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Bis vor kurzem hatte ich keine Lebenserfahrung, die ich mit dem Begriff „reines Bewusstsein“ in Verbindung bringen konnte. Da ich immer schon ein eher gefühlsbetonter Mensch bin, konnte ich mit Dingen, wie Zentrierung, Konzentration, Emotionslosigkeit, kristallklare Präsenz nicht viel anfangen. Es schien, als würde mir diese Welt verschlossen bleiben, da ich mehr den intuitiven, weiblichen Weg übers Herz gehe, als den meditativen, männlichen Weg über den Geist und das Bewusstsein. Für mich persönlich faszinierend ist, dass ich momentan immer öfter dasselbe Gefühl in meinem Herz, als auch in meinem Kopf erfahren darf – es fühlt sich an, als würden zwei konträre Pole in mir eins werden bzw. sich in ihrer Gleichheit erkennen.

Reines Bewusstsein

Vor einigen Tagen durfte ich das erste Mal für mich die Erfahrung machen, was reines Bewusstsein ist. Völlig zentriert in meinem Herz und die eigene Vollständigkeit seit Tagen im All-Ein-Sein genießend, saß ich da und erfreut mich einfach an meinem Sein. Ich schaute die Umgebung rund um mich an und war einfach nur. Ich schaute einfach nur. Ich war und schaute. In diesem Moment wäre es egal gewesen, was vor meinen Augen passiert wäre, ich hätte es nicht gewertet, ich hätte es einfach nur angeschaut, ohne, dass irgendein Gedanke gefolgt wäre. Da war keine einzige Emotion, nicht einmal ein Gefühl, es war nur reines, klares Schauen und Hiersein.

Es war wohl das mich prägendste spirituelle Erlebnis, das ich bis jetzt erfahren durfte und gleichzeitig das Unspektakulärste. Es war, als hätte ich nichts gemacht und als wäre das, was ich hier erfuhr etwas, das seit meiner Geburt im Hintergrund immer da war, das ich allerdings nicht wahrnehmen konnte, weil etwas zwischen diesem Erlebnis und mir stand: etwas war in mir, das seit ich denken konnte, die Situation, die ich wahrnahm, zu bewerten begann.

Dieses reine Bewusstsein ist für mich mittlerweile etwas, das da ist, bevor etwas in mir zu werten beginnt. Ich hatte das Gefühl, als würde Gott einfach durch meine Augen durchschauen und nichts weiter. Diesem Akt des Schauens folgte nichts mehr. Da war absolut nichts. Nur Schauen. In diesem Moment durfte alles sein. Nichts im Außen hätte dieses reine Bewusstsein „erschüttert“ – selbst, wenn etwas „Schreckliches“ im Außen passiert wäre, hätte dieses reine Bewusstsein einfach nur weiterhin geschaut.

Reines Bewusstsein = Liebe

Da ich bereits einige Wochen bevor ich das oben Beschriebene erlebte, die Erfahrung gemacht hatte, dass, wenn ich tief in meinem Herzen bin, mich nichts und niemand im Außen wirklich emotional berühren kann, sodass ich mich aus meiner Mitte „gerissen“ fühle, sondern, dass sich vielmehr ein Zustand in mir einstellt, der emotionslos, sehr zentriert und bei mir seiend ist, habe ich für mich schließlich eine Frage beantwortet, die ich seit meiner Kindheit in mir trage: Was ist Liebe?

Diese Definition sehe ich als Momentaufnahme und sie kann in einer Minute schon wieder anders sein, doch in diesem Moment, in dem ich das schreibe, ist Liebe für mich, dass alles sein darf. Liebe ist dieser Zustand, des reinen Bewusstseins, das nicht wertet, sondern einfach nur ist und schaut. Ein Zustand, in dem alles gleichwertig ist.

Kann es so „einfach“ sein, habe ich mich gefragt? Ist es möglich, dass dieser Zustand immer schon da war, immer schon für mich erlebbar war? Dass mich mein sekündliches Werten jeder Situation, die mich umgibt, von dieser Erfahrung abgehalten hatte? Ja, für mich ist es so. Dieser Zustand steht immer und überall für mich bereit, um ihn weiterhin zu erfahren – diesen inneren Frieden, dieses Sein. Etwas in mir, „verhindert“ diesen Zustand. Vielleicht könnte ich dieses Etwas „Ego“ nennen. Ein Schleier in mir, der aufgrund von Bewertungen die Situation, alles mich Umgebende und natürlich mich selbst, nicht mehr als das Reine wahrnehmen lässt, was es ist: etwas im Innen bzw. im Außen, das einfach ist.

Nicht-Werten ist das möglich?

Ist es möglich, einer Situation, einem Menschen, mir selbst zu begegnen bzw. anzuschauen, ohne sie zu bewerten? Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das möglich ist, wenn ich nicht mit dem Außen in Resonanz gehe. Liebe ich diesen Anteil von mir, der mir im Außen gespiegelt wird (über Menschen, Situationen, Gegenstände, Tiere, usw.), ist kein Bedürfnis mehr in mir zu werten, denn es ist Liebe eingekehrt. Liebe sagt: Alles darf sein.

Gehe ich mit dem Außen nicht in Resonanz, weil das was mir gespiegelt wird, in mir so sein darf, wie es ist, dann hört das Werten auf – das ist zumindest meine Erfahrung. Gehe ich mit dem Außen in Resonanz, bin ich mir bewusst, dass ich einen Teil in mir noch nicht so sein lassen kann, wie er ist, also ihn nicht lieben kann und daher mich und mein Außen bewerte. Sehr trickreich wurde es bei mir, als ich mich dafür bewertete, dass ich trotz dieses Bewusstseins, was Liebe für mich ist, andere weiterhin bewertete. Was ich tat, war, dass ich mir bewusst machte, dass ich selbst sehr streng mit mir bin, sehr perfektionistisch und dadurch hohe Anforderungen an mich und somit an andere habe. Habe ich mich dafür bewertet und verurteilt? Nein. Ich habe das einfach liebevoll in mir angenommen, dass ich so bin und dass das so sein darf, wie es ist. Die Magie der bedingungslosen Liebe in mir durfte einsetzen. Es gab keinen Stress mehr in mir, mich ändern zu müssen, sondern einfach nur ein bedingungsloses Annehmen von mir selbst. Was ist dadurch passiert? Ich konnte auch Menschen im Außen annehmen, die andere bewerten, weil ich weiß, dass es menschlich ist und ich es auch tue. Seit dieser Frieden mit meinem eigenen Werten in mir eingekehrt ist und ich mich dafür selbst liebe, weil ich mich alles sein lasse, was ich eben in jedem Moment bin, werte ich seltener und es gibt keinen Grund mehr in mir, andere dafür zu verurteilen, dass sie werten.

Herzensraum

In letzter Zeit darf ich viele unterschiedliche Menschen kennenlernen und mit ihnen zusammen Zeit verbringen. Ich mache dabei immer wieder die Erfahrung, dass sobald ein Mensch die Möglichkeit hat, ohne Bewertung alles sein zu dürfen, was er ist, sich ein Muster und Thema nach dem anderen als Illusion erkennen und auflösen darf. Ich mache nicht mehr, als einfach diesen Raum anzubieten, in dem alles sein darf – ohne, dass ich besonders viel tue, wirkt hier die stärkste Kraft im Universum: die reine Liebe. Dadurch existiert in diesem Raum keine Wertung mehr – weder von mir, noch vom anderen. Das schützende Ego ist hier quasi nicht nötig. Niemand darin muss dem anderen irgendetwas beweisen und somit kommen wir sehr schnell zu der Essenz, die wir wirklich sind. Wir sind das, was wir sind und dadurch fallen die Schleier. Immer wieder sind das sehr berührende Seelenbegegnungen für mich – ein unheimlich schönes Gefühl der Verbundenheit und eine nicht zu beschreibende Freude dabei sein zu dürfen, wenn das wahre Selbst sich zeigt, ausdrückt und bewusst erkennt.

Die Schönheit der Schatten und des Dunklen

Ist es für mich Liebe nach all meinen Erfahrungen die Schattenwesen, Fremdenergien, sogenannte Dunkelmächte, alte „hängengebliebene“ Seelen, Ängste, innere Schatten, Traumata, Muster, usw. nicht sein zu lassen? Ist es für mich Liebe, diese Energien „weghaben“ zu wollen? Nein, es würde meiner Erfahrung, dass Liebe ist, dass alles sein darf, widersprechen und auch all dem, was ich im Zusammensein mit Menschen bis jetzt erfahren durfte. Alles erkennt sich als Liebe, wenn es sein darf, da alles im Kern Liebe ist. Es ist magisch und für den Verstand nicht zu begreifen, wie schnell sich ein Muster oder Angst in Nichts auflösen können, wenn sie einfach einmal da sein dürfen. Alles wünscht sich geliebt zu werden, da alles diese Erfahrungsreise macht, um sich als die Liebe zu erkennen, die er/sie/es ist – das ist zumindest meine Erfahrung und innere Wahrheit.

Ich liebe meine Schattenseiten und die kollektiven Schattenseiten von uns allen, die sich im Außen manifestieren, weil wir ohne sie nicht erkennen könnten, wer wir sind. Wenn wir das Dunkle lieben, dann erkennen wir, dass das Dunkle der Teil in uns ist, dem wir die Liebe in uns verschlossen haben und dass sich letztendlich alles nur nach Liebe sehnt. Nie hätte ich als Mensch diese Erfahrungen machen können, die ich gemacht habe und nie hätte ich zu dem Menschen werden können, der ich heute bin, wenn ich nicht all dieses Leid und diese Schmerzen – all diese Dunkelheit in mir und im Außen – erfahren hätte, die ich erfahren durfte.

Wir sind auf dem Weg ins Einheitsbewusstsein und das bedeutet für mich, dass sich Licht/Hell und Schatten/Dunkel in uns und außerhalb als jeweils den anderen Pol ergänzende Tatsache der Polarität erfährt. Polaritäten, die geliebt werden wollen, so, wie sie sind, um sich schließlich selbst als Liebe und damit auf einer dem Polaritätsspiel zuschauenden Ebene als eins erkennen.

Meine Entscheidung

Wenn alles sein darf, wie es ist, habe ich noch irgendetwas aktiv im Außen zu tun? Heißt das, dass ich werte, wenn ich mich für eine gewisse Erfahrung entscheide? Das waren u.a. die Fragen, die nach dem Erlebnis des reinen Bewusstseins in mir auftauchten. Dass alles sein darf, wie es ist, kann für mich in bestimmten Situationen heißen, nichts zu tun, sondern einfach alles im Moment sein zu lassen, ohne, dass ich einen Impuls in mir hätte, zu handeln. Mir ist für mich bewusst geworden, dass ich mir hier auf der Erde so einige Seelenerfahrungen auf meine Reise mitgenommen habe, die ich natürlich auch hier erfahren möchte. Meine Erfahrungen, die ich seit meinem „Aufwachprozess“ machen möchte, sind z.B.: mich mehr und mehr selbst zu lieben, meine eigene Vollständigkeit zu genießen, um frei zu sein mich und andere bedingungslos zu lieben, eine Neue Erde aus einem Einheits- bzw. Liebesbewusstsein mit aufzubauen und Liebe, Freiheit, Kreativität, Fülle, Freude, Bewusstsein, usw. – also Licht/Hell – auf der Erde zu erfahren und zu verankern. Vom reinen Bewusstsein aus, ist das nicht „besser“ oder „schlechter“, als hätte ich mich auf Seelenebene für die Erfahrung von Krieg, Wut, Mangel, Selbsthass, usw. entschieden, da alles sein darf – es ist einfach die Frage: Was will ich als Seele hier auf der Erde erfahren?

Immer öfter mache ich für mich die Erfahrung, dass ich es selbst als Schöpfer beeinflussen kann, ob ich eine „alte“ Erfahrung wieder und wieder als Seele machen möchte oder ob ich mich für die Lehren der alten Erfahrung bedanke, sie in mir integriere und mich bewusst für eine neue Erfahrung entscheide. Jeder kann seine Erfahrungen bewusst frei wählen und jede Erfahrung darf sein – so nehme ich das göttliche Spiel auf der Erde wahr.

Über den Autor

Avatar of Verena Spitzer

sieht sich als „Geburtshelferin der Neuen Erde“, indem sie andere dabei unterstützt, sich wieder mit ihrem Herz zu verbinden, sich selbst bedingungslos zu lieben und Liebe zu leben. Ihre Vision ist, dass sich jeder einzelne Mensch in seinem Herzen wieder erinnert, wer er in Wahrheit ist und aus diesem Selbst-Bewusstsein der Liebe heraus, sein ihm innewohnendes göttliches Licht nach außen strahlen lässt. Diese Vision verwirklicht sie in ihrem Projekt „Selbstmeisterschaft“.

5 Responses

  1. Carolin Curant

    Liebe Verena,

    ich möchte dir für deinen tollen Artikel von herzen danken! danke für dieses tollen Artikel. Ich erlebe das auch so in und um mich herum.

    Liebe Grüße, Carolin

    Antworten
  2. walter

    Liebe Verena,

    von diesem Text kann ich mir sehr viel für meine aktuellen Herausforderungen mitnehmen. Danke für die Klarheit deiner Worte und dass du sie einfach so mit uns teilst!

    Ich freue mich schon auf die nächste Umarmung mit dir in deinem grenzenlosen Herzraum, wo wieder alles so sein darf wie es eben ist.

    Alles Liebe,
    von einem immer neutraleren Standpunkt aus lebenden Walter 😉

    Antworten
  3. klarika

    Hallo liebe Verena,

    danke für diesen wundervollen Artikel und das Mit-teilen Deiner Erfahrungen.

    Da mich diese Themen im Moment sehr beschäftigen, fühle ich mich ganz besonders angesprochen.

    Ich nehme wahr, wie schnell ich alles und jedes be/verurteile, wenn ich unbewusst bin. Wie schön es dagegen ist, wenn ich mir meines Selbst bewusst bin, mich selbst liebe und weiss, dass alles „nur“ Erfahrungen sind, die die Seele hier machen will, und es an mir liegt Erfahrungen loszulassen, die ich nicht mehr möchte. Das ist eine ganz besonders wichtige Erkenntnis für mich!

    Ich wünsche uns allen schöne Spiele hier auf der Erde.

    Antworten
  4. Heike

    Meine liebe Verena,
    danke für Deine schönen Zeilen die mich mal wieder genau parallel in die Seele treffen. Nein es ist nicht nur was Du schreibst -sondern wie Du es in einfacher verständlicher Form auf den Punkt triffst. Das läßt mich nicht nur verstehen sondern regelrecht mitfühlen. Diese ICH BIN -Erfahrung durfte ich letztes Jahr machen .Raum .Zeit ,Denken, Wollen alles war nebensächlich man war mit/in sich und dem (Universum ?) eins.Und es hat sich so einfach angefühlt und doch kann man nicht ewig in diesem ( Zustand) bleiben obwohl man es möchte. Zumindest ging es mir so.
    Ja auch das Spiegelgesetz und das Nichtbewerten holen mich fast täglich wieder ein. Aber jetzt kann ich damit arbeiten und nehme dankbar alles an und übe mich wo es geht. Und plötzlich verläuft das Leben viel ruhiger wo ich früher Kämpfe ausgefochten hätte, mache ich mich heute nicht mehr fertig.
    Es ist so schön dass wir trotz großer Entfernung ein Stück des Weges gemeinsam gehen können und es ist schön das ich das in Sein.de lesen durfte.
    Also Dank an Euch- schön das es Euch gibt.
    Alles Liebe von Heike

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  5. Miss Dáilo

    Schöner Text wirklich! Zur Frage was ist Liebe, hier ein kleiner Text den ich aus einem meiner Überzeugungsbücher habe über die Liebe:

    http://missdailo.jimdo.com/2011/01/25/das-pergament-des-alten-krato-einwohner-des-planeten-kia/

    Ich finde es beschreibt es hervorragend!

    Ich wünsche euch ein wundervolles Sein!

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