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Vorschläge für ein paar praktische Schritte

Fast alle Menschen wissen um die globalen und lokalen Missstände, Ungerechtigkeiten und Krisen. Immer mehr von ihnen hinterfragen ihren eigenen Lebensstil, das politische Geschehen und die Weise unseres Zusammenlebens: Was ist meine Wahrheit? Wie möchte ich leben? Was sind meine Werte? Wo sind meine Grenzen?

Dieses neue Bewusstsein bringt alles ins Wanken, rüttelt an den Pfeilern unseres unhinterfragten Trotts. Aber wie weit sind wir bereit zu gehen? Wie sehr integrieren wir unser Bewusstsein auch in unseren Alltag? Viele scheinen derzeit in zwei Realitäten zu leben – das, woran sie glauben und das, was sie praktisch tun. Zu sehr sind wir anscheinend noch in der Opfer-Mentalität, der Trägheit und Apathie gefangen. Selbst kleinste Schritte, wie etwa den Stromanbieter zu wechseln, scheitern wiederholt an der „Ich muss bald echt Mal …“-Grenze. Wo bitte bleibt die Konsequenz, wo die Selbstachtung und Integrität?

Vorsicht: Greenwashing

Und man muss aufpassen, darf nicht zu früh stehen bleiben: Auch die Industrie hat den neuen „Trend“ erkannt und sofort für sich instrumentalisiert. Alles ist plötzlich gesund, grün und sozial – zumindest auf der Verpackung, denn nach der Werbeunterbrechung läuft alles weiter wie gehabt. Das Etikett ändert sich, die Mentalität bleibt gleich. Das grundsätzliche System wird nicht hinterfragt. Greenwashing nennt sich das. Und nicht nur Firmen betreiben es. Auch so mancher Konsument beruhigt sein erwachendes Gewissen mit kleinen Handlungen ohne jeden Effekt – und ohne Konsequenz in der Lebensführung insgesamt.

Die Sinn- und Systemfrage

Ein subtileres Problem ist die Frage, ob es überhaupt noch Sinn macht, für eine Änderung innerhalb des bestehenden Systems zu kämpfen, wenn doch das System insgesamt falsch ist. Ein fairer und grüner Kapitalismus bringt uns vielleicht auch nicht weiter. Wozu also das eigene Verhalten überhaupt noch ändern? Wozu eine fair-trade-Jeans kaufen? Ist das nicht genau der Punkt, wo wir hereinfallen auf das Greenwashing? Wo wir anfangen den Betrug zu glauben, wir könnten einfach so weitermachen wie bisher? Grüner Konsum ist immer noch Konsum.

Eine solche Einstellung ist nicht ganz falsch, aber auch nicht ganz richtig. Die einzig konsequente Handlung aus dieser Argumentation wäre eigentlich der Totalausstieg mit kompletter Selbstversorgung. Diesen Schritt werden aber wohl die wenigsten gehen.

Was also tun? Ich denke, wir sollten trotz allem den Mut zu kleinen Schritten haben – und dabei die großen Visionen im Auge behalten. Letztlich geht es auf einer tieferen Ebene vor allem um Integrität und Konsequenz, darum, zu der eigenen Wahrheit zu stehen, so gut wir können. Es geht darum uns nicht länger als Opfer der Umstände zu sehen, sondern als Mitgestalter. Jede Sekunde unseres Lebens birgt eine Entscheidung. Die Frage ist, welche wir treffen.

Für viele Menschen ist der Schritt von der Opfer-Mentalität in die Verantwortung ein langsamer Prozess. Ein Prozess in dem sich der Horizont schrittweise erweitert und immer größere Entscheidungs- und Gestaltungsmöglichkeiten in den Blick geraten. Es geht darum, Konsequenz und Verantwortung in alle Lebensbereiche zu bringen. Wenn wir das alle tun, Millionen von uns, dann wird uns das sich auch helfen, den nächsten Schritt zu tun.

Kleine Schritte in die eigene Kraft

Hier sind ein paar Vorschläge, wie die Reise in die Verantwortlichkeit begonnen werden kann. (Inspiriert von „The Betterness Manifesto“).

 

Essen

Über normale Supermärkte brauchen wir gar nicht sprechen, aber auch der Bioladen ist erst der Anfang. Noch besser wäre eine anteilige Selbstversorgung, wären Community-Gärten und Familienfarmen. Tu dich mit Menschen zusammen, samlle Obst, Beere, Kräuter, leg einen Garten an oder „kauf“ dir einen privaten Biobauern. Nirgendwo ist es so einfach, das System direkt zu verändern.

Links:

http://urbanacker.net/

http://www.land-und-leute.com  (Versogungsgemeinschaft Löwengarten)

 

Geld & Energie

Investiere dein Geld in Projekte, die dem Ganzen dienen, nicht nur dem Profit. Wenn du kein Geld übrig hast, dann leg das bisschen, was du hast zumindest auf eine Bank, die ausschließlich in gute Projekte investiert. Es ist ein Mysterium, dass immer noch so viele Menschen ihr Geld bei den großen Banken liegen haben. Ein Kontowechsel kostet nichts. Das gleiche gilt für den Strom: Einfach wechseln.

 

Links:

Wechseln, JETZT!

 

Arbeit

Hör auf, dein Talent an Organisationen zu verschwenden, die es nicht achten oder gar missbrauchen. Wenn deine Arbeit sinnlos ist, hör auf damit. Die Welt wird sich nicht ändern, wenn wir alle sechs Stunden täglich für das alte System arbeiten. Finde eine Firma, hinter der du mit dem Herzen stehen kannst – oder noch besser: gründe selbst eine. Das ist nicht einfach. Aber jene Firmen, die dem Gemeinwohl entgegenarbeiten, jene an die so viele von uns noch immer ihr Talent verschenken, werden in den nächsten zehn Jahren ohnehin aussterben. Verschenke deine Lebenszeit nicht, sie ist das Kostbarste, was du hast. Es ist Zeit, das sinkende Schiff zu verlassen und etwas Sinnvolles zu tun.

Wesentlichkeit

Hör auf blind zu konsumieren. Gib dein Geld und deine Energie nicht wahllos weg. Sei wesentlich. Was brauchst du wirklich? Was kannst du selbst machen? Wo gibt es eine bessere Alternative, mit mehr Sinn, Herz und Bedeutung? Befrei dich von Massenware und Trends. Vereinfache dein Denken und dein Leben. Trenn dich von allem, das dir nicht dient.

Lebensumfeld

Wenn deine Umgebung dich nicht inspiriert, ändere sie oder zieh weg. Such nach freier Gemeinschaft, such nach leidenschaftlichen, kreativen und inspirierenden Menschen. So viele von uns werden entmutigt und demoralisiert durch Anonymität, soziale Kälte und das Gefühl des Alleinseins. Du lebst mit anderen Menschen, versuch sie zu treffen, mach Projekte mit ihnen. Gestalte dein Haus, deine Straße, verbünde dich mit anderen. Wo du lebst, ist dein Zuhause – wenn es deine Zeit und kreative Energie nicht wert ist: Zieh weg, du bist falsch da. Städte sollten vibrieren vor Liebe, Gemeinschaft, Freude, Begegnung, Kreativität und Farbenfreude. Es ist unser Job, dafür zu sorgen, dass dies auch geschieht. 


Links:

City Repair: Städte wieder zu Lebensräumen machen

Zeit

Jenseits der Arbeit: Hat dein Leben ein Ziel, das dem höchsten Wohl aller dient? Konsumierst du nur, was andere bereitstellen oder kreierst du auch selbst etwas? Unterstütze, was du für richtig hältst. Schaffe das, was dir am meisten fehlt. Lerne, unterrichte, teile. Verbreite Wissen, Freude, Bewusstsein. Hilf jenen, die Hilfe nötig haben. Hab ein Projekt, auf das du stolz bist. Bring Sinn in die Welt.

 

 

 

 

3 Responses

  1. Beobachter des Lichts

    Sehr guter Beitrag! Vielen Dank!!!

    Sehr gut deshalb, weil er einerseits die Irrationalität des Konsumsystems (alle Produkte menschlicher Arbeit sind Waren) erkennt – und damit auch die Unmöglichkeit innerhalb der Logik ausbrechen zu können nicht leugnet, sondern stattdessen vielmehr auch die „großen Visionen“ für die Zeit nach der Marktwirtschaft, im Auge behält (Wirtschaft ohne Ökonomie, alle Produkte sind Bedarfsgüter, aber keine Waren mehr, die verkauft werden müssen, damit alles funktioniert).

    Gegen diese Visionen spricht sachlich rein gar nichts. Alles, was wir dazu bräuchten ist da. Und die moderne Wertetheorie (vgl. www.exit-online.org) bietet auch schon die grundlegenden Prinzipen dazu.

    Daumen hoch und mehr davon!!! Befreien wir uns von falschen Vorstellungen und Illusionen, dann beginnt die Freiheit. Die vollständige Freiheit liegt jenseits der Marktwirtschaft!!!

    Antworten
  2. Jo

    Poetik-SINN-Festival

    Ja, heute ist ein guter Tag zum Welten-neu-Erdichten,
    ein jeder Geist will sich in Versen frisch betrinken
    und jede Silbe freudig auf gefurchten Boden sinken
    und alle Seelen fortan nur noch lyrisch sich gewichten.

    Die alte Welt ist ja wohl gar nicht mehr zu retten!
    Drum, Freunde, lasst sie ruhig in ihren Trümmern liegen,
    und spart euch auf die neuen singenden Sonetten
    und übt euch frisch gestärkt im Herzenstakt zu wiegen.

    In alten Bleiben kriechen ausgediente Wörter-Wanzen,
    auf Schotterstraßen – Sprache wie beim Mummenschanz.
    Und wie Schrapnells – gar mittendrin die Dichter-Stanzen -,
    und Häuserfluchten leuchten wie in neuem Glanz.

    Da sind ein Wörterklingen und ein Jubilieren,
    selbst alle alten Meister sind der Lyrik-Gruft entstiegen,
    und heut’ger Zeitgeschmack kriecht wie auf allen Vieren,
    derweil sich Elegie und Hymne in den Armen liegen.

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  3. YvA

    David. Es ist eine reine Freude, dein Licht so wundersam immer mehr leuchten zu sehen und deine zunehmende klare Präsenz zu fühlen. Du bist ein Mutmacher für die Mutmacher 😉 Yes. Danke! Lez rock.

    Bringen wir den Sinn ins Sein.
    Einzeln (Ein_ZELL_n) wie um so mehr auch kollekt_iv.
    Zeitenwende.
    Jetzt.

    YvA

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