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Sexualität ist etwas sehr Stilles und Feines. Sie ist das sinnliche Miteinander zweier Menschen, die ihrer Liebe auch körperlich Ausdruck verleihen wollen. Sie ist eine erfüllende Hingabe an den Moment, wenn sich Körper, Geist und Seele die Hand reichen und im Einklang miteinander und mit dem Gegenüber schwingen. Es braucht Vertrauen, Nähe und Feingefühl, sich auf den anderen einzulassen und sich für sich selbst und den anderen zu öffnen. Und es braucht Bewusstheit und Präsenz, um den anderen und sich selbst in der Hingabe überhaupt wahrzunehmen.

Wo ist meine Sexualität?

Seit der sogenannten sexuellen Revolution betrachten wir Menschen in den westlichen Gesellschaften uns als sexuell befreit. Lange schon ist die Doppelmoral Schnee von gestern und Männer und Frauen begegnen einander vielfach gleichberechtigt und auf Augenhöhe. Frauen sagen, was sie sich wünschen, Männer sind gefühlvoller und gehen liebevoll auf ihre Partnerinnen ein.

Doch nach wie vor ist Sexualität ein Bereich, in dem Verletzungen passieren, in dem Bedürfnisse nicht ausgesprochen werden und in dem Sprachlosigkeit herrscht. Was ist es, das uns daran hindert, unsere Sinnlichkeit in vollen Zügen zu genießen? Was hält uns fest? Woran halten wir nach wie vor fest? Sobald wir dies wissen, können wir loslassen. Den Ballast, die Blockaden, uns selbst. Es ist weniger das Festhalten, das uns bindet, als vielmehr das Nicht-Wissen, unsere fehlende Bewusstheit. Wenn wir loslassen, spüren wir sie, unsere Sexualität, und damit unsere pure Lebenskraft. Lassen wir diese fließen, fließt unserer ganzes Leben, leuchtet in schillernden Farben und strahlt weit über die Grenzen unseres Körpers hinaus. Wo aber ist meine Sexualität?

In meinem Leben habe ich verschiedene Strategien gewählt, mich dem Thema Sexualität – mich meiner Sexualität – zu nähern. Zunächst probierte ich den wissenschaftlichen Weg. Ich las Theorien und Studien, befragte Probanden, erhob Daten, wertete diese aus – und verfüge seitdem über viel theoretisches Wissen. Doch über den Zauber des sexuellen Miteinanders habe ich auf diesem Weg kaum etwas herausgefunden. Später las ich Bücher über Weiblichkeit, Liebe und Tantra. Ich lernte das Zusammenspiel von Shiva und Shakti kennen, von Bewusstsein und Energie. Ich erfuhr, dass der tantrische Weg ein Weg der Erleuchtung ist. Erleuchtung durch Transzendenz. Die sexuelle Energie wird transzendiert und die wahre göttliche Liebe, die in uns allen fließt, wird befreit.

Die Entscheidung, mich berühren zu lassen

Befreiung, Transzendenz, Liebe – all diese Begriffe sprachen mich an. Ich fühle mich der Liebe sehr verbunden.

Und transzendent war ich schon immer. Häufig bestand ich nur aus Geist und versteckte meinen Körper, wo es nur ging. Doch befreit? Befreit – in sexueller Hinsicht – fühlte ich mich nicht. Ich fühlte mich eng, versteckt und festgehalten. Ich spürte meinen Körper kaum. Ich fühlte mich viel sicherer als körperloses, geistiges Wesen. Zwar sehnte ich mich nach Berührung, doch erschreckte ich mich, sobald mir jemand näher kam. Berührte ich gern? Ich berührte, um nicht selbst berührt zu werden. Und während sich ein Teil in mir sehnlichst wünschte, sich zu entspannen und die Berührungen zu genießen, wehrte sich ein anderer Teil massiv dagegen. Ich war eingesperrt in mir selbst. Es gab sie gar nicht, meine Sexualität. Sie fand schlicht und einfach nicht statt. Doch ich beschloss, dies zu ändern.

Mein Weg begann mit einer grundsätzlichen Entscheidung: Ich lasse mich berühren. Diese Entscheidung entspannte mich unermesslich! Ich hörte auf wegzulaufen. Ich kämpfte nicht mehr. Ich begann, meinen Körper zu spüren. Nahm Berührungen wahr. Hände. Wärme. Nähe. Ich blieb da und genoss. Ich begann, meine Lust willkommen zu heißen und die Kraft darin zu spüren. Ich begann, mich als Frau wahrzunehmen. Als Frau, die ihre Sinnlichkeit entdeckt und sich damit in die Welt wagt. Und doch war da noch eine andere Kraft. Ein Teil von mir wollte weg. Wenngleich ich meine Sinnlichkeit sehr genoss, gab es etwas, das mich immer wieder von meinem sinnlichen Erleben fortzog.

Soulresponding: Die Schmerzen meiner Ahnen

Ich blieb hartnäckig, blieb bei meiner Entscheidung und auf meinem Weg. Doch was machte es mir so schwer, meine Sexualität zu leben? Mit Hilfe des Soulresponding – einer Methode, die ich sowohl für mein eigenes Leben als auch in meiner therapeutischen Arbeit einsetze – bekam ich schließlich die befreienden Antworten. Ein großer Teil der mich blockierenden Energien gehörte gar nicht zu mir. Sie gehörten zu Frauen aus meiner Ahnenlinie, die Vergewaltigungen, Abtreibungen und Fehlgeburten erleben mussten. All ihren Schmerz, all ihre Ohnmacht, all ihr „Nein“ – nicht nur zur Sexualität, sondern zum Leben allgemein – trug ich in mir.

Keine der Frauen konnte die Dinge, die sie erlebt hatte, aufarbeiten. Sie schlossen alle den Schmerz in sich ein und trennten sich dabei auch von ihrer Kraft und ihrer Lebensfreude ab. In ihrem Leben funktionierten sie, doch Spontaneität und Lebendigkeit blieben ihnen fremd. Dies ist es, was diese Frauen von Generation zu Generation weitergaben und was nun auf meinen Schultern und auf meinem Körper lastete. Was dazu führte, dass ich mich verspannte, mich körperlich und emotional verschloss, wenig empfindsam war und mich oft als von meinem Körper getrennt erlebte.

Sprachlosigkeit – das war es, was mir an dieser Stelle immer wieder begegnete. Doch dieser setzte ich Farben, Formen und Strukturen entgegen: Ich malte die Dinge, die in mir waren und die ich kaum zu fassen bekam. All die Verletzungen, Unsicherheiten und Schmerzen drückte ich in Bildern aus. Mit jedem Bild bekamen unbewusste Glaubenssätze und essentielle Lebenshaltungen eine Gestalt. Aus manch einem Bild entstanden Worte oder Sätze, aus denen wiederum neue Bilder entstanden, die mir Berührungspunkte und Heilungsimpulse brachten.

Ich malte, ohne nachzudenken. Ich nahm wahr, wie Dinge und Schicksale ans Licht kamen, konnte mich mit ihnen verbinden und sie anschließend wieder loslassen. Diese Art der Auseinandersetzung hatte eine große Leichtigkeit und bereitete mir ausgesprochen viel Freude. Ich freute mich über mich selbst. Ich freute mich zu leben, einen Körper zu haben, sinnlich zu sein. Ich hatte das Gefühl, etwas sehr Wertvolles entdeckt zu haben. Mein Körper wurde weicher, berührbarer und sehr viel lebendiger.

Versteckte Bedürfnisse hinter der Sexualität

Nicht immer geht es um Sex, wenn sich sexuelle Gefühle melden. Oft verstecken sich dahinter andere Bedürfnisse und Befindlichkeiten. Diese Dinge verknoten sich und scheinen im sexuellen Austausch Erfüllung zu finden. Bei genauerer Betrachtung jedoch geht es um anderes. Um Bedürfnisse, deren Befriedigung ursprünglich an anderer Stelle zu finden ist.

In der Auseinandersetzung mit meinen Ahnen lernte ich mich auch an dieser Stelle mehr kennen. Ich spürte das Kind in mir, das sich nach Nähe und nach Körperkontakt sehnt, das sich beschützt und sicher fühlen will und das, seinem Wesen entsprechend, auch zart und empfindsam sein möchte. Sicher auf dem Boden stehend und in der Erde verankert, dabei weich und zart sein, in dieser Komposition erkannte ich mich selbst in der Einzigartigkeit meiner Weiblichkeit.

Ich habe gelesen, ich habe befragt, ich habe geforscht und ich habe geschrieben. Dies war meine Art und Weise, mich dem sensiblen Thema der Sexualität anzunähern. Vorsichtig, theoretisch und aus der Ferne. Ich hatte Freude an meiner Herangehensweise. Sie entsprach mir und entspricht mir nach wie vor. Nun veränderte sich meine Forschung. Sie bewegte sich weg von den Büchern und hin zu meinem eigenen Erleben. Ging vom Außen ins Innen. In mir selbst fand ich, was ich lange gesucht habe: Ich fand Wissen, ich fand Weisheit und ich fand Antworten. Erst als ich mich dazu entschließen konnte, Sexualität selbst zu erfahren, offenbarte sich mir der Zauber, der in ihr steckt.

Sexualität bedeutet für mich, die Liebe, die ich in mir trage und mit der ich einem Menschen begegne, körperlich auszudrücken. So, wie ich meinen Liebsten jeden Tag ein bisschen neu entdecke, mich ihm öffne, mich an seinem So-Sein erfreuen und auch reiben kann, so begegne ich ihm auch körperlich. Sexualität zu (er-)leben bedeutet, mich meinem Liebsten und auch mir selbst hinzugeben. Es bedeutet, meine Liebe sinnlich fassbar und erfahrbar zu machen. Damit ist Sexualität etwas ganz Einzigartiges und zugleich etwas ganz Selbstverständliches. Sie ist einzigartig, weil ich mich bewusst dafür entscheide, meine Liebe auf die Erde zu holen und sie greifbar zu machen. Sie ist selbstverständlich, weil mein Körper seine eigene Sprache und seinen eigenen Ausdruck hat, dem ich mich hingeben kann, um mit all meinen Sinnen meine Sinnlichkeit zu spüren.

Sexualität ist weit mehr als das intime Geschehen zwischen zwei Menschen. Unsere sexuelle Kraft ist die Grundenergie in unserem Leben. Sie ist der Motor, der unsere Lebendigkeit zum Klingen bringt. Die Lust an der Sexualität ist die Lust am Leben. Wenn du dich mit deiner Lebendigkeit befassen willst, kommst du nicht umhin, dich mit deiner Sexualität auseinanderzusetzen.

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Über den Autor

Avatar of Dr. Anja Kroschky

Gestalttherapeutin Stärkung von Körperkraft und Lebensfreude Ich führe dich zu deiner Schönheit, deinem Feuer, deiner Lebendigkeit. Ich begleite dich, konfrontiere dich, enttarne sanft, aber bestimmt deine Komfortzonen. Dabei halte ich dich mit allem, was sich zeigen will. Sei mir willkommen!

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Tel. 0331-9513827, 0163-2567850

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