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1. Kooperation

„Kooperation“ ist ein neues Schlüsselwort im modernen Verständnis der Welt. Die aktuelle Natur- und Sozialwissenschaft – ob Ökologie, Biologie, Physik, Kosmologie, Systemtheorie, Pädagogik, Soziologie oder Ökonomie – kommt ohne den Begriff „Kooperation“ nicht mehr aus. Das Wissenschaft der Gegenwart sieht sich einer neuen Sichtweise verpflichtet: der interdisziplinären, interkulturellen und systemischen Betrachtung der Welt als einer organischen Ganzheit.

Während das alte, vom Darwinismus und Rationalismus geprägte Weltbild die Konkurrenz zwischen den Teilen eines Ganzen in den Mittelpunkt ihrer Untersuchungen stellte, stehen wir zu Beginn des 21. Jahrhunderts an einem Wendepunkt: In den Mittelpunkt der Forschung gerät mehr und mehr das Zusammenspiel der Teile im Ganzen, die Beziehungsstrukturen, Gesetze, Mechanismen der Kooperation, die das Leben auf dem Planeten Erde im Gleichgewicht halten.

  • Biologen entdecken Kooperationen und Symbiosen bei Bakterien, Pflanzen, Bäumen, zwischen Tieren unterschiedlicher Gattungen, bei Menschen, in biologischen und sozialen Systemen.
  • Die physikalische Grundlagenforschung erkennt, daß wir die Struktur der Wirklichkeit nur dann richtig erkennen können, wenn wir das Umfeld des untersuchten Gegenstandes miteinbeziehen.
  • Die mathematische Spielforschung entdeckt, daß die Natur kooperative Lösungen überall bevorzugt.
  • Die moderne Erforschung der lebenden sozialen und biologischen Systeme entdeckt Kreisläufe, gegenseitige Abhängigkeit, Rückkopplungen, Selbstregulation, Vielfalt und Flexibilität als Grundregeln der Kooperation.
  • Pädagogik und Kreativitätsforschung erkennt die Bedeutung von Teamarbeit und fächerübergreifender Zusammenarbeit.
  • Politkwissenschaften widmen sich den Möglichkeiten internationaler zusammenarbeit. Gesellschaftswissenschaftler halten die Zusammenarbeit und Kooperation zwischen Mensch und Natur, zwischen Gesellschaftssystemen, zwischen Staaten, zwischen Schichten, sozialen Gruppen und Individuen immer mehr für eine Grundbedingung unseres Überlebens.
  • Und auch die globalisierte Wirtschaft experimentiert seit Jahren mit neuen Mischformen aus Kooperation und Konkurrenz, um den Herausforderungen der Gegenwart gewachsen zu sein.

Überall zeigt sich, daß Konkurrenz nur im Rahmen einer größeren Kooperation existiert und sinnvoll ist. Kooperation ist das übergeordnete Prinzip des Lebens und der Evolution. Sie ist damit auch die Basis aller kulturellen Evolution.

Obwohl der Begriff der Kooperation fast allgegenwärtig ist, haben die neuen Erkenntnisse der modernen Wissenschaft in unserer Kultur noch keine Wurzeln geschlagen. Denn der Mythos der modernen Zivilisation widerspricht dem ganzheitlichen kooperativen Denken: Er betont immer noch das Primat der „Konkurrenz“ als obersten Wert unserer Wahrnehmung, unseres Welt- und Menschenbildes.

 

2. Evolution

Rund hundert Jahre nach seiner Einführung durch Charles Darwin erlebt der Begriff „Evolution“ heute eine Renaissance. Er bezieht sich aber längst nicht mehr nur auf die Wissenschaft der Biologie, sondern auch auf die Bereiche der Kosmologie, der Physik, der Chemie, der Anthropologie, der Soziologie, der Kulturwissenschaften, der Psychologie, der Ökologie und der Religionswissenschaften. In der Vielfalt der unterschiedlichen Fachbereiche wird der Begriff jedoch mit unterschiedlichen, zum Teil gegensätzlichen Inhalten belegt, die ein umfassendes Gesamtbild des Evolutionsprozesses schwer machen.

Ziel des Forschungsprojektes „Kooperation mit der Evolution“ ist es, den Evolutionsbegriff von seinem einseitigen darwinistischen Verständnis als Paradigma der Konkurrenz und des Überlebenskampfes zu befreien, ihn unter systemischen und ganzheitlichen Gesichtspunkten neu zu definieren und in einen umfassenden Zusammenhang zu stellen.

Damit verändert sich auch die Stellung des Menschen in der Evolution: Er ist nicht länger ein ‚Irrtum der Evolution‘, sondern aktiver Gestalter eines Prozesses, dessen jüngstes Mitglied er ist.

Evolution wird im herkömmlichen Verständnis meist gleichgesetzt mit der Entstehung der Arten. An der Spitze dieser Jahrmillionen umfassenden Entwicklungspyramide steht der Mensch, als sei er das höchste Endprodukt einer langen Kette zufälliger Mutationen, die sich in einem selektiven Prozeß gegen unterlegene Mutationen durchgesetzt haben. Als Grundmuster dient der Kampf der Arten gegeneinander, die in einem räumlich beschränkten Lebensraum mit begrenzten Nahrungsressourcen um das Überleben ihrer Gattung konkurrieren müssen, wobei in der Regel „der Stärkste gewinnt“.

Diese Weltssicht basiert ursprünglich auf religiösen Überzeugungen und mythologischen Mustern, die den Mensch über die Natur, Männer über Frauen und Zivilisationen über traditionelle Kulturen stellte. Seit dem Frühkapitalismus wurde dieses Weltbild zum gesellschaftlichen Programm. Im 20. Jahrhundert wurde es nicht nur benutzt, um die Entstehung der Arten zu erklären, sondern auch um soziale Ungleichheit zu legitimieren, Apartheid, Krieg, Rassenwahn und Völkermorde zu legitimieren.

Gleichzeitig beinhaltete der Evolutionsbegriff immer auch eine Weltsicht, die das Leben auf der Erde als einen Prozeß verstand, der sich von einfachen zu komplexen Formen weiterentwickelte. Dieser Prozeß der Differenzierung, Verschönerung, kreativen Erneuerung und wachsenden Intelligenz und Bewußtheit, der dem darwinistischen Krieg der Arten eigentlich widerspricht, führte zum Beispiel dazu, daß in der Politik- und Geschichtswissenschaft die Metapher „Evolution“ im Gegensatz zur „Revolution“ für die friedliche, sich selbst organisierende Veränderung von Systemen steht.

Das moderne Verständnis von sozialen, ökologischen und lebenden biologischen Systemen macht inzwischen deutlich, daß das primäre Grundmuster der Evolution ein kooperatives Zusammenspiel aller Faktoren und Mitglieder des jeweiligen Systems miteinander ist. Konkurrenz findet zwar statt, steht aber immer im Kontext einer übergeordneten Kooperation, mit der sich die Systeme als Ganzes erhalten. Wir wissen heute, daß wir in einem evolutionären Universum leben, das sich ständig weiter ausdehnt und entwickelt. In diesem großen Rahmen gibt es eine physikalische, chemische, organische und biologische Evolution. Zudem gibt es bei intelligenten Organismen eine kulturelle Evolution, sowie einen evolutionären Prozeß ihrer Sozial- und Gesellschaftssysteme.

Wir sind außerdem davon überzeugt, daß der Evolutionsprozeß mit der Entwicklung des menschlichen Bewußtseins weitergeht und sich zu einem ganzheitlichen, integralen, kosmischen Bewußtsein weiterentwickelt. Damit wird der Evolutionsbegriff der Gegenwart zu einem Wort, das den gesamten Entwicklungsprozeß, mitsamt all seinen kreativen Impulsen zu mehr Schönheit, Intelligenz, Bewußtheit, Vernetzung, Differenzierung und Stabilität beschreibt.

Evolution ist ein kooperativer, kreativer und intelligenter Prozeß der Weiter- und Höherentwicklung, der aus sich selbst entsteht, sich selbst organisiert und wie ein grundlegender Impuls das gesamte Universum durchzieht.

 

3. Kooperation mit der Evolution

Kooperation mit der Evolution ist die Fähigkeit, die eigene Kreativität mit der viel größeren universellen Kreativität zu verbinden. Denn Kreativität ist die Quelle und der schöpferische Impuls des Lebens. Menschliche Kreativität und menschliches Handeln bekommen eine neue Qualität, wenn sie als Teil eines schöpferischen Gesamtprozesses innerhalb der Evolution angesehen werden. Im Gegensatz dazu basiert die moderne Welt auf dem Grundwert der Konkurrenz.

Das schlägt sich in globalem wirtschaftlichem Wettbewerb nieder, in sozialen, kulturellen und zwischenmenschlichen Konflikten und in dem Sieg der Stärkeren über die Schwachen. Statt die Welt als vernetzten Organismus wahrzunehmen, wird sie als Maschine verstanden, deren Teile sich beliebig trennen, benutzen und manipulieren lassen. Der Mensch versteht sich nicht als Teil eines kreativen Ganzen, sondern immer mehr als hilfloses Opfer der Systeme, die er sich selbst geschaffen hat. Sein persönlicher Kontakt zur fließenden Kreativität, die die gesamte Schöpfung durchzieht, ist unterbrochen.

Die meisten Menschen sind nicht in Kontakt mit ihrem kreativen Potential und nutzen ihre Fähigkeiten im wesentlichen dazu, um im wirtschaftlichen Wettbewerb zu überleben und persönliche Vorteile zu erzielen. Dies führt nicht nur zu einem verbreiteten Sinnverlust, sondern auch zunehmend zu ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Problemen, die das Überleben der Menschheit in Frage stellen. Das neue Verständnis des Evolutionsbegriffs macht grundlegende Veränderungen im Weltbild der Gegenwart, im Selbstbild des Menschen und in der Art nötig, wie Menschen ihr Zusammenleben und ihren Austausch mit der Natur organisieren. Um das Leben entsprechend eines „Kooperativen Weltbildes“ zu organisieren, muß der Mensch beginnen, mit der Evolution zu kooperieren.

Dies bedeutet zunächst, die kooperativen Strukturen wahrzunehmen und zu verstehen, sowie die eigene Kreativität und Intelligenz als Teil einer evolutionären Kreativität und Intelligenz zu begreifen. Um das schöpferische Potential, das in jedem Menschen ruht, im Sinne der Evolution des Lebens zu entfalten, braucht der Mensch eine Ethik, die das neue Weltbild zur Grundlage hat und die sein kreatives Handeln, seine Erfindungen und Problemlösungen prägt. Die Gestaltung einer verantwortungsbewußt handelnden Zivilisation und Kultur ist nur möglich, wenn wir die Welt als kooperativen Prozeß verstehen, danach unser Handeln ausrichten und alle Entscheidungen aus einer evolutionsorientierten Ethik herausfällen.

 

Info

Das Forschungsprojekt „Kooperation mit der Evolution“ beruht auf der praktischen Erfahrung, daß diese Kooperation möglich ist. Das Projekt entstand auf Initiative des Erfinders und Unternehmers Dr. Ing. Hans Sauer, der in seinem Leben (1923 – 1996) diesen schöpferischen Ansatz erforschte und erfolgreich praktizierte.

Hans Sauer handelte aus der Überzeugung, daß seine persönliche Kreativität als Erfinder und Entwickler Teil eines umfassenden Flusses von Kreativität ist, deren Impuls unter bestimmten Umständen erfahrbar, nutz- und umsetzbar ist. Er fand für sich heraus, daß diese ganz persönliche „Kooperation mit der Evolution“ am ehesten dann funktioniert, wenn er sich vom Einfluß kreativitätshemmender Mythen, Weltbilder und Ideologien befreit, die Welt als kooperatives Netzwerk begreift, interdisziplinär denkt, aus einer mitfühlenden und ganzheitlichen Ethik heraus handelt, sowie seine Wahrnehmung kooperativer Prozesse erhöht. Je mehr er auf diese Weise mit allen Facetten des zu lösenden Problems eins wurde und sich identifizierte, umso kreativer und erfolgreicher waren die Lösungen, die er fand.

Diese Ansätze wurden im Forschungsprojekt „Kooperation mit der Evolution“, nicht nur von anderen Erfindern, sondern auch von der Elite ganzheitlicher Wissenschaftler aus aller Welt im Wesentlichen bestätigt.

Autoren z.B.: Fritjof Capra Prof. Dr., Joanna Macy Prof. Dr., Rupert Sheldrake Dr., Geseko v. Lüpke Dr., Hans-Peter Dürr Prof. Dr.

 

http://www.kooperation-evolution.de

 

Artikel zum Thema auf Sein.de

Das evolutionäre Manifest

 

Bilder

Fungus: MidgleyDJ / Wikimedia
Hühner-Embryo: Dp / Wikimedia
Ornament: Claudio Rocchini / Wikimedia

 

Buch

 

Kooperation mit der Evolution

von Monika Sauer-Sachtleben, Geseko von Lüpke

Gebundene Ausgabe: 534 Seiten
Verlag: Diederichs (1999)

ISBN-10: 3424014737
ISBN-13: 978-3424014730

 

 

 

2 Responses

  1. Stefan Wehmeier

    „Kooperation statt Konkurrenz“, sagte der Führer im Politbüro und meinte: „Ihr sollt alle darin kooperieren, mich als euren Herrn und Meister anzuerkennen, und kommt niemals auf die Idee, mit mir konkurrieren zu wollen!“

    Der Markt (marktwirtschaftlicher Wettbewerb) wirkt nie ausbeuterisch, sondern ganz im Gegenteil immer ausgleichend. Ausbeutung entsteht aufgrund der Einschränkung des Wettbewerbs durch den Privatkapitalismus (Zinsumverteilung von der Arbeit zum Besitz, aufgrund einer fehlerhaften Geld- und Bodenordnung) und in verstärktem Maß durch die Abschaffung des Wettbewerbs in einer sozialistischen Planwirtschaft (Staatskapitalismus).

    Der eigentliche Beginn der menschlichen Zivilisation, die freie Marktwirtschaft ohne Privatkapitalismus (echte Soziale Marktwirtschaft), wie sie schon Ludwig Erhard anstrebte aber aufgrund allgemeiner religiöser Verblendung noch nicht umsetzen konnte,…

    Wohlstand für alle

    …setzt den Erkenntnisprozess der „Auferstehung aus dem geistigen Tod der Religion“ voraus und führt zur Entwicklung des Menschen zum „Übermenschen“ (nach Nietzsche):

    Von den drei Verwandlungen

    Antworten
  2. Christiane Grupp

    Danke für diese klaren Worte und die intensiven Recherchen!
    Die nächste Frage ist natürlich: Wie kommen wir in punkto Kooperation weiter – einmal was die Natur betrifft, zum anderen aber auch in der Beziehung auf andere Menschen: In Familie, Wirtschaft, Politik?
    Hier gibt es ein weiterführendes Buch
    „Schluss mit schlagfertig – Partner gewinnen statt Kämpfe“, das mit den so genannten Drei Co-Operatoren ein Werkzeug zur Verfügung stellt, mit dem auf einfache Weise ein Konsens hergestellt werden kann. Damit kann man auch unkooperative Situationen auflösen und andere ins Boot holen.
    Sehr zu empfehlen für Personen, die nicht nur über Kooperation reden wollen, sondern sie auch im Leben realisieren wollen.
    Erschienen ist das Buch 2010 im Booksun-Verlag

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