in unserer Berufung, unseren archetypischen Transformationen, unserer wichtigsten Lernerfahrungen in Beziehungen und in unserer Arbeit im emotionalen Bereich? Wie sonst wachsen wir? Immer, wenn mir jemanden begegnet, der mir das Gefühl gibt, dass er in seiner Spiritualität gereift ist, dann weiß ich, er hat sich um sein Zeug gekümmert. So einfach ist das. Und immer wenn ich jemanden sehe, der nicht reift, der immer in der gleichen spirituellen Manifestation im gleichen Zustand feststeckt, dann weiß ich, er kümmert sich nicht um sein Zeug.

Aber ich kann in dieser sehr schmerzhaften Welt verstehen, warum die Leute sich angezogen fühlen von einer Vorstellung von Erleuchtung, die es ihnen erlaubt, aus dem emotionalen Körper zu fliehen.
Ich meine, am Anfang von „Power of Now ‚ beschreibt Eckhardt Tolle genau das, was wirklich passiert ist. Er schreibt, er war suizidgefährdet und in einer Nacht fand er eine Art Mechanismus, wie er in diese andere Perspektive des Bewusstseins wechseln konnte. Und er sagt auch, er verbrachte die nächsten zwei Jahre auf Parkbänken sitzend, im Prinzip dysfunktional, ohne Freunde, in einem Zustand, den er Bliss nennt. Na ja, die meisten Psychologen würden das lesen, und es Dissoziation nennen. Nicht Erleuchtung. Es ist Dissoziation.

 

Nur eine anspruchsvollere Form der Dissoziation also?

Das ist alles, was es ist! Es ist nicht einmal anspruchsvoller. Was ist so anspruchsvoll daran? Es ist wie: Deaktiviere deine Gefühle und fliehe in diese Art von Kopf-Trip, wo man nur noch zuschauen kann, aber nicht mehr wirklich in den Dingen sein muss.

 

Nun ich denke, es ist anspruchsvoll in dem Sinne, dass man erstmal diesen besonderen Ort des Rückzugs finden muss, er ist ja nicht für jeden zugänglich. Aber die tiefere Frage ist dann natürlich: Was ist Erleuchtung wirklich? Gibt es verschiedene Formen von Erleuchtung? Und was ist der Unterschied zwischen Erwachen und Erleuchtung? Was ist deine Perspektive auf diese Fragen?

Ich denke, es ist ein relativer Prozess. Wenn wir es mal in eine numerische Form bringen – nur für den Augenblick – wobei 100 Verwirklichung oder Ganzheit oder Erleuchtung darstellt, dann glaube ich, wir schweben irgendwo rund um 5, und manche Leute können bis 7 gehen und wir nennen sie spirituelle Lehrer. Wenn sie sich Illusionen machen, denken sie, sie wären den ganzen Weg gegangen. Das sind sie nicht- was ist der ganze Weg? Ich verwende den Begriff enrealment, denn für mich bedeutet Spiritualität Realität. Je spiritueller meine Erfahrung ist, mit desto mehr Bereichen der Wirklichkeit bin ich verbunden, oder habe Zugriff auf sie.
Also diese Leute, die sich fragmentieren und einen Aspekt überentwickeln, als ihren Weg – für mich ist das keine ganzheitliche Bewusstseins-Erfahrung. Das sind Spezialisten. Sie sind spezialisiert auf, das was du mentale Erleuchtung nennst, spezialisierte Meditierende.

Aber für mich lautet die wirkliche Bewegung: Du musst tief nach unten gehen, um wirklich aufzusteigen. Aber so viele von uns haben so viel gelitten, und die Welt ist so schwierig und überwältigend, dass wir die Realität verlassen haben. Für mich ist die Arbeit, zurück in die Realität zu kommen, was bedeutet mit all dem Zeug zu arbeiten, was uns dabei im Weg steht, so dass wir einen Zustand des Bewusstseins erreichen, in dem wir alles auf einmal halten können. Und alle Kapazitäten unseres Bewusstsein entwickeln, in jedem Bereich.

Für mich scheint es, als ob ich mich in eine eher weibliche Richtung bewege. Das internalistische Modell ist das von einem einsamen Krieger, der auf einem Meditationskissen sitzt – wie der Buddha. Ich bin wohl eher ein Sufi, oder mehr in einem weiblichen Modell, das relational ist, was bedeutet, dass ich in Beziehung zu etwas wachse. Mit dem offenen Herzen als Portal. Es scheint wie gesunder Menschenverstand für mich, aber es gibt so viel Widerstand gegen dieses Modell!

 

Aber Jesus zum Beispiel scheint eher ein Archetyp der Erleuchtung als dem Höhepunkt der Integrität zu sein – statt eines Modells der Erleuchtung, die getrennt von Integrität existert.

Ja, er scheint aus dem Herzen kommen. Ich habe es noch nicht ganz für mich geklärt, aber es scheint, dass das offene Herzen, das empfängliche, mitfühlende Herz, im Kern der Expansion lebt. Ich frage mich tatsächlich, ob etwas, was im allein im Bewusstsein mit einem verschlossenen Herzen geschieht, überhaupt wirklich eine menschliche spirituelle Erfahrung genannt werden kann.

Aber was wir hier reden, ist fast wie zwei politische Parteien! Es gibt diese radikal unterschiedlichen Perspektiven auf Expansion. Manchmal habe ich das Gefühl, wir sollten diese Themen weltweit in aufgezeichneten Interviews diskutieren, weil die Auswirkungen der Ausrichtung nach einem Modell oder dem anderen in unserem Leben einen gigantischen Unterschied macht!

 

Ja, es ist ein völlig anderer Ansatz. Vielleicht wollen beide letztlich Leid transzendieren. Aber einmal bewegt man sich hinaus und weg davon, das andere mal hinein und durch. Es ist die völlig entgegengesetzte Richtung.

Genau! Und da hat Bhagavan Das mich verwirrt, weil er so gesprochen hat, wie ich jetzt spreche. Wie „der einzige Weg hinaus führt mitten hindurch“ – diese Art von Sprache. So dauerte es eine Weile, um zu sehen, dass er zwar mit seinem Gesang seinen Körper energetisierte, aber sich nicht mit dem emotionalen Zeug befasste, was dabei hochkam. Fast scheint es eher, als ob er sich wegsingt, als ob er uns hier raussingt.

 

Glaubst du, es gibt so etwas, dass wir eine „erleuchtete Identität“ nennen könnten? Denn wenn du mit diesen Leuten sitzt, haben sie oft sehr starke Felder, ihre Energie, ihre mentaler Körper hat eine starke Wirkung. Und sie denken oft selbst, sie sind jenseits des Egos, während was ich bei vielen dieser Menschen wahrnehme ist, dass es so etwas wie eine subtile Identität gibt, ein Schatten, der ihren Zustand vereinnahmt hat, das ist sehr subtil und schwer zu sehen.

Es ist die große Lüge. Es mag sein, dass sie ein Feld entwickelt oder sogar über-entwickelt haben, sagen wir mal, den meditativen Bereich, und es gibt eine Energie, die man dadurch aufbaut. Und sie haben diesen Bereich so gut entwickelt, dass sie nicht mehr so offensichtlich getriggert oder beeinflusst werden durch die Welt um sie herum. Aber wie viele von diesen Leuten habe ich gesehen, die plötzlich aggressiv werden, wenn sie wieder persönliche Beziehungen eingehen!

Und sie sind aus einem bestimmten Grund hier wegmeditiert: Weil hier zu sein für sie zu unbequem war. Was wäre sonst die Motivation, nach diesem besonderen Zustand zu suchen? Wenn du wirklich in der Lage wärst, es überall zu finden, warum solltest du dann in dieses Feld abhauen und dich womöglich abspalten, von dem, was du wirklich bist? Warum entehren sie ihre Vorfahren, karmisch und biologisch? Was ist falsch daran, dass ich Jeff Brown bin, mit dieser verrückten Mutter und diesem schwierigen Vater und diesen wunderbaren Großeltern? Das ist das Material! Das ist, wo ich in dieses Leben kam, aus einem Grund. Das ist das Material, mit dem ich in dieser Inkarnation arbeiten werde, um es zu verwandeln. Was würde meine Motivation sein – außer Schmerzen, mit denen ich nicht umgehen kann, oder ein Ego-Bedürfnis, als ein erhöhtes egoloses Wesen zu erscheinen? Ich meine, woher kommen solche Ziele? Es ist das Ego.

 

Das ist, was ich meine. Aber es ist sehr subtil. Und ich glaube, die meisten dieser Menschen sehen es wirklich selbst nicht.

Absolut. Sie könnten unserem Gespräch lauschen und denken, dass ich über jemand anderen rede. Das ist ein Schutz-Mechanismus. Und in diesen Fällen ist es eine tief verwurzelte Verteidigungs- Struktur. Sieh, für mich ist es eine Sache zu sagen, du hast die Fähigkeit entwickelt, dich aus der lokalisierten Perspektive zu lösen, der lokalisierte neurotischen Bindung an deine persönliche Identität. Es ist wichtig zu sehen, dass du mehr bist als das und hier was ganz anderes läuft als nur der Sorgen-Mind. Diese Fähigkeit ist ein fantastisches Werkzeug – aber es ist einfach kein erweitertes Bewusstsein!
Das Problem beginnt, wenn man ein Werkzeug umdeutet zu einem Modell des erweiterten Bewusstseins und deshalb aufhört zu wachsen. Denn wenn man diese Fähigkeit entwickelt hat, was dann geschehen muss, ist, dass du wieder nach unten kommst, in deinen Körper und deine Identifikationen, aber mit dieser umfassenderen Perspektive. Und dann kannst du dein Zeug transformieren – das ist das Schrot in der Seelen-Mühle, das ist die wirkliche Basis für die Bewusstseinserweiterung. Aber diese Menschen wollen das nicht tun, denn es gefällt ihnen da oben. Sie sitzen auf ihrem Berg und beobachten, wie wir hier unsere Geschichten jagen (Wortspiel engl: chasing our tales). Und wie Byron Katie würden sie sagen: ‚Es ist nur deine Geschichte.‘ Nein, es ist nicht nur deine Geschichte – es ist dein Leben

 

Und die Aufgabe ist viel eher, das Bewusstsein hier herunter zu bringen, wirklich zu inkarnieren?

Oh! Hallo, na sowas! Was für eine Idee, oder? Wir sind ja inkarniert! In einem Körper, der wird eines Tages sterben. Ich vermute, das willst du nicht erst fünf Sekunden bevor du gehst erkennen. Das kann man auch jetzt gleich kapieren. Aber man kann verstehen, warum Menschen von solchen Modellen angezogen werden – so wie Ophrah Winfrey von Eckhardt Tolle angezogen wurde. Selbst als ich bereits soulshaping schrieb, ging ich durch verschiedene Stadien, wo ich immer wieder mit der Versuchung arbeitete, aus der Stadt aufs Land zu ziehen und Dinge nur noch durch die größere Perspektive zu erleben. Es ist fantastisch. Das Problem ist, wir wissen nicht, was wir dann tun sollen. Wir lernen nicht, wie wir wieder nach unten in unserem Körper kommen und all das Zeug transformieren. Also bleiben wir auf dem Berg, bis das Leben vorbei ist.

 

Oder werden ein spiritueller Lehrer und haben eine Menge Schüler …

.. ja und verdienen so unseren Lebensunterhalt, so kann man in diesem Zustand bleiben und muss sich nicht mit der Welt auseinandersetzen, im Job oder Geschäft, was dich zwingen würde, wieder eine Person zu werden. Es ist ein perfektes Rezept für Selbst-Vermeidung und wirtschaftlichen Nutzen. Ich könnte das tun, jeden Tag. Ich bin charismatisch genug, ich weiß, wie es geht, ich kenne den Trip. Es ist leicht. Nur müsste ich meinen Namen ändern – das ist eines der Merkmale davon, dass man einen neuen Namen hat, der die neue nicht-Identität reflektiert…

 

Es ist nicht zwingend – Tolle hat noch seinen alten Namen …

Ja, es ist nicht zwingend, aber es hilft, Glaubwürdigkeit zu gewinnen. Ich kann dir gar nicht sagen, wie viele Menschen von denen, die mich wegen dieses Filmes angegriffen haben, wirklich gemein und böse waren, logen und sich schreckliche Geschichten ausdachten, diese Art von neuen Namen haben. Es ist schon interessant. Der neue Name ist meist etwas, das etwas Liebevolles oder Schönes oder Befreiendes symbolisiert. Aber wenn sie getriggert werden, verhalten sie sich eher wie ein ganz alter Name. Es scheint also, dass die Änderung des Namens nicht geholfen hat, die Verhaltensweisen oder das emotionalen Zeug loszuwerden, das sie wirklich sind. Identifikation ist nicht weggegangen, sie sitzt immer noch dort und wartet darauf, ausgedrückt zuwerden.

 

Also, was ist dann die Beziehung zwischen Erwachen und dem emotionalen Zeug? Die meisten spirituellen Menschen werden irgendeine Art von Erwachens-Erfahrung gehabt haben – vielleicht waren sie auf einem Retreat und dann haben sie für einige Zeit einen erweiterten „Wow“-Zustand erfahren. Und es scheint möglich zu sein, diesen Zustand zu kristallisieren und sich das zu schaffen, was ich eine neue subtile Identität rund um diesen Zustand nenne. Aber was ist die Beziehung von diesem Zustand in den emotionalen Zeug, aus deiner Sicht?

Ich denke, Erwachen ist ein relativer Begriff. Für Menschen, die nie eine Erfahrung des Einheitsbewusstseins hatten oder nie hatten was Eckhardt Tolle einen „aha“-Moment “ nennen würde, wo du die Dinge von oben, von einem umfassenderen Bewusstsein aus betrachtest – für Leute, die das nie gehabt haben, heißt das Erwachen. Und es ist tatsächlich ein Schritt auf dem Weg des Erwachens und es fühlt sich völlig wahr an, weil es völlig wahr ist. Sie erleben etwas Größeres als ihre lokalisierte Perspektive. Aber irgendwann muss man wieder nach unten kommen, weil das ganze emotionale Material und die Identifikationen immer noch da sind und darauf warten, transformiert zu werden. Aber man kommt wieder nach unten mit einem umfassenderen Gewahrsein als eines der Werkzeuge des Bewusstseins. Das ist gut, denn wenn du zu sehr in deinem Zeug verloren gehst, kannst du es nicht transformieren oder wandeln.

Letztlich liegt die Arbeit für mich darin, zurück in die lokalisierte Perspektive zu kommen, so tief in das persönliche Material so kommen, so vollständig und so bewusst, dass du es transformierst in Einheit. Und diese Erfahrung der Einheit des Bewusstseins ist dann eine nachhaltige und nicht eine, die dein persönliches Zeug ignoriert. Alles existiert zur selben Zeit. Das ist, was ich „cell your soul“ nenne – wirklich hineinzuspringen und das Feld zu öffnen.

Aber man kann eben süchtig werden, nach dem Bliss, nicht wahr?

Meine ersten Erfahrungen der Einheit waren in der Natur und in der Liebe, wo ich diese unglaubliche Verbindung zu diesem umfassenderen Bewusstsein erlebte – aber ich hatte nicht mehr das Gefühl, mit Jeff Brown verbunden zu sein. Und das ist, was mir daran gefallen hat! Weil ich mit mit diesem Trottel gar nicht mehr verbunden sein wollte. Aber nach einer Weile fing es an, sich unwahr anzufühlen. Weil ich in diesem Bewusstseins-Bereich spielen würde, aber ging ich persönliche Beziehungen ein und wag immer noch ein Arschloch. Irgendwas stimmte eindeutig nicht. Ich hatte eine neue Perspektive, aber ich hatte mich nicht wirklich verändert. Ich wusste, ich hätte dort bleiben können. Ich wusste, ich konnte dieses Einheit-Feld halten, mehr meditieren und mich und die Welt überzeugen, ich hätte mich geändert. Aber es ist wie Jack Kornfields Geschichte :Über Jahre meditiert er mit den Mönchen im Osten, friedlich und ruhig. Und dann kommt er wieder zurück, wartet eines Tages auf seine Frau, die sich die Haare macht und explodiert mit Ungeduld, weil es zu lange dauert. Also, irgendwas scheint da noch nicht passiert zu sein …

 

So viele Menschen glauben aber immer noch, dass es diesen Moment des Erwachens gibt alle Ihre emotionalen Probleme einfach verschwinden – was leider nicht der Fall ist …

Es ist einfach nicht wahr.

 

Was denkst du: Welche Lektion hast du von Bhagavan Das gelernt?

Nun, er hat mir sehr geholfen, und Ram Dass auch, denn mit Ram Dass spüret ich mich viel näher an einer geerdeten Spiritualität. Ich wollte das sehen. Ich hatte in der Art, wie er mit mir interagierte das Gefühl, dass er in seinem emotionalen Körper und doch zugleich in einem größeren Feld war, und ich fühlte, dass er mir diese Verbindung spiegelte. Ich denke, das ist für ihn durch seinen Schlaganfall passiert, er wurde zurück in seinen Körper gezwungen. Und Bhagavan Das auf der anderen Seite zeigte mir auf sehr subtile Weise, was geerdete Spiritualität nicht ist.

Ich glaube diese ganzen Themen sind sehr nah dran an der Lektion, die wir als Kollektiv im Moment lernen…

Zumindest fühlt es sich an wie das richtige Timing in Bezug auf die Bewegung in Richtung Verantwortlichkeit, Transparenz und den Weg zurück in Richtung einer geerdeten Spiritualität – nachdem wir eine Weile mit den nicht-Dualisten rumgeschwebt sind. Das funktioniert einfach nicht für die Menschen. Für mich ist das nicht-duale Zeug nichts anderes als das Gesetz der Anziehung Zeug, wie in ‚The Secret‘. ‚The Secret‘ ist nur ein weiteres Modell völlig ungeerdeten Verhaltens. Und das funktioniert nicht. Ich denke also, der nächste Schritt ist jetzt, das alles zusammenzubringen. Ich verwende dafür den Begriff weastern – eine Mischung aus westlich und östlich. So behalten wir das Streben nach Einheitsbewusstseins und zur gleichen Zeit erfüllen wir unsere Grundbedürfnisse und arbeiten an einem gesunden Ego, alles passiert zur gleichen Zeit. Das ist der nächste Schritt, der einzig mögliche Schritt.

 

Und brauchen wir in deinen Augen noch den Guru in diesem neuen Ansatz?

Nein, keine Gurus. Aber ich versuche gerade herauszufinden, wie jemand so etwas in einer geerdeten Art und Weise verkörpern könnte. Vielleicht in der Art, wie ich oder Seanne Corn, die Yogini, es tun: einfach weiter geradeaus sprechen und unsere Menschlichkeit zu offenbaren. Vielleicht ist das der neue Guru: das alle von uns herumlaufen, und die Wahrheit darüber sagen, wer wir sind. Ich denke, das könnte uns in die nächste und die beste Richtung führen. Es gibt gerade eine ganze Bewegung sich zu offenbaren, die du auch in den sozialen Medien sehen kannst, und das ist ein Teil davon. Wir können uns nicht mehr sehr viel länger vor uns selbst verstecken …

 

Hast du jemals erlebt, dass das der Lehrer / Guru- Ding auf dich projiziert wurde?

Jeden Tag.

 

Wie gehst du damit um?

Ich erinnere daran, dass ich immer noch nicht aufhören kann, Donuts zu essen. Ehrlich gesagt: Ich will das nicht. Ich habe keinen Bedarf an dieser Ego-Projektion, ich möchte nicht in diesem Licht gehalten werden, und ich will diesen Erwartungen nicht entsprechen müssen. Ich liebe es einfach zu schreiben und ich vertraue dem, als mein klarster Weg zum Göttlichen. Aber wenn man den Part des „Wissenden“ übernimmt, ist das voll von Problemen und Herausforderungen, und es ist nicht Teil meiner heiligen Berufung. Ich liebe meine Menschlichkeit, die genieße die Dualität! Und vielleicht vermittele ich meine Nachricht als eine Form von Teaching. Aber immer wenn es mir gelingt, meinen klarsten Punkt als Schriftsteller zu erreichen, bin ich absolut in meiner Verletzlichkeit und meiner Menschlichkeit. In dem Moment, in dem ich mich selbst zu ernst nehme, kann ich nicht ein Wort schreiben.

 

Also Lehrer ja, aber keine Gurus?

Ich denke, der nächste Schritt sind Lehrer, die mehr in einem heiligen Gleichgewicht sind. Ich denke, das würde allen dienen. Auch wenn wir anerkennen, dass es Menschen gibt, die weiter fortgeschritten sind als andere, und wir nur im Kopf behalten, dass wir auf Stufe 5 sind, und sie sind auf Level 7 – dann denke ich nicht, dass das gefährlich ist. Gefährlich wird es, wenn wir sie auf Level 100 heben. Dann wird es gefährlich. Und damit sollten wir aufhören. Sie sind nicht Gott.

 

Ist ein spiritueller Lehrer etwas anderes dann ein Gitarrenlehrer zum Beispiel? Glaubst du, wir sollten es pragmatischer sehen?

Nun, ich denke in den meisten Fällen haben diese Menschen einfach nur eine bestimmte, sehr ausgebaute Fähigkeit und die ruft all jene Menschen, die in dieser Art von Schwingung sein müssen. Und ich habe absolut kein Problem damit zu sagen, dass Eckhardt Tolle ein Meister der mentalen Erleuchtung ist. Ich habe kein Problem damit. Aber ich würde auch sagen, dass ich bezweifle, dass er ein Meister vieler anderer Aspekte der Erleuchtung ist. Und das gilt für alle von ihnen. Bhagavan Das ist ein Meister der Kirtan-Gesänge. Und in dem, was er mit Gesang tut, ist er ein tiefgründiger Türöffner.

Für mich ist die Antwort, all die verschiedenen Welten zusammen wachsen zu lassen, so dass wir ein nachhaltiges Fundament für unsere Expansion haben, während wir uns durch unser Leben bewegen. Die ist auch durch den Zustand des Kollektivs begrenzt – wir können nur so weit kommen, in diesem Leben, in der Welt, wie sie ist. So gehen wir nach Innen, kümmern uns um das psycho-therapeutische Zeug, dann gehen wir raus und arbeiten in der praktischen Welt, dann entwickeln oder verfeinern wir unsere Methode, die uns zu einer Erfahrung des Einheits-Feldes führt, wir arbeiten mit allem zur gleichen Zeit und wachsen in all diese verschiedenen Richtungen.

Wenn du nur an der Einheits-Erfahrung arbeitest, ist das nicht nachhaltig. Dein Zeug wird dich wieder herunterziehen. Du bist wie ein Vogel mit einem Flügel: Du wirst nicht sehr lange fliegen.

 

Trailer zum Film Karmageddon

http://youtu.be/wEn8EiF8pb8

 

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5 Responses

  1. Lendh

    Ich habe nie einen Guru gehabt, doch viele kennengelernt, die mir zur Entwicklung eines bestimmten Persönlichkeitsaspekts eine/r waren. Meine 85-jährige Nachbarin z.B., der man des nachts 40000 DM unter dem Kopfkissen weggeklaut hatte und die mir Tags darauf lächelnd, während sie darauf wartete, dass das Ungarisch Gulasch gar wurde, sagte: „Weg ist weg, der Dieb hat´s bestimmt dringender gebraucht als ich.“ Man fand sie 3 Monate nach ihrem Ableben in ihrer Wohnung, weil kein „Anhänger“ da war, der sich um ihr Wohl gesorgt hat, ich auch nicht.
    Ich habe Respekt vor denen, die trotz vermeintlicher – bewusster oder unbewusster – blinder Flecken und dunkler Schatten ihr Lämpchen leuchten lassen. Es gibt immer eine/n, den es erhellt, für die/den das Lichtlein zur wichtigen Zeit am wichtigen Ort scheint.
    Wir bewegen uns mit unserer Wahrnehmung durch ein Universum -aller- möglichen Möglichkeiten, von denen das Fehlen nur eines einzigen Aspekts das Göttliche – Das Alles-Was-Ist – unvollständig machen würde. Warum tun wir das? Um zu fühlen, das Ganze, das Im Absoluten Eins ist, erlebbar zu bekommen, uns im spannungsgeladenen dualistischen Vergleich der Gegensätze von Liebe und Angst mal als einsames Individuum, mal als liebender allumfassender Gott selbst zu empfingen und alles was dazwischenliegt. Mir reicht das, ich strebe keine Erleuchtung an. Wie oben gesagt: „{Sie} .. kommt einfach, zu wem sie kommt.“
    Danke für den Artikel, es hat Spaß gemacht, mich selbst dabei zu erleben. Einen Dank an Euch, den Interviewer und den Interviewten und auch an mich, der sich euch – wie andere ihren Guru – ins Erleben gezogen haben. Wir sind Eins, wir Lieben, lasst uns die 100%ige Verantwortung einfach gemeinsam tragen.

    Antworten
  2. Emmanuelle

    BRAVO zu euch Beiden. Sehr gute Inteview. Ich erkenne sehr gut Jeff Lebesnvision.

    Mit freundlichen Grüssen von der Ubersetzerin (auf franz.) von Jeff Brown

    Antworten
  3. Mathias

    Es ist wohltuend, einmal das zu lesen, was man sich so ähnlich auch schon ab und zu dachte – nur irgendwie nicht auf sich anwandte, wenn man mal wieder in „Flucht“- und Rückzugsphantasien schwelgte…

    Das „Guru-System“ hatte sicherlich seine Berechtigung, um alternative Formen von Spiritualität auch in „kirchenferne“ westliche Schichten zu tragen.

    Aber:

    Ganz abgesehen davon, dass man es angesichts der gesellschaftlichen Zustände in Indien nur als einen „Mosaik-“ und definitiv nicht als „Schlussstein“ betrachten kann: Das Guru-System passt nicht in das „Love Age“. Vielleicht dient es ja manchen noch als Trittbrett/ Ent-Wicklungsstufe. Zu mehr taugt es nicht.

    Allerdings ist Guru nicht gleich Guru.

    Betrachtet man etwa die Geschichte von Ramana Mahasrshi, der auf dem besten Wege war, mit dem Kopf in der rosaroten Wolke bei lebendigem Leibe zu verrotten, erkennt man den Wert eines Gurus (hier: Sheshardi Swami) als Lehrer.

    Es ist (wohl weitgehend) der zweifelhafte(?) Verdienst seines Schülers H. W. L. Poonja, eine „abgespeckte“ Lehre in den Westen exportiert zu haben, welche das „Licht der Erleuchtung“ quasi als Droge benutzt.
    Wo ist der Unterschied zwischen dem, der sich in Meditationen „wegbeamt“ und einem Junkie? Zwischen einem Guru, der dies (für seinen Lebensunterhalt) unterstützt und einem Dealer?
    _

    Der „egolose“ Guru ist ein Märchen. Wer genug Sendungsbewusstsein besitzt, um sich als Primus zu inszenieren – und sei es als Primus inter Pares – hat ein sehr ausgeprägtes Ego.

    Der kann dann u.U. auch die Existenz seiner Schatten leugnen – und mit ausreichend „Strahlkraft“ (welchen Chakras auch immer) finden sich sicherlich ein paar begeisterte Jünger. (Vgl. den Buddha 2.0 A.Cohen)

    Oder man benutzt das gute alte rhetorische Mittel der „Flucht nach vorn“ und „bekennt“ seine Schatten.

    Merke:

    Bekennen bedeutet nicht „transformieren“, „heilen“ oder zwecks „Transformation“ auszuleiten.

    Es bedeutet auch nicht, die energetischen Verbindungen/ Verflechtungen sowie die Verletzungen Dritter, welche durch die Schatten generiert wurden, zu transformieren bzw. zu heilen.

    Da steckt mehr „Erleuchtung“ in jeder „popeligen“ Beichte.

    Falls es jemanden interessiert:

    Auf mein Gejammer, wie ich mit all der „Dichte“/ „Dualität“ hier umgehen soll, erhalte ich regelmäßig zur Antwort „Begegne allen und allem in Liebe“.

    Das Ego gähnt und stichelt: „Dann fang mal an, deinen Kommentar zu redigieren.“ Um sich dann quasi selbst zu antworten „Was soll’s, ich bin ja kein Guru.“

    Herzliche Grüße

    Mathias

    PS:

    „Esoterik“-Lehrer werden von ihren Schülern gar nicht so selten in die „Guru“-Rolle hineingedrängt. Dann finden sich so nach und nach Energien ein, die nicht von hoher Schwingung sind, aber die hohe Schwingung recht gut simulieren können…
    „Gotcha“ sagte das Teufelchen.

    Und manchen hängt aus vergangenen Guru-Inkarnationen noch eine Traube von Jüngern in der Aura….

    Puhhh…

    Ich wünsche eine wunderschöne 8.8.-Toröffnung und eine zauberhafte anschließende Zeit. So ganz ohne Ironie. „Fast.“ Ergänzt mein Ego.

    Antworten
  4. Anonym

    Es bringt nichts über etwas zu urteilen das man selbst nicht erfahren hat. Das hat nichts mit Spiritualität zu tun. Wieviel Guru’s und spirituelle Lehrer haben sie in ihrer jetzigen Inkarnation aufgesucht, mit ihnen geredet, philosophiert und von ihnen gelernt? 10? 20? 50? Wozu? Sie urteilen über das Ego der Spiritualisten und doch füttern sie gleichzeitig ihr Ego Verstand mit der Bewertung über die Erfahrung von Menschen deren Leben und Erfahrung sie weder gelebt noch erfahren haben. Welcher ‚Meister‘ hat ihnen die Weisheit gegeben zu urteilen welcher Weg der Spiritualität der richtige ist und welcher nicht? In meinem jetzigen Leben habe ich einige Menschen getroffen die mich inspiriert haben, wofür ich jedem Einzelnen sehr Dankbar bin. Mein grösster Lehrer jedoch war und ist mein autistischer Sohn der nicht richtig reden kann, dem die gegebene Gesellschaftsnorm sowas von egal ist und dabei aus einer Überzeugung handelt die seines gleichen sucht. Er hat mich die wahrscheinlich wichtigste Lektion der Spiritualität gelehrt; Authentizität. Die Erfahrungen und Menschen so anzunehmen und zu lieben wie sie sind. Und somit mich selbst zu leben und zu lieben wie ich bin. Mit dieser Erfahrung brauche ich keine Guru’s, keine Lehrer die mir sagen welcher spirituelle Weg der richtige für mich ist und welcher nicht. Das Leben ist mein Meister. Und das ist Okay so.

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  5. beziehungsWEISE

    Erleuchtung?
    Wer sucht wird finden, und siehe da, durch das klärende Wort wird die geregelte und regelnde Muttersprache, die der Wortverdrehung und Wortschändung, verschwinden.
    Das Wort ist klärender Geist, die regelnde Anweisung der betonten Muttersprache ist die, die den Menschen sterblich macht und verschleißt.
    Der, der erleuchtet ist, das ist der, der das Kartenhaus der moralisierenden Muttersprache einreißt.

    beziehungsWEISE

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