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Wenn wir in einem Cafe einen Latte Macchiato oder einen Cappuccino genießen, sind wir uns in diesem Moment nicht bewusst, dass wir durch die Wahl der Milch in unserem Kaffee einen wesentlichen Einfluss darauf haben, ob der Regenwald in Brasilien weiter abgeholzt wird oder gentechnisch veränderte Pflanzen unsere Gesundheit gefährden.

Die Mehrheit der BundesbürgerInnen findet es richtig, dass die Bauern mehr Geld für ihre Milch bekommen sollen. Nur für welche Leistung? Angesichts des Milchstreiks der Landwirte ist es an der Zeit darüber nachzudenken, wie „billige“ Milch in Deutschland und im Rest der industriealisierten Welt produziert wird.

Die konventionell wirtschaftenden Landwirte wenden sich derzeit mit der Bitte um Fairness und Verständnis an die Gesellschaft und versuchen verzweifelt, einen höheren Abnahmepreis für ihre Milch beim Konsumenten durchzusetzen. Nur wie sieht es mit der Fairness dieser Landwirte gegenüber der Umwelt und ihrem Verständnis gegenüber den Menschen z.B. in Lateinamerika aus? Warum wollen nun diese, nicht biologisch und nicht nachhaltig wirtschaftenden Milchviehbetriebe, für die gleiche Leistung mehr Geld?
Einerseits sind es die permanent steigenden Kosten für Dieseltreibstoff, die auf das Ergebnis der Landwirte drücken. Was jedoch viel schwerer wiegt, ist der extrem gestiegene Preis für Kraftfutter, der den konventionell wirtschaftenden Landwirten die Gewinne verdirbt. Wohl wenigen Milchkonsumenten dürfte bekannt sein, dass Milchkühe in der konventionellen Milchwirtschaft neben Gras und Heu mit Maissilage und mit Kraftfutter auf Sojaschrot-Basis gefüttert werden. Nur durch die Fütterung eines derartigen Eiweißspenders wie Soja, der früher billig zu haben war, sind die hohen Milchleistungen der Kühe, in der Spitze mit 10.000-12.000 Liter pro Jahr oder 25-40 Liter pro Tag und Kuh, überhaupt zu erreichen. Kostete Sojaschrot vor einem Jahr noch 180,- Euro pro Tonne, sind es heute 366,- Euro. Vor allem diese Mehrkosten wollen die konventionellen Milchbauern nun an die Verbraucher weitergeben. Doch Soja ist mehr als nur ein teures Futtermittel, es ist ein Klimakiller erster Ordnung und sein Anbau äußerst umstritten.

In der EU werden jährlich 34,5 Mio. Tonnen Soja (das ist eine Lastwagenkarawane von 23.000 km Länge) für die Fleisch- und Milchproduktion verfüttert. Nur 300.000 Tonnen davon produziert die EU selbst. Der Rest wird fast ausschließlich aus Lateinamerika importiert und stammt überwiegend aus gentechnischem Anbau. In Brasilien sind mittlerweile fast 50 Prozent und in Argentinien, mit 30 Mio. Tonnen der weltgrößte Sojaexporteur, 99 Prozent der Soja-Anbauflächen Gentechnik-Soja. Beinahe der gesamte Sojaanbau in Argentinien besteht aus ‚RoundupReady‘-Sorten des multinationalen Biotechnologiekonzerns Monsanto. Nur diese genetisch veränderte Soja-Pflanze widersteht dem Unkrautvernichtungsmittel ‚Roundup‘ welches laut einer Studie des Wissenschaftlers Prof. Robert Belle, (nachweislich) krebserregend ist und auch auf deutschen Äckern, vor allem in Brandenburg, im Maisanbau eingesetzt werden darf. Wir Konsumenten können also davon ausgehen, dass der überwiegende Teil des in die EU und damit auch nach Deutschland exportierten Sojas aus Argentinien und damit aus Gentechnikanbau mit RoundUpReady-Sorten von Monsanto stammt, welches mit dem Spritzmittel RoundUp behandelt wurde, das nachweislich krebserregend ist. Na dann, guten Appetit!

Weil hierzulande immer mehr Ackerfrüchte wie Raps und Mais in die Biokraftstoff- und Biogasproduktion gehen,  steigt der Bedarf an importierten Futtermitteln wie Soja von Jahr zu Jahr. Das heißt auch, je höher die Nachfrage, desto höher der Preis und desto lukrativer ist es für die Sojabarone in Brasilien, den Urwald weiter abzuholzen und neue Sojafelder anzulegen. So hat Brasilien innerhalb der letzten fünf Jahre weitere 150.000 qkm Wald, das ist die Fläche Griechenlands, durch Abholzung verloren und damit den Klimawandel weiter dramatisch beschleunigt.

Wie sieht wirklich fair erzeugte Milch aus?

Es kann nicht sein, dass der Konsument den gentechnischen Anbau von Soja in Brasilien, Argentinien und Paraquay, die weitere Abholzung des Regenwaldes in Lateinamerika und den damit einhergehenden Verlust an Boden, durch höhere Milchpreise weiter subventionieren soll. Mehr Geld kann es nur für eine höhere und gentechnikfreie Qualität der Milch und für mehr Verantwortungsbewusstsein der konventionellen Landwirte gegenüber der Umwelt geben. Keinesfalls für die Abholzung der grünen Lunge dieser Erde und die weitere Ausbreitung der Gentechnik!

Konventionell wirtschaftende Landwirte können offensichtlich nur durch uns Konsumenten überzeugt werden, dass es nachhaltig betrachtet für alle Beteiligten von Vorteil ist, auf ethisch und ökologisch fragwürdiges Sojaschrot in der Tierernährung größtenteils zu verzichten und zu Futter aus gentechnikfreier einheimischer Produktion zurückzukehren. Nicht ohne Grund bekommen Biobauern deutlich mehr für ihre Milch als ihre konventionell wirtschaftenden Kollegen, denn eine biologisch ausgerichtete Wirtschaftsweise ist mehr als nur der Verzicht auf mineralischen Dünger, der den Boden langfristig ruiniert, und Verzicht auf Spritzmittel, die das Grundwasser vergiften und sich in der Nahrungskette anreichern. Biobetriebe sind Bewahrer des ihnen anvertrauten Landes, denn nichts ist in der heutigen Zeit so kostbar wie fruchtbares Land und lebendiger Boden.
  Eines der höchsten Qualitätssiegel in der Biobranche vergibt der Demeter Anbauverband. Den Demeter-Mitgliedsbetrieben ist es auferlegt, mindestens 50 Prozent der benötigten Futtermittel auf dem eigenen Hof zu produzieren. Zugekauftes Futter unterliegt strengen Qualitätsanforderungen. Demeterbetriebe sind in erster Linie dazu verplichtet, die Fruchtbarkeit des Bodens respektive die Humusschicht zu erhalten, zu pflegen und zu schützen. Dies geschieht durch regelmäßigen Fruchtwechsel und nachhaltige Bodenbearbeitung, die die Bewahrung und Pflege der Bodenmikroben miteinschließt. Prof. August Raggam hat in seinem Buch “Die lautlosen Schwerarbeiter des Weltklimas” die Bedeutung dieser Mikrolebewesen für die Bodenfruchtbarkeit und schlussendlich auch für das Klima allgemeinverständlich dargelegt.  Er schreibt: “Wir müssen … Alternativen schaffen, die dem Kreislauf- und Regelsystem der Natur nicht zuwiderlaufen. Der lebenswichtige Wasserspeicher Humus darf nicht durch Kunstdüngereinsatz zerstört werden, sondern muß mittels einer biologischen Kreislauflandwirtschaft wieder langsam aufbaut werden. Dadurch kann der bedrohliche Überschuss an atmosphärischem CO2 wieder allmählich in den Boden rückgeführt werden, der Boden kann vermehrt Wasser aufnehmen, was einen Schutz vor Flutkatastrophen bedeutet, und das Klimaregelsystem der Erde kann über die Wasser-Verdunstung der Pflanzen wieder seine Aufgabe erfüllen.”
Diese Art von Klimaschutz ist neben der Produktion von lebensbejahenden, weil gesunden Lebensmitteln eine der wichtigsten Aufgaben einer nachhaltig ausgerichteten Landwirtschaft. Konventionelle Betriebe dagegen sind nur an Höchsterträgen interessiert und nicht am Erhalt der Bodenfruchtbarkeit für künftige Generationen. Diese Entwicklung ist besonders in der Mark Brandenburg zu beobachten, wo der Boden systematisch an Fruchtbarkeit verliert und sich eine Wüstenbildung mitten in Mitteleuropa abzuzeichnen beginnt.

Durch das Treffen von bewussteren Entscheidungen können wir einiges verändern.

Wir KonsumentInnen haben die Kaufmacht und das letzte Wort!
– Kaufen wir nur noch gentechnikfreie Milch!
– Fragen wir nach, wenn wir z.B. im Cafe einen Latte Macchiato oder einen Cappuccino bestellen, ob gentechnikfreie Milch verwendet wird. Wenn nicht, was meist der Fall ist, ermuntern wir die BesitzerIn des Cafes/Restaurants, auf Biomilch aus regionaler Produktion umzusteigen!
– Ziel sollte sein, regionale Lieferstrukturen aufzubauen, um den Bio-Bauern in Brandenburg den Rücken zu stärken. Die haben es auch bitter nötig, denn deren Pachtverträge laufen 2011/12 aus und die Verpächterin, die bundeseigene BVVG, will die Flächen nun meistbietend an Finanzinvestoren verkaufen. Um das zu verhindern ist ein Landkauffonds geplant. Mehr dazu im August!

Anmerkung:

Früher ernährte die Mark Brandenburg die Bewohner Berlins vollständig. Heute nicht mehr, denn in den Weiten der Mark wird mittlerweile Futtermittel und Pflanzen-Rohstoff für Biogasanlagen produ- ziert. Dies geschieht, ohne Rücksicht auf die noch unbekannten Gefahren der Gentechnik für die Gesundheit.
Es ist höchste Zeit, dass wir BerlinerInnen angesichts der Ausweitung des Gentechnik-Anbaus im Berliner Umland unsere Augen öffnen.
Wir müssen uns klarmachen, dass es im Zeichen der weltweiten Lebensmittelkrise  keine langfristig sichere Alternativen zur regionalen Bio-Landwirschaft und damit zur Mark Brandenburg gibt.

Gen-Milch

Das Oberlandesgericht (OLG) Köln entscheidet, dass Greenpeace die Milch des Müller-Konzerns auch weiterhin als Gen-Milch bezeichnen darf, da es sich bei der Müller-Milch um ein Produkt handelt, das mit Gentechnik in Berührung gekommen ist. Dies ist bereits der dritte gescheiterte Versuch von Müller-Milch, vor dem OLG Köln Greenpeace per Gerichtsbeschluss an der Verwendung des Begriffs Gen-Milch zu hindern. Greenpeace hatte bereits im April 2004 nachgewiesen, dass die Milchkühe, deren Milch für die Produkte von Müller und Weihenstephan verwendet wird, mit Gen-Pflanzen gefüttert werden.
Hierzu steht die „Umwelterklärung 2006 der staatlichen Molkerei Weihenstephan GmbH & Co. KG“… in krassem Widerspruch!
Auszüge: “Wir achten auf Vermeidung von negativen Einflüssen auf unsere Umwelt und reduzieren unvermeidbare Umweltauswirkungen auf ein Minimum.”
“Die Staatliche Molkerei Weihenstephan bekennt sich zur ökologischen Verantwortung gegenüber der Gemeinschaft und den nachfolgenden Generationen.”
“Verantwortung von Anfang an ist der zentrale Leitsatz unserer Unternehmensphilosophie.”
Im Jahr 2000 wurde Weihenstephan durch die Molkerei Alois Müller GmbH & Co. KG übernommen. Im Jahr 2001 erhielt Weihenstephan die Zulassung für Bio Produkte!

 

Landliebe

Landliebe gehört zu den teuersten Milchmarken und kostet ungefähr 50 Cent mehr als Discounter-Milch. Mit Werbeversprechen wie „artgerechter Tierhaltung“, „strengen Kriterien der Babynahrung“ und „ausgewählten Bauernhöfen“ begründet Hersteller Campina den hohen Preis. Aber die „Qualitätsgarantie“ auf der Verpackung können Verbraucher überhaupt nicht überprüfen. Belege liefert Campina für die angeblich „höchste Qualität“ der Milch oder die „artgerechte Tierhaltung“ nicht!

Quelle: www.food-watch.de

 


 

Links:

www.oeko-navi.de
www.bio-berlin-brandenburg.de
www.greenpeace.de/themen/gentechnik/muell_milchde/.de

Bild: ©  www.fotolia.com ne_fall_photos

2 Responses

  1. Sangaran

    Milch mit Seele! Teure Milch muß nicht immer gesund sein! Es gibt viele Tricks um Milch günstig herzustellen. Wenn der Landwirt weiß, wieviel Geld er mit seinem Produkt verdienen möchte, setzt er sich hin und plant den Gewinn. Aber sind die Ziele nicht klar definiert kommt es manchmal zu planlosen oder unvernünftigen Handlungen. Nur um „mehr“ zu verdienen Gentechnik einzusetzen macht weder den Schwarztee trinkenden Konsumenten im Tempel glücklich, noch erfordert es die Kunst den Kuhstall rein wie in diesem Bild zu halten.

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