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Eine glückliche und erfüllende Beziehung zu führen, ist eine der großen Herausforderungen im Leben. Und wenn man sich so umschaut: für viele Menschen ein Mysterium. Die Leiterin der Berliner Akademie für Lebnenslust Sakino M. Sternberg stellt ihre „Rezepte“ für eine Zweisamkeit vor, die nicht einengt, sondern von Freiheit, Respekt und Liebe getragen wird.

Wir haben eine gute Angewohnheit: immer die guten Nachrichten zuerst. Also hier sind sie: Wir haben uns entschlossen zu heiraten. Dies mag in einer Zeit, in der Menschen eher zu Unverbindlichkeit und „freien“ Beziehungen neigen, speziell in der Psychoszene, befremdlich oder ungewöhnlich klingen; für uns ist es ein Ausdruck von Lebenslust und unserer Liebe zueinander, ein Ja-Sagen ohne Vorbehalte, sozusagen der Höhepunkt unseres Miteinander-Seins, und was das Wichtigste ist: Es macht uns beide noch glücklicher.
Diesen Text schrieb ich im Mai 1991 im Editorial unseres damals erscheinenden „Lebenslust“-Magazins. (Er fiel mir in die Hände, als ich auf der Suche nach einem passenden Einstieg für diesen Artikel war.) Das war vor 13 Jahren. Und wie ist es heute? Wir haben geheiratet und sind immer noch verheiratet. Und die Lebenslust? Gibt’s auch noch. Manchmal fragen uns Freunde: „Wie macht ihr das?“ Nun ja, ganz leicht ist es nicht. Und ein bisschen dafür tun muss man auch. Ich bin mal auf die Suche gegangen nach den Zutaten für die Rezeptur einer lebenslustvollen Beziehung. Hier sind die, die ich gefunden habe, viele bekannte, aber vielleicht auch einige ungewöhnliche.
Die Aufzählung setzt keine Prioritäten und ist ausbaufähig. Sie ist nicht wissenschaftlich begründet, aber es steckt eine Menge Lebenserfahrung darin. Möge der Leser selbst herausfinden, welche Zutaten und in welcher Reihenfolge er sie bevorzugt.

Geduld

Einmal wurde mein Mann gefragt, was denn sein Rezept für eine glückliche Beziehung sei. Seine Antwort war: „Geduld“. Unser Partner ist ein anderes, fremdes Universum, dessen Sprache und Verhaltensweisen zeitweise unverständlich und unserem eigenen Handeln und Selbstausdruck weit entfernt zu sein scheinen. Dann heißt es: Geduld haben und wissen: Ich bin nicht perfekt, also darf er auch mal fehlerhaft sein. Es ist sowieso ein Wunder, dass sich die Mysterien Mann und Frau vereinigen und miteinander kommunizieren können.

Reden

Immer wieder und nicht nur in guten Zeiten. Kommunikation ist essenziell. Paare, die schweigen, entfernen sich voneinander und am Ende sind sie sich fremd. Manche machen das lange Zeit, leben auch zusammen, aber haben nicht mehr viel Spaß an-, mit- und ineinander. Kommuniziert eure Wünsche und Bedürfnisse, eure Gefühle füreinander, fragt eure(n) Partner(in), was er/sie sich wünscht, und macht ab und zu einen „Realitätscheck“: „Du, ich habe gerade den Eindruck, dass du sauer auf mich bist. Stimmt das?“ Und hört, was der andere sagt, das ist meist wichtiger als selbst zu reden. Vor allen Dingen sucht den richtigen – entspannten – Zeitpunkt für das Gespräch. Nicht abends um zehn, wenn beide abgeschlafft und müde nur noch ins Bett und schlafen wollen, sondern besser an einem freien Wochenende, wenn Zeit und Muße einen entspannten Hintergrund für das Gespräch bilden.

BeziehungenLeidenschaft und Sex

Oswalt Kolle beantwortete einmal in einem Interview die Frage nach dem Geheimnis seiner langjährigen glücklichen Ehe mit dem Satz: „Immer ein bisschen unverheiratet bleiben“. Das ist sicher nicht nur in diesem Bereich gültig, aber hier besonders. Leidenschaft und Sex überleben nur in einer anregenden Umgebung. Bleibe interessant und begehrenswert für deinen Partner, gib dir genauso viel Mühe mit deinem Aussehen und deiner Persönlichkeit wie am Anfang eurer Beziehung, als du dir seiner/ihrer noch nicht „sicher“ warst. Sei verführerisch. Erfülle deinem Partner auch mal einen (außergewöhnlichen) Wunsch. Tu was für dich. Speck ab, wenn du dich hast gehen lassen, mach Sport, halte deinen Körper, deine Kleidung und auch deinen Lebensraum sauber, gepflegt und heil. Pflege auch deine Persönlichkeit. Kein Mensch ist angetörnt von einem nörgeligen, unzufriedenen, unausgefüllten Partner, der nur zu Hause hockt und darauf wartet, dass der andere ihn glücklich macht. Mach dich selbst glücklich, dann bist du begehrenswert und die Lebenslust fliegt dir nur so zu. Notfalls nimm professionelle Hilfe in Anspruch (weight watchers, Therapie, was immer), der Einsatz lohnt sich.

Vertrauen

Ganz wichtig: Lass deinen Partner sein eigenes Leben führen, Kontrolle ist tödlich für eine lustvolle Beziehung, Eifersucht auch. Dein Partner kommt zu dir, weil er es möchte, nicht weil du ihm Ketten anlegst. Gib Raum und nimm dir Raum. Je mehr beide in ihrem eigenen Leben Erfüllung erfahren, umso erfüllter ist das gemeinsame Leben.

Anerkennung, Respekt und Akzeptanz

Einer meiner Lehrer, Frank Natale, sagte vor vielen Jahren, Hilfe, Unterstützung und gegenseitige Anerkennung seien die wesentlichen Elemente in einer lebendigen Beziehung, da alles andere im Laufe der Jahre sich verändert oder unwichtiger wird. Damals war ich frisch verliebt und Sex und Leidenschaft waren die bestimmenden Faktoren unseres Zusammenseins und somit diese Aussage eher abschreckend. Ich dachte, der Mann hat keine Ahnung und bei uns wird das nicht so werden. Ich habe mich getäuscht und er hatte Recht. Ja, Liebe lebt von der Anerkennung des anderen, so wie er ist. Wir haben keine Wahl als die, unseren Partner mit allem zu nehmen, was zu ihm gehört, mit den tollen wie den schwierigen Seiten, inklusive seiner Herkunft und Familie. Wir können ihn nicht ändern. Aber wenn wir uns auf dieses fremde Universum einlassen, es erkunden und immer wieder neu entdecken, es lieben lernen, dann ist es eine Bereicherung und Ergänzung unseres eigenen, begrenzten Selbst.
Anerkennung heißt auch Lob. Nicht nur Kinder brauchen das. Mal dem anderen sagen, wie super man ihn findet, seinen Beitrag zum gemeinsamen Leben, auch bei den so genannten Kleinigkeiten. Es ist nicht selbstverständlich, dass die Wohnung geputzt, die Wäsche gebügelt, das Essen gekocht, das Auto gewaschen und voll getankt und das Geld verdient ist.

Humor – zusammen lachen

Ernst beiseite – Spaß komm her. Notfalls kitzeln an den richtigen Stellen. Spielerisch sein. Lust hat was mit lustig sein zu tun. Ich erinnere mich an die allererste Begegnung mit meinem Mann auf einer Party. Ein freier Platz neben ihm, auf den ich mich setzte, ein Blick in seine Augen und wir brachen beide in hemmungsloses Gelächter aus. Da habe ich mich in ihn verliebt – Und das tue ich immer noch und immer wieder von neuem, wenn wir zusammen lachen und Spaß haben.

Je mehr du dich selber liebst und dich annimmst,

wie du bist,

umso mehr kannst du deinen Partner lieben und annehmen, wie er ist.

 

Hilfestellung und gegenseitige Unterstützung

Für mich eine der wichtigsten Zutaten. Ich glaube, wir sind deshalb so viele auf diesem Planeten, weil wir uns brauchen, wir sind soziale Wesen und können allein gar nicht überleben. Forscher haben herausgefunden, dass Kinder, die ohne soziale Kontakte aufwachsen, sterben. Für mich ist es selbstverständlich, dass ich für meinen Partner da bin, wenn er mich braucht.

Rituale

Zusammensein braucht Pflege (wie unsere Körper, Pflanzen, Freunde, Autos und Häuser). Das Auto bringt man regelmäßig zum TÜV, bei Beziehungen denken viele, dass es von selbst läuft, aber das ist ein Irrtum. Plant feste Beziehungspflegezeiten ein. Mal ein Glas Wein zusammen trinken, rumflippen oder auch zusammen schweigen. Erfindet kleine „Beziehungsrituale“, die nur für euch beide sind (Hochzeitstag, Kennenlerntag, um nur die gängigsten zu nennen). Aber auch alltägliche Rituale wie Frühstück machen, verabschieden, Telefonate sind wie duftende Blüten, mit denen ihr euer Haus schmückt und es wohnlich macht.

Liebe

Lieben kommt aus dem eigenen Überfluss: „In dir liebe ich mich selbst“. Je mehr du dich selber liebst und dich annimmst, wie du bist, umso mehr kannst du deinen Partner lieben und annehmen, wie er ist. Du erfährst in ihm die Ausdehnung deines eigenen liebenswerten Selbst. Und das bedeutet, dein eigenes Leben so zu gestalten, dass du vollkommen erfüllt und glücklich damit bist. Der andere ist dann eine wunderbare Zugabe zu deinem eigenen inneren Reichtum und nicht ein Erfüllungsgehilfe zur Befriedigung deiner Mangelzustände.

Überraschungen

Lass dir mal was einfallen (ich rede nicht von Reizwäsche oder so etwas, obwohl das manchmal auch ganz nett sein kann), seid kreativ, unternehmt etwas Außergewöhnliches zusammen, das euch vor Spannung zittern und bibbern lässt, da sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Und lass dich von deinem Partner auch mal zu etwas Neuem, Ungewöhnlichem überreden, du wirst sehen, es ist ein Jungbrunnen für eure Beziehung.

Dein Eigenes machen

Unternimm etwas allein. Setz nicht alle deine Wünsche und Erwartungen in den Partner, der ist damit garantiert überfordert. Pflege eigene Freundschaften, Hobbies und Interessen, das macht dich für den Partner interessanter, als wenn du alles immer nur mit ihm/ihr machen willst. Macht nur das gemeinsam, worauf beide Lust haben (das steht nicht im Widerspruch zu dem oben Gesagten). Hab Freude am eigenen und am gemeinsamen Leben.

Zusammen bleiben in schwierigen Zeiten

In jeder Partnerschaft gibt es Zeiten, in denen es schwer ist miteinander, aus welchen Gründen auch immer. Dann lauf nicht gleich weg! Stell dich der Situation und frage dich: was habe ich dazu beigetragen und was kann ich ändern? Wir können immer nur uns selbst ändern, nicht den andern. Und greife auf ein paar von den beschriebenen Rezepten zurück, wenn dir der Partner es wert ist. Hol dir Rat, wenn nötig, nutze andere Gehirne und Lebenserfahrungen.

Zusammen allein sein können

Das ist etwas Wunderbares. Im selben Raum sich aufzuhalten und jeder macht seins. Hast du schon einmal alte Paare beobachtet, der eine liest, der andere schneidet die Rosen im Garten. Sie reden nicht, aber jeder kann sehen, dass sie es gut miteinander haben, weil sie sich lassen. Sie sind ohne Worte jeder für sich und dennoch beieinander.

Freiheit

Die Liebe ist ein Kind der Freiheit. Nimm dir Freiheit und gib sie dem anderen. Nur ein freier Mensch hat die Wahl zu entscheiden, wo er sein und was er tun möchte. Sklaven können ihren Herrn nicht lieben, denn sie haben nicht die Wahl. Und zum Schluss: Nimm alles nicht zu ernst und lach auch über dich selbst!

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