Anzeige

Der Zugang zur Kreativität ist vielen Menschen durch Erziehung zur Leistung und äußere und verinnerlichte Bewertungen mehr oder weniger verstellt. Was bleibt, ist der anstrengende und meist vergebliche Versuch, doch irgendetwas “von Bedeutung” und “Sinn” zu erschaffen, das “Spuren in der Welt hinterlässt”.  Corinna Wittke zeigt, warum das nicht funktionieren kann und wie wir aus der Erschöpfung wieder in die lebendige Schöpfung finden.

 

Intuition ist die innere Weisheit, präsent und wach aus dem Fluss des Seins zu schöpfen, unberührt von den eingeflüsterten Verstandesdiktaten und gut gelernten Verhaltensmustern. Schöpfung geschieht hier und jetzt, immer und überall. Das Leben ist unfähig, sich nicht selbst zu kreieren. Es drückt sich aus in mannigfaltiger Form und phantasiereichster Art – ob wir das wollen oder nicht, spielt dabei so ziemlich keine Rolle. Im Gegenteil, wir selbst sind unablässig dabei, Schöpfer zu sein. Die Frage ist nur, ob wir es überhaupt bemerken und ob wir es genießen können, Werkzeug zu sein im großen, kreativen Schöpfungsfeld. Oder sitzt noch immer unser Wille auf dem Thron und meint zu lenken, zu wollen, zu leiten und zu leisten? Doch “wo ein Wille ist, da ist kein Weg” (Zitat Meister M., Mario Mantese) – zumindest nicht für das, was wir Intuition nennen. Dieser Impuls, dieser Wegweiser, der von tief innen aus der großen Stille kommt, der uns tatsächlich leitet und führt und in dessen Strom wir sekündlich Zeuge von kreativer Schöpfung sein können, lässt sich weder erzwingen noch vermeiden. Er geschieht. Er ist da, immer, hier und jetzt. Der Schlüssel zur intuitiven Schöpfung ist die Freude, ein gutes Werkzeug dabei ist – für mich – der Pinsel in Kombination mit einer “appetitanregenden” Farbpalette.

Schöpfung geschieht also, egal ob wir ihr vertrauen oder nicht und egal ob wir uns trauen, daran aktiv teilzunehmen oder nicht. Die Freude an der Schöpfung, das lebendige Gleiten im Fluss der Intuition hingegen, geschieht nur dann, wenn es uns gelingt, den Gedankenstrom jahrtausendealter Prägungen aus Angst, Zweifel, Urteil, Willen, Bedeutung, Anerkennung etc. zu überwinden. Das hört sich schwer an – und was haben wir nicht alles schon probiert, um unsere alten Muster aufzulösen, unsere Gedanken zu beruhigen, unsere Heilung voranzutreiben.

Doch im Grunde ist es ganz einfach: Der Schlüssel zur Freude ist die Freude selbst, die Lust, den Pinsel in einen der leuchtenden Farbtöpfe zu tauchen und das erste Zeichen, den ersten Strich auf dem weißen, noch unberührten Papier zu verfolgen. Nun weiter neugierig unsere Spur zu ziehen, zu entdecken, was da herauskommt, was sich zeigt, was als Nächstes gemalt sein will – wie schon als kleines Kind, bevor Erwachsene sich urteilend, sei es verbessernd oder lobend, einmischten.

 

Begegnung mit dem Nullpunkt

Malen aus der Unendlichkeit ist meine Antwort auf die Suche nach einer anderen Art zu malen, einer anderen Art zu sein. Ich habe sie nicht erfunden, sondern erfahren, als ich mich mehrere Wochen in mein Atelier zurückzog, um mich ohne Ablenkung und Ausreden dieser harten Wand aus Zweifeln, Konzepten und intuitiver Verhinderung zu stellen, die mich jahrelang zutiefst unglücklich gemacht hatte und das künstlerische Arbeiten oft zu einem Nahkampf ausarten ließ. Ich wollte damals endlich herausfinden, gegen wen oder was ich da kämpfte, vor was ich immer wieder so angestrengt und erfolgreich davonlief. Ich entschied mich, nichts zu tun, außer mich nicht mehr abzulenken, einfach da zu bleiben, zu sein mit allem, was da sei. Es war recht ungemütlich, um es mal zart auszudrücken. Ich begegnete der bleiernen Müdigkeit, der verzweifelten Sinnlosigkeit, der Ungeduld und anderen tief traurigen Abgründen. Und dann kam eines Tages der Impuls aufzustehen, jetzt sofort, alles von den Wänden zu nehmen und radikal Platz zu schaffen für das Unbekannte. Ich begann sofort und ohne Zögern zu malen. Da war Kraft, da war Kompromisslosigkeit, da war Ehrlichkeit und Intimität, Tränen und eine seltsame Fügung aller Teile, die das Bild in Frieden vollendete.

Während dieser Phase bekam ich das Buch “Point Zero – Creativity without Limits” von Michele Cassou geschenkt. Es las sich wie eine Bestätigung dessen, was ich gerade erfahren hatte, und ermutigte mich, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen. Bald folgte mein erstes abenteuerliches Point-Zero-Seminar bei Michele Cassou selbst und dann weitere intuitive Befruchtungsschübe in den Seminaren von Kathrin Frankenberg, ihrer Assistentin und Vertreterin in Deutschland. In der Methode des Point-Zero-Painting gibt es lösende Fragen, die dich aus dem Verstand herauslocken und wieder zum Nullpunkt deiner Kreativität zurücktragen.
Seither arbeite ich konsequent damit und entdecke dann immer wieder, wie einfach es im Grunde geschieht. Die Reanimation des ursprünglich intuitiven Lebens- und Schöpfungsstroms besteht “nur” darin, die eigenen Widerstände für sich zu nutzen und darauf in die Freiheit zu reiten: frei von Kunstanspruch, frei von Bedeutung, frei von Ästhetik oder deren Verweigerung, frei von Botschaft, Sinnhaftigkeit und Absicht, frei von Konzept, frei von unseren eigenen ewig durchgekauten Geschichten. Statt dessen gilt es einfach, schlicht und intim zu werden. Da, wo der Funke der Schöpfung wieder sprüht und ganz natürlich alles entstehen kann: der Himmel, der Abgrund, der Teufel, der Tod, die Wüste, die Rose, das Schaf, die Mutter, das Nichts, die Wut, das Farbbad der zarten Berührung mit deinem inneren Mysterium, Millionen winziger Sterne mit der Geduld der Ewigkeit gepinselt.

 

Intuition ist schneller als dein ­Gedanke

Oft besetzen Zweifel und Angst die Stelle für unseren intuitiven Fluss. Soll ich oder soll ich nicht? An dieser Stelle können wir einen lebenslänglichen Hirnverhedderungs-Prozess durchleben, immer mit der Idee, wir müssten uns noch Zeit geben, um die Wahrheit, um das Richtige herauszufinden. Spätestens da sollten alle Signalglocken läuten! Intuition ist immer schon da, bevor du sie finden kannst. Genau dort, wo es spielend leicht geht. Das, was Mühe macht, ist nur das Zögern, das Zweifeln, das Immer-wieder-Hinterfragen. Oder gar die seltsame Behauptung, keinen Impuls zu spüren. Intuition ist einfach und spirituell, ist nichts, was es noch zu klären gibt, weil es längst klar ist, längst da ist.

An dieser Stelle braucht es eine radikale Entscheidung: Weitermachen wie bisher oder bereit zum Aufbruch ins Unbekannte? Als Kompass in dieser abenteuerlichen Reise dient das Empfinden für Erschöpfung oder Lebendigkeit, für Ratlosigkeit oder Klarheit, Langeweile oder Freude. Hier setzt die wachsame Diagnostik am Puls der Blockaden ein, der lebendige kreative Puls als Gradmesser deiner intuitiven Verbundenheit.

Sobald es uns gelingt, damit aufzuhören, unsere intuitive Weisheit zu unterdrücken, sie zu beschneiden in ein ­ordentliches, anerkanntes, moraladäquates Format, sobald wir den verkopften Tumult des Zweifelns und Haderns beenden, finden wir aus der Erschöpfung unseres angestrengten Lebens heraus und beginnen begeistert und voller Elan zu schöpfen. Das kreiert erstmal herrlich wirbelige Aufgeregtheit und generiert neue Kraft.

 

Die Identifikationsfalle

Eine der größten Fallen im Schöpfungsprozess ist die Identifikation mit dem Produkt, mit unseren Leistungen. So wurden wir programmiert. Dieses im Vergleich mit anderen fest verankerte Wirklichkeits- oder Wichtigkeitsmodell loszulassen, macht uns Angst.
Malen aus der Unendlichkeit schafft Verlebendigung durch den Prozess des Malens, durch den respektvollen Umgang mit allem, was sich zeigt, nicht aber mit der Wichtigkeit eines Endproduktes.

Es wäscht die alten Glaubenssätze aus, ganz besonders das “ich kann nicht” malen, singen, schreiben, mich ausdrücken, das viele von uns schon von klein auf in sich zementiert haben. Oder jene anderen, die immer schon gelobt wurden, wie toll sie das hinkriegen, wie ähnlich das sieht, wie schön, wie gelungen… und seither unter dem Joch der Wiederholungstat leiden. Kreativität aber, das ist die unbekannte wilde Kraft in dir, die Freiheit von Moral, Wert und Urteil und auch der Witz, das Spiel.
Nimm den Pinsel als Machete und erkunde deinen persönlichen Urwald hinter den Verbotsschildern.

Es ist in Ordnung, auf dem Papier das zu malen, was deine Moral dir untersagt. Es ist absolut ungefährlich. Wenn die Flut unterdrückter Bilder endlich ehrlich herausfindet aus dem Kerker deines Verbotsschildwaldes, in Form deines Ausdrucks auf dem Papier, dann kann sie auch gehen. Dann wandelt sich im Prozess des Malens, des Durchfühlens deiner Ängste, diese Gewalt in dir in Erlösung und Erleichterung. Vielleicht musst du grinsen, weinen, kichern oder stehst tief berührt und staunend vor etwas, das dich da aus deinem Bild heraus anschaut.

Der Prozess erfordert Mut und die Erlaubnis zu spielen, spielerisch zu entdecken. Er fordert die Bereitschaft, jedem Strich mit Respekt und Willkommen zu begegnen, mit einem ”fokusnonfokus”, absichtslos und doch absolut präsent im Jetzt.
Malen aus der Unendlichkeit ist abenteuerlich, spannend und zutiefst belebend. Einmal davon gekostet, möchte man den Erlebnisstrom nicht mehr missen. Der Zauber, der sich hier entfaltet, bleibt nicht auf dem Papier: Hier bleibt nur das, was gemalt wurde. Jedoch ins Leben, in den Alltag, fließt nach und nach die neue Freiheit, für sich zu stehen, sich zu trauen, sich ganz zu respektieren und den intuitiven Impulsen direkt und ohne Zögern zu folgen. Das behutsame Lauschen mit dem Pinsel trägt uns ganz natürlich in unsere ureigene Schönheit. Und es befördert eindeutig die Lust, weiter zu malen, weiter zu sein…

4 Responses

  1. farbfreude

    Sofern Worte die Schätze dieses Malprozesses überhaupt beschreiben können, trifft dieser Artikel haargenau meine eigenen Erfahrungen.
    Vielen Dank!

    Antworten
  2. kaiserskleid

    ist das nicht voll peinlich wenn die lehrerin franckenberg ihre alte schülerin wittke wie ein kleines kind lobt?
    und für was eigentlich?
    für das daß sie es nach etlichen kunstschulen und seminaren geschafft hat freude beim malen zu finden und den pinsel richtig in die hand zu nehmen?
    aber hat sie das wirklich?
    wo kann man ihre bilder überhaupt sehen?
    kann es wirklich sein, daß sie als berufskünstlerin so einen esoterischen dekokitsch malt und dabei kreative befreiung findet?
    ich glaube die arme hat zuviel schule und kunsttherapie abgekriegt und versucht es in irgend eine erfolgsstory umzukrempeln.
    einem kind muss man nicht sagen male oder musiziere um glücklich zu sein, weil ein kind einfach vor sich hin malt und trommelt. aber nachdem die lehrer kommen und sagen: ab in die schule, du darfst ab jetzt nur bilder nach dem muster ausmalen und wiederholen, wird jedes kind traumatisiert und fast blind und taub gemacht.
    und nach vielen jahren sklavenarbeit und unvermeindlichem burnout, kommt dann die große rettung der kunsttherapie. dir wir ganz dreißt und teuer beigebracht daß du einen spontanen kreis, eine wolke und blume malen kannst, wenn du dich noch traust. und wer es schafft, natürlich rein intuitiv nach langer kunsttherapie, ein buddhabild zu erstellen, ist ganz oben angekommen und kann selbst therapeut werden und sogar die ganze welt heilen, alle menschen und steine und natürlich alle planeten.
    also leute, laßt euch nicht von einem kunsttherapeuten für blöd verkaufen. die ganze wahrheit muß jedem schon aus dem kinderbuch „des kaisers neue kleider“ bekannt sein und wenn nicht, dann lest dieses buch und laßt euch nicht verarschen.

    Antworten
  3. Kathrin Franckenberg

    Na Klar!!! ist dieser Artikel wertvoll! Corinna beschreibt die Erfahrungen ihrer schöpferischen Prozsse auf diese, ihre eigene poetische Weise und ich hoffe, dass sie damit viele Herzen berührt!

    Kathrin Franckenberg

    Antworten

Hinterlasse einen öffentlichen Kommentar

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

*