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Überflutung der Gefühle!

Unersättlicher sexueller Appetit! Genusssucht! Überwältigt von ungeformten inneren Impulsen bringt unser Bedürfnis nach Liebe und Sex unseren gesamten Hunger nach Berührung, Empfindung und Kontakt zum Ausdruck – und vielleicht zeigt sich darin sogar der Wunsch, etwas Sinn im Leben zu finden.
Was ist eigentlich die tiefste Quelle unserer Unzufriedenheit, dieser unerträglichen inneren Leere, dieser unermüdlichen Suche/Sucht, dieser Konzentration auf Erregung und intensive Sinneserfahrung, die uns antreibt, uns alles einzuverleiben und anzueignen?

Ein ausgeprägter oraler Fokus bringt uns dazu, mehr haben zu wollen von allem, was gut tut – und das möglichst sofort! Unfähig, die Befriedigung irgendeines Bedürfnisses aufzuschieben oder irgendein Vorhaben zu vollenden, werden wir süchtig nach Anfängen und genießen die damit verbundene Erregung. Dieser Drang nach physischer Vereinigung ist wie ein Schmerz, der gestillt werden muss, der so stark werden kann, dass man meint, sterben zu müssen, wenn man diesem Drang nicht ständig und immer nachgibt. Kann man das nicht spontan, spürt man einen inneren Schmerz und ist besessen von dem Gedanken an den anderen, an sein zweites „Ich“. Unfähig, irgendetwas anderes zu tun, bis man sich wieder vereinigen kann. Denn nur wenn man das Gefühl hat, mit der geliebten Person eins zu sein, ist man glücklich und kann seine Sucht befriedigen.

Zu viel zu schnell! Beziehungen kommen oft sehr rasant zustande. Der Partner oder die Partnerin können Schwierigkeiten bekommen, mit dieser Unersättlichkeit mitzuhalten, sind sie dabei doch nie so recht sicher, ob sie geliebt oder aufgefressen werden. So viel Verlangen, so viel Hingabe bedroht einen Menschen, der damit nicht umgehen kann.

Wir werden ein Fleisch sein!

Aber die Nähe und Verletzlichkeit, die eine intime Beziehung mit sich bringt, konfrontieren uns auch mit der potentiellen Drohung, im Stich gelassen zu werden. Und wessen Leben/Biographie mit Medorrhinum, dem homöopathisch potenzierten Tripper, in Resonanz steht, der ist geradezu mit einer gesteigerten Verwundbarkeit gegenüber jeder Form des Verlassenwerdens zur Welt gekommen und schwankt fortan in Beziehungen extrem zwischen Verstrickung und Isolation. Förmlich besessen davon, mit Macht das Objekt seiner Begierde zu erobern und mit dieser Person zu verschmelzen, eins zu werden, verschwimmen die Grenzen, bis die Wärme, die dieses Ineinander-Verflochtensein erzeugt, endlich stickig wird und die zunächst  stürmische emotionale Atmosphäre sich verdichtet bis hin zur Erstarrung.

Wenn die Dämme brechen!

Doch der Überschwang, die charismatisch-animalische Anziehungskraft und das einzigartige Einfühlungsvermögen dieses nach außen treibenden Wirbelwinds von Erregung wird genährt von Empfindlichkeit und emotionalem Schmerz im Inneren, eines Gefühls grundlegender emotionaler Unsicherheit aufgrund einer Verlassenheitserfahrung in der Vorgeschichte.

Die eigentlich gewünschte Nähe und Vertrautheit werden nun als Verlust von Selbstgefühl und Identität erfahren, und so treibt es uns zum anderen, entgegengesetzten Extrem, sich vom anderen abzutrennen, ihn von uns wegzustoßen und sich zu isolieren, um sich von den massiven Beschränkungen dieser verstrickenden Beziehung zu entlasten. Für eine Weile dämpft dann die intensive Konzentration auf sich selbst den inneren Schmerz. Eine Phase, die ebenfalls geprägt ist von allzu großer Nachgiebigkeit gegenüber den eigenen Gelüsten, wie exzessivem Essen, maßlosem Trinken und Rauchen. Denn fehlt der echte Kontakt zum Du, dann bricht der innere Schmerz zur Oberfläche durch und wird unerträglich. Genussmittel wie Kaffee, Nikotin und Alkohol verschaffen uns jetzt unmittelbare Linderung, dämpfen das entsetzliche emotionale Leiden, und wir werden süchtig. Die „medorrhinische Genusssucht“ ist eine Form von Schutz vor Kontakt, Vertrautheit und Intimität. Durch das gewohnheitsmäßige Ablenken mit äußeren Reizen sind wir aber dann nicht dafür gerüstet, mit den intensiven Emotionen aus unserem Inneren umzugehen. Schließlich kehren die Leere- und Einsamkeitsgefühle zurück und es treibt uns erneut in eine Beziehung, die durch die beschriebene Verstrickung charakterisiert ist.

Dabei neigen wir dazu, uns selbst von außen her zu definieren. Daher ist das Bild, das wir von uns projizieren, außerordentlich wichtig. Wir probieren ein Outfit nach dem anderen aus, denn unsere Augen sind ständig darauf trainiert, die Reaktion der anderen, der Außenwelt, wahrzunehmen.

Einfach sein!

Homöopathisches Medorrhinum erinnert uns im Verschmelzungserlebnis auch an die religiöse Dimension der Verliebtheitserfahrung, in der vorweggenommen und vorausgeahnt wird, dass es unsere letzte Bestimmung ist, in diese Einheit mit dem „Ganzen“ einmal zurückzukehren. Für Augenblicke ist die Sehnsucht nach Ganzheit erfüllt.

Medorrhinum hilft uns aber auch zu erkennen, das diese innerste Wunde nicht ausschließlich durch die Sucht nach körperlicher Vereinigung zu stillen ist, sondern dass wir diese verlorene Hälfte in uns selbst erkennen müssen.

Erlöstes Medorrhinum heißt, die Welle deines Lebens zu reiten, sanft über diese brechende Welle zu gleiten, schnell und elegant vom Meer vorangetrieben. Eine lebensverändernde Welle, die uns verwandelt und uns aus alten Mustern auszubrechen hilft, in denen wir vor lauter Angst unser Leben nicht leben. Wir beginnen, uns von allem „Mist“ zu lösen und fangen an zu leben, wirklich zu leben, vielleicht zum ersten Mal, und intuitiv mit dieser unvorstellbaren Energie in uns umzugehen.

 

Copyrigt für alle, auch für bereits im Verlag erschienenen Homöopathieartikel bei Werner Baumeister.

Über den Autor

Avatar of Werner Baumeister

ist Heilpraktiker mit homöopathischer Praxis in Berlin.

Die im SEIN regelmäßig veröffentlichte Fortsetzungsserie: „Homöopathische Arzneibilder von Werner Baumeister“ versteht sich auch als homöopathischer Spiegel aktuellen Zeitgeschehens.

(Sammlung aller bisher veröffentlichten Artikel) beim Autor direkt unter: 0172 – 391 25 85

12 Responses

  1. Susanne

    Nun weiß ich, wieso ich schon so lange Med. nehme, ohne das Gen ausschalten zu können. Es ist das letzte Gen, was ich Epigenetisch bei mir ausschalte, von 48 zuvor.
    Mittlerweile gibt es eine neue Medorrhinum-(Erb)Nosode, namens Medorrhinum Americana, gewonnen aus dem Gonorrhoe-Eitersekret eines Erkrankten (ein amerikanischer Mann) mit ausgeprägten syphilitischen Zügen. Dieses neue Medorrhinum, das sowohl medorrhine als auch luetische Anteile enthält, soll weit stärker wirken als das alte³, was meiner oben beschriebenen Erfahrung mit Luesinum/Medorrhinum entspricht. (Medorrhinum Americana ist bei Helios erhältlich.)

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  2. Susanne

    Da schreibt ein erlöster Kenner. Wirklich guter Schreibstil!
    Seit 5 Monaten behandel ich mich mit Med. M tägl..
    Als Konstitutionsmittel Sepia und meine Mutter Lach. hatte ich seit 50 Jahren nur Umgang mit Menschen, deren Weltsicht Lach. war! Komme sehr langsam voran mit mir.
    Meine Familie hat mich von Klein auf nur gemobbt. Nun durchschaue ich alles. Es ist erschreckend, wie feindlich dieser Neid von Lach. mein Sein bedrohte.
    Dank Med. komme ich erst wirklich dahinter. Lach. wird hässlich und uninteressant, was ja eigentlich normal ist für Menschen, die sich nicht riechen können.

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  3. Michael

    „Dazu dieses enorme dauernde Wollen, bei gleichzeitiger Blockade etwas davon zu realisieren…“

    seele schreibt mir aus der Seele..;-) heute bin ich 45 – das kenne ich schon ewig und immer wieder aufs neue.. ebenso wie auch das Wellenreiten.. es klappt halt nur nicht immer..

    Eine sehr lebendige Beschreibung. Super.

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  4. hofmair

    Super,

    das Mittel wird so treffend beschrieben, besser geht es auch nicht.
    Habe das Mittel von 6LM bis 18LM ein halbes Jahr genommen.

    Bin wie neu.

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  5. Nakuzzi

    Hier bin ich wieder — nach 3 Wochen Medorrhinum C200 Einnahme. Ich glaube, dass bei mir das Mittel nicht anschlägt. Allerdings gab eine eine interessante Nebenwirkung, weshalb ich es nach 3 Wochen Einnahme auch abgesetzt habe: Ich bekam juckende Pickelchen am Oberbauch. Es muss mit Medorrh. zu tun gehabt haben, denn jetzt gehen die Pickelchen wieder weg.
    (insofern hat es wohl doch gewirkt – „pickeltechnisch“)
    Ansonsten ????
    Migräne ist zwar weniger geworden (Phorshorus C200), aber Kopfweh sind geblieben.

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  6. Nakuzzi

    Ich hatte Medorrhinum nach der Behandlung mit Phosphorus C200 bekommen. Phosphorus hatte meine Migräneattacken eigentlich recht gut eingedämmt, aber so ganz weg war es dann doch nicht.
    Danach bekam ich 1x Medorrhinum C30. Ich weiß nicht genau, ob es gewirkt hat, werde daher noch einmal Medor. C200 nehmen. Mein Leben ist nicht so chaotisch, wie im Artikel beschrieben, vielleicht aber auch nur, weil ich irgendwie vernünftig bin, d.h. mein Kopf bestimmt mit. Ich würde gewisse Dinge einfach nicht machen, weil ich weiß, dass es mir nicht bekommt. Besser mit einem Partner alles durchstehen und schön zuende machen (das befriedigt mein Harmonie- und Schönheitsgefühl, dass ich etwas hingekriegt habe), als so viele Wechsel … na ja, ich bin eben vernünftig. Soweit meine Erfahrung zu Medorr. C30.

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  7. seele

    Auf den Punkt-danke! Ich habe nach fünf Jahren Behandlung? ähm… eher Suche, mit unendlich vielen Mitteln, nun endlich dieses bekommen. Keine Ahnung, ob es das nun ist u. mein Arzt kommentiert das auch nie, aber ich habe nach drei Wochen seit der c200 Einnahme, ein deutliches Gefühl von Veränderung in mir. Ewig diffuse Schmerzen, ein Leben was keines mehr ist, Einsamkeit u. Isolation seit Jahren, Beziehungschaos ein Leben lang, sowie beruflicher Totalausfall…immer wieder wiederholten sich diese Phänomene u. nix hat je wirklich geholfen. Dazu dieses enorme dauernde Wollen, bei gleichzeitiger Blockade etwas davon zu realisieren u. wenn, dann mit unangenehmem Verlauf u. schmerzhaften Folgen. Immer brachten die verschiedenen Mittel nur einen kurzen hoffnungsvollen Placeboeffekt u. dann ging das Drama weiter. Ein Gefühl, als wäre man von nem anderen Stern u. keine der angestrengten Bemühungen haben je wirklich Linderung und Integration gebracht. In dem Buch „Psychodynamic der homöo.Arzneim.“ fand ich einen ähnlich Hoffnung stiftenden Artikel zu Med. u. nun, da sich auch etwas in mir aufzuhellen scheint, wage ich erneut eine Besserung zu ahnen. Die Polarität dieses Mittels, das nach außen drängen u. wollen, wie auch der Rückzug, die Vermeidung u. Scham, haben mich geschafft u. ich hoffe nun endlich auf eine bessere zweite Lebenshälfte, die Ihrem Schlusswort ähnlich sei. Ich lebe aus Angst seit Jahren in totaler Askese u. das ist ebenso wenig ein Leben, wie in einer Sucht oder gar mehreren Süchten gefangen zu sein. Möge das Leben also zu einem eleganten Gleiten auf der Welle der Lebendigkeit werden. Sehr schön, danke!

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  8. Volker

    Lieber Werner Baumeister. Ganz herzlichen Dank für den Artikel, der mir (leider) erst nach einer beendeten Beziehung die weitreichende Dimension von Medorrhinum erschlossen hat. Als Partner zu erleben, wie sich die beschriebene Gier nach körperlicher Vereinigung (nach EinsSein) verheimlichte Befriedigung bei anderen Männern ihren Weg bahnt, wie die Suche nach dem „Mehr“ zu zunehmender Überschuldung führt, wie sich das gesamte Handeln plötzlich ausschließlich über „PantaRei“ definiert, macht Angst. Ich kann es nicht anders beschreiben. In Kombination mit sich steigernden Hormongaben (vom Arzt verordnet) eine hochexplosive Mischung für jede Beziehung. Das Ganze in Liebe zu erlösen, erwies sich im Nachhinein als eine der größten Herausforderungen, denen ich mich je stellen durfte. Ich bin überaus dankbar für diese Lebenserfahrung.

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  9. Andrea

    Die Beschreibung ist super. Ich habe vorher einige andere Seiten zu diesem Mittel gelesen und dachte, der Arzt (Homoeopath) hätte sich bei mir vertan. Aber es trifft alles zu. Wow!!! Das frühe Verlassenworden sein, die Spirituelle Dimension und vieles mehr. Ich bin froh, diese Seite gefunden zu haben. Danke!!

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    • david reeve
      schmerzhafte errinerungen 27 03 15

      Fur etwa i Jahr bekam ich schmerze im ganze leib, und mein artz sagte falsch medicament nach 3 monate etwa ging ich zu Homoprachtike. Sie hatte mich sehr intensive untersuchte und nach und nach auf Medorrhinum c 30 gebracht, Heute bin ich schmerzfrie
      man, muß aber gedult haben Ich bin aber frohe das ich diesen weg gefunden habe.

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