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Soviel man auch über BP und das Öl-Desaster im Golf von Mexico schimpfen mag – letztlich fördert der Konzern das Öl ja nicht aus reinem Zeitvertreib, sondern für die Kraftstoffe und Produkte, die wir alle konsumieren. Denn Öl wandert nicht nur in unseren Tank, es ist auch in all dem Kunststoff-Zeug, das uns ständig umgibt – und das wir viel zu selten hinterfragen.

Dabei gäbe es allen Grund dazu. Filme wie „Plastic Planet“ oder die Nachrichten über den riesigen Müllstrudel im Pazifik haben vielen Menschen erstmals den Wahnsinn unseres Plastik-Zeitalters wirklich vor Augen geführt. Und nicht nur die Umwelt, auch der Mensch ist davon unmittelbar betroffen, denn wie immer klarer wird, verseuchen Plastik-Verpackungen unsere Lebensmittel und Getränke mit künstlichen Hormonen, deren Langzeit-Wirkungen noch völlig unabsehbar sind.

Weltweit versuchen daher immer mehr Menschen, ohne Plastik zu leben oder ihren Verbrauch zumindest drastisch zu reduzieren – kein einfaches Unterfangen.

Familie im Selbstversuch

Geschockt durch die Filmdokumentation „Plastic Planet“ befindet sich eine Familie in Österreich seit November letzten Jahres im Selbstversuch: Schaffen wir es, ohne Plastik auszukommen? Das vorübergehende Ergebnis: Es geht, zumindest fast. Ihre Erfahrungen und Lösungen dokumentiert die Familie auf ihrer eigens eingerichteten Website, so dass andere Menschen vielleicht einen leichteren Start in ein plastikfreies Leben haben.

Auch in Amerika gibt es mit Bea Johnson und ihrem Zero-Waste-Home-Projekt ein ähnliches Beispiel – die Probleme sind hier wie dort dieselben.

Das Problem beginnt im Supermarkt. Dass man Plastiktüten dadurch vermeiden kann, dass man einen Rucksack oder Beutel mitbringt, dürfte für viele Menschen selbstverständlich sein – aber längst nicht für die meisten. Dabei gibt es kaum einen denkbaren größeren Unsinn, die Gebrauchszeit dieser Wegwerf-Artikel beträgt kaum 15 Minuten, bis sie verrotten dauert es hingegen hunderte Jahre. In vielen Ländern sind Plastiktüten deshalb berechtigterweise längst verboten, bald auch im US-Bundesstaat Kalifornien. Plastiktüten haben tatsächlich keinerlei Daseinsberechtigung und sinnvolle Verwendung.

Aber wenn man über die „ich-habe-halt-meine-Tasche-vergessen“-Phase hinaus ist, geht das Problem erst richtig los. Denn jedes Produkt ist in Plastik eingepackt. Wirklich fast jedes. Selbst an der Obst-und Gemüsetheke bieten längst nicht alle Märkte Papiertüten an. Für Menschen, die zumindest beim Einkaufen Plastik vermeiden möchten, bricht hier die große Suche an. Wo kann man sich Reis und Nudeln in eigene Behälter abfüllen lassen? Wo Shampoo und Spülmittel?

Plastikfreies Wohnen

Hat man den Supermarkt gemeistert, treibt einem ein Rundblick in der eigenen Wohnung den Shock ins Gesicht: Computer, Stereoanlage, Waschmaschine, Herd, Spülmaschine, Wasserkocher – alles Plastik! Die Hälfte der Klamotten im Schrank, der Rucksack, die Schuhe, der Griff der Nagelfeile – Plastik.

Schnell wird klar: Das Vorhaben ist kaum durchzusetzen, aber vielleicht muss man es auch nicht übertreiben. Für Familie Krautwaschl lag die Grenze bei der Spülmaschine, dem Staubsauger und einigen Spielsachen für die Kinder. So ernst sie ihr Projekt auch nehmen, so wollten sie doch nicht zu den Fanatikern werden, für die die meisten Menschen sie ohnehin schon halten. Immer mal wieder werden sie gar als „Ökoterroristen“ beschimpft – dabei geht es ihnen viel weniger um den erhobenen Zeigefinger, als um persönliche Verantwortung. Und darum das Thema überhaupt mehr in die Öffentlichkeit zu bringen.

Würden Millionen von Konsumenten wenigstens im Supermarkt solchen Beispielen folgen, würde sich die Produktionsweise der Industrie schneller anpassen, als wir vielleicht denken könnten. Letztlich ist die Verpackung in vielen Fällen schlicht überflüssig – abgesehen davon, dass sie in vielen Fällen der einzige Unterschied ist, der zwischen den Produkten einiger Firmen überhaupt noch besteht. Aber auch keine Verpackung könnte für eine Firma heutzutage ein Alleinstellungsmerkmal sein – wenn der Kunde dies wünschen würde.

Und das scheint gerade zu passieren. Waren es noch vor einiger Zeit ausschließlich „Öko-Hippies“, die mit ihren Jute-Säckchen zum Einkauf anrückten, so werden nun auch immer mehr Menschen aus dem Mittelstand bewusster im Umgang mit dem Müll. In Amerika gibt es mit den Food-Cooperatives ein großes Netz an Geschäften, in denen man alles von Nüssen über Shampoo bis zu Seealgen selbst abfüllen kann – davon können hier selbst die Bioläden noch lernen.

Bei vielen Produkten gibt es derzeit noch keine wirkliche Alternative – aber so lange es Öl gibt und der Verbraucher fröhlich sein Heim mit Plastik vollstopft, haben die Konzerne auch wenig Anreiz, welche zu entwickeln. Deshalb ist es wünschenswert, wenn möglichst viele Menschen achtsamer werden im Umgang mit dem Müll. Wie weit jeder dabei gehen will, sei dem eigenen Verantwortungsgefühl überlassen.

 


 

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3 Responses

  1. Tina

    Eine gute Seite für Leute die weichmacherfreie Produkte suchen:

    www.pureandgreen.at

    Gibt auch tolle Geschenke für Weihnachten!

    Antworten
  2. Thomas Eitzenberger

    Wir machen das!

    www.plastikfrei.at ist eine Gemeinschaftsseite auf welcher wir plastikfreie oder zumindest üebrwiegend plastikfreie Produkte auflisten.

    MACHT MIT!

    Liebe Grüße
    Thomas

    Antworten

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