Müssen, sollen, dürfen: Die meisten Menschen haben sich in ihrer Kindheit verdreht und verbogen, um Anerkennung, Liebe oder wenigstens ein bisschen Aufmerksamkeit zu erhalten, indem sie den Erwartungen ihrer Bezugspersonen möglichst gut entsprechen. Und haben dieses Verhalten leider beibehalten. Was nicht gerade zu einem leichten, freudvollen und erfüllten Leben führt. Jayen Manzoni hilft seinen Klienten mit seiner Arbeit „Learning Love“, die alten Verwicklungen aufzudröseln und die ungesunden Zwänge hinter sich zu lassen.

Bereits als Kinder und später in der Schule sind wir mit allen möglichen Formen von Erwartungen konfrontiert – du musst dies oder jenes tun, du solltest ein guter Doktor oder Ingenieur werden, du solltest gut und großzügig sein, du solltest stärker und konkurrenzfähiger sein, du darfst gegenüber deinen Eltern kein Nein äußern – all dies kommt von den Erwachsenen um uns herum. Meistens erhalten wir keine Hilfe, herauszufinden, was in Einklang mit unserer eigenen Natur steht. Der Punkt ist, dass sich das Kind überhaupt nicht vorstellen kann, dass die Erwachsenen falsch liegen könnten.

Wenn das Kind es nicht schafft, so viele Erwartungen zu erfüllen, fängt es an zu glauben: „Mit mir stimmt etwas nicht, ich genüge nicht, ich bin schlecht, ich bin ein Verlierer.“ Diese verinnerlichte Konditionierung können wir, wenn sie nicht richtig aufgearbeitet ist, unser ganzes Leben lang mit uns herumtragen. Dies ist der Beginn des Glaubens an die Wertlosigkeit unserer eigenen Natur und des Versuchs, gegen diese eigene Natur anzugehen und uns entsprechend den äußeren Vorgaben zu verändern – und damit natürlich zu scheitern.

Das Prinzip der Learning-Love-Arbeit ist es, Menschen dabei zu unterstützen, sich wieder mit dem Vertrauen zu sich selbst zu verbinden und auch zu lernen, tiefe, intime Beziehungen zu erlauben und zu erhalten. Durch diese Arbeit können wir lernen, uns zu akzeptieren, wie wir sind – auch mit unseren Ängsten und Unsicherheiten – anstatt zu glauben, dass etwas falsch an uns ist. Das ist letztlich die Basis, tiefe Liebe und Intimität mit uns selbst und anderen zuzulassen.

Aufwecken der Lebensenergie

Durch geführte Meditationen und spezifische Übungen, die direkte Erfahrung von Zuständen der Verletztheit und durch das Aufwecken der Lebensenergie in einer liebevollen entspannten Atmosphäre ohne Druck oder Konfrontation können wir

·· lernen zu erkennen, wann unsere Wunden aktiviert werden,
·· lernen, die Angst und den Schmerz zu fühlen, die diese Erfahrung der Schmerzaktivierung mit sich bringt (anstatt uns zu verschließen),
·· uns wieder mit unserer Lebensenergie verbinden,
·· unsere verborgenen Schätze entdecken,
·· uns Werkzeuge aneignen, mit deren Hilfe wir bewusster in Beziehung sein und kommunizieren können.

Ein ganz wichtiger Punkt in der Learning- Love-Arbeit ist es, einen reiferen Bewusstseinszustand zu entwickeln. Wir alle haben Sehnsucht nach einer tiefen, intimen Beziehung, aber wir brauchen auch die Freiheit, unsere Energie und unsere Kreativität auszudrücken. In einer Beziehung ist es oft schwierig, diese beiden Seiten unseres Lebens, Sehnsucht nach Nähe und das Bedürfnis, „mein eigenes Ding zu machen“ zusammenzubringen. In nahen Beziehungen kommen dann die unerfüllten Bedürfnisse aus der Kindheit sehr schnell ans Licht. Zum Beispiel: A hat ein Bedürfnis nach Nähe und B hat ein Bedürfnis nach Raum für sich. Dann braucht es viel Bewusstheit in der Kommunikation, sonst fühlt A sich zurückgewiesen – mit allen Auswirkungen, die die Wunde der Verlassenheit und Zurückweisung in ihm vielleicht bewirkt – und B fühlt sich eingeschränkt in seiner Freiheit. Und schon ist auch seine Wunde aktiviert, vielleicht geht es um Kindheitsthemen von Übergriffigkeit und Manipulation. Um die Wunden nicht zu fühlen, die unweigerlich ausgelöst werden, wenn wir tiefer in Beziehungen einsteigen, machen wir Kompromisse, und langsam verliert die Beziehung an Energie…

Der einzige Ausweg liegt darin, bewusster in unseren Beziehungen zu werden. Die Learning-Love-Arbeit gibt uns die Möglichkeit, diese komplexen Zusammenhänge in unserer eigenen Psyche und in Beziehungen besser zu verstehen, und bietet Werkzeuge, unser Wachstum in Richtung Freiheit und Wohlgefühl zu unterstützen. In den Seminaren bekommt jeder Teilnehmer genau die Unterstützung, mit der er herausfinden kann, was genau seine Hausaufgaben in seinem Befreiungsprozess sind. Wenn jemand zum Beispiel immer in einer bestimmten Situation – egal ob mit seinem Partner, einem nahen Freund oder Kollegen – die gleichen unangenehmen Gefühle erfährt, wird die Arbeit darin bestehen, nach innen zu gehen, um zu erkennen, dass er in einem Zustand von alten aktivierten Gefühlen ist. Es gilt dabei herauszufinden und zu spüren, was währenddessen in seinen Gefühlen und Gedanken passiert, welche Körpersymptome ausgelöst werden, was seine Erwartungen sind und – indem er tiefer geht – zu erforschen, welche Wunde sich dahinter verbirgt.

Damit beginnt die innere Arbeit. Der nächste Schritt besteht darin, sich der Person, die diese Gefühle ausgelöst hat, ehrlich mitzuteilen – mit allem, was er in sich und über sich herausgefunden hat.

Erwartungen zu sich zurücknehmen

Meine persönliche Motivation, mich auf die Learning-Love-Arbeit einzulassen, waren Schwierigkeiten in meiner langjährigen Beziehung. Als ich in meinem ersten Seminar diese Schwierigkeiten schilderte, lud mich der Therapeut liebevoll ein, zu beginnen, meine Emotionen und meine Erwartungen zu mir zurückzunehmen anstatt sie auf meine Partnerin zu projizieren. Kein Zweifel, dass ich viel Liebe für sie empfand, aber ich hatte mir keine Gedanken darüber gemacht, wie viel sie davon überhaupt nehmen konnte. Meinen Enthusiasmus empfand sie oft als Druck oder sogar als übergriffig. Das hatte natürlich nicht nur mit mir zu tun, sondern auch mit ihrem momentanen Zustand und ihren eigenen Wunden. Aber es war erst einmal mein Job, bei mir zu schauen, was mein Anteil an den Problemen war, und nicht sie verantwortlich zu machen. Wir alle bringen unsere Verletzungen aus der Kindheit in unsere Beziehungen mit ein. Oft ziehen sich dabei unterschiedliche Verletzungsmuster an, um dann miteinander zu kollidieren.

Zu akzeptieren, dass ich mir selbst ein „Stop“ gebe, bedeutete für mich, meinen Wunden zu begegnen: meinem Mich-zurückgewiesen- Fühlen, meinen Verlassenheitsgefühlen, diesem Etwas-ist-falschan- mir-Gefühl oder meiner Wut, nicht gesehen und verstanden zu werden. Für eine lange Zeit blieben wir auf Distanz, zumindest als Liebespaar, und so hatte ich Zeit und Raum, mir meine eigenen Wunden anzuschauen. Am Anfang war es sehr schwierig, aber langsam begann sich etwas in mir zu entspannen. Ich achtete mehr darauf, mich selbst zu fühlen, und hatte nicht mehr so sehr das Verlangen, meiner Partnerin sofort zu begegnen. Ich wurde wirklich zu einem neuen Menschen. Es war in gewissem Sinn ein tiefes Runterkommen und Langsamer-Werden. Das alles hat vor einigen Jahren stattgefunden. Heute ist es für uns einfacher geworden, unsere Frustration – mit all den zusammenhängenden Gefühlen – zu halten, wenn wir nicht das bekommen, was wir uns wünschen. Indem wir uns ehrlich austauschen über das, was wirklich los ist, kann eine neue Verbindung vom Herzen her entstehen.

Bedürfnisse und Grenzen

Jeder Learning-Love-Workshop hat ein spezielles Thema, das wir erforschen. Zum Beispiel hatten wir im Programm für den letzten Frühling einen Workshop mit dem Thema Bedürfnisse und Grenzen. Viele Menschen haben Schwierigkeiten zu erkennen, was ihre Bedürfnisse sind. Das hat viele Ursachen, beispielsweise innere Stimmen aus der Vergangenheit, die aus einer rigiden Konditionierung kommen. Sie sagen: Es ist nicht erlaubt, so viel zu verlangen, wir sollten bescheiden sein, wir sollen geben, nicht fordern. Oder sie engen uns mit der Überzeugung ein, es sei egoistisch, Bedürfnisse zu haben, wir sollten stattdessen altruistisch sein und uns in den Dienst der anderen stellen. Oft passiert es dann auch, dass wir Ja sagen, wenn wir eigentlich Nein sagen wollen, oder wir bemerken, dass wir uns leicht manipulieren lassen. Manche Menschen tendieren dazu, sich zu isolieren, um Konflikte zu vermeiden, andere sind zu sehr bereit, anderen zu helfen, oder laden sich zu viele Aufgaben auf die Schultern. Das Problem besteht hier in der Schwierigkeit, Grenzen zu setzen. Aufgrund traumatischer Erfahrungen oder Konditionierungen in frühster Kindheit haben wir meist die Verbindung zu unserer eigenen Kraft verloren, die wir aber brauchen, um stimmige Grenzen zu setzen. Bedürfnisse zu verstehen und sie in der richtigen Art zu kommunizieren, kann eine Tür sein zu einer tieferen Ebene unserer selbst. Durch die Arbeit mit unseren Bedürfnissen werden wir uns nämlich mehr unserer selbst bewusst. Wir lernen, gesunde Grenzen zu setzen, und beginnen, uns unsere eigene Würde wieder zurückzugeben.

Entschleunigen und vereinfachen

Noch einen Satz zu den Auswirkungen von Corona. Globalisierung und Digitalisierung hat unser Leben in den letzten Jahrzehnten enorm beschleunigt. Man „muss“ da ja irgendwie mithalten. Der Lockdown hat mir und vielen anderen gezeigt, dass eine Sehnsucht in uns schlummert, das Leben zu vereinfachen und mehr Zeit zu haben. Plötzlich „durfte“ ich mal abschalten, langsam machen, entschleunigen, sogar mal gar nichts tun. Viele in meinem Umfeld berichten von ähnlichen Erfahrungen. Jetzt, da das System langsam wieder hochfährt, ist dieses Gefühl der Veränderung Richtung Runterkommen erfreulicherweise bei mir und bei vielen anderen geblieben. Der Lockdown war wie eine Art Zen-Stock, mehr auf unsere Natur, unsere Bedürfnisse und die Natur um uns herum zu achten. Hoffentlich kann ich mir und können vielleicht auch viele andere sich diese neue Erfahrung bewahren. Dann hätte dieses Virus eine nachhaltige, positive Veränderung bewirkt.

Aufgrund von Corona ist es noch zu früh, das komplette Programm für 2021 zu organisieren. Wir müssen schrittweise vorgehen. Alle Informationen werden immer wieder auf unserer Website aktualisiert. Unser nächsten Workshops: Schuld und Scham am 2.-4. Okt. 2020 in Berlin Tegel, geleitet von Tabish Roncucci, assistiert von Jayen Manzoni
Vertrauen und Mistrauen am 21. und 22. Nov. 2020 in Berlin Tegel geleitet von Tabish Roncucci, assistiert von Jayen Manzoni
Alle Workshops werden in Englisch gehalten mit deutscher Übersetzung. Weitere wichtige Informationen, auch zum Hygiene-Handling, finden sich auf unserer Website. Das gesamte Programm der Learning-Love-Arbeit beinhaltet auch Einzel- oder Paarsessions, Seminare und Trainings, angeboten von den Gründern des Instituts Krishnananda und Amana Trobe und von autorisierten Lehrern in der ganzen Welt.

Author: Redaktion

Über den Autor

Avatar of Jayen Manzoni

ist Learning-Love-Therapeut. Er lebt in Berlin und organisiert und leitet Learning-Love-Gruppen und -Events oder assistiert dabei. Er bietet auch Learning- Love-Sessions für Singles und Paare an. Er ist zudem ausgebildet in Familienaufstellung und Psychic Massage

Kontakt
Tel. 030-417 004 24 oder 0175-585 55 66

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