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Münzen, die leise klimpern, ein verzauberndes Lächeln – hinter einem Schleier verborgen. Hände, die zu locken scheinen. Hüften, die sich erst sanft im Takt wiegen, kreisen und sich dann – wie ein entfesselter Vulkan –  wild und ekstatisch zu trommelnden Rhythmen bewegen. Mit dem orientalischen Tanz – Bauchtanz oder auch Bellydance genannt – verbinden sich viele sehnsüchtige Fantasien…

 

Tänzerinnen haben von jeher die Köpfe der Menschen beschäftigt. Sinnlichkeit wird ihnen nachgesagt und eine Magie, die ihrem Tanz und ihrem Körper innewohnt, um die Sinne aller zu betören und zu verwirren. Die Faszination des Tanzes ist uralt, schon in der Bibel tanzt Salome den Tanz der sieben Schleier und benebelt damit ihren Stiefvater so sehr, dass er vor Gier nach ihr bereit ist, ihr den Kopf von Johannes dem Täufer auf einem silbernen Tablett zu servieren. Die sonstigen historischen Belege zu orientalischem Tanz sind relativ gering.

Ab dem 17. Jahrhundert erreichten uns, damals noch eingezwängt in die Moral der Zeit, Berichte von Reisenden aus dem Morgenland. Fiebernd-verklärten Harems-Fantasien gleich – von goldbehängten, in edelste Stoffe gehüllten Konkubinen. Erotische Ideal-Geschöpfe in Kurtisanendiensten, die ihren Gebieter mit fremdländischen tänzerischen Darbietungen erfreuten.

Man vermutet heutzutage, dass die bauchbetonten Tänze eventuell auf alte Fruchtbarkeitsriten zurückgehen und möglicherweise sogar eine geburtsvorbereitende Wirkung erzielen sollten.

Lediglich aus gemalten Darstellungen von altägyptischen Tänzerinnen in Grabkammern könnte man vorsichtige Rückschlüsse auf die Entwicklung dieser Tanzform ziehen. Nachdem Napoleon 1789 in Ägypten einmarschierte, breitete sich in Europa eine Orient-Manie aus. Dieser Boom zog sich bis ins 20. Jahrhundert. Little Egypt, Maude Allan oder Ruth St. Denis sind nur einige Namen von großen europäischen Tänzerinnen, die im übrigen gerne Salomes berühmten Schleiertanz aufgriffen.

 

Mata Hari

 

Bauchtanz_MataHari.jpgIm 20. Jahrhundert gab es dann vor allem eine Frau, die mit dem Mythos des orientalischen Tanzes geradezu gekonnt spielte, bevor sie im Ersten Weltkrieg als Spionin zwischen die Fronten geriet und schließlich hingerichtete wurde: Mata  Hari – eigentlich ein einfaches holländisches Mädchen, das für sich eine verrucht-exotische Vita erfand und mit ausgefallenen Kostümen und selbsterfundenen indisch-arabischen Choreographien Tempeltänze vorführte. Die Gesellschaft stürzte sich – zunächst ohne die angebliche Prinzessin zu hinterfragen – auf diese neue (und ungelernte) Künstlerin, die als Höhepunkt ihre Hüllen komplett fallen ließ.

 

Bauchtanz heute

Und auch heute noch – im Zeitalter von Pornographie und „Sex sells“ existiert der Mythos der exotischen Femme fatale, der verführerischen Frau, die den Betrachter mit ihren geheimnisvollen  Tanzschritten in ihre Magie webt. Dabei darf man nicht den Fehler machen, sich einer der Tänzerinnen unzüchtig zu nähern. Keine stolze und professionelle Bauchtänzerin würde sich jemals vor ihrem Publikum – trotz aufreizend gestalteter Kostüme – wirklich komplett entblößen. Bauchtanz ist ein erotischer Tanzstil, der von einer fließenden und sinnlichen Körperbeherrschung lebt, aber keineswegs mit Striptease zu vergleichen ist. Es gilt sogar als unschicklich, während der Darbietung mit den eigenen Händen über den Körper zu fahren, es muss immer Abstand gehalten werden. Selbst das bei Männern allseits beliebte Spiel „Wir stecken der Tänzerin ein paar Scheine in den Ausschnitt“ ist bei vielen eher ungern gesehen. Die Tänzerin versteht sich als Künstlerin, deren Performance man genießt – aber eben unberührbar aus der Ferne.

 

Bauchtanz in arabischen Ländern

Aber ganz klar: Was in Deutschland hoch angesehen ist und manchen mit glitzerndem Blick aufhorchen lässt, ist in arabischen Gefilden nicht wirklich wohl gelitten. Bauchtanz – das ist etwas, das die brave ägyptische Frau zwar tanzt, aber nur zu Hause, im Kreis der Frauen, zu besonderen Anlässen und garantiert nicht vor fremden Männern und in knappen, paillettengarnierten Kostümchen. Nicht umsonst (und sicher auch im Zuge einer um sich greifenden Islamisierung) sind die meisten in Ägypten auftretenden Künstlerinnen mit wohlklingenden arabischen Namen aus dem Ausland – aus Deutschland zum Beispiel.

 

Die neuen Wilden – Tribal Dance

Abseits von schrill-glitzernden Kostümen aus Synthetik-Samt und bunten Glitzersteinchen hat sich in den letzten Jahrzehnten in den USA aus dem herkömmlich gelehrten Bellydance ein neuer orientalischer Tanzstil entwickelt, der inzwischen auch zu uns geschwappt ist. Das Motto könnte man mit „back to the roots“ – zurück zu den Wurzeln – umschreiben. Tänzerinnen sind hier in „Tribes“ (Stämmen) zusammengeschlossen und tragen eine „Stammestracht“. Diese Kostüme sind ursprünglicher und sehr viel mehr an folkloristische und traditionelle arabische/nordafrikanische Kleidung angelehnt. Viele Tänzerinnen tragen Körperbemalungen, Tätowierungen oder anderen Körperschmuck. Bei den Vorstellungen tanzt die gesamte Gruppe und nicht nur eine einzelne Solotänzerin auf der Bühne. Auch die Musikauswahl ist deutlich vielfältiger und dehnt sich von Mittelaltermusik, klassischen arabischen Klängen bis hin zu Gothic oder Heavy Metal. Wer sich vom herkömmlichen Bauchtanz nicht angezogen fühlt, findet hier eine gute Alternative.

 

Bauchtanz als Sport?

Bauchtanz_1.jpgTrotz aller geheimnisvollen Mystik, die dem orientalischen Tanz zugeschrieben wird: Oft werden die angebotenen Kurse eher etwas abfällig als Hausfrauen-Beschäftigungsmaßnahme belächelt. Dabei bietet diese „Sportart“ sehr viel mehr. Zum Aufwärmen und Lockern der Muskeln werden in den Kursen Dehn- und Streckübungen aus dem Aerobic- und Yogabereich genutzt. Sarah Infantino, eine junge Bauchtanzlehrerin, die in der Frieda in Berlin-Friedrichshain unterrichtet, hat hierzu einige Fragen beantwortet:

Was fasziniert Sie am Bauchtanz?
Das Verspielte und Romantische… zu locken, verführisch und doch wirklich unerreichbar zu sein, die Zuschauer mitzureißen und durch die kunstvollen Bewegungen zu verzaubern und in den Bann zu schlagen. Bauchtanz ist ja nicht nur die Bewegung der Hüfte oder ein wenig Herumwedeln mit dem Schleier, sondern das harmonische Zusammenspiel des ganzen Körpers. Körper und Geist müssen eine Einheit bilden, man muss sich selbst reflektieren können, um besser zu werden und sich im Einklang mit dem Rhythmus der Musik bewegen.

Können die Bewegungen beim Bauchtanz die Gesundheit fördern?
Der orientalische Tanz ist gut für den Gleichgewichtssinn, den man immer trainieren sollte, da er gerade im Alter wichtig wird. Die Muskulatur von Hüfte, Bauch, Po und Oberschenkeln wird ebenso gestärkt. Zudem ist es eine gute Schulung der Beckenbodenmuskulatur – für Schwangere nicht ganz uninteressant. Die aufrechte und gesunde Haltung der Wirbelsäule wird ebenso gefördert. Und im Gegensatz zu anderen Tänzen muss die Frau hier nicht auf gefährlich hohen Stöckelschuhen tanzen. Traditionell tanzt man eigentlich barfuß.

Es ist also wirklich eine Art Fitness-Training?

O ja. Tanzübungen sind ebenso anstrengend wie manches Workout. Davon abgesehen: Der Körper wird ja in seiner ganzen Vielfalt genutzt. Durch die verschiedenen Isolations-Übungen mit der Muskulatur lernt man sich selbst besser kennen und balanciert sich innerlich wie äußerlich aus. Das hat natürlich auch Auswirkungen auf den Alltag. Zumal die reine Freude beim Tanzen – das durchaus auch wild, frei und nicht streng choreographiert ist und viel Platz für Improvisationen und den Ausdruck persönlicher Empfindungen lässt – sich durchaus auch psychisch positiv auswirkt. Wer mit Liebe und Freude tanzt, kann auch sich selbst leichter lieben.

Und wie sieht es mit dem Alter aus?

Nicht jede Sportart ist für jede Altersklasse geeignet…
Es kann wirklich jeder teilnehmen, der Lust dazu und Spaß an der Bewegung hat. Kinder können ebenso orientalischen Tanz lernen wie ältere Menschen. In unserer Gruppe war schon fast jedes Alter vertreten.

Viele Frauen heutzutage tragen ja etliche Kilo zuviel mit sich herum, und gerade diese trauen sich erst recht nicht an Sport heran, aus Angst, wegen ihres Körpers ausgelacht zu werden oder sich nicht schön genug bewegen zu können… Kann man auch als dicker Mensch am Bauchtanzunterricht teilnehmen? Oder macht man sich da lächerlich?

Es gibt da ein altes arabisches Sprichwort: „Eine Frau ohne Bauch ist wie ein Himmel ohne Sterne!“ Eine meiner besten Schülerinnen, die inzwischen seit anderthalb Jahren dabei ist, entspricht selbst nicht gerade dem Idealgewicht. Von Anfang an hat sich sich – trotz ihres Gewichtes – gut bewegt. Und nachdem sie die erste unnötige Scheu überwunden hatte, ist sie inzwischen eine wirklich sehr gute Tänzerin. Erotisch anmutender Tanz und zu runde Hüften schließen sich also keineswegs aus, sondern helfen sogar die Akzeptanz für den eigenen Körper zu erhöhen und seine Weiblichkeit anzunehmen. Jede Frau kann also „den Schleier nehmen“, lostanzen und sich selbst als Königin fühlen.

Bild oben © Andres_Rodriguez-fotolia.com

Bild unten © Howard_Sandler-fotolia.com

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