Anzeige

Der Verband für ökologischen Landbau ‚Bioland‘ hat im Januar eine Studie vorgelegt, die zeigen soll, dass der Biolandbau die optimalste Lösung für eine klimaverträgliche Landwirtschaft ist. Gleichzeitig wird das gängige Vorurteil widerlegt, mit Bio-Landwirtschaft könne eine Menschheit von 7 bis 8 Milliarden Köpfen nicht ernährt werden.

Prof. Hans Herren, Vizepräsident des Weltagrarrates und Präsident des Millennium Institute unterstützt den Ansatz: „Eine zweite grüne Revolution in der Landwirtschaft wird weder die Ernährungs- noch die Klimakrise lösen – im Gegenteil. Nachhaltige Anbausysteme wie der Biolandbau sind gefragt.“

Biolandbau als Klimaschutz

Prof. Gerold Rahmann vom Johann Heinrich von Thünen-Institut erklärt: „Die Landwirtschaft ist ein bisher unterschätzter Emittent von Treibhausgasen, bietet aber gleichzeitig ein großes Potenzial als Problemlöser. Über eine nachhaltige Bodennutzung kann Kohlenstoff in Böden gespeichert und so dem Klimawandel entgegengewirkt werden.“

Einschließlich der gesamten Produktionskette, die bei einer Klimabilanz berücksichtigt werden muss, emittiert die Landwirtschaft in Deutschland rund 16 Prozent der Gesamtemissionen. Dabei bietet die Humus-Schicht eigentlich einen natürlichen Kohlenstoff-Speicher und die Landwirtschaft könnte sogar eine Schutz-Funktion einnehmen. Humus bindet durch die Umsetzung und Festlegung organischer Substanz dreimal mehr Kohlenstoff als die oberirdische Vegetation und kann Kohlenstoff für mehrere tausend Jahre speichern.

Doch die Humus-Schicht wird von der industriellen Landwirtschaft systematisch zerstört – mit fatalen Folgen für die Umwelt. Durch Humusverlust und Bodenerosion, die Zerstörung von Grünflächen, Mooren und anderen Feuchtgebieten durch die Entwässerung und die Verwandlung in Ackerland, sowie durch den hohen Einsatz von mineralischem Stickstoffdünger entstehen zusammen mit der Bodenkalkung rund Dreiviertel der von der Landwirtschaft verursachten klimaschädlichen Emissionen.

Umweltkiller Tierprodukte

In Deutschland werden auf 10,4 Millionen Hektar, das sind 62 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche, Futtermittel für die Tierproduktion erzeugt. Und dabei wird eine enorme Menge an Energie verbraucht: Für die Erzeugung tierischer Nahrungsmittel wie Fleisch, Eier, Milch oder Käse wird je nach Produktionsverfahren und Tierart drei- bis zwanzigmal soviel Energie eingesetzt wie bei vergleichbaren pflanzlichen Nahrungsmitteln.

Zudem erfordern tierische Produkte riesige Landflächen – und verhindern damit eine Umstellung auf ökologischen Landbau. Der ist vielfach dem Vorwurf ausgesetzt, aufgrund geringerer Erträge relativ viel Fläche zu verbrauchen und deshalb kein Modell für die gesamte Landwirtschaft darzustellen. Bei einer Gesamtumstellung der deutschen Landwirtschaft auf ökologischen Landbau würden rechnerisch rund 70 Prozent mehr Fläche benötigt werden.

Bioland hat nun vorgerechnet, wie die Umstellung doch gelingen könnte. Zentraler Punkt dabei: Der Fleischverbrauch muss um 25 Prozent verringert werden. Dies würde zwei Millionen Hektar landwirtschaftliche Fläche freistellen – und käme auch den Menschen zugute. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt übrigens schon seit langem aus Gesundheitsgründen eine Reduktion des Fleischkonsums um sogar 50 Prozent. Und im Jahr 2008 hat auch das Bundeslandwirtschaftsministerium darauf hingewiesen: „Die Handlungsempfehlungen für eine klimafreundliche Ernährungsweise entsprechen vollständig den Empfehlungen für eine gesunde Ernährung.“

Teller vor Tank

Bioland kritisiert außerdem die zunehmende Nutzung von Ackerflächen zum Anbau von Energiepflanzen. Dies ergäbe ökologisch keinen Sinn. Zudem müsse der Teller immer Vorrang vor dem Tank haben. Würde der Anbau von Energiepflanzen aufgegeben, würden etwa 1,7 Millionen Hektar Land frei.

Weniger wegwerfen

Enorme Mengen an Flächen könnten außerdem frei werden, wenn nicht so viele Lebensmittel im Müll landen würden. In der Lebensmittelkette entstehen von der Produktion bis zum Haushalt sehr große Nahrungsmittelverluste, und selbst wenn man die unvermeidbaren Verluste abzieht, bieten sich hier immer noch enorme Einsparpotenziale.

In Deutschland und der Schweiz werden etwa 25 % aller Lebensmittel weggeworfen. Doch einmal angenommen, entlang der Lebensmittelkette würden nur 20 % der gesamten Lebensmittelproduktion weggeworfen, dann könnten bei Halbierung der Wegwerfverluste in Deutschland 1,7 Mio. ha Fläche, das entspricht 10 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche Deutschlands, für den Biolandbau mobilisiert werden.

 

Mehr Infos bei Bioland.de

 

Mehr Artikel zum Thema auf Sein.de:

Wo bitte bleibt die Konsequenz ?

Ein Landwirtschaftsmodell zur Versorgung der Welt

Bremen führt vegetarischen Wochentag ein

Fleisch verbieten?

Bio-Holzkohle: Indianer liefern Idee für umweltfreundlichen Dünger

 

 

 

 

Hinterlasse einen öffentlichen Kommentar

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

*